Seemannsgarn

von Torsten am 2. Juli 2008 · Kein Kommentar

in Kraut und Rüben

Während der nicht vorhan­dene Wind ein nie existie­rendes Lied von der Liebe übers Dach meiner schäbigen Kemenate pfeift, schaue ich zum Fenster hinaus und garniere scheinbar mühelos Makrelen auf der Fenster­bank. Ein Stück Makrele, ein Stück­chen Käseku­chen, abwech­selnd auf altes morsches Boots­holz gespießt und den vorbei­hu­schenden Landratten samt ihren mißra­tenen Bälgern wohlfeil an ihre Köpfe geworfen. Zack, schon wieder ein Treffer, schon wieder ein dankbarer Blick! Geschwind klaubt sich das gerade getrof­fene Mütter­chen den Makre­len­käse vom Boden, stopft ihn in die Taschen ihrer Kittel­schürze und füttert später vielleicht ihre abgerich­teten Papagei namens John F. Kennedy damit.

Lang lang ist’s her, Freunde, als meine mittler­weile müden Knochen noch fest auf den Planken, die die Welt bedeuten, standen. Damals, jaaaa, damals, als Seebär, da war das Leben noch frisch, die Luft viel gesünder, die Hafen­kneipen urig und in jedem Hafen wartete zwar keine Braut, aber doch mindes­tens ein Faß Rum auf mich. Ihr wißt schon: „Fünfzehn Mann auf des toten Mann’s Truh’, jojojo, und ‘ne Buddel vom Rum!“.

Hohoho, auf die alten Zeiten!

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