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Der Tag, an dem ich beim Isolieren des Behörden-Dachbodens auf meine Urahnen stieß

by Torsten on 13. August 2008 · 7 comments

in Amtliche Bekanntmachungen, Kraut und Rüben

Heizkos­ten, Heizkos­ten. Überall Heizkos­ten. Heizkos­ten ohne Ende. Eine gigan­ti­sche Ansamm­lung von Heizkos­ten, die vor der Behör­den­tür stehen, unfreund­lich anklop­fen und im Chor rufen „Bezahl uns! Bezahl uns!! Bezahl uns!!!“ Diese verdamm­ten Heizkos­ten!

Mein Dachge­schoß war bisher im Hochsom­mer ein Sammel­be­cken für schwül­warme Luft, der Hitze­re­kord im Schlaf­zim­mer lag bei 32° Celsius. Im Winter hinge­gen eine Fröste­lei und klamme Kälte, die mich die letzten Jahre grund­sätz­lich nur noch im Lammfell­man­tel schla­fen ließ. Gut, ich übertreibe wieder mächtig gewal­tig ein wenig, aber eines stand jeden­falls zweifels­frei fest: Abhilfe mußte her. Eine gute Idee schien mir die Isolie­rung des Behörden-Dachbodens zu sein. Und das möglichst noch vor dem Winter. Nach langer Laberei, noch länge­rer Rechne­rei und Überwin­dung der eigenen Antriebs­lo­sig­keit ging’s dann auch tasäch­lich los:

Alle Bilder sind anklick­bar, so denn alles geklappt hat!

Ideal­vor­aus­set­zung Nr. 1 zum Isolie­ren eines Dachbo­dens ist ein vorhan­de­ner Dachbo­den, idealer­weise am oberen Ende des Hauses. Das Gegen­stück hieße dann Keller, soweit sind wir aber noch nicht. Also immer nach OBEN orien­tie­ren, ich sag’s nur nochmal ausdrück­lich, weil wir anfäng­lich ganz schön lange gesucht haben…

Der Dachbo­den sollte möglichst voll mit altem Plunder, Müll, Resten von Dachzie­geln und alten terres­tri­schen Anten­nen sein, damit man auch was zu räumen hat. Ist ja sonst nur der halbe Spaß.

Voraus­set­zung Nr. 2: Dämmma­te­rial. Mit drei „m“ , auch nach der neuen Recht­schrei­bung, oder?! Früher war’s doch so, wenn ein Vokal folgte, blieb es bei zwei Konso­nan­ten, richtig?! Also heißt es jetzt „Dämmma­te­rial“ oder „Dämma­te­rial“? Wer Auskunft geben kann, soll das bitte in den Kommen­ta­ren tun. Sowas ist wichtig, extrem wichtig! Aber manch­mal … egal, ich schweife ab … Dämm-Material! Teuer das Zeug, aber hoffent­lich die Inves­ti­tion wert. Bitte­schön, ich präsen­tiere:

Voraus­set­zung Nr. 3: Zwei hochmo­ti­vierte, unglaub­lich gut ausge­bil­dete Fachkräfte, die nach reich­lich Kaffee- und Nikotin­genuß dann tatsäch­lich auch irgend­wann mal anfan­gen. Zwar nicht mit beson­ders intel­li­gen­tem Gesichts­aus­druck, aber das spielt hier auch keine Rolle. Schließ­lich geht es nicht um gut ausse­hen, sondern um gut dämmen. Und gut gedämmt ist halb gewon­nen, bezie­hungs­weise „halb gespart“. Hoffent­lich!

Voraus­set­zung Nr. 4: Getränke, natür­lich relativ gesund und absolut alkohol­frei! Und Zigaret­ten, nicht ganz so gesund, aber immer­hin trinken wir keinen Alkohol.

Zack! Zeitsprung, der Koch in der Fernseh­show würde jetzt sagen: „Ich hab da mal was vorbe­rei­tet“. So sieht er aus, der gedämmte Dachbo­den nach 2 Stunden Kampf­ein­satz. Soweit ganz ordent­lich. Die Behörde hat auf die Zwischensparrung-Dämmung verzich­tet und nur den Fußbo­den gedämmt, da dieser Teil des Hauses ohnehin nicht genutzt wird. Man könnte besten­falls einen Zwerg dort einzie­hen lassen, aber die machen mir zuviel Lärm. Ich hatte überlegt, ein Wohnungs­an­ge­bot in der Lokal­zei­tung aufzu­ge­ben: „Biete Wohnraum für Rumpel­stilz­chen. Suche Stroh“, hab den Gedan­ken aber rasch wieder verwor­fen. Wegen der Königin Kind… und außer­dem will man sich ja keine Krimi­nel­len ins Haus holen.

Jetzt fragt sich der inter­es­sierte Leser vielleicht: Wo ist der ganze Kram hin? Richtig, der ist jetzt draußen! Wo es drinnen nun so schön, schick, ordent­lich und gar ein wenig streb­sam aussieht, sieht es draußen aus wie Kraut und Rüben, Sodom und Gomor­rha, Schutt und Asche! Ein Teufels­kreis!

Nach Sichtung und Sortie­rung des vorhan­de­nen Krempels tauch­ten dann doch noch ein paar Schön­hei­ten auf, die ich hiermit voller Stolz präsen­tiere. Ganz ernst­haft und ausnahms­weise mal ohne Scheiß, ich hab ein paar inter­es­sante Dinge und Fotos gefun­den, bitte­schön: Ein Glas Pflau­men aus dem Jahre 1963. Leider ohne Glas, aber der Karton ist erhal­ten, ein Lecker­bis­sen für alle Liebha­ber nostal­gi­scher Typogra­fie.

Unter tatkräf­ti­ger Mithilfe meiner Restfa­mi­lie gelang es außer­dem folgende Perso­nen auf den gefun­de­nen Fotos zu identi­fi­zie­ren: Als erstes mein Vater, Aufnah­me­ort ist tatsäch­lich der Garten der Börde­be­hörde, das Foto muß ca. 1948/1949 entstan­den sein.

Meine Urgroß­mut­ter, echt, ohne Scheiß und ganz tatsäch­lich. Hübsche Frau!

Es kommt noch besser! Ganz links meine Ur-Ur-Großmutter, in der Mitte mein Ur-Großvater und ganz rechts außen mein Ur-Ur-Großvater. Unglaub­lich, aber wahr. Ich bin angesichts der histo­ri­schen Fundstü­cke fast ein wenig ergrif­fen. Toll!

Zum Schluß das schönste Bild. Meine Großtante Agnes, die Schwes­ter meines Großva­ters. Ebenfalls aufge­nom­men im Garten der Behörde. Das Foto muß ca. von 1940 sein. Tolles Bild, tolle Frau.

Das war’s Herrschaf­ten, ich hoffe angenehm unter­hal­ten zu haben und versi­chere nochmals: Alles echt, alles gefun­den, alles wahr!

{ 7 comments… read them below or add one }

1 Jule wäscht sich nie August 13, 2008 um 20:04 Uhr

Also erstmal- 3 M. tatsäch­lich und nur weil die Leute heute keine Regeln mehr auswen­dig aufsa­gen wollen. Dabei war die deutsche Sprache mal voll von tollen Ausnah­me­re­geln die auch auf Papier wunder­schön aussa­hen.

Die Relikte deiner Familie sind genauso wunderschön..Ich hoffe sie werden gerahmt und bekom­men einen liebe­voll ausge­such­ten Platz überm Kamin oder am Herzen..ist ja beides warm. Und dann wünschen wir uns heute auch wieder so toll auf Fotos ausse­hen zu können..
Ich habe aus meiner Jugend unend­lich viele erschre­ckende Bilder in Farbe, schlecht frisiert und gut gemeint angezo­gen und bebrillt als sollte ich nie wieder Freunde finden.

Und schau sie dir an- unsere lieben Verwand­ten sehen aus wie aus nem Film. Schön!

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2 Jens August 13, 2008 um 20:13 Uhr

Hallo Behörde! Zur Recht­schrei­bung würde ich Dämmwolle vorschlagen…ABER: Was habt Ihr denn genom­men, 120er oder 140er, wie es sich gehört? Oder ist das 120er mit höherem Dämmwert? 😎 Schöne Fotos, bei uns gab´s leider nur ne leere Pulle Diamand und ne Menge Dreck, den wir spontan oben ließen… 😳 beste Grüße!

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3 Torsten August 13, 2008 um 20:28 Uhr

Bolli, natür­lich: gerei­nigt, gerahmt, andie­wand­ge­hängt! 🙂 Ich hoffe, ich sehe in 50 Jahren auch noch gut aus, befürchte aber das Gegen­teil.

Jens, einhun­dert­sech­zi­ger!!! Dämmwert 40. Wenn, dann richtig. :mrgreen:

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4 kurt August 14, 2008 um 20:31 Uhr

mit 50,da must du ja in der zeit zurück­rei­sen 👿

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5 Torsten August 14, 2008 um 21:13 Uhr

… in 50 Jahren bin ich 86 Jahre alt, Kurt. Das heißt, ich bin dann älter als jetzt mit meinen gefühl­ten 65 Jahren. Sowas wolltest Du doch andeu­ten, oder?! :mrgreen: Na, komm Du mal wieder „hoch“ in meine Gegend, dann zeig ich Dir, wo der Bartel den Most holt. 😛

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6 zora August 15, 2008 um 10:33 Uhr

Was für schöne Fotos und was für nette Kommen­tare.
Ich frage mich nur, warum alte Fotos IMMER auf alten Dachbö­den auftauchen…Dieter hat sich übrigens überhaupt nicht verän­dert.

Es ist schade, daß du keinen Zwerg beher­ber­gen willst, weißt schon, ich hätte da noch passende Löffel und so.
Und auf diesem Wege mal kurz ein paar Grüße an Kurti und Jens!

zora

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7 Torsten August 15, 2008 um 22:47 Uhr

Liebe Zora, danke für das Angebot mit dem Löffel. Ich hab beim Aufräu­men der Küche einen Miniatur-Schneebesen gefun­den, vielleicht hast Du ja (bzw. der Zwerg) Inter­esse? Ich zeig ihn Dir beim nächs­ten Mal, ein dolles Ding! :mrgreen:

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