10 Platten für die Insel (Teil 1)

by Torsten on 15. August 2008 · 8 comments

in Musik

Die Behörde präsentiert: 10 Alben für die Insel!
Beginnen wir heute mit Teil 1,
alle Artikel aus der Reihe sind hier abrufbar.

Element of Crime – Damals hinterm Mond

Es muß ’92 oder ’93 gewesen sein, wir waren unterwegs in den goldenen Westen, um Franz‘ neuen alten Mercedes abzuholen. Für 2000 DM irgendwo im „Heißen Draht“ gefunden, angerufen, Termin vereinbart, abgeholt. Muß irgendwo bei Wolfenbüttel gewesen sein, das Auto gehörte – Klischee hin, Klischee her – tasächlich einem türkischen Gemüsehändler.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/412E70AE9QL._SL500_AA240_.jpg

Mir stand die Aufgabe zu, Franz‘ alten VW Passat zurückzufahren. Franz hat bis heute einen Plattenladen in Magdeburg, unser Kontakt ist zwar über die Jahre eingeschlafen, aber sein Laden existiert noch immer. Zum Dank für die Hilfe beim Autoholen schenkte er mir eine CD: „Weißes Papier“ von Element of Crime. Nach Hause gekommen, warf ich die CD in den Player und war fortan mit dem Element of Crime-Virus infiziert. Die „Weißes Papier“ liebe ich noch immer, ein paar Wochen später jedoch stieß ich auf das Vorgängeralbum „Damals hinterm Mond“. Müßte ich mich zwischen diesen beiden Platten entscheiden, was ich hier offensichtlich gerade muß, fiele mir die Wahl schwer. Ich würde beide Platten mit 10 von 10 möglichen Punkten bewerten, dennoch mag ich den Mond ’ne klitzekleine Idee mehr.

Die Platte ist fantastisch instrumentiert, Akustik- und Stromgitarren, Akkordeon, Geigen und natürlich Sven Regeners Trompete. Die ist die ideale Begleitung für Regeners Texte, die zwischen Beziehungsfrust und Beziehungslust, Gesellschaftskritik und Fernweh pendeln. Überhaupt, diese Texte. Feine Lyrik, immer haarscharf auf der Linie zwischen Zerbrechlichkeit und Wut tanzend, mal angenehm zurückgelehnt und entspannt, oft zynisch, immer erstklassig. „Damals hinterm Mond“, der titelgebende Song zum Beispiel: Ein perfekter Text, in doppelter Hinsicht: zum einen beschreibt er hervorragend das Ende einer Beziehung, zum anderen das Ende der Jugend. Oder „Ofen aus Glas“, die perfekte Hymne zur Selbstaufgabe und Erklärung der bedingungslosen Kapitulation vor der Liebe. Selten hat sich jemand schöner aufgegeben. Ganz großes Kino, Freunde. „Wahr und gut und schön“, ein hämischer Blick auf die Schönen und Erfolgreichen Anfang der 90er Jahre: „schöne Menschen, wo auch immer Du hinsiehst und strahlende Gesichter auf dem Männerklo …“ und gleich danach gibt’s bei „Kein Schwein auf dem Tisch“ den zweiten Rundumschlag, diesmal allerdings in die andere Richtung.
Denkt man fünfzehn Jahre zurück, da waren deutsche Texte jenseits von Lindenberg meist peinlich, oder gehörten zu einem Schlager, im schlimmsten Fall traf beides zu. Definitv auch ein Verdienst von Element of Crime und Sven Regener, das sich das geändert hat.

Der vorletzte Titel des Albums „Vier Stunden vor Elbe 1“ ist ein todtrauriger Geniestreich. Gewidmet ist der Song Helga Feddersen, der Songtitel ist dem gleichnamigen Film entliehen.

Drüben am Horizont verschwindet eine Landschaft
Ein Schnitt in die Brust ist der Abschied, doch diesmal fällt er aus
Ich will mehr für Dich sein, als eine Schleusenbekanntschaft
Diesmal mein Herz, diesmal fährst du mit

Scheiß doch auf die Seemannsromantik
Ein Tritt dem Trottel, der das erfunden hat
Niemand ist gern allein, mitten im Atlantik
Diesmal, mein Herz, diesmal fährst du mit

„Damals hinterm Mond“ ist für mich eines der besten deutschsprachigen Alben überhaupt, was die Qualität der Texte und den Stellenwert des Albums insgesamt angeht, fallen mir da bestenfalls noch die Fehlfarben mit „Monarchie und Alltag“ ein. Dazu dann mehr in Teil 2.





Element of Crime – Damals hinterm Mond
1991 – Polydor (Universal)

Blaulicht und Zwielicht / Geh doch hin / Damals hinterm Mond / Mach das Licht aus, wenn Du gehst / Rein gar nichts / Ofen aus Glas / Wahr und gut und schön / Wieder ein Tag / Kein Schwein auf dem Tisch / Vier Stunden vor Elbe 1 / Carla


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1 Frank August 16, 2008 um 12:28

Schöne Idee und schöner Beginn. Nötigt mich sofort, dieses Schmuckstück von Platte auch mal wieder zu hören. Bin gespannt wie es weiter geht.

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2 Miss Raten August 19, 2008 um 21:00

Ach, Element Of Crime, die sind so gut!
Und ich bin auch richtig gespannt, was da noch für Alben folgen.

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3 Gnomorella August 21, 2008 um 11:45

….ach, ach, ach….so ein schöner Song, so nah am Wahnsinn und so nah am Leben….muss CD kaufen gehn!

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4 Torsten August 21, 2008 um 12:28

… dann nimm die „Weißes Papier“ auch gleich noch mit, viele Leute finden die noch besser. Das Album ist ein weniger runder, ausgefeilter und mehr aus einem Guß. Beide bekommen von mir die volle Punktzahl.

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5 Andreas August 23, 2008 um 09:59

ja mein Lieber … ich kann Deine Zerrissenheit deutlich nachvollziehen, auch wenn ich mit der ‚Mond‘ angefangen habe und chronologisch mit den EoC Platten mitgegangen bin. den mond finde ich persönlich auch am besten, er ist einfach tragisch schoen und voller tiefer melancholie, mein persönlicher liebling ist dabei ‚Vier Stunden vor Elbe 1‘ … da fühle ich mich persönlich auf einem kleinen kutter (abgesehen von meiner realen seekrankheit) einsam auf dem meer und die kleiner werdenden lichter am horizont betrachtend … ganz gross ❗

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6 Gnomorella September 1, 2008 um 18:43

….mein amazon Lieferung ist heute gekommen (…normalerweise geh ich echt immer brav zu den Jungs in den Laden… ) – die CDs machen ein windiges Herz annähernd so glücklich wie Nick Hornby lesen- oder ( was die Lieferung abgerundet hat: ) “ I´m not there“ ansehen ( immer und immer wieder- weil so reichhaltig…. ) ….hoffe ich kann mich mit genannten Tips adäquat revanchieren 😉

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7 Torsten September 1, 2008 um 20:16

Freut mich, daß Du Gefallen an den Criminellen Elementen gefunden hast. Hornby geht natürlich immer und „I’m not there“ ist mit der blanchierten Cate, oder?! Die geht natürlich auch immer, könnte von mir aus auch ’ne Tanksäule spielen, ich würd’s trotzdem gucken. Danke für die freundlichen Hinweise!

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