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Trösterchen für Gutmenschen

by Zora on 16. August 2008 · 4 comments

in Zoras Bücherkiste

Die Börde­be­hörde präsen­tiert: Die erste Buch-Rezension von unserer neuen Autorin, Zora! Herzlich willkom­men und viel Spaß hier!

Stefan Scholl
„Aus dem macht ihr keinen Menschen mehr“

Kurzbeschreibung von amazon.de:
Es sind Deutschlands schlimme Kinder. Aufgewachsen in kaputten Familien, in Jugendheimen, auf Bahnhofsklos, in psychiatrischen Anstalten, verprügelt, vergewaltigt und immer wieder davongelaufen. Kindliche Lügner, Diebe, Rufmörder oder Drogendealer. In Deutschland sind sämtliche Erziehungsinstanzen an ihnen gescheitert, jetzt sind sie in der sibirischen Taiga gelandet, für ein Jahr, zusammen mit jungen deutschen Pädagogen, die wieder gesellschaftsfähige Menschen aus ihnen machen sollen. In arglosen russischen Dörfern entbrennt ein Psychokrieg: Die Erzieher kämpfen um das Vertrauen der Kinder. Die Kinder bekämpfen die Erzieher. Ein Kampf zwischen Liebe und Hass, Hoffnung und Verzweiflung. Ein deutsches Drama im bitterkalten, bettelarmen Sibirien, vor einem staunenden Publikum, das tagtäglich einen ganz anderen Kampf kämpft: um Brot und um die Zukunft seiner Kinder. Der Russlandkorrespondent Stefan Scholl ist als Berichterstatter nach Sibirien gekommen – und muss sehr schnell lernen, dass weder der russische Überlebenskampf noch der deutsche Beziehungskrieg bloße Zuschauer duldet.
Über den Autor
Stefan Scholl, Jahrgang 1962, studierte Geschichte, Slavistik und Politikwissenschaften, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München, arbeitete als Sportreporter für die „Wochenpost“ und als Moskau-Korrespondent für „Die Woche“. Heute lebt er als freier Autor in Twer/Russland und schreibt u. a. für „Facts“, „Merian“, „McK-Wissen“ und das „SZ-Magazin“.
Amazon.de-Kundenrezension:
Ich habe keine Ahnung, wie man als Laie dieses Buch liest und empfindet – ich selbst habe eine Einzelfallbetreuung als Betreuer in Sibirien hinter mir und mir spricht stefan scholl aus der Seele!! Stefan Scholl berichtet mit Liebe zu dem Thema, aber zugleich kritisch und das in einer sehr amüsanten Weise. Ich weiß nicht mehr, an wie vielen Stellen des Buches ich inne halten musste und leise kopfnickend die Beobachtungen des Autors bejahte. Tolle Leistung, die Zeit mit den Betreuern und Kids in Sibirien so in dieser Art und Weise zu verbringen und Lob an den Autor über die wahrheitsgetreue Beschreibung!!!

Dies ist ein gar tröst­li­ches Buch! Ich arbeite zwar nicht in Sibirien, sondern in einem Kinder­haus auf‚m Dorf, konnte aber schnur­ge­rade Paral­le­len zu meinem verzwei­felt pädago­gi­schen Alltag ziehen. Wie schön, dass auch in Sibirien auf ein freund­li­ches „Guten Morgen“ ein „Halt die Fresse“ nebst zielge­rich­tet gewor­fe­nen Gegen­stän­den folgt! Das aller-allerschönste ist jedoch, dass es sich um männli­che Betreuer handelt, die zugeben, ANGST vor ihren „Klien­ten“ zu haben! Männer, die fix und fertig, ausge­brannt, hilflos und manch­mal verdammt wütend sind! Und Jugend­li­che funkti­ons­tüch­tig für eine Gesell­schaft machen sollen, von deren Werten sie selbst nicht überzeugt sind. Denn gerade in der Jugend­ar­beit werden bevor­zugt männli­che Betreuer einge­stellt, weil die meist Vater­er­satz sein sollen, so schön Fußball mit den Jungs spielen können und (das sagt aber keiner) den jugend­li­chen Halbgöt­tern im Bedarfs­fall auch mal aufs Maul hauen können. Was natür­lich ein Kündi­gungs­grund ist. Und ohne gleich ein kollek­ti­ves Aufjau­len von wegen „Kinder darf man nicht hauen“ provo­zie­ren zu wollen, frage ich: Wer schützt uns, die wohlge­son­ne­nen Erwach­se­nen vor den mit Messern und Äxten drohen­den, werfen­den Kids? Na?

Fazit:

1. Das Buch sollte Pflicht­lek­türe im reali­täts­frem­den Sozial­päd­ago­gik­stu­dium werden!

2. Man darf Kinder auch mal hassen!

{ 4 comments… read them below or add one }

1 Torsten August 16, 2008 um 13:51 Uhr

Well done, dear! Herzlich willkom­men und auf gute Zusam­men­ar­beit! 😎

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2 Marcus August 18, 2008 um 17:59 Uhr

Ohne das Buch gelesen zu haben.….ich weiß schon warum ich nicht mehr im Business tätig bin.

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3 Torsten August 18, 2008 um 23:25 Uhr

Marcus, zum Thema kann ich nix wirklich kompe­ten­tes beitra­gen, außer daß ich finde, daß die Jugend komplett entglei­tet. Zumin­dest zu großen Teilen. Da scheint wohl einiges an pädago­gi­schen Konzep­ten gegen die Wand gelau­fen zu sein. Kein Wunder, Autori­tä­ten sind ja auch nicht mehr gefragt, Eltern und Kinder sind ja heutzu­tage „dufte Kumpels“. Nicht, daß ich ein Befür­wor­ter streng-autoritäter Erzie­hung wäre, aber ein gewis­ser Abstand und klare Regeln sollten defini­tiv sein. Soweit meine geschil­der­ten Inkom­pe­ten­zen. 😉

Ach ja, schön hier von Dir zu lesen. 🙂

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4 Marcus August 19, 2008 um 20:53 Uhr

Das ganze Ding fing an gegen die Wand zu fahren als der Sozial­be­reich die „Anwei­sung“ erhielt (von wem? wir wissen es noch immer nicht :mrgreen: ) ab sofort betriebs­wirt­schaft­lich zu funktio­nie­ren. Das bedeu­tet das sound­so­viel „Fälle“ in sound­so­we­nig Zeit erfolg­reich zu bearbei­ten sind. Tolle Vorgabe um die Versäum­nisse von 13 (oder mehr/oder weniger) Jahren inkon­sis­ten­ter Erzie­hung zu beheben. Na was solls, ich bin draußen und die Gesell­schaft wird sich (leider) noch wundern müssen.

Na, bei dem Thema mußte ich ja meinen Senf dazu geben 😀

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