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Buch der Woche: Buddy Giovinazzo – „Potsdamer Platz“

by Zora on 28. August 2008 · 0 comments

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„Potsdamer Platz“
Buddy Giovinazzo

Klappentext:
Berlin 1995. Auf der Riesenbaustelle am Potsdamer Platz tobt ein blutiger Verdrängungskrieg um Großaufträge. Die amerikanischen Mafiasoldaten Tony und Hardy werden nach Berlin entsandt, um einen türkischen Bauunternehmer in seinem Kampf gegen die Russenmafia zu unterstützen – und damit nimmt eine Spirale der Gewalt und Verwüstung seinen Lauf, von der man in der deutschen Hauptstadt bis dahin noch nicht einmal albträumen konnte. „Wenn der Lärm der Schüsse verhallt ist und der Staub sich gelegt hat, dann hat man das Gefühl, dieses Land durch Giovinazzos Augen ganz neu zu sehen.“
Über den Autor:
Buddy Giovinazzo, 1960 in Staten Island, New York geboren, hat schon in den Achtzigern seinen ersten Underground-Film inszeniert; danach drehte er in Deutschland für die Serien „Polizeiruf 110“ und „Tatort“. Der Filmemacher und Autor, der schon mehrere Romane veröffentlichte, lebt in Los Angeles und Berlin.



„Der PATE meets PULP FICTION“ heißt es auf der Rückseite. Jepp, und genau so ist es auch.
Wenn zwei provin­zi­elle Ameri­ka­ner von ihrem Boss Riccardo Monte­fiore mit einem Killer­auf­trag nach Berlin geschickt werden, dann kann das eigent­lich nur schief gehen. Der Ich-Erzähler Tony und der pädophil veran­lagte Hardy ballern sich durch die Stadt und hinter­las­sen schon auf Seite 18 eine ziemli­che Sauerei. Blöd nur, dass sie dabei verse­hent­lich die 14jährige Tochter eines Russenmafia-Bosses erwischen…

Berlin verliert hier den aller­letz­ten Rest Großstadt­ro­man­tik, hat weder Charme noch Charak­ter oder treffen­der gesagt: „Berlin vereint die Nachteile einer ameri­ka­ni­schen Großstadt mit denen einer deutschen Provinz­stadt …“ (Kurt Tuchol­sky, 1919).
Es geht um Geld, es geht um Macht, Intri­gen und ein bisschen auch um Liebe. Grandio­ser Lesestoff, der wie eine nicht enden wollende MG-Salve einschlägt und kaum Zeit lässt, sich die Beton­bröck­chen aus den Haaren zu schüt­teln. Jagd durch Hinter­höfe, Kugeln zählen, über Dächer sprin­gen und immer wieder toppt ein Blutrausch den anderen. Und hinter allem sitzt „die Firma“ wie eine fette lauernde Spinne – gleich­zei­tig Familie und Exeku­ti­ons­kom­mando.

Unver­hofft und chrono­lo­gisch un-logisch tauchen Kindheits­er­in­ne­run­gen auf, die erst zum Schluss ein ganzes Bild vom Killer geben – das man aber gar nicht mehr braucht, um ihn sympa­thisch zu finden. Dessen sich allmäh­lich entwi­ckelnde Skrupel sind absolut nachvoll­zieh­bar und wirken nie konstru­iert oder unglaub­wür­dig. Das stille Finale löst ein Kribbeln unter der Haut aus, das auch noch eine ganze Weile dort bleibt.

Die Dialoge sind filmreif, witzig und von wunder­ba­rer Situa­ti­ons­ko­mik. Giovinaz­zos Erzähl­stil bietet großes Kopfkino, plasti­sche Charak­tere und ausge­reifte Poesie im Stil eines Raymond Chand­ler.

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