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Überall Berufsjugendliche!

by Torsten on 23. September 2008 · 6 comments

in Kraut und Rüben

In den Zeiten des großen revolu­tio­nä­ren Umbruchs hatte ich ein Lieblings-Schimpfwort. Ich wußte damals noch nicht, das es mein Lieblings-Schimpfwort ist, ich pflege lieber im Nachhin­ein die Untugend der Verklä­rung und behaupte felsen­fest: „Berufs­ju­gend­li­cher“ war schon damals mein Lieblings-Schimpfwort.

Benannt wurde damit Egon Krenz, für nur wenige Wochen SED-Generalsekretär und Staats­rats­vor­sit­zen­der der DDR. Krenz war eine beson­dere Art der Anbie­de­rung zu eigen, diese Art von jovia­lem, kumpel­haf­tem Getue (dem Volk im allge­mei­nen und der Jugend im beson­de­ren gegen­über). In höchs­tem Maße fremd­be­schä­mend und peinlich.

Knapp 20 Jahre später frage ich mich gelegent­lich (z. B. heute), wohin uns die Berufs­ju­gend­li­chi­sie­rung (ein intel­li­gen­te­res Wort fiel mir nicht ein) noch treiben wird. Die Ochsen­knechts rennen mit grauen­haft hippen Un-Klamotten durch die Gegend, Mütter wettei­fern mit ihren Töchtern um die Höchst­zahl an Piercings, die Söhne teilen mit ihren Vätern die Tattoos und alle tragen dazu die gräßlichs­ten (und sündhaft teuren) Schuhe.

Um der weiter fortschrei­ten­den Infan­ti­li­sie­rung der Gesell­schaft zu entkom­men, habe habe ich beschlos­sen, schnellst­mög­lich alt zu werden. Hiermit beende ich heute ganz  offizi­ell meine Jugend. So sie nicht schon vorbei war, wer weiß das schon so genau. Ihr könnt mich ab heute jeden­falls Opa nennen. Wir sehen uns im Alten­heim, bringt Kloster­frau Melis­sen­geist mit und macht meinem gekränk­ten Herz eine Freude!

Mein Dank für die Inspi­ra­tion geht an die Boxhams­ters:





P. S.: Gut möglich, daß ich die Thema­tik morgen schon ganz anders sehe. Sag niemals nie. 😉

{ 5 comments… read them below or add one }

1 Alex September 24, 2008 um 08:24 Uhr

Um die musika­li­sche Unter­ma­lung dieses Eintra­ges noch zu erwei­te­ren, würde ich Rock’n’Roll Opa von den Wohlstands­kin­dern anbie­ten. So ganz neben­bei. 😉

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2 Miss Raten Oktober 1, 2008 um 13:22 Uhr

Muss ich jetzt mein Nasen­pier­cing rausneh­men, dass ich seit ewigen Zeiten habe?

Ach nöööö… ich gönne den Leuten noch ein paar Jahre Fremd­schä­men. 😈

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3 Torsten Oktober 1, 2008 um 21:01 Uhr

Nein, mußt Du nicht. Und das „Fremd­schä­men“ war nicht auf den Körper­schmuck sondern auf dieses joviale Getue bezogen. Von mir aus können alle für immer und ewig jung bleiben, nur diese peinli­che Art des nach außen darge­stell­ten Jugend­wahns (eben wie bei den Ochsen­knechts) finde ich absolut gruse­lig.

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4 Miss Raten Oktober 2, 2008 um 10:19 Uhr

Gnihihi, war auch mehr als Scherz gedacht. :mrgreen:

Hier übrigens ein paar wirklich Jungge­blie­bene anstelle solcher zwang­haf­ter Selbst­in­sze­nie­rer wie die allseits beliebte Familie Ochsen­knecht.

young@heart

Diese älteren Herrschaf­ten finde ich einfach nur genial.

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5 Torsten Oktober 2, 2008 um 11:39 Uhr

Sagte mir bis eben gar nix. Der Trailer ist ziemlich nixsa­gend, aber die Live-Videos rocken tatsäch­lich. Scheint auch live ein rühren­des bis bewegen­des Ereig­nis zu sein, wenn man die Kommen­tare auf der Seite so liest. Hier gibt es Infos in deutsch zu dem Film. Werd ich mir ansehen, danke für den Tipp!

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