Brechreiz

von Torsten am 6. Oktober 2008 · 7 comments

in Kraut und Rüben, Politik

„Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermor­dung eines Mannes gegen die Anstel­lung eines Mannes?“ (Bertolt Brecht, ‘Dreigroschenoper’)



Fast täglich verschwindet eine neue Großbank von der Bildfläche. Nun sollen in vielen Staaten die Steuer­zahler das Mißma­nage­ment der Total­ver­sager bezahlen. Die USA wollen gar den Banken alle faulen Kredite abnehmen und in einem eigens dazu geschaf­fenen staat­li­chen Zentral­ge­bilde verwalten. Selbst­ver­ständ­lich picken nun Konkurrenz-Banken noch rasch die Rosinen der geschei­terten Großbanken heraus. Der Staat, also wir Bürge­rinnen und Bürger, sollen die faulen Kredite nehmen, andere private Banken die Filet­stücke. Super, was dieser schran­ken­lose Turbo­ka­pi­ta­lismus mit all seinen bürger­li­chen Priva­ti­sie­rern, Globa­li­sie­rern und Halsnicht­voll­krie­gern zustande gebracht hat.

Anstatt die Schulden zu übernehmen, sollten wir lieber darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller wäre, die Herren vom Manage­ment für einen gewissen Zeitraum (mir schweben da so sieben Jahre vor; analog dem Zeitraum für eine Privat­in­sol­venz) mit Hartz-IV-Bezügen zu bedenken. Ausschließ­lich, als einziges Einkommen, versteht sich. Vielleicht bringt sie das ja auf den rechten Pfad der Tugend zurück. Willkommen im echten Leben!

Ach ja, natür­lich: Frau Merkel gibt eine Garantie für alle Sparer, die Einlagen sind sicher! So sicher wie die Rente!

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1 Marcus Oktober 6, 2008 um 20:57

Ich würde ja jetzt auch gerne was dazu schreiben aber da meine Laune eh schon seit Tagen auf dem Niveau eines Gefrier­fa­ches ist würde alles was ich von mir geben könnte zu sehr den Gewalt­as­pekt in den Vorder­grund stellen.

Also lass ich es lieber mal!!!

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2 Torsten Oktober 6, 2008 um 21:04

Geht mir genauso, sowohl mit der Laune als auch mit den Gewalt­fan­ta­sien. Ich will mich ja nicht strafbar machen (braver Staats­bürger, der ich bin), deshalb fehlen die Worte “Kanister”, “Knüppel”, “Bombe” und “Yuppie-Schlitten”. Sicher ist sicher.

Für ein bißchen Polemik hat’s trotzdem gereicht, die Welt ist ohnehin schon viel zu sachlich. :twisted:

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3 Miss Raten Oktober 7, 2008 um 18:51

Nehmt denn hin, was wir ersparten
und verlu­derts dann und wann.
Und erfindet noch paar Arten,
wie man pleite gehen kann.

Wieder ist es Euch gelungen,
wieder sind wir auf dem Hund,
unser Geld hat ausge­rungen
ihr seid hoffent­lich gesund.

Heiter stehn wir vor den Banken,
Armut ist der Mühe Lohn.
Bitte, bitte, nichts zu danken. Keine Angst, wir gehen schon.

Von Erich Kästner aus “Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank”

Den ganzen Text gibt’s hier

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4 Miss Raten Oktober 7, 2008 um 19:02

Noch was zum Thema

Den Song “Acker­mann” von “Deine Dose” kann man im Deine Dose Blog frei downloaden.

Auch sehr passend!

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5 Torsten Oktober 7, 2008 um 21:50

Der gute olle Erich! Ich halte den anderen guten Erich dagegen und außerdem noch ein Gesicht das nach Prügel schreit.

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6 Jule wäscht sich nie Oktober 8, 2008 um 00:49

Was für ein tolles Gedicht, ich bin begeistert..

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7 Andreas Oktober 8, 2008 um 07:05

inter­es­sant ist ja ebenso zu beobachten, wie ein politiker nach dem anderen nun schlaue reden zum thema schwingt und plötz­lich die seelige erkenntnis hat, dass das mit der wirtschaft ja SO nicht weiter­gehen kann … diese elendigen lobiis­ti­schen heuchler und betrüger sind einfach nur zum kotzen … und all die schlauen menschen, die das schon seit jahren predigen gehen hinter stein­brück, stein­meier und merkel -s geseier unter

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