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9÷11÷89

by Torsten on 9. November 2008 · 5 comments

in Kraut und Rüben, Politik

Wer seine Wurzeln verleug­net, kann nicht in den Himmel wachsen.
Oder so ähnlich.

Ich war in der Ausbil­dung, hab den Mauer­fall verschla­fen und mich am folgen­den 10. Novem­ber 1989 gewun­dert, daß ich der einzige war, der zur Arbeit angetre­ten ist. Im Minuten­takt klingelte das Telefon und die Kolle­gin­nen und Kolle­gen ließen sich für den diesen Tag entschul­di­gen und machten sich auf den Weg nach Helmstedt, Braun­schweig oder gleich nach Berlin.

„Die Mauer ist offen!“ – „Echt?“

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob auch die inner­deut­sche Grenze tatsäch­lich schon am 10. Novem­ber geöff­net war, oder ob das erst Tage später der Fall war. Ich jeden­falls war am 17. Novem­ber zum ersten Mal im Westen. Ich war nicht begeis­tert. Ich war verwirrt.

Beim zweiten oder dritten Besuch hab ich ich Helmstedt mein Begrü­ßungs­geld abgeholt. Im Nachhin­ein betrach­tet, eine umgedrehte Form eines Eintritts­gel­des: Jeder DDR-Bürger erhielt 100,- D-Mark und dafür einen Stempel in seinen Perso­nal­aus­weis. Es mutet fast schon subver­siv an, Geld zu bekom­men, statt Geld zu bezah­len. So hätte der Kapita­lis­mus weiter­ma­chen können. 😉

Naja, immer­hin ist die Kohle zu 100 Prozent wieder in der bundes­re­pu­bli­ka­ni­schen Wirtschaft gelan­det. In meinem Fall für ein Paar Motorrad-Handschuhe und einige Langspiel­plat­ten.

Fernab jeden Deutschland- und Wiedervereinigung-Wahns muß ich – auch wenn ich mir damit nicht nur Freunde mache – feststel­len, daß ich über den Lauf der Dinge glück­lich bin. Ich ziehe ein Leben im Mirdochegal-Kapitalismus jeder­zeit einem Leben in der Duckmäuser-, Gängelei- und Kleingeister-DDR vor.

Schönen Sonntach allseits.

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1 Alex November 9, 2008 um 17:37 Uhr

Das Wort Duckmäu­ser erinnert mich daran, mal wieder EA80 – Kopper­schmidt zu hören.

Und, weißt du noch, welche LPs du damals käuflich erwor­ben hast?

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2 Torsten November 9, 2008 um 21:48 Uhr

So mich meine grauen Zellen nicht trügen, müßten das folgende LPs gewesen sein:

U2 – Rattle & Hum
The Smiths – Stran­ge­ways, here we come
Sex Pistols – Never Mind The Bollocks

Irgend­wann Anfang der Neunzi­ger hatte ich dann meinen ersten CD-Player (Sony), meine ersten CDs waren

The Adicts – (Irgend­eine Live-CD)
Sex Pistols – The Great Rock’n’Roll-Swindle
The Smiths – s/t

Lang ist’s her! :mrgreen:

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3 Jens November 10, 2008 um 11:14 Uhr

Bei mir waren es noch keine Platten, aber ein Recor­der sollte es sein. Doppel­deck, abnehm­bare Boxen, Phillips. Meine Eltern haben was dazu gelegt, von ihrem kostba­ren Begrü­ßungs­geld (DANKE!) – anschlie­ßend teilten wir uns zu dritt einen Hambur­ger – für 2 Mark. Meine Erwar­tun­gen wurden nicht erfüllt. Weiß noch jemand wie ihm seine erste Milch­schnitte geschmeckt hat? Die haben uns belogen und betro­gen von anfang an. In unseren Trabi warfen sie als Willkom­mens­gruß Mars, Südfrüchte und Plastik­au­tos beim einfah­ren auf den Braun­schwei­ger Parkplatz – oh Gott, wie peinlich.

Aber ich geb Dir natür­lich recht Torsten. Wo wäre ich heute? LPG?

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4 Torsten November 10, 2008 um 21:06 Uhr

Wenn ihr euch zu dritt einen Hambur­ger teilen mußtet, hättet ihr über den Nachtisch (Mars, NSW-Obst) doch eigent­lich sehr sehr glück­lich sein müssen. :mrgreen:

Milch­schnitte schmeckt immer schon grauen­haft, wie Teppich­bo­den mit Sahne dazwi­schen.

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5 Jule wäscht sich nie November 11, 2008 um 01:13 Uhr

weil die Milchschnitte-allein weil sie Schnitte drin hat ist sie schon cool, cooler wäre aber Milch­stulle:))), im Gesamt­pa­ket so doof schmeckt nimmt man erst die eine Seite des Teppich­bo­dens ab, beisst die Milch­creme­pampe runter und isst die Böden einzeln.
Aber am besten ist es man kauft sich statt Milch­stulle einfach ne BIFI Roll, denn die muss mit. Ich weiß nicht was da drin ist aber ich werde nie nie nie aufhö­ren die zu essen, erst recht seit es die in XXL gibt.

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