Shoppen für das Vaterland

von Torsten am 17. Dezember 2008 · 8 comments

in Kraut und Rüben, Politik

Gestern trieb mich die Angst vor der Rezes­sion in unseren örtlichen Elektro­nik­fach­markt. Zuvor war ich bei der Bank um mich mit dem nötigen Großgeld für meine Shopping­tour ausstatten zu lassen. Auf Pump versteht sich, ich nahm einen Kredit über mehrere zehntau­send Euro auf.

Die Pferde vor meine alte Holzkut­sche gespannt, nahm ich den Weg über die Stand­spur der A2. Im Elektro­f­ach­markt meines größt­mög­li­chen Unver­trauens angekommen, packte ich sofort einen jungen und hochmo­ti­vierten Verkäufer am Schla­witt­chen, um mich ausführ­lich beraten zu lassen.
Zunächst brauchte ich ein neues Fernseh­gerät. Meines läuft zwar noch, aber darum geht es ja nicht. Wir müssen alle Opfer bringen, Opfer für den Aufschwung, und das TV-Gerät sollte mein erstes Opfer an diesem Nachmittag werden.
Der Verkäufer zeigte mir eine Regal­wand mit den neuesten Flach­bild­schirmen. Das er mir zuerst die Geräte mit weniger als 100 cm Bildschirm­dia­go­nale präsen­tierte, war Anlaß für meine erste Rüge. Ich machte ihm unmiß­ver­ständ­lich klar, daß ich nicht für irgend­welche Kinker­litz­chen in seinem Markt wäre. Ich wäre gekommen, um RICHTIG einzu­kaufen, und wenn ich RICHTIG sage, dann würde er doch wohl wissen, was ich mit RICHTIG meinen würde?! Er nickte vielsa­gend und meinte daraufhin, wir würden diesen „Anfänger-Scheiß“ jetzt mal hinter uns lassen.

Er führte mich eine Etage höher zu den „wirklich guten Teilen“. Das gefiel mir schon besser, Geräte mit mindes­tens 150 cm Bildschirm­dia­go­nale, vollaus­ge­stattet mit HD, selbst­rei­ni­gendem Bildschirm, Mikro­welle und Eiswürfel-Bereiter. Ich entschied mich für das größte und teuerste Modell und ließ mir davon drei Stück einpacken.

Auf dem Nachhau­seweg sah ich zufällig ein Opel-Autohaus und dachte mir, daß ich denen eigent­lich auch noch helfen könnte. Ich bestellte mir (da leider nicht vorrätig) einen Großraum­mi­ni­v­an­li­mou­si­nen­kombi mit 4.0-V12-Dieselelektrogasaggregat in Vollaus­stat­tung. Da der Wagen erst in 6 Wochen gelie­fert wird, nahm ich auf die Schnelle noch einen Corsa mit. Man will ja guten Willen zeigen.

Zuhause angekommen, nagelte ich die drei Monster-Bildschirme gleich an die Wände. Auf dem mittleren ließ ich die DVD-Box „Angela Merkels schönste Bundes­tags­reden (1990−2008)“ laufen. Auf dem zweiten ein in Photo­shop erstelltes Stand­bild von Peer Stein­brück mit vielen Euro-Noten im Hinter­grund. Auf dem dritten lief in Endlos­schleife eine kurze Sequenz mit Norbert Blüm und seiner Aussage „Die Rente ist sicher!“. Mit Ausru­fe­zei­chen nach jedem Wort.

Für das Wochen­ende plane ich die vollstän­dige Sanie­rung meiner Hofein­fahrt samt direkter Anbin­dung an die Autobahn 2. Infra­struktur und so … ihr wißt schon. Wer also Lust hast, sich ein paar Tausend Euro dazuzu­ver­dienen – ihr wißt ja, wo ihr mich errei­chen könnt.

Ähnliche Artikel

{ 7 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

1 Frank Dezember 17, 2008 um 09:26

Genau, Schluss mit der Heulerei und in die Hände gespuckt. Nur so gehts.

Schwer beein­druckt verbleibt mit bestmög­li­chen Grüssen

Frank

Antworten

2 Marcus Dezember 17, 2008 um 20:09

Ich wusste das diese beschis­sene Super­wurst uns nicht retten wird. Das kann nur die Bördebehörde.

Antworten

3 Jens Dezember 17, 2008 um 21:01

Super, HÖCHSTFORM!

Ich kann übrigens Pflas­tern! Einen Knacker besorge ich auch! Also, wann geht’s los am Wochen­ende???? Hast Du schon eine Rüttel­platte – wenn nicht Dirk hat bestimmt Connections.

Antworten

4 Torsten Dezember 18, 2008 um 07:31

Nix da, Marcus. Es liegt an uns allen. Am besten also gleich einen Termin bei Deinem Bankarsch machen, ‘nen dicken fetten Kredit zum Einkaufen aufnehmen. Irgendwie muß dieses Land ja wieder auf die Beine kommen; aller­dings erst, nachdem es umgefallen ist. Wenn man den Medien glauben darf, wird es ja bald soweit sein. Bauen wir also präventiv schon mal Autobahnen, immer in Richtung Horizont…

Antworten

5 Jule wäscht sich nie Dezember 18, 2008 um 12:49

Wir werden Berech­nungen nach sowieso die Verlierer der Gesell­schaft sein in 30 Jahren. Alters­armut, keine Renten. Also ist es eh komplett egal. Oder ab heute alles für die Rente sparen und mit 65 sterben.

Antworten

6 Jule wäscht sich nie Dezember 18, 2008 um 12:52

Ach ja..ich würde das Buffet mit Lachs­schnitt­chen, Beluga Kaviar und Schampus machen. Und mit Knollen­weise echtem Trüffel.

Antworten

7 Marcus Dezember 18, 2008 um 18:51

Torsten, Du weißt doch, bei meiner Bank habe ich quasi Hausverbot. Die Konjunktur muss es ohne mich schaffen :mrgreen:

Antworten

{ 1 trackback }

Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: