Atlas der deutschen Alltagssprache

by Torsten on 7. Januar 2009 · 3 comments

in Kraut und Rüben

Guten Tag, Grüezi, Grüß Gott, Servus, Moin Moin und Hallo!

Seit mehreren Jahren nimmt die Behörde an einer jährlichen Umfrage zum regionalen Sprachgebrauch in den deutschsprachigen Ländern  (Deutschland, Österreich, der Schweiz, Norditalien, Liechtenstein und Ostbelgien) teil. Durchgeführt wird das Projekt von der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg.

Wozu das Ganze?

Lebendige Sprachen wie das Deutsche befinden sich in ständigem Wandel. Mit dem Projekt „Atlas zur deutschen Alltagssprache“ soll zum einen die aktuelle Vielfalt des Deutschen erfasst und anschaulich auf Karten dargestellt werden. Durch den Vergleich der alten mit den entsprechenden neuen Sprachkarten aus der gegenwärtigen Interneterhebung können zum anderen Veränderungen des Sprachgebrauchs in den letzten 30 Jahren nachvollzogen werden. Die Daten schaffen damit die Grundlage für Aussagen zur aktuellen Variation wie auch zu Entwicklungstendenzen des Deutschen.

Wie wird erhoben?

Die verschiedenen regionalen Varianten werden über Internetumfragen, also per indirekter Methode, an fast 500 Ortspunkten in Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, Südtirol, Ostbelgien und Luxemburg erhoben. Dabei wird nicht nach der individuellen Gebrauchsform der Internetnutzer gefragt, sondern nach dem „normalen örtsüblichen Sprachgebrauch“. In den Umfrageformularen, die online zugänglich sind und auch online ausgefüllt werden, gibt es zu jeder Frage sowohl vorgegebene Antwortmöglichkeiten als auch ein Freitext-Feld, in dem weitere Angaben gemacht werden können.

Die Ergebnisse der Umfrage(n) werden nach regionaler Aufteilung sortiert. Das heißt, man kann beispielsweise ersehen, wie der Putz- oder Scheuerlappen in München („Putzlumpen“), Hamburg („Feudel“), oder Niederösterreich („Bodenfetzen“) genannt wird. Ebenso interessant ist vielleicht, daß der Ausdruck „Kaff“ für ein abgelegenes Dorf ausschließlich in der Region Magdeburg und in Teilen der Schweiz gebraucht wird. Woanders sagt man beispielsweise „Kleinkleckersdorf“ (Großraum Hamburg), „Hintertupfingen“ (Raum Stuttgart) oder „Pusemuckel“ (Raum Köln) zur „Pampa“ (auch Köln).

Wer sich also nur ein kleines bißchen für regionalen Sprachgebrauch und interessante deutsche Worte interessiert, sollte der Philologisch-Historischen Fakultät der Uni Augsburg unbedingt mal einen Besuch abstatten und dabei am besten gleich selbst an der aktuellen Umfrage teilnehmen. Dann erfährt man z. B., das der Radiergummi auch Ratzefummel, Bürogummi, Ratschefummel oder Ratscher genannt wird.

Aktuelle Umfrage (Sechste Runde)

Atlas zur deutschen Alltagssprache (Startseite)

Ergebnisse der ersten fünf Runden (links jeweils das Wort auswählen)

Auf Wiedersehen, Adios, Servus und Tschüß! Wer nicht mitmacht, wird verkloppt!

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1 Jellyfish Februar 10, 2011 um 18:19

„Ebenso inter­es­sant ist vielleicht, daß der Ausdruck „Kaff“ für ein abgele­genes Dorf ausschließ­lich in der Region Magde­burg und in Teilen der Schweiz gebraucht wird.“ – halte ich fuer Unsinn; der Ausdruck ist sowohl in Hessen als auch im Ruhrgebiet weit verbreitet.

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2 Torsten Februar 13, 2011 um 19:48

Wenn dem so ist, lieber Jellyfish, gehen herzliche Grüße aus meinem Kaff in Dein Kaff!

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