Hamburg vs. Zerbst oder „Wer sich ins Privatfernsehen begibt, kommt darin um.“

by Torsten on 17. Januar 2009 · 9 comments

in Kraut und Rüben,Politik

Die Magde­burger Volks­stimme macht heute mit der schönen Schlagzeile

Sachbe­schä­di­gungen am Haus und Belei­di­gungen gegen Familie,
die im RTL-II- “ Frauen­tausch “ auftrat

„Land-Ei“ trifft „Stadt-Tussi“: Zerbster demons­trieren nach TV-Sendung

auf.

Es geht darum, daß die Stadt Zerbst im Rahmen der Sendung in einem schlechten Licht darge­stellt wird. Während man von der Zerbster Familie und ihrer Stadt nur die dunklen, ungepflegten und gruse­ligen Ecken zeigt, sonnt man sich in Hamburg an der Außen­alster und genießt den nordwest­deut­schen Luxus.

Daraufhin haben sich 50 Zerbster zur Spontan-Demo vor dem Haus der Familie entschlossen und sind inzwi­schen dazu überge­gangen, das Haus mit Eiern zu bewerfen und Farbe zu besprühen. Es kann also bis zu den ersten Mahnwa­chen und Fackel­um­zügen nicht mehr lange dauern. Gruselig.

Nach Ansicht der zugehö­rigen Youtube-Schnipsel der Sendung scheint mir das Problem eher ein anderes zu sein: Statt „Ost gegen West“ oder „arm gegen reich“ geht es wohl eher um „dumm gegen gebildet“. Wenn man sich die Zerbster Familie so anschaut, wird einem Angst und Bange. Mangelnde Bildung, mangelndes Inter­esse am eigenen Kind, Konflikt­un­fä­hig­keit und die nicht vorhan­dene Fähig­keit, das eigene Leben einiger­maßen ehren­haft zu meistern, lassen sich eben nicht an Identität, Herkunft oder Wohnsitz festmachen.

Darüber­hinaus scheint niemandem aufge­fallen zu sein, daß die „westdeut­sche“ Familie eigent­lich eine Mini-EU-Familie aus einer gebür­tigen Polin und einem gebür­tigem Franzosen ist. Egal, das kann man im Eifer des herbei­ge­sehnten Ost-gegen-West-Krieges natür­lich getrost unter den Tisch fallen lassen.

Bin gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt.

Vorstel­lung der Zerbster Familie auf Youtube:

Mehr Youtube-Ausschnitte aus der Sendung gibt es hier.

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{ 9 comments… read them below or add one }

1 jule wäscht sich nie 17. Januar 2009 um 13:09

Erstens verstehe ich nicht warum die Familie schuld ist dass die Stadt in einem schlechten Licht darge­stellt wird..die sollen ihre Eiere doch lieber in Köln gegen den Sitz der Produk­ti­ons­firma werfen..was macht das denn für einen Sinn?
Und ich warte seit Jahren darauf dass bei diesem reality format mal endlich jemand totge­schossen oder kranken­haus­reif geprü­gelt wird..das genau wäre die Maximie­rung dieses schäbigen Formates..ich glaube wir kommen dem im TV immer näher. Natural Born Killers ..ab dem 5.12.2009 bei RTL2.

2 Alex 17. Januar 2009 um 13:12

Eier, Flaschen zu werfen und fremde Häuser­wände zu besprühen zeugt auch nicht gerade von Intel­li­genz. Damit werfen diese Zerbster ein fast ähnliches Licht auf ihre Stadt wie jene, wobei es wohl doch eher von RTL² so darge­stellt wurde …

Mh…

3 jule wäscht sich nie 17. Januar 2009 um 13:13

Boahhhhh allein der text der bei der Vorstel­lung verlesen wird ist schon der Hammer. Sie mag es lieber gemüt­lich und verbringt ihre Zeit auf der Couch..na was soll man dazu sagen..schämen sollten sich die Macher der Sendung dieses Elend auch noch gnadenlos auszuschlachten..wie traurig. Die Menschen sind ja auch so ungebildet dass sie gar nicht merken wie gedemü­tigt sie werden.

4 Torsten 17. Januar 2009 um 13:43

Eier, Flaschen und weißichwas gegen das Haus der Familie zu werfen ist dumm. Und nicht beson­ders weit von einer Pogrom­stim­mung entfernt. Wenn ich in der Zeitung lese, daß „50 Zerbster vor dem Haus demons­trieren“ wird mir Angst und Bange.

Was ich immer noch nicht begreife: Wie kann jemand nach all den Jahren Privat­fern­sehen und Reality-TV immer noch nicht begreifen, daß er sich (in diesem Fall rede ich von der Familie) den Löwen zum Fraß vorwirft?! Die haben doch überhaupt keine Chance, sind der Verwert­bar­keit und dem aufge­drückten Image komplett ausge­lie­fert. Anstatt dort einen Frauen­tausch zu veran­stalten, hätte man wohl eher die Super-Nanny mit ein paar Famili­en­the­ra­peuten im Schlepptau schicken sollen.

Naja, das das RTL2-Konzept aufge­gangen ist (und das der Zerbster Bevöl­ke­rung auch), zeigt allein schon der Umstand, das wir hier darüber reden. ;-)

5 Ecki 17. Januar 2009 um 20:34

An diesem Haus haben die Eier ja nix zu suchen, aber da sieht man mal wie es immer noch zu geht. Arm gegen Reich oder vielmehr Ost gegen West. Das erlebe ich hier auch immer noch… Ich wohne in Garbsen bei Hannover… man wie lange ist das her ? 20 Jahre? Boh

6 Gnomorella 18. Januar 2009 um 13:43

„Bild Dir Deine Meinung“-
oder wie war das gleich?
Willkommen in der schönen medialen Wirklich­keit !
.…inter­es­sant ist die Frage, wann sich die Katze endlich in den Schwanz beisst, und all die, die ihre Meinung und Infor­ma­tionen haupt­säch­lich aus diesen Formaten speisen, feststellen, dass sie selbst die Haupt­ak­teure sind.
Sozusagen Fernsehen, das sich selbst erhält-
traurige Welt ist das !

7 Torsten 18. Januar 2009 um 20:16

„BILD Dir unsere Meinung“, genau. Unsere Lokal­zei­tung verkommt ohnehin immer mehr. Auf Seite 1 der Mob von Zerbst und im Lokal­teil Rentner Rümpels Karnickelzüchter-Scheiße. Das ist die mediale Wirklich­keit der Provinz.

Bin am Wochen­ende zu der Einsicht gelangt, daß man den Bär immer noch am Ring in der Manege rumführt, und zwar solange, bis er bricht. Für mehr kotzende Bären. Und für Bären, die ihre Dompteure in Stücke reißen.

8 Gnomorella 19. Januar 2009 um 16:21

.…hm, die Idee mit den kotzenden Bären gefällt mir.… ;-)

9 Zu erfragen 29. Januar 2009 um 22:25

Das, was ich nach den Meldungen in der Lokal­presse auf Youtube sah, war weder „Ost gegen West“ noch „arm gegen reich“, sondern ausschließ­lich „durch­schnitt­lich gut gebildet gegen bildungs­re­sis­tent“ … und dies mit allen denkbaren Folgen.

Erbärm­lich, dass sich Bürger finden und formieren, deren Lösungs­an­sätze in Sachbe­schä­di­gung münden … noch erbärm­li­cher, dass sich ein Bürger­meister dazu herab­läßt, diese Farce zu politisieren.

Der TV-Sender hat das getan, was jeder noch so kleine Unter­nehmer zu leisten versucht - er hat Geld verdient.

Über die Methoden läßt es sich sicher treff­lich streiten.

An der veröf­fent­lichten Proble­matik ändert dies Nullkommanichts!

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