web analytics

Nur kurz Kippen holen

by Torsten on 29. Januar 2009 · 2 comments

in Kraut und Rüben, Politik

Ein Wunder, ein Wunder! Der Archi­tekt Marc Aretz hat bei der Vorbe­rei­tung von Sanie­rungs­ar­bei­ten im Leipzi­ger Stadt­teil Reudnitz eine vor 20 Jahren verlas­sene Wohnung aus DDR-Zeiten entdeckt.

Als er die Tür im dritten Stock aufschloss, stand er mitten im Alltag der DDR: Alube­steck und Plastik­ge­schirr, „Vita“-Cola in der Origi­nal­fla­sche, „Marella-Delikateßmargarine“, dazu halb zerfres­sene Brötchen im Dederon-Netz. Der Wandka­len­der zeigte den August 1988. Knapp 40 Quadrat­me­ter unberührte DDR, eine kleine Sensa­tion. Beim Betrach­ten der Wohnung fühlte sich Aretz ein wenig wie ein Archäo­loge, der die Terrakotta-Armee ausgräbt: „Man sieht diese banalen Alltags­dinge heute ja schon wie einen archäo­lo­gi­schen Fund, wie in einer histo­ri­schen Schatz­kam­mer“, sagt der 44-Jährige. (Quelle)

Die zwanzig Jahre alte Wohnung erlaubt nun einen authen­ti­schen Blick in das Leben in der DDR, die Marken­pro­dukte würden jedem Ostal­gie­shop zur Ehre gerei­chen: „Karo“- und „Juwel“-Zigaretten, „Rügener fisch­hal­tige Paste“, „Elkadent“-Zahncreme, „Strumpf­füß­linge“ von Esda. Auch eine leere Flasche „Kristall Wodka“, im Volks­mund „Blauer Würger“ genannt, wurde gefun­den. Ein Bad gab es nicht, statt­des­sen ein Klo die halbe Treppe tiefer.

Der Bewoh­ner brach offen­sicht­lich überstürzt auf oder wollte „nur kurz Kippen holen“. Diverse gefun­dene Briefe und die unauf­ge­räumte Bude sind Beleg dafür. Schuld könnte aber auch sein vielleicht mangeln­der Ordnungs­sinn sein; an dieser Stelle müssen wir mutma­ßen.

Man könnte geneigt sein, die ganze Sache für einen Schwin­del zu halten aber der Entde­cker beteu­ert hartnä­ckig die Authen­zi­tät seines Fundes. Vielleicht ist die ganze Sache auch als PR-Gag vom MDR insze­niert, der just dieser Tage sein neues Zeitgeschichte-Portal „Damals im Osten“ startet. Auf dem gibt’s zwar noch nicht allzu viel zu sehen, aber wir behal­ten euch im Auge, Genos­sen!

Schade, daß es nicht viele Fotos der Bruch­bude zu sehen gibt, ein paar sind in den Links versam­melt.

welt.de – Verlas­sene DDR-Wohnung in Leipzig entdeckt
t-online.de – Archi­tekt entdeckt verlas­sene Wohnung
sueddeutsche.de – Archi­tekt entdeckt DDR-Wohnung

{ 1 comment… read it below or add one }

1 jule wäscht sich nie Januar 29, 2009 um 23:50 Uhr

Ach herrlich..damals in Leipzig sind wir auch durch alte verlas­sene Buden geirrt nachts und haben uns angeschaut was es da noch zu sehen gab. und klo auf halber treppe war einfach standard.

Antworten

Kommentar verfassen

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: