Über die Begrüßung

by Torsten on 7. Februar 2009 · 3 comments

in Kraut und Rüben

Es schallt ein Gruß durch die Rabatten, ein Gruß den wir schon gestern hatten:

„Guten Morgen Siegfried!“ – „Guten Morgen Horst!“

Erinnert sich noch jemand an den Film Delicatessen? Da kam es vor, daß sich Postbote und Bürgermeister mit ihren Berufsbezeichnungen begrüßten: „Guten Morgen Postbote!“ – „Guten Morgen Bürgermeister!“ Eine schöne Sitte, die auf dem Lande immer noch gepflegt wird. Wenn auch mit Abwandlungen, wir grüßen uns beim Vornamen. Zum einen, weil das höflich ist und gut klingt, zum anderen, weil die Demenz hier in großen Schritten voranmarschiert. Hört man seinen eigenen Namen täglich mindestens einmal und weiß darüberhinaus den des Nachbarn noch, ist alles im Lot. Dr. Kawasakis (oder wie auch immer sein Name ist, der Doktor möge mir verzeihen!) Gehirnjogging auf Nintendo XL (oder wie das Ding heißt, die Firma möge mir verzeihen!) – Pustekuchen! So neumodischen Tinnef brauchen wir hier nicht!
Darüberhinaus ist das gegenseitige Vornamengrüßing (neues Trendwort, gerade erfunden!) auch Zeichen einer vorhandenen Sozialkompetenz und eines gewissen Interesses an der Dorfgemeinschaft. An letztgenannter sollte man zwingend interessiert sein, sonst hat man eventuell einen schweren Stand oder gilt als unkooperativer Eigenbrötler mit mindestens drei Leichen im Keller. Das können sprichwörtliche Leichen sein oder gern auch mal echte. Allerdings sieht man den Leuten, die tatsächliche Leichen im Keller haben, diese Leichenhaberei meist gar nicht an. Das sind immer diejeningen, von denen die Nachbarn dann später in den RTL-Nachrichten behaupten „von dem hätte ich das nie gedacht!“. Diese fadenscheinige Erkenntnis wird den Nachbarn dann auch noch mit ein Paar Silberlingen ver- genau! -silbert.

Kommt der gütige Herr Landgraf mal zu Besuch (immer sonntags!) um seine umfangreichen Ländereien zu inspizieren, fällt solch vertraute Begrüßung natürlich aus. Da macht man brav einen Diener oder einen Knicks und formvollendet die Geste der Unterwürfigkeit mit einem „Einen feinen guten Morgen wünsch ich, gütiger Herr Landgraf!“. Dann guckt der gütige Herr Landgraf ganz zufrieden und anschließend auf seine Ländereien. Wenn alle Kartoffeln und Rüben noch da sind, hat man weiter nichts zu befürchten. Zum Abschied wirft der gütige Herr Landgraf immer einige Pfennige in die spalierstehende Menge und zum Dank dafür schallt ihm ein tausendfaches „Vergelt’s Gott, großartiger Herr Landfacharbeiter!“ entgegen.

So sind wir, immer freundlich, immer höflich. Und immer frisch gewaschen.

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1 DifferentStars Februar 8, 2009 um 16:06

Dieses ständige begrüßen, selbst von Unbekannten…musste ich mir nach meinem Umzug vom Lande nach Berlin schnell abgewöhnen.

Grüße mal die Leute beim Betreten eines U-Bahnwaggons… pures Entsetzen und Angst, dass ich gleich ein Messer zücke waren die Folgen.

Im Wartezimmer meines Arztes  wollte mich gleich einer mit nach Hause nehmen…mein Einwand ich habe einen Freund (zu der Zeit gelogen) beeindruckte den nicht – er habe auch ne Freundin – macht doch nichts – kam gleich die Erwiderung.

Ach…als ich dann noch ne Gruppe von Typen vorm Spätkauf nen Guten Abend wünschte wurd’s fast gefährlich…gilt wohl hier in Berlin als direkte Aufforderung….

Blödes Grüßen lass ich jetzt!

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2 Torsten Februar 10, 2009 um 07:49

Grüß Dich!

(Siehste, hier passiert nix schlimmes!)

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3 kacknorris Februar 11, 2009 um 20:36

berufsbedingt grüße ich gefühlte 400 mal am tag. ..hm..so gesehen bin ich dann doch froh, in einer kleinstadt zu leben, das ist nicht so unpersönlich, o.k. was für eine binsenweisheit.  moloch  berlin ist halt härter. rau und (?) herzlich, oder nur rau.

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