Der gute Landfilm: Eden Lake

by Torsten on 18. April 2009 · 3 comments

in Der gute Landfilm

Nach längerer Zeit mal wieder eine Landfilm-Rezension an dieser Stelle. Eden Lake heißt das Werk, ein Survival-Psycho-Horror-Redneck-Movie, das aber nicht in den Südstaaten der USA sondern vielmehr irgendwo in Großbri­tan­nien spielt:

Ein beschau­li­cher See irgendwo im engli­schen Nirgendwo. Steve (Michael Fassbender) will seiner Freundin, der Kinder­gärt­nerin Jenny (Kelly Reilly), dieses idylli­sche Plätz­chen bei einem Ausflug zu Füßen legen, um später auch noch um ihre Hand anzuhalten. Doch schon die Anreise aus London sorgt für leichte Irrita­tionen. Die Bewohner des See-nahen Dorfes, wo die beiden zunächst übernachten, sind Fremden gegen­über alles andere als freund­lich einge­stellt. Aber das ist schon wieder vergessen, als das Paar am nächsten Tag am abgele­genen Eden Lake sein Zelt aufschlägt. Die Zweisam­keit erfährt jedoch ein abruptes Ende, als eine Gruppe von Dorfju­gend­li­chen wenige Meter neben Steve und Jenny am See Stellung bezieht. Steves Versuch, die Stören­friede zur Räson zu rufen, schlägt fehlt. Die Halbstarken machen sich einen Spaß daraus, stehlen Steves Auto und sein Handy. Als er sie zur Rede stellen will, werden Messer gezückt, es kommt es zu einem Handge­menge, in dem der Hund der Einhei­mi­schen getötet wird. Steve und Jenny suchen das Weite, doch die jungen Dörfler formieren sich zu einem tobenden Mob, der das Paar um ihr Leben fürchten lässt… (Quelle)

Das Thema ist nicht unbedingt neu, dennoch fällt mir kein Film ein, in dem es so hart und intensiv zur Sache geht. Jugend­liche und Erwach­sene als Feinde in einem blutigen Überle­bens­kampf wurden wohl noch nie so hart und eiskalt in Szene gesetzt. Gerade in einer Zeit der Debatten über aggres­sive Jugend­ge­walt ist der Film ein - wenn auch überhöhtes - Beispiel dafür, wie schnell eine Situa­tion kippen kann und aus - alter­tüm­lich formu­liert - „Halbstarken“ reißende Bestien werden.

Eden Lake zeigt genau dieses Szenario und das in einer schockie­renden Heftig­keit. Die ersten 30 Minuten des Films bauen hier sehr gekonnt die Geschichte auf, die eher harmlos beginnt, bevor sie dann schlag­artig eine beklem­mende Stimmung entfaltet. Die zu Tage tretende Gewalt und Gefühls­kälte der Jugend­li­chen versetzt den Betrachter in einen Zustand der Fassungs­lo­sig­keit. Vor allem Brett, der Anführer der Gang, zeichnet sich hier durch erschre­ckende Grausam­keit aus. Ganz im Einklang dazu steht sein dikta­to­ri­scher Führungs­stil, der einige seiner zweifelnden Freunde dazu bringt, selbst Initia­tive bei der Jagd auf die Erwach­senen zu ergreifen. Er läßt die Grausam­keiten mit einem Handy filmen, um seine Kumpane nötigen­falls unter Druck setzen zu können. So kommt es, das alle Jugend­li­chen mitma­chen und alle Skrupel über Bord werfen. Gerade Jack O’Connell, der die Figur des Brett spielt, überzeugt hier durch eine erstklas­sige darstel­le­ri­sche Leistung, man nimmt ihm die Rolle vollkommen ab und hasst ihn bereits nach maximal 20 Minuten Laufzeit. So ging es mir zumin­dest. Gerade das ist die große Stärke des Films: alle Darsteller liefern eine so realis­ti­sche Leistung ab, das man sich teilweise mitten im Film, statt nur davor, wähnt.

Der Horror findet trotz einiger brutaler Szenen weitge­hend im eigenen Kopf statt; ein Umstand, den ich bei Filmen sehr schätze. Ist doch die hohe Kunst der Andeu­tung viel höher zu bewerten, als die oft langwei­lige und meist ekelhafte blutige Schlach­te­plat­tenäs­thetik diverser Horrorreißer.

Beson­ders schockie­rend ist das tragi­sche und überaus hoffnungs­lose Ende des Films. Kompro­mißlos, knall­hart und weiter als weit von einem Happy End entfernt.

Fazit: Schwache Gemüter sollten Eden Lake meiden, es handelt sich um wirklich starken Tobak. Nach Sichtung sollte man sich außerdem ein bißchen Zeit nehmen, den Film „sacken zu lassen“. Ein inten­siver und schonungs­loser Survial-Reißer, einer der besten seit vielleicht 28 Days Later. Ein Film, der Spuren hinter­lässt, der nachdenk­lich macht und wie ein Schlag in den Magen des Betrach­ters hängen bleibt.

Kino.de

P.S. Ich weiß von zwei bis dreien der Behörden-Leser, daß sie im sozialen Bereich mit sogenannten Problem­ju­gend­li­chen arbeiten. Bitte meidet diesen Film.

Ähnliche Akten aus dem Keller der Behörde:

{ 3 comments… read them below or add one }

1 LaraSue 28. Januar 2010 um 12:32

Eden Lake, ist der beste Film aller Zeiten & Jack O’ Connell spielt einfach fantastisch!

2 jule wäscht sich nie 28. Januar 2010 um 15:18

Der Kleine im blauen Shirt ist der Kleine aus This is England..wie cool ist das?

3 Schatten 29. Januar 2010 um 17:39

wieso ist dieser film bisher an mir vorbei­ge­gangen??? unver­schämt­heit, der sieht geil aus :)

und @jule … du hast vollkommen recht, da isser wieder der kleine rabauke :D

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