Jupiter Jones – Urlaub in Oberursel

by Torsten on 30. Mai 2009 · 4 comments

in Kraut und Rüben, Musik

Neulich hat sich ein Leser bei mir beschwert, in der Behörde würde zuviel lobgepriesen. Man solle doch bitte mal miese Platten besprechen, zumindest gelegentlich. Kein Thema – bitteschön, alles für die Zielgruppe!

Jupiter Jones – das sind fünf Hanswürschte aus irgendeiner vergessenen Provinz (interessiert mich gerade nicht, wo die Herren herkommen). Die Band fiel bereits mit dem mehr als bemühten und jedem Textflow ins Gesicht spuckenden Titel „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich“ ihres vorletzten Albums negativ auf. Klarer Fall von Wir-suchen-einen-coolen-Albumtitel-uns-fehlt-aber-der-Geist-dazu. Das können andere besser.

Doch nun zum aktuellen Werk – „Holiday in Catatonia“: Da glaubt man, der Deutschrock von Westernhagen, Maffay & Co. hätte sich vollkommen zu Recht in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. Pustekuchen! Jupiter Jones schaffen es tatsächlich, den alten Zombie mit ihrem neuen Album zu reaktivieren. Da steht er nun, der alte Zombie, schlenkert mit den Armen und hat es inzwischen schon vom Friedhof aus bis in die Fußgängerzone der Innenstadt geschafft. Mit Glitzertuch um den Hals, zu engen Hosen und Chucks. Da steht er nun, im Kreise seiner Verwandten: Den künftigen Sozialamts-Sachbearbeiterinnen und Verwaltungsfachangestellten. Alle anders, alle gleich. Er fiedelt und gniedelt ein paar Soli auf seiner Leadgitarre und knödelt dazu wie Wolf Maahn in seinen besten Zeiten: schönklingende Texte, deren Inhaltswert bei ziemlich genau NULL liegt. Ein Trauerspiel sondergleichen, das mich merkwürdigerweise aggressiv macht. Wir sehen uns in irgendeiner Arena vor 50.000 Goldkehlchen zum Hartmut Engler-Gedächtnisabend. Bis dahin!

Kleine Kostprobe nachfolgend. Wem das noch nicht gruselig genug ist, der sollte sich das neue Unplugged-Album der Sportfreunde Stiller reinziehen. Das ist mindestens genauso übel.



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1 Alex Mai 30, 2009 um 14:32

Miese Platten besprechen ftw

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2 Jens Mai 30, 2009 um 17:08

Ja, die Scheiß Tapete hat es in meinem CD – Player auch nur einmal durchgehalten…..die erste Platte hab ich doch öfter gehört und irgendwann vergessen – am 26.06. schau ich sie mir trotzdem mal im Stadtpark an, das läßt sich auch nicht vermeiden :mrgreen:
Der Song ist grausam – liegt aber denke ich wirklich fast nur am Gesang. Das Bild ist aber auch nicht unlustig!

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3 SomeVapourTrails Juni 1, 2009 um 21:25

So sehr ich deine Aggressivität bezüglich der Band teile und eine negative Review für die einzig mögliche halte, interessiert mich aber doch, was um Himmels willen die Sportfreunde verbrochen haben, um mit diesen Jungs in einen Topf geworfen zu werden.

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4 Torsten Juni 1, 2009 um 21:43

Hi Chris, im wesentlichen drei Punkte:

1. Die Intonation des Sängers. Ganz schlimm, geht gar nicht. Jedes Versmaß mißachtend, meine Ohren quälend, mit der lyrischen Tiefe einer Flunder. Absolut peinlich.

2. Die Optik und Attitüde. Die ganze Band ist grauenhaft häßlich. Besonders schlimm ist die „Frisur“ des Sängers.

3. 33, 45, 90, 2011… und die ganze andere Fußball-affine Scheiße.

Total unsachlich, ich weiß. Aber manchmal spürt man tief innen drin, daß das nie was wird, mit der Liebe zu einer Band. 😉

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