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Aufgelesen: Schöne Konsum-Produkte und Mutti Arcandor

by Torsten on 9. Juni 2009 · 10 comments

in Aufgelesen, Politik

KONSUM – „Kauf ohne nachzudenken schnell unseren Mist“, so lautete die wenig schmeichelhafte Volksmund-Bezeichnung für die Konsumgenossenschaft der DDR. Die Genossenschaft betrieb neben dörflichen Lebensmittelgeschäften auch größere Kaufhäuser bzw. Kaufhallen und war nach der HO die zweitgrößte Handelsorganisation der DDR. Das Wort Konsum spricht man in diesem Zusammenhang übrigens mit Betonung auf dem „o“ („Konnsumm“).

Nach 1990 wurden diverse kleinere regionale Genossenschaften gebildet, die in großen Teilen der neuen Bundesländer bis heute existieren. So z. B. auch mein geliebter Dorfkonsum, welcher stets Weinbrand, Zigaretten und formschöne Unterwäsche für mich bereithält. Wie ich auf den Konsum komme? Arcandor ist pleite. War im Prinzip auch nichts anderes als ein Konsum, nur ein bißchen größer, ein bißchen kapitalistischer und ein bißchen verwirrender. Weil nämlich bei diesen ganzen Dachkonzernen bald niemand mehr weiß, wer eigentlich wozu gehört bzw. in welchen Konzern involviert ist. So war Arcandor beispielsweise Mutti für u. a. Karstadt, Quelle, den Reiseveranstalter Thomas Cook und den TV-Sender HSE 24. Außerdem gehört das KaDeWe in Berlin und der Billigflieger Condor dem Konzern. Nun, ich hab schon länger kein Karstadt-Warenhaus mehr besucht, auch bei Quelle hab ich nix bestellt. Meine Verbindungen zu Arcandor halten sich also in engen Grenzen.

Um ehrlich zu sein, ich wollte eigentlich gar nicht mit Arcandor anfangen. Ich wollte stattdessen lieber diesen Artikel und die Fotostrecke hier zum Thema DDR-Alltagskultur empfehlen, die wecken nämlich schöne Konsum-Erinnerungen. Gute Unterhaltung!

{ 10 comments… read them below or add one }

1 jule wäscht sich nie Juni 9, 2009 um 17:43

Herzlichen Dank Torteloni. Das hab ich heute gebraucht. Ich vermisse die Brötchen für 5 Pfennig und das Eierliköreis aus dem Plastikbecher. Sogar unser 300 Seelendorf hatte einen schicken kleinen Konsum inklusive BGH, das ehemalige OBI, Bauhaus, Praktiker des Ostens. Ich finde das Glasgeschirr einfach bezaubernd und die kleine Kamera. Bei Mutti und Vati im Schlafzimmer steht noch solch ein formschönes Transistorradio. schlicht und trotzdem sehr elegant.

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2 Marcus Juni 9, 2009 um 20:18

Ja, das hat meine Oma früher auch immer gesagt, „…ich geh‘ mal in den Konsum“. Im tiefsten Schwaben! Ich möchte meine kleinen Lädchen zu denen man nicht ewig fahren muss und die so witzig riechen wieder zurück. Ich will Dinge die ich kaufen möchte anfassen bevor ich sie kaufe. Wißt ihr noch wie ein richtig guter Plattenladen riecht…? Arcandor und Amazon und alle andern A********er können mich mal. Und vor allem möchte mal wieder gesund werden!

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3 Torsten Juni 9, 2009 um 20:38

Jule, Du meinst die BHG! Da hatte ich kurz nach der Wende sogar mal mein Konto, haha!

Leute, wir sind zu retro. Wir müssen vorwärts gucken, sonst enden wir in Verzweiflung! Eröffne morgen eine Selbsthilfgruppe: „Hilfe, ich habe ein Retro-Blog!“ 😉 The good old stinkende Plattenladen, der fehlt mir wirklich!

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4 Marcus Juni 9, 2009 um 20:56

…und 5 Mark die Single!

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5 jule wäscht sich nie Juni 9, 2009 um 22:25

Retro is the new future und wir sind die Trendsetter. Sehnt sich nicht jeder nach der guten alten zeit in seinem Leben. Schliesst ja auch nicht aus, dass noch bessere zeiten vor uns liegen. Aber ab und an innehalten und mal schmunzeln über die ruhigen trendfernen Zeiten ohne Styledruck darf ja wohl drin sein.

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6 Marcus Juni 10, 2009 um 08:15

Als krank zu Hause habe ich derzeit viel Zeit. Also habe ich meine 20 Jahre alten Spex und Zap durchgeblättert (Kommentar meines Sohnes bei einer der wenigen farbigen Seiten „….das gabe es ja sogar schon Farbseiten…“) und es war schon wie heimkommen. Nein, ich möchte nicht mehr 20 sein aber ein paar Entwicklungen machen mir schon Angst. Z.B. der Abgesang auf physikalische Tonträger. Also gut CD’s sind mir egal, aber kein Vinyl mehr, also da müßte ich mich dem bewaffneten Untergrund anschliessen (ach, den gibt es ja gar nicht mehr…).

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7 Annalena Juni 10, 2009 um 09:08

Hätte man sich mal etwas kontinuierlicher auf die Vorzüge der guten alten Zeit besonnen, wären solche Horrorkonzerne wie Arcandor wohl gar nicht erst entstanden, aber es musste eben alles einfach immer größer und bis ins unendliche aufgeblasen werden. Den Konnsumm will ich nicht unbedingt zurück, aber mehr Individualität im Einzelhandel würde wohl niemandem schaden, ganz im Gegenteil. Vielleicht sollten die Beschäftigten der einzelnen Karstadtabteilungen einfach jeweils zusammen kleine Spezialgeschäfte aufziehen, das hätte wohl mehr Zukunft als irgendwelche durchgerechneten Rettungspläne in Managementordnern.

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8 Torsten Juni 10, 2009 um 11:43

@ Annalena: WORD!

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9 Jens Juni 10, 2009 um 22:41

Hey, der Plattenladen befindet sich seit dieser Woche in meiner Straße – ich weiß noch nicht wie er riecht, aber unsere Platten hat er noch, laut Gespräch ;-))) Er kann sie behalten und damit sein 17 Jahre altes Geschäft am Leben erhalten. Den Konsum will ich auch nicht zurück….mir reicht der Spätshop gegenüber und der kleine Tante Emma nebenan völlig aus. Also, die kleinen netten Lädchen befinden sich vor meiner Nase. Ich lad Euch ein, dann gehen wir gemeinsam shoppen…
Zu viel Retro ist bestimmt nicht schön, ohne dem geht’s auch nicht. Danke Torsten…Karstadt wird auch bei uns schließen, ich geh da eh nie hin – aber die Geschäftsidee von Annalena find ich auch gut, dann brauch ich nicht zu Dir kommen Torsten, wenn die Unterwäsche erneuert werden muss….

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10 Schatten Oktober 21, 2009 um 15:13

mein Grossvater hat im Übrigen den Konsum (als Organisation) mit aufgebaut in der Nachkriegszeit … der kannte als ich Kind war immer die halbe Stadt, immer stand er mit irgendwelchen leuten da und redte über gott und die welt 🙂  und ich stand als hosenmatz daneben und staunte

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