Rock’n’Roll im Stadtpark

by Gunnar Roß on 26. Juni 2009 · 9 comments

in Musik

Liebe Freunde des geschrie­benen Wortes,

hier bin ich für euch, live vor Ort mit meinem exklu­siven Erleb­nis­be­richt zum Event des Jahrtau­sends, dem Rock im Stadt­park Magde­burg. Meine Gruppe und ich, wir sind bereits um 11.00 Uhr mit dem Reisebus angekommen. Wir wollten uns die besten Plätze möglichst dicht vor der Bühne sichern. Das Wetter hält sich bis dato, liebe Freunde, es ist zwar ein wenig schwül, aber wir haben genug Orangen­saft dabei. Außerdem Ferngläser (zur Sicher­heit), Klein­geld (zum telefo­nieren), Camping­ti­sche (zum dran essen) und die richtige mentale Einstel­lung (zum abfeiern).

Das Haupt­pro­gramm begann um 13.00 Uhr mit einer jungen, radio­aktiv verstrahlten Forma­tion aus dem schönen Morsleben. Letzter Wille gaben sich die Ehre und hoffent­lich noch nicht denselben. Geboten wurde dem zu dieser Uhrzeit noch recht spärlich vertre­tenen Publikum eine elegante, noncha­lante und leicht marode Mischung aus Heavy Pop, Polka und Tanztee­blues. Am Mikro ein junger Herr ohne Brille, begleitet von vier ansehn­li­chen Damen in Schaffnerinnen-Kostümen der Magde­burger Verkehrs­be­triebe. Die jungen Pop-Polkisten wußten das Publikum recht profes­sio­nell zu unter­halten, es durfte geschun­kelt, gelacht und auch geworfen werden. Nämlich mit liebrei­zenden Blicken. Von dieser jungen Gruppe würde ich gern noch mehr sehen, vielleicht ergibt sich ja bald mal wieder die Gelegen­heit. Für heute jeden­falls war’s mehr als ausrei­chend. Dank an die Künstler!

Anschlie­ßend der alte Butter­vogel adolar, benannt nach der gleich­na­migen ungari­schen Salami. adolar machen guten alten Jazz-Hop mit ausrei­chend Hardcore- bzw. MOSHan­teil. Also nicht so weich­ge­spültes PopRocky-Zeuchs, sondern recht origi­nellen, authen­ti­schen und guten deutschen Schlager. Das habe ich alles vom Infof­lyer abgeschrieben, da ich leider während des adolar-Konzertes auf der Toilette weilte. Ich hab die vegeta­ri­sche Bratwurst nicht vertragen. Sorry!

Ab 14.35 Uhr gab’s dann endlich meine heißge­liebten Favoriten von Jupiter Jones. Schon ewig höre ich deren Platten rauf und wieder runter, doch bisher hatte ich noch nie die Gelegen­heit, diese furiose Rockfor­ma­tion live zu erleben. Nun war es endlich soweit. Und, was kann ich anderes sagen, Freunde, ich wurde nicht enttäuscht! Geboten wurde von der ersten bis zur letzten Minute famoser und aller­feinster Deutsch­rock vom Besten. Klasse Texte, super Gitar­ren­soli, herrlich grenz­wer­tiger Gesang. Ja, Jupiter Jones allein waren schon die lange Reise wert! Beim letzten Titel „Wir sind ja schließ­lich und überhaupt schon mal gar nicht Metal­lica, mein lieber Freund!“ ging’s dann auch noch einmal richtig ab: Eine gigan­ti­sche Wall Of Death erstreckte sich von der untersten Stufe der Haupt­bühne bis weit hinüber zur MS ‘Württem­berg’. Das ist ein Schiff, daß im Stadt­park angelegt hat. Ich erwähne das nur für alle Nicht-Magdeburger. Kommt doch mal vorbei, die Stadt hat echt schöne Ecken aber einen ziemlich schlechten Ruf. Naja, ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, sagte meine Schwie­ger­mutter mütter­li­cher­seits immer. Doch zurück zu „JJ“, wie sie liebe­voll von ihren Fans und Verwandten gerufen werden: Wenn die so weiter­ma­chen, sind Sie irgend­wann auf Platz 2 meiner „Die belieb­testen Künstler aller Zeiten von guru_mosh“-Liste angekommen. Gleich nach Peter Maffay!

Dann war POGO angesagt. Pogo ist ein Modetanz aus der Ukraine, um 1960 vom damaligen ukrai­ni­schen Staats­rats­vor­sit­zenden Walter Kamschatka erfunden. Pogo tanzen viele, aber den besten Pogo tanzen die Fans von fugalo. fugalo hießen früher Fugazi, mußten aber das „zi“ gegen ein „lo“ tauschen, weil sie bei der Buchsta­ben­kon­troll­kom­mis­sion der GEMA vergessen hatten, die Zi-Lizenz zu bezahlen. Ian McKaye ist aber inzwi­schen ausge­stiegen, weil ihn das „lo“ zu sehr an seine Ex-Frau JLO erinnerte. Die waren mal verhei­ratet, aber das darf keiner wissen! JLO war früher ein ganz schön scharfer Feger, aber jetzt ist sie im Zivil­leben tätig und normal.
Der Auftritt von fugalo hat mir gefallen, die Musik war tanzbar und nicht zu laut. Die Bassistin hatte eine Mütze auf und der Schlag­zeuger hieß wohl Adolf?! („Adolf, leg’ einen vor, wir wollen dem Publikum tüchtig einheizen, mein Bester!“)

Was nun folgte, waren Radio­pilot. Radio­pilot sind ein Volks­kuns­ten­semble aus Schweden. Sie haben sich bereits 1876 gegründet und existieren seitdem in wechselnden Beset­zungen. Die Musik war nicht so ganz meine Tasse Smøre­brød, obwohl ich alle Astrid Lindgren-Opern selbst kompo­niert habe! Naja, man muß eben auch Zugeständ­nisse an andere Geschmä­cker machen und die vierzehn eigens angereisten Schweden aus Limbach-Oberfrohna hatten sicht­li­chen Spaß. Circle Pit ohne Ende, diese skandi­na­vi­schen Machos … hihihi.

Anschlie­ßend hatte ich Blick­feld im Blick-Feld. Eine roman­ti­sche Liebes­ka­pelle aus Traun­stein an der Unter­wesel. Blick­feld machen entspannten Chill­schlager mit Bluegrass-Einflüssen. Nicht übel, aber irgendwie auch nicht gut. Also quasi dazwi­schen. So auf halbem Wege zwischen TOLL und NAJA, irgendwie mitten zwischen „reden wir besser nicht drüber“ und „so übel sind die aber gar nicht“. Meine Gruppe jeden­falls fand Blick­feld toll, aber die jagen sonntags auch Rehe im Park. Darf man alles nicht überbe­werten, die Welt ist groß und die Geschmä­cker sind vielschichtig.

Was nun folgte, waren Bilder von Fotos. Gleich­na­mige Combo hielt nämlich fortwäh­rend A3-formatige Ausdrucke mit Landschafts­auf­nahmen in die Höhe. Dazu riefen die Musikanten „Was seht ihr? Was seht ihr?“ und wir antwor­teten im Chor „Fotos! Fotos!“. Toller Gag, hat echt richtig Fun gemacht, sich mit so Stars mal unter­halten zu können. Die Musik von Fotos gefällt mir auch gut, ist nicht so anstren­gend aber schön. Geht so ein bißchen in die Richtung groovy­groo­miger Blues­schlepprock. Nicht übel! Der Sänger hat ganz schön lange Haare, die konnte er super schwenken! Die anderen waren eher so spacig drauf, mit Rauman­zügen aus Asbest oder Ballklei­dern aus Schur­wolle. Ein junges putziges Lamm hatten sie auch auf der Bühne. Haben sie aber GSD* in Ruhe gelassen! Bin ja großer Tierfreund!

Mutabor sind laut einer Freundin „gegen die Tabletten“. Das bin ich nicht ausschließ­lich, deshalb habe ich die Gruppe boykot­tiert. Dazu hatte ich mir ein Schild gemalt, mit einem griffigen Slogan drauf: „Diese Gruppe ist gegen Tabletten! Können Tabletten aber unter Umständen nicht vielleicht sogar Leben retten? Bitte um Deinen Diskus­si­ons­bei­trag!“. Leider verstanden die Mutabor-Fans keinen Spaß und so mußte ich mit meinem Schild ganz schön über die Elbwiesen flitzen, um beim Kapitän der oben erwähnten ‘Württem­berg’ Schutz zu suchen. Selbiger bot mir gleich zur Erfri­schung und Aufwär­mung eine Portion Labskaus und einen Grog an. Wir tranken dann noch bis spät in die Nacht und sangen Seemannslieder.

Turbo­staat habe ich mir nicht angesehen, diese Art von Rockmusik („Punk“) ist mir zu hart.

Eine gelun­gene Veran­stal­tung, ich freue mich schon auf das nächste Jahr!

Mit freund­li­chen Grüßen
Gunnar Roß


Ähnliche Akten aus dem Keller der Behörde:

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1 Marcus 26. Juni 2009 um 21:44

Sehr geehrter Herr Roß, gut das Sie sich diese „Turbo­staat“ nicht angeschaut haben. Die Freundin meiner Nachbarin mütter­li­cher­seits glaubt nämlich gehört zu haben das es sich bei diesen „Menschen“ um äh Nilihi.….äh.….nein.…Nihilisten handelt.

2 Jens 27. Juni 2009 um 13:38

Mensch Günther, Jupiter Jones haben doch erst nach Ende des Festi­vals in einer kleinen Kneipe am Hassel gespielt.…ansonsten gehe ich voll und ganz mit.

3 Alex 27. Juni 2009 um 16:01

Kleine Kneipe, … genannt Stern in der Stern­straße :D

4 Gunnar Roß 27. Juni 2009 um 16:09

Sehr geehrte Herren,

1.) mein Name ist Gunnar, nicht Günther!
2.) Ich weiß nicht, auf welcher Veran­stal­tung Sie zugegen waren. Beim gestrigen „Rock im Stadt­park“ Magde­burg (Sachsen-Anhalt, BRD, Europa, Erde) jeden­falls habe ich Jupiter Jones live erleben dürfen!

Mit freund­li­chen Grüßen,
Gunnar Roß

5 Jens 28. Juni 2009 um 18:17

Oh, Schul­di­gung - natür­lich Gunnar.…Vielleicht war ich auch im Koppe nicht mehr ganz Herr meiner Ohren. Ich war jeden­falls nicht im Stern…also könntest Du vielleicht doch recht haben.

Alex, bist Du etwa da gewesen? Dann hätten wir uns ja wieder verpasst.…

6 Alex 28. Juni 2009 um 20:41

Nee, ich war weder  im Pehsieben noch im Stern. Aber Turbo­staat war verdammt nochmal zu kurz :D

7 Jens 29. Juni 2009 um 06:50

Ja, viel zu kurz!!!! Aber verdammt gut, wie immer - trotz Rockstars. Haben die nochmal gespielt im P7? Weißt Du was?

8 Marcus 1. Juli 2009 um 14:36

Sehr geehrter Herr Roß,
es scheint Sie sind hier mit Menschen konfron­tiert die Ihre Aversion was diese Verbre­cher­musik (Zitat von siehe oben) angeht nicht teilen.
Seien Sie sich gewiß das Ihnen mein Beileid gehört.
Mit freund­li­chen Grüßen
Der König der Blasmusik

9 Alex 1. Juli 2009 um 17:39

Angeb­lich haben TS noch im P7 gespielt. ‘N Kumpel war da. Naja, nächstes Jahr wird alles besser :D

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