Kleine Entscheidungshilfe

by Torsten on 25. September 2009 · 15 comments

in Kraut und Rüben,Politik

Am Sonntag ist es soweit: Es darf mal wieder gewählt werden. Als kleine Einstim­mung auf das Wahlwo­chen­ende eine Sammlung der schönsten Wahlwer­be­spots aus 50000 Jahren deutscher Geschichte:

Beginnen wir mit einem Klassiker: Dieter Hilde­brandt, Dschungel-Königin Ingrid van Bergen und andere Gestalten spielen „Freiheit oder Sozia­lismus“ für die Sozis. Und das zu einer Zeit, als das „S“ in SPD tatsäch­lich noch für „sozial“ bzw. „sozial­de­mo­kra­tisch“ stand.

Während 9/10 der CSU-Stammwählerschaft wohl auf der „größten offenen Drogen­szene der Welt“ feierten, wurde Oma Wilfings­eder aus Nieder­tupf­ingen zum Rapport zum König Minis­ter­prä­si­denten Bayerns bestellt. Sie hatte keine Chance, FJS laberte die unter­wür­fige und besorgte Rentnerin in Grund und Boden. Wolf im Schafs­pelz, das soll das Stich­wort sein. ;-)

Zum Abschluß mein Lieblings­spot. Die Grünen zur Bundes­tags­wahl 1980. Inklu­sive dem schönsten aller Wahlsätze: „Das sind noch Menschen wie Du und ich, Annegret!“. Ganz großes Laiendarsteller-Kino!

Wer mehr braucht, sollte sich unbedingt die Histo­ri­schen Wahlwer­be­spots (3 Teile) auf Youtube ansehen. Rapper Jan Delay, die Journa­listen Fried­rich Nowottny und Klaus Kleber, Schrift­stel­lerin Thea Dorn sowie Kamera­mann Michael Ballhaus kommen­tieren die schönsten Wahlwer­be­spots aus 9 Millionen Jahren Evolu­tion in Deutsch­land. Gute Unter­hal­tung und gute Wahl für den Sonntag!

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{ 15 comments… read them below or add one }

1 Alex 25. September 2009 um 19:29

1976 wurde am Tag der Deutschen Einheit gewählt. Auch toll, wie im dritten Video die Schnitte erfolgen. Erinnert mich an einen Diaabend :D

2 jule wäscht sich nie 25. September 2009 um 20:59

Das ist doch mal wirklich realsatire..und wieso weiss ich nicht dass die Indus­trie das Rhein­wasser vergiftet? Ich geh da baden und so! Die Grünen sind auch nicht mehr dass was sie waren. Und wenn bald der Dom einstürzt klatsche ich Applaus. Ach ja, die Grünen..heute sitzen die auch in Betonburgen.

3 Marcus 26. September 2009 um 02:44

Wir hier müssen gar nicht wählen, es herscht immer noch die Monar­chie in Baden-Württemberg.…

4 Torsten 26. September 2009 um 09:05

@ Alex: Die Welt ist voller Dille­tanten. Macht aber nichts, immerhin haben die Grünen genau so mal angefangen und sind heute etabliert. Schaut man sich beispiels­weise die Wahlwer­bung der Hirnam­pu­tierten von der NPD an, wird man ähnlichen Dille­tan­tismus finden. Hoffen wir nur, daß sich jene niemals auch nur irgendwo etabliert.

@ Jule: Der „Marsch durch die Insti­tu­tionen“ forderte seine Zugeständ­nisse. Leider hast Du mit den Beton­burgen recht; aber auch leider ist das wohl der einzig gangbare Weg von den Wurzeln der außer­par­la­men­ta­ri­schen Opposi­tion zum Bionade-Biedermeier. ;-)

@ Marcus: Übernimm Du doch bitte die Regent­schaft, wenn ich den Oettinger sehe, muß ich immer „!)=§(?=“§$/=)/§$?()=“§(?=.

5 SomeVapourTrails 26. September 2009 um 11:56

Man sollte nicht immer nur auf die etablierten Parteien schimpfen, denn oft bauen Newcomer noch mehr Mist. Hier noch schnell eine Entschei­dungs­hilfe:
http://www.lieinthesound.de/2009/09/zeit-furs-kielholen-ein-aufruf-gegen-die-piratenpartei/

6 Torsten 26. September 2009 um 12:21

Die Piraten wähle ich nicht, vielleicht irgend­wann mal, aber nicht 2009. Die sind mir zu ausschließ­lich digital, ich brauch mehr analogen Input. ;-) Außerdem haben sie nur Männer in ihren Wahllisten, meiner Meinung nach braucht es mehr Frauen in der Politik.

Darüber­hinaus halte ich das Rumge­bashe auf den Piraten in eurem Artikel für überflüssig, aber ich weiß: Urheber­rechte sind sicher wichtig und außerdem eines eurer Lieblings­themen… Bei der Bundes­tags­wahl geht’s aber nicht um illegale Downloads sondern (für mich) darum, möglichst Schwarz-Gelb zu verhin­dern. Hugh, ich habe gespro­chen. :cool:

7 Schatten 26. September 2009 um 13:14

< krabbelt da inhalt­lich dem Thosten hinterher … mir fehlt bei den Piraten auch noch der inhalt­liche Tiefgang, aber vll. entwi­ckelt sich da noch etwas mit der Zeit …
für alle die noch ein wenig mehr Poltik wollen: http://www.plundrich.de/Krabbelkiste.html da gibts noch ein paar stati­sche Bildchen (nix animiertes ;) )

8 SomeVapourTrails 26. September 2009 um 13:27

Schwarz-Gelb verhin­dert man meiner Meinung nach nur, wenn man vernunft­be­gabte Mitte-Links-Wähler hinter den derzeit im Bundestag vertre­tenen Parteien schart. Und da fürchte ich durchaus, dass die Piraten hier vielleicht das entschei­dende Prozent kosten könnten. Ich bashe auch nicht auf die Piraten, sondern versuche der Kunst­feind­lich­keit des Inter­nets entge­gen­zu­wirken. Dass andere Themen (Mindest­lohn als unabding­barer Faktor sozialer Gerechigt­keit) die absolute Essenz für eine Wahlent­schei­dung darstellen, könnte ich lang und breit ausführen, würde aller­dings die gesteckte Thematik inner­halb meines Blogs verfehlen.

9 Torsten 26. September 2009 um 13:49

@ Schatten: Vorhin schon bewun­dert, toll, daß Du die Flyer noch hast! Hätte gern bei Dir einen Kommentar hinter­lassen, aber leider gibt es dazu keine Möglichkeit…

@ SVP: Mindest­lohn sollte Konsens sein, alles andere ist inakzep­tabel. Das Internet würde ich eher als kunst­freund­lich beschreiben, kunst­feind­lich sind nur die illegalen Downloads. Von der Musik mal abgesehen: Wo sonst läßt sich kostenlos soviel tolle Kunst (Street Art z. B.) bestaunen; an Orten, an die man ohne Internet nie im Leben kommen würde?! Mein Satz mit dem Bashing war vielleicht etwas derbe formu­liert. Jeden­falls ist mir die einsei­tige Beschrän­kung der Piraten­partei auf digitale Themen (samt ein paar Alibif­los­keln zum Offline-Leben) für eine Bundes­tags­wahl einfach zu wenig. Die große Kunst in diesem Jahr wird also sein, taktisch wählen zu müssen, aber trotzdem noch in den Spiegel schauen zu können … oder so.

10 Schatten 26. September 2009 um 14:00

jaaa … ich hab keine ahnung wie ich ne Kommen­tar­funk­tion einbauen kann … muss da wohl noch ein bisschen rumguggn, wie sowas geht :(

11 jule wäscht sich nie 26. September 2009 um 14:17

Also was das Gehalt von Künst­lern betrifft frage ich mich schon manchmal was bei einigen von ihnen das unver­hält­nis­mässig hohe Gehalt recht­fer­tigt. Klar sollen die ihr Geld verdienen aber das sollte alles im Rahmen bleiben und einige haben einfach nicht das Recht rumzu­jam­mern, dass sie seit dem Internet nicht mehr so viel verdienen. Ich finde es auch toll wenn künst­le­ri­sches Gut frei und ohne grosse Kosten zugäng­lich ist.

12 SomeVapourTrails 27. September 2009 um 08:29

@jule wäscht sich nie
Dir ist aber klar, dass du von 0,5 % der Künstler sprichst. Die meisten können von der Kunst (insbe­son­dere Musik) gerade mal so leben (wenn überhaupt).
 
@ Torsten
Dass Internet ist als Medium durchaus kunst­freund­lich, aber die meisten User wollen nicht erkennen, dass sie mit einer Will-umsonst-haben-Mentalität dem Künstler die Existenz­grund­lage entziehen und damit die künst­le­ri­sche Bandbreite eher ausdünnen als zu fördern.

13 jule wäscht sich nie 27. September 2009 um 10:14

Ja aber kann denn die Durch­schnitts­be­völ­ke­rung nicht auch gerade mal so vom Gehalt leben? Das ist nun mal die Realität. Und ich wüsste nicht wo dann genau der Unter­schied zwischen einem Musiker, Maler oder Metztger ist.

14 Marcus 27. September 2009 um 10:58

Torsten, ich arbeite daran, schliess­lich hat sich dieses Bundes­land lange genug in der Öffent­lich­keit blamiert!

15 Vero 28. September 2009 um 11:00

Die alten Wahlwer­be­filme sind echt klasse! Ich wusste bisher nicht mal, dass es so was damals schon gab - und dann auch noch so richtig lang und mit Inhalt (!) gefüllt. Was den Inhalt betrifft, könnte sich da moderne Politik wirklich mal ein Scheib­chen von abschneiden. Dann würden die Parteien vielleicht auch selbst mal wieder merken, wie inhaltslos sie selbst (und somit auch ihr Wahlkampf) geworden ist. Auch diese Art Lehr-Video von den Grünen fand ich gar nicht schlecht - da versteht jeden­falls auch noch der letzte Hartzi, wofür die eigent­lich stehen!

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