Grußwort zum Tag der Deutschen Einheit

by Torsten on 3. Oktober 2009 · 10 comments

in Kraut und Rüben,Politik

Manchmal hilft nur fremd­schämen. Als ich heute mit meinem Pferde­fuhr­werk auf der Bundes­straße 245 zwischen Hakens­tedt und Haldens­leben die Ortsdurch­fahrt Bebertal passierte, sah ich am Fenster eines Hauses eine riesige DDR-Fahne flattern. Am Tag der Deutschen Einheit wollte der Fahnen­ver­ant­wort­liche wohl ein deutli­ches Zeichen setzen, ein Zeichen aus der und für die Vergan­gen­heit. Dummer­weise hatte ich gerade heute meine Kamera nicht dabei, es wäre ein schönes Foto geworden.

Ich kann mich erinnern, die Fahne dort schon öfter gesehen zu haben. Wahrschein­lich holt der Hausbe­sitzer sie pünkt­lich jedes Jahr zum 3. (vielleicht auch zum 7.?) Oktober hervor und hisst das gute Stück an seiner Fassade. Es darf also eine gewisse Konti­nuität angenommen werden; das Thema und das State­ment scheinen ihm wichtig zu sein.

Wie auch immer, gäbe es weniger Beton­köpfe auf beiden Seiten der Mauer, wären wir heute vielleicht schon ein Stück weiter. Auf der einen Seite die Frustrierten, Geschei­terten, Enttäuschten und Verbohrten; auf der anderen Seite die Kosten-/Nutzen-Analytiker, die Kosmo­po­liten und die Besitzstandswahrer.

Ohne den Tag der Deutschen Einheit irgendwie wichtig zu finden, bin ich froh, das die DDR Geschichte ist.

Passend zum heutigen Tag, ein kleines nostal­gi­sches Relikt mit durchaus inter­es­santen Blick­win­keln und Erinne­rungen: „Die East Side-Story“ von elf99, die Geschichte vom Ende der DDR. Hier direkt als 10teilige Playlist, gute Unterhaltung.



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{ 10 comments… read them below or add one }

1 jule wäscht sich nie 4. Oktober 2009 um 11:18

Meine Empfeh­lung zur Thematik. Scheint ein guter Film zu sein auch wenn es mich immer wieder erschreckt wie viele Menschen sich all den Dreck zurück­wün­schen. Ich hätte auch gern die DDR wieder-aber die vom November ´89.
http://www.heimatkunde-der-film.de/trailer.html

2 Schatten 5. Oktober 2009 um 08:36

danke für die vielen wahren worte!
es sind tatsäch­lich auch in meinem empfinden, beide seiten die immer­noch so große probleme mit der anerken­nung des ist-zustandes haben … wobei es sich für mich abzeichnet, dass es so viele junge leute im „osten“ sind, die auf der ostwelle reiten und bei den jungen leuten hier im „westen“ höre ich niemanden „scheiss ossis“ sagen, umgekehrt schon … ich bin froh dass es die ddr nicht mehr gibt und trotzdem gibt es momente der wehmut, jedoch meine persön­liche erkenntnis ist: man darf diese wehmut nicht verwech­seln mit der erinne­rung an die eigene jugend … manchmal passiert es mir, das ich sehnsüchtig nach damals schiele, aber das hat mit der unwie­der­bring­li­chen entfer­nung von jugend, von unbeküm­mert­heit zu tun, dingen die es also diesseits und jenseits der mauer gibt und gab

3 jule wäscht sich nie 5. Oktober 2009 um 09:58

Also was das Bild betrifft dass westdeut­sche von ostdeut­schen haben muss ich schon manchmal schlu­cken. Jedesmal kommt der dialekt kram wenn ich sage ich käme aus thüringen und die frage ob es denn schon autos gibt oder elektri­zität und dass ja so viel in den osten inves­tiert wurde bla..dabei hat sich kaum einer je selber ein bild vom osten gemacht, geschweige denn sich mit der geschichte befasst ob nun vor oder nach der wende. Geschweige denn dass einer wüsste wie es zur einheit kam und was zu der zeit alles passiert ist. Da finde ich manchmal schon, dass da vieles brach liegt und man sich die einzige info aus irgend­wel­chen ost west shows bei rtl holt.

4 Schatten 5. Oktober 2009 um 14:47

so etwas ist mir seit den ersten wende­jahre schon ewig nicht mehr unter­ge­kommen, die leute die ich kenne sehen das als vollkom­mene selbst­ver­staend­lich­keit, dass es ein staat ist, da gibt es überhaupt keine gerede darüber, sicher die einzelne frozelei über den dialekt, aber das wird genauso mit einem bayer hier gemacht, also hat das nichts mit ost-west zu tun … vll gibts ja regio­nale unter­schiede der vorein­ge­nom­men­heit oder es liegt am klientel  :shock:

5 Torsten 6. Oktober 2009 um 18:10

Jule, hab Dank für den Heimatfilm-Link, könnte vielver­spre­chend sein. Ansonsten gilt für mich: Kaum „Wessis“ in meinem unmit­tel­baren Umfeld und mit den „Ossis“ komm ich ja ohnehin schlecht klar, haha! :lol:

Apropos „RTL-DDR-Show“: Hab am letzten Wochen­ende zufällig diese DDR-Show auf RTL gesehen. War halt typisches RTL-Niveau, 40 Jahre in 90 Minuten runter­ge­rat­tert, mit entspre­chenden Kommen­taren von (Pseudo-)Promis. Naja, wenn ich ganz ehrlich bin, hab ich von RTL auch keine histo­ri­sche Abhand­lung unter Berück­sich­tung der damaligen Weltlage erwartet. Sei’s drum, es gibt ja Phoenix, ZDFdoku und mehr… :grin:

6 jule wäscht sich nie 6. Oktober 2009 um 18:43

Genau so siehts aus..nur dass sich meistens nur die direkt Betrof­fenen für solcherlei Abhand­lungen zu Thema Einheit interessieren..ach ja und zum Thema 3. Oktober, eine Bekannte aus dem Sauer­land fragte mich ob der Tag denn nicht nur im Osten Feiertag wäre..das sagt doch einiges:)

7 Frau A. 13. Oktober 2009 um 09:56

alles schon gesagt! ich war ne ganze weile nicht hier, die zeit rast *staun*
danke Jule für den link zum film. hab die DVD eben bei amazon.de geordert.  14,95 € ist ein fairer preis. weiß eigent­lich jemand, ob der film in MD überhaupt gelaufen ist? vermut­lich eher nicht…

8 jule wäscht sich nie 13. Oktober 2009 um 12:29

Gerne Frau A. aus M. Der lief am 9.1.2008 im Studio­kino in Magdebug..Viel Spass beim Schauen!

9 Frau A. 13. Oktober 2009 um 16:18

danke Jule! das stutio­kino war auch das einzige Magde­burger kino, dem ich diesen film zugetraut hätte. gerade heute abend wieder muss ich leider den film „it might get loud“ verpassen, der auch nur dort läuft…
PS: ich schreibe übrigens nicht aus M. sondern aus HDL. ;-)

10 Torsten 13. Oktober 2009 um 19:35

Hurra, wir haben LeserInnen in der Kreis­stadt! Es geht voran! :lol:

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