Männer, die Frauen hassen

by Torsten on 13. März 2010 · 4 comments

in Zoras Bücherkiste


Stieg Larsson — Die Millenium-Trilogie
Verblendung / Verdammnis / Vergebung

Heute soll es um die soge­nannte Millenium-Trilogie des schwe­di­schen Autors Stieg Larsson gehen. Über Larsson selbst ist in den vergan­genen Monaten und Jahren viel berichtet wurden, ein kurzer Abriß seines ereig­nis­rei­chen Lebens findet sich auf Wikipedia. ((Die Erb- und Urheberstreitigkeiten hält Google News bereit))

Die Millenium-Trilogie umfasst die Bücher Verblen­dung, Verdammnis und Verge­bung. Sie handeln von dem Jour­na­listen Heraus­geber der Zeit­schrift „Mille­nium“ Mikael Blomkvist und der Rese­ar­cherin Lisbeth Salander.

Män som hatar kvinnor
„Männer, die Frauen hassen“, deut­scher Titel Verblen­dung

Der erste Teil beginnt mit der Verur­tei­lung Mikael Blomkvist wegen Verleum­dung. In einer Repor­tage über Machen­schaften des Groß­in­dus­tri­ellen Wenner­ström wurde Blomkvist gelinkt und mit gefälschten Beweisen herein­ge­legt. Frus­tiert legt er bis zum Antritt seiner Haft­strafe seine jour­na­lis­ti­sche Arbeit auf Eis.
Er erhält den Auftrag, sich für eine sehr gute Bezah­lung in die Historie der nord­schwe­di­schen Groß­fa­milie Vanger einzu­ar­beiten und heraus­zu­finden, warum vor knapp 40 Jahren während eines Fami­li­en­tref­fens die damals 16-jährige Harriet Vanger spurlos verschwand. Je tiefer er sich in die Fami­li­en­ge­schichte einar­beitet, um so mehr Abgründe deckt Blomkvist auf. Unver­hofft erhält er Unter­stüt­zung in Form von Lisbeth Salander, einer „sozial inkom­pe­tenten“ jungen Frau mit exzel­lenten Computer– und Hacker-Fähigkeiten. Die unter Vormund­schaft eines Anwalts stehende Salander begegnet ihrer Umwelt in der Regel mit abso­luter Feind­se­lig­keit. Im Laufe des ersten Romans entdeckt der Leser andeu­tungs­weise die Gründe für diese Feind­se­lig­keit und natürlich die dunklen Geheimnisse der Familie Vanger…

Flickan som lekte med elden
„Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte“, deut­scher Titel Verdammnis

Während der erste Teil der Trilogie als eigen­stän­diger Roman gelesen werden kann, sind die beiden Fort­set­zungen enger mitein­ander verzahnt. In beiden Romanen geht es vorrangig um die Hinter­gründe Lisbeth Salan­ders.
Verdammnis beginnt mit dem Mord an einem jungen Kollegen Blomkvists und dessen Frau, die beide im Fall eines Mädchen­händ­ler­ringes recher­chierten. Ebenso wird der gesetz­liche Vormund Salan­ders ermordet aufge­funden. Der Verdacht fällt sofort auf Lisbeth Salander, welche nun euro­pa­weit wegen 3-fachen Mordes gesucht wird. Blomkvist übernimmt die Recher­chen im Falle des Mädchen­händ­ler­ringes und versucht außerdem, die Unschuld Salan­ders zu beweisen. Seine Nach­for­schungen führen in Lisbeth Salan­ders Vergan­gen­heit. Stück für Stück kommt eine unfass­bare Tragödie ans Tages­licht, deren ganzes Ausmaß absolut erschre­ckend ist…

Luft­slottet som sprängdes
„Das Luft­schloss, das gesprengt wurde“ deut­scher Titel Vergebung

Der letzte Teil der Trilogie schließt nahtlos an Verdammnis an. Lisbeth Salander steht immer noch unter Mord­ver­dacht und Blomkvist versucht weiterhin ihre Unschuld zu beweisen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, sonst wird es unspannend…

Fazit:

Alle Teile der Millennium-Trilogie sind unglaub­lich span­nend und absolut f-e-s-s-e-l-n-d. Wer glaubt, die Bücher dosiert lesen zu können, irrt. Zusätzlich bringen die Romane das Kunstück fertig, mit beinahe schlafwandlerischer Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Anspruch und Unterhaltung zu wandeln. Natürlich gibt es auch Kritikpunkte: Auf der Soll-Seite der Romane stehen ein paar Stereotypen und Klischees. So bekommt beispielsweise Blomkvist im Verlauf der drei Romane jede Frau spielend ins Bett. Außerdem sind die Bösewichte übermäßig finstere Bösewichte, einer davon ist sogar mit beinahe übermenschlichen Eigenschaften ausgestattet. Dazu die große Verschwörung des Geheimdienstes mit viel Tamtam und dunklen Mächten… Insgesamt jedoch, stellen diese kleinen Mankos keinen übermäßig wichtigen Punkt in der Bewertung der Romane dar. Sie sind eher wie eine Prise Zucker im Kaffee: Es schmeckt vielleicht ein wenig komisch, stört aber nicht wirklich.

Stieg Larsson hat(te) ein unglaub­li­ches Gefühl für Span­nung und Timing. Die gut 2000 Seiten der Trilogie habe ich regel­recht verschlungen. Was mir sehr gefallen hat, ist die radi­kale und kompro­miß­lose Konse­quenz, mit der Larsson seine Prot­ago­nisten handeln läßt. Inbe­son­dere Lisbeth Salander schreckt zur Wieder­her­stel­lung der Gerech­tig­keit wenn nötig auch vor brutalen Gewalt­taten nicht zurück. Larsson hat seiner Heldin damit quasi ein post-feministisches Mani­fest auf den Leib geschrieben; ein Aspekt, der bei der Bewer­tung und Einord­nung der Romane meiner Meinung nach gern vergessen wird. In der Essenz aller drei Romane geht es – auf den simplen Punkt reduziert – um nichts anderes, als um Gewalt gegen Frauen. Und das in jeder erdenklichen Hinsicht. ((Deshalb schien mir die wörtliche deutsche Übersetzung des Titels des ersten Romans für diesen Beitrag auch am passendsten.)). Larsson dreht den Spieß auf intelligente Art und Weise um, und macht aus dem Opfer Salander eine Kämpferin. Trotz all der erfahrenen Gewalt und Demütigungen, trotz der gebrochenen Seele der Protagonistin, läßt er Salander niemals aufgeben. Stattdessen sorgt er dafür, daß sie jede erlittene Verletzung tausendfach potenziert zurückzahlt. Das alte biblische Prinzip von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, hier jedoch – geschlechtsunspezifisch! – ausgedacht und durchgeführt von einer Frau.

Wer viel Zeit und ein Faible für mitreißende Literatur hat, sollte sich diese Romane auf keinen Fall entgehen lassen. Alle drei Bücher sind inzwischen verfilmt, wobei ich Verblendung als Kinofilm ebenso uneingeschränkt empfehlen kann. Den zweiten Teil sehe ich demnächst, der dritte startet im Sommer in den Kinos.

Die Romane sind in jeder Buchhandlung oder bei amazon.de erhältlich.

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1 Kerstin März 13, 2010 um 08:09

Na, danke! Da habe ich Ewigkeiten einen großen Bogen um diese drei Bücher gemacht, weil ich eh kaum Zeit zum Lesen hab (*heuuul*) und nun präsentierst du hier etwas, was mich unheimlich neugierig macht! Ist das denn in Ordnung?????????? JA! Ich werde mir heute das erste Buch holen. Punkt.

Danke dafür
Schönes Wochenende

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2 Bruce Baxter März 13, 2010 um 08:39

moin torsten,
habe mir nach dem ersten film alle drei bücher auf einmal geholt und in nullkommanix gelesen. man kann die bücher wirklich nur empfehlen. sehr spannend und gut geschrieben…schade das es bei drei büchern geblieben ist. es soll wohl noch material für ein viertes oder sogar mehr geben, aber da sind wohl irgendwelche erbstreitigkeiten innerhalb der familie im gange…
@kerstin, nicht nur das erste kaufen, gleich alle, denn du wirst dich ärgern, wenn das erste ausgelesen ist und du kannst nicht weiterlesen….
bruce

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3 Torsten März 14, 2010 um 14:24

@ Kerstin: Genau das richtige Wetter zum Bücherlesen. Viel Spaß und spannende Unterhaltung, es lohnt sich wirklich absolut! Und denk an Bruce‘ Rat: Am besten kaufst Du alle drei Bücher auf einen Schlag! 😉

@ Bruce: Soweit ich informiert bin, hält Larssons Lebensgefährtin sein Notebook fest in ihren Händen … darauf soll wohl mindestens ein weiterer Teil der Millenium-Serie schlummern. Mal schauen, wie sich die Geschichte entwickelt…

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