Investmentpunk

von Torsten am 16. Mai 2010 · 10 comments

in Aufgelesen, Kraut und Rüben, Politik

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Gerald Hörhan ist 34 Jahre alt und selbstän­diger Invest­mentbänkerpunker. Er fährt gern schnelle Autos, wohnt in den tollsten Villen, geht mit den schönsten Frauen aus und hat angeb­lich schon so viel Geld verdient, daß er damit sofort aufhören könnte. In seinem Buch Invest­ment­punk provo­ziert Gerald Hörhan die so genannte Mittel­schicht mit der Botschaft: „Ihr schuftet und wir werden reich!“ In der Talkshow 3nach9 erläu­terte er seine wichtigsten Thesen zur wirtschaft­li­chen Lage. Wie diese: „Wer reich werden will, muss bereit sein, ein Punk zu sein.“

Sein Talkshow-Auftritt in voller Länge läßt sich hier bewun­dern. Beson­ders inter­es­sant, scheint mir die Ausle­gung seines vermeint­li­chen Punk-Daseins als Form der Rebel­lion von oben; während der normale Punkro­cker ja gemeinhin von unten rebel­liert. Inter­es­sant auch, sein für Punk-Verhältnisse extrem konser­va­tives bis unmög­li­ches Verständnis von Erfolg – schnelle Autos, schöne Frauen, große Villen. Kurzum: Gerald Hörhan hat mit Punk ungefähr soviel zu tun, wie Hansi Hinter­seer mit Jazz. Nämlich gar nichts. Wer trotzdem mal schauen möchte, was die Finanz­welt für sonder­bare, lächer­liche Schwätzer hervor­bringt, sollte sich unbedingt das oben verlinkte Video ansehen. Gute Unter­hal­tung!

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1 Alex Mai 16, 2010 um 11:36

Aber ist es nicht so, dass man mit schuften nicht reich wird? Anderer­seits wird einem einge­redet, dass reich = glück­lich bedeutet. Was nicht unbedingt so ist, aber man glaubt daran, und schuftet, und erduldet es vielleicht nicht glück­lich zu sein.
Punk ist das, was du draus machst, aber you’re doing it wrong, Hörhan.

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2 Miss Raten Mai 16, 2010 um 14:18

Waaaah – ick hab Sicher­heits­na­deln an der Jacke und Hohlnieten im Kopp. Ick bin’n Punk. :roll:
X-Ray Spex – I am a Poseur
Und, macht bestimmt seine Kohle mit Punk-Bonds? (Konnte ich mir jetzt nicht verkneifen den Kalauer)

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3 Roland Mai 16, 2010 um 15:51

Nachdem ja laut Honda schon “Vernunft der neue Punk” war, wundert mich das gar nicht mehr. Wird wohl Zeit für ne neue Jugend­re­bel­lion. Schade das ich aus Alters­gründen nich mehr mitma­chen darf. :mrgreen:

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4 Schaumschläger Mai 17, 2010 um 13:15

Ich denke daß di Lorenzo mit seiner Einschät­zung des “grandiosen Schwät­zers” vollkommen richtig liegt. Der Typ ist ein Jünger von Kim schmitz und Lars Windhorst, je dümmli­cher und überzo­gener um so eher wird es geglaubt. Der Moderator hat es sofort geblickt daß der gute Pseudo-Punk auch nicht mehr prognos­ti­zieren kann als daß es nachts dunkel wird, ansonsten geht er einfach hin und haut den Leuten genau die Thesen um die Ohren die sie gerne hören wollen, das funktio­niert immer. Und wenn einer zweifelt schiebt man schnell noch ein “Neider” hinterher, spätes­tens dann hat man im Lande des FDP-infizierten Flachdenker-Hirnes auch den letzten Doof auf seiner Seite.
Die Zeit der Blender und Luftpumpen ist nicht vorbei, sie geht gerade erst los, weil ein Volk kollektiv verblödet und sich dabei aber unheim­lich schlau vorkommt, weil es bei Jauch zuguckt und sich stunden­lang mit Gleich­hohlen über Rotwein auslassen kann.

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5 GartenPunk Mai 17, 2010 um 16:08

:roll: Meine güte, was eine lächer­liche Wurst, man konnte es ALLEN in der Runde ansehen, keiner hat ihm auch nur ein Wort geglaubt. Macht den Eindruck eines Hochstap­lers, und nicht mal eines guten. Laß den zehn Minuten ohne Vorlagen reden und er enttartnt sich selber.
Ich hätte ihn mal gefragt was der berühmte Ökonom Kerry King von seinen Thesen hält :twisted:

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6 schatten Mai 17, 2010 um 17:18

solche flach­pfeifen kommen und gehen und bewegen gar nix, ausser die luft unter ihrem arsch

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7 Der Metawirt Mai 17, 2010 um 23:26

MUNDUS VULT DECIPI – ERGO DECIPIATUR!

Schön! Die Börde­be­hörde (und genug andere Blogger, Twitterer etc wahrschein­lich auch) reagiert wie zu erwarten: Man steigt selbst auf die dümmsten Marke­ting­ma­schen ein und lässt sich von dieser Pappnase als kosten­lose Werbe­platt­form missbrau­chen. Oh Mann!
Vor einigen Wochen saß Gerald bei Anne (noch ohne Slayer-Shirt und Fußballer-Iro) rum – aber nur provo­kant reden reichte scheinbar nicht aus, um seinen Schinken richtig gut zu verkaufen. Daher versucht er jetzt, sich selbst als Marke zu kreieren/etablieren…
Oder meint hier wirklich jemand ernst­haft, der Typ rennt nach der Sendung weiterhin in dieser lächer­li­chen Montur herum?
Jeden­falls steht er bei Amazon auf Platz 18(!) der Verkaufsliste.

…Außerdem hören BWLer, VWLer und Wirtschafts­ju­risten keinen Punk, sondern Metal – höchs­tens die Londoner City-Boys dürften manchmal treffen­der­weise gutge­launt “Anarchy in the UK” intonieren ;)

Zum Inhalt­li­chen:

Das Traurige ist, dass seine (eigent­lich banalsten) Grund­aus­sagen dazu, wie der Finanz­markt bzw. das Finanz­system funktio­nieren, vollkommen richtig sind (ebenso wie seine These zur Umver­tei­lung von unten nach oben). Leider scheinen die sich selbst durch die Medien verblö­denden Menschen -gerade läuft bei Report München ein Beitrag über die ach so bösen CDS-Spekulanten, in dem sich ausge­rechnet die journa­lis­ti­schen Unter­stützer der Parteien über das gierige Gezocke aufregen, die die entspre­chenden Finanz­li­be­ra­li­sie­rungs­ge­setze damals durch­ge­wunken haben- nicht mal ansatz­weise zu kapieren, was da läuft und vor allem wie es läuft. (Genau, wie die Mehrheit unserer Volks­ver­treter.) Bei ersterem, dem “was” muss ich mich einschließen und zugeben, dass auch ich zu den Ahnungs­losen gehöre (außer dem offen­sicht­li­chen o.g. Umver­tei­lun­s­as­pekt), aber zum “wie” kann ich sagen, dass Märkte und Finanz­system sich eben nicht mal ansatz­weise, wie naive Menschen und viele Politiker glauben, an den Krite­rien gut/böse bzw. sozial/unsozial orien­tieren, sondern nun mal nur Gewinn und Verlust als Code im Luhmann­schen Sinne haben.
…Ich frage mich gerade, ob Angie ebenfalls zu den Schafen gehört -nach ihrer (öffent­li­chen) Reaktion auf das Acker­mann Inter­view glaubt man fast daran- oder doch irgend­einen Plan verfolgt… (Kurz abschwei­fend möchte ich als Extrem­bei­spiel nur mal eine These der Bilderberg-Verschwörungstheoretiker linken, über die ich letztens zum Thema EU-Staatsverschuldung gestol­pert bin.)

Man wird sehen. Ich schätze spätes­tens zur Fußball-WM werden wohl Gesetze erlassen werden, mit denen zumin­dest ein Teil des 750 Mrd. “Banken­ret­tungs­pa­kets II” der EU von der Bevöl­ke­rung einge­for­dert wird. Da extremste Einspa­rungen in einer Demokratie nicht möglich sind -wer das macht wird abgewählt- und die CDU seit Kohl sowieso harte Einschnitte der SPD überlässt, wird wohl ein großer Teil der Schulden über zukünf­tige Infla­tion und/oder von den nächsten Genera­tionen begli­chen werden (müssen).
Die andere Alter­na­tive wäre das Ende der Euro-Zone (wer profi­tiert dann davon?!), wie die FAZ in einem Rückblick aus dem Jahr 2013 schreibt. (Aller­dings glaube ich iGgs zur FAZ überhaupt nicht, dass es einen “Hartwäh­rungs­block” mit Deutsch­land, Österreich, den Benelux­staaten, Finnland, Tsche­chien und Polen geben wird, denn das entspräche ja dann einem neuer­li­chen Anschluß dieser Staaten an das dominante Deutsch­land und damit aus Sicht der entspr. Staaten Adolfs spätem Triumph)

Metawirt
(Noch ein Investmentpunk)

ps
Apropos Adolf: Ich denke, das letzte Mal, dass Deutsch­land so verschuldet war (wenn man mal von der DDR absieht), war im dritten Reich. Aber damals hatte man wenigs­tens den Plan, die Schulden durch Ausrauben der eroberten Staaten zurück­zu­zahlen, was Angie und Vladimir letztens aber auch verpennt haben;)

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8 Der Metawirt Mai 20, 2010 um 03:34

Zum Einstieg: Olle Charlie hat (ungeachtet seiner ziemlich naiven polit. Pamphlete) sehr viele gute Sachen bzgl. “Wie funktio­niert Kapita­lismus” geschrieben, zB zum Thema <a href=„http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20070617122217AAJIMBZ”>Kapita­lak­ku­mu­la­tion

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9 Torsten Mai 20, 2010 um 18:21

@ Metawirt: Da bin ich aber froh, daß ich neben “Charlies naiven Pamphleten” auch noch Deine konstruk­tiven Ausfüh­rungen habe… wär ja sonst kaum auszuhalten!

Was die Themen­wahl angeht – offen­sicht­lich hat das Thema ja gezogen, oder warum hast Du sonst einen Kommentar hinter­lassen? Von großer Aufre­gung kann ich hier auch nichts lesen, es scheint eher eine allge­meine Belus­ti­gung über den Herrn Invest­ment­punk zu herrschen – gut so!

Ich laß mir ungern vorschreiben, welches Thema hier “behan­delt” wird und welches nicht .. da reagiere ich leicht aller­gisch. ;-)

Zum Thema fällt mir nicht sonder­lich viel ein, außer vielleicht, daß mir die Finanz­krise mit all ihren Auswir­kungen und Ausge­burten meilen­weit am Popo vorbei­geht. Ich sehe dem Unter­gang der Welt mit nihilis­ti­scher Gelas­sen­heit entgegen und mach mir auf selbigen ‘ne Pepsi auf. Prost!

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10 Alex Mai 21, 2010 um 19:07

Ich denke, dass kein normaler Leser dieses Blogs sein Buch kaufen wird. Schon gar nicht bei amazon …

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