No Fun

by Torsten on 16. Mai 2010 · 3 comments

in Aufgelesen, Fundsachen, Kraut und Rüben

Chatroulette ist ein im November 2009 von Andrei Ternowski, einem 17-jährigen Gymnasiasten aus Moskau, erstelltes Internet-Videochat-Portal. Auf der Internetpräsenz werden Besucher zufällig mit anderen fremden Besuchern per Videochat verbunden. Jeder dieser so verbundenen Chatteilnehmer kann jederzeit den Chat beenden, um sogleich wieder mit dem nächsten zufällig ausgewählten Chatpartner verbunden zu werden. Jeder Besucher kann die Videochatfunktion ohne Registrierung nutzen. Spiegel Online beschreibt Chatroulette so: „Die Videoplattform verknüpft im Sekundentakt Wildfremde vor ihren Webcams: Das ist oft brutal, manchmal lustig – und macht viele Nutzer süchtig“. (aus Wikipedia)

Eva und Franco Mattes sind ein Künstlerpaar. Unter dem Titel No Fun veranstalteten die beiden Künstler eine Online-Performance via Chatroulette. Dazu stellten sie eine Webcam vor einem scheinbar von der Zimmerdecke baumelnden Selbstmörder (Franco Mattes selbst) auf. Die Besucher und ihre Reaktionen wurden über mehrere Stunden auf Video aufgezeichnet. Man sieht alle möglichen Reaktionen, einige vorhersehbar, viele undenkbar: Einige lachen, glauben, es ist ein Witz, viele scheinen völlig ungerührt, einige beleidigen die vermeintliche Leiche oder machen Fotos mit ihren Handys. Von mehreren hundert Betrachtern ruft genau ein einziger die Polizei.

Marco Deseriis von der University of New York schreibt dazu: „No Fun raises disturbing questions on the hyperreality of the contemporary mediascape as much as on the Orwellian spectacularization of daily life and death. But it would be simplistic to blame the Internet for the dramatic exhaustion of social interaction at a distance. What is more difficult to recognize is our own complicity and desire to be seduced by the latest technological wonders. In our daily obsession with media attention, frequently disguised as search for authentic communication, we end up being so narcissistically preoccupied with looking at ourselves that we can no longer recognize the other“.

Danke an Jule für den freundlichen Hinweis.

{ 3 comments… read them below or add one }

1 jule wäscht sich nie Mai 16, 2010 um 18:16

Sehr gern geschehen..ich muss auch gestehen, dass ich das was da auf dem rechten Bild los ist erst nicht erkannt habe..aber es verfolgt mich immernoch. Tolle Künstler..

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2 schatten Mai 17, 2010 um 17:26

schwierig eine richtige Meinung dazu zu entwickeln .. irgendwie habe ich das Gefühl, solche Aktionen befriedigen etwas Voyeuristisches und Primitives in uns, es muss krasser, schneller und direkter sein … auf der anderen Seite sehe ich darin auch etwas innovatives … ich bin ambivalent

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3 jule wäscht sich nie Mai 17, 2010 um 18:26

That´s besonders about art schatten! So muss das sein.

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