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by Gunnar Roß on 14. August 2010 · 8 comments

in Kraut und Rüben, Politik

Mein Name ist Gunnar Roß und ich hege keine Hasen.

Ich hege Groll. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum. Ich will es Ihnen erklä­ren:

Verlei­hen Sie niemals Vorschlag­häm­mer. Ich präzi­siere: Verlei­hen Sie niemals Vorschlag­häm­mer an Bekannte. Ich präzi­siere weiter: Verlei­hen Sie niemals Vorschlag­häm­mer an Bekannte, die gleich­zei­tig Ihre Nachbarn sind. Seien Sie niemals so unfaß­bar dumm und kurzsich­tig und antwor­ten mit JA!, wenn der Nachbar Sie fragt, ob Sie einen Vorschlag­ham­mer besit­zen. Es kommt nichts Gutes dabei heraus. Seit heute früh, Schlag 9, ist mein Nachbar mit meinem Vorschlag­ham­mer am einrei­ßen. Jeder Schlag hallt dumpf durch meine beschei­dene Behau­sung, jeder Schlag läßt meine Tisch­platte, auf welcher meine Arme während des Tippens dieser Zeilen ruhen, erbeben. Jeder Schlag erinnert mich auf fatale und gnaden­lose Weise daran, daß man alle Gutmü­tig­keit über Bord werfen sollte, wenn es um Leihga­ben in Form von Vorschlag­häm­mern geht. Lügen Sie halt einfach, sagen Sie, Sie wüßten gar nicht, was ein Vorschlag­ham­mer überhaupt ist. Oder gehen Sie noch einen Schritt weiter und behaup­ten Sie einfach, Vorschlag­häm­mer sind nicht existent und nur ein Hirnge­spinst von IHNEN – in die Welt gesetzt, um den wöchent­li­chen Müßig­gang zu boykot­tie­ren.

Als wäre die Hämme­rei nicht Strafe genug, besit­zen meine Nachbarn auch noch vier Hunde von der Sorte Jack Russell-Terrier. Wie aufmerk­same Leser dieses Klein­an­zei­gen­blat­tes vielleicht wissen, bin ich Hunden im allge­mei­nen sehr zugetan. Ausnah­men bestä­ti­gen die Regel. Und vier dieser Ausnah­men wohnen nebenan. Genau­ge­nom­men sind es nur zwei, aber die anderen beiden sind regel­mä­ßig zu Besuch. Deshalb gestat­ten Sie mir, wenn ich in meinem augen­blick­lich grenzen­lo­sen Hass von vier Hunden spreche. Zurück zu den Tierchen: Alle vier sind gar nicht bis schlecht sozia­li­siert, haben also keiner­lei soziale Kontakte zu Menschen oder Artge­nos­sen außer­halb ihres kleinen Grund­stücks. Das führt dazu, daß sie jede Regung und jeden Anreiz der von außen kommt, als Bedro­hung ihres Revie­res auffas­sen. Jetzt können Sie sich sicher vorstel­len, was passiert, wenn ich beispiels­weise mit meinem Radies­chen­ro­de­ge­rät in Richtung Garten ziehe oder auch nur ganz allge­mein auf meinem Grund­stück Lebens­zei­chen von mir gebe: Die Hunde werden aggres­siv. Und zwar richtig aggres­siv. So aggres­siv, daß sich die Hunde sogar unter­ein­an­der in die sprich­wört­li­che Wolle kriegen und anfan­gen, sich hinter dem Zaun gegen­sei­tig zu zerflei­schen.

Meine Nachbarn sind mit der Erzie­hung der Tiere hoffnungs- und heillos überfor­dert, da sie – mal ganz drastisch und arrogant gespro­chen – irgend­wie selbst mit ihrer eigenen Erzie­hung überfor­dert waren, bzw. keine solche genos­sen haben. Damit lehne ich mich jetzt zwar relativ weit aus dem Fenster, aber je weiter man vom Fenster wegkommt, desto schöner ist die Luft. Und schöne Luft ist etwas ganz feines!

Ergo: Verlei­hen Sie niemals Vorschlag­häm­mer, egal was man Ihnen dafür verspricht! Meinen hol ich jetzt zurück und damit auch meine Ruhe!

Herzlichst,
Ihr revolu­tio­nä­rer Landgasthof-Betreiber


{ 8 comments… read them below or add one }

1 Vero August 15, 2010 um 00:02 Uhr

Grandios, Herr Ross! Ich danke Ihnen vielmals für diese Warnung, und ich beneide Sie nicht mal ansatz­weise um diese Nachbarn. Falls Sie es aber aus irgend­wel­chen Gründen nicht schaf­fen sollten, sich Ihren Vorschlag­ham­mer zurück­zu­ho­len (als eventu­el­ler Grund fielen mir da die vier aggres­si­ven Hunde ein), so empfehle ich Ihnen herzlichst: http://www.sonicshop.de/De/Plugs/Cord-Max.aspIch habe noch sieben Packun­gen davon zu Hause herum­lie­gen und trete bei Bedarf gerne eine zur Probe an Sie ab. Die Dinger sind Gold wert. Ich hätte die WM nicht ohne sie überlebt… 😆

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2 Jule wäscht sich nie August 15, 2010 um 05:46 Uhr

Gut, dass ich letztens bei OBI den Vorschlag­ham­mer im Angebot für 6,99 nicht gekauft habe. Ich habe nämlich viele Nachbarn und die sind auch ohne Hammer schon sehr laut.

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3 Torsten August 16, 2010 um 22:14 Uhr

@ Vero: Nehm ich! Kann ich gut gebrau­chen, wenn ich nächs­ten Sonnabend gegen 5.00 Uhr meine Kreis­säge anwerfe… 😉

@ Jule: Dir leih ich meinen Hammer selbst­ver­ständ­lich gern!

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4 Jule wäscht sich nie August 17, 2010 um 07:33 Uhr

I call you MC Hammer!

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5 Torsten August 17, 2010 um 17:58 Uhr

@ Schat­ten: Die bittere Wahrheit. Leider.

@ Jule: Can’t touch this!

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6 schatten August 17, 2010 um 09:13 Uhr

tagged as hartz4 🙂

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7 Gnomorella August 21, 2010 um 10:03 Uhr

Werter Herr Ross,
welch eine charmante Abhand­lung über die Wut im Allge­mei­nen und Beson­de­ren. Auch ich hätte einige Vermu­tun­gen zu ihren Nachbarn anzubrin­gen, die Terrier hören- naja, wahrschein­lich hören sie nicht- auf die Namen Chant­alle, Jaque­line, Angelina und Nancy- aber dies nur am Rande.
Da ich mich selber grad in einer emotio­na­len Schief­lage befinde, und manch­mal auch gern einen Vorschlag­ham­mer hätte, möchte ich Ihnen hiermit nochmal bestä­ti­gen, dass sie sich des richti­gen Mediums bedient haben: Der Geist erhebt sich über die Unflä­ti­gen.
Damit schaf­fen wir uns Distanz, wir ordnen die Welt, die Schief­lage neigt sich zurück zur wasser­waa­gen­ge­prüf­ten Waage­rech­ten, wir schmun­zeln ein wenig, bedie­nen uns des Humors und bewah­ren uns vor gewalt­sa­men Übergrif­fen. Die Stärke der Beson­ne­nen.
Naja, aber manch­mal würde man trotz­dem gern.….nicht wahr ?? Und ich sage Ihnen Hr. Ross, alle Conte­nence in Ehren, manch­mal ist es verdammt erleich­ternd, die Wut an passen­der Stelle, direkt und unmit­tel­bar, hinaus­zu­brül­len:
Bei Nancy, Chant­alle, Jaque­line und Angelina und ihren Dosenöffnern-
leider ist dies oft das Einzige, was sie verste­hen.
Ich für meinen Teil, werde mich heute in meinem „can´t touch me business outfit“ über die Welt erheben, und auch jedem- wirklich jedem- der mir blöd kommt sagen- und zwar in einer meinem Intel­lekt gemäs­sen brilli­an­ten Argumen­ta­ti­ons­reihe, die ledig­lich ab und an von einigen drasti­schen Begrif­fen unter­bro­chen wird- was ich davon halte!
Mit Hochach­tung,
Fräulein Gnomo­rella

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8 Gunnar Roß August 21, 2010 um 14:59 Uhr

Das tat gut zu lesen. Danke. 🙂

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