web analytics

The Wedding Present in Hannover

by Torsten on 27. Oktober 2010 · 10 comments

in Kraut und Rüben, Musik

„The boy Gedge has written some of the best love songs of the Rock’n’Roll Era.
You may dispute this, but I‘m right and you‘re wrong !”
(John Peel)

TextWenn John Peel Recht hatte (und John Peel hatte kwasi immer Recht!) dann hat David Gedge einige der besten Liebes­lie­der aller Zeiten geschrie­ben. Um uns persön­lich und livehaf­tig von den Songwri­ter­qua­li­tä­ten des Herrn Gedge zu überzeu­gen, traten wir die kurze und vollstän­dig unbeschwer­li­che Reise nach Hanno­ver an.

Unsere Reise begann um 19.00 Uhr in der heimat­li­chen Börde. Ich hatte das große Los gezogen und mußte an diesem Abend nicht selbst fahren. Statt­des­sen wurde mir ein Platz in einem italie­ni­schen Reise­mo­bil angebo­ten. Das Platz­an­ge­bot war formi­da­bel, die Ausstat­tung fabel­haft und die während der Fahrt statt­ge­fun­dene Kommu­ni­ka­tion nicht minder inter­es­sant. So machten wir uns in Auto 1 also auf den Weg, während uns das nigel­na­gel­neue Auto 2 mit Teilen der Peppone-Besat­zung und anderen netten Menschen unauf­fäl­lig folgte. An der Abfahrt Braun­schweig Hafen trafen wir auf einen Verwirr­ten, der erwähnte Abfahrt als Auffahrt inter­pre­tierte und folge­rich­tig zum Geister­fah­rer wurde. Unsere beiden Automo­bile waren die letzten die noch durch­ka­men, der Rest mußte dann wohl oder übel bremsen und auf die Polente warten. Puh, Schwein gehabt – nicht das wir noch zu spät kommen!

In Hanno­ver angekom­men war die Lohkähschn auch schnell gefun­den. Das Café Glock­see überzeugte mit einer netten Innen­ein­rich­tung, einem anspre­chen­den Außen­am­bi­ente und netten Menschen soweit die Augen reich­ten. Einzig über die Einlaß­zei­ten sollte disku­tiert werden dürfen. Wenn man schon 30 Minuten bei knapp minus 40° Celsius in meter­ho­hen Schnee­we­hen steht, ist eine warme Decke, ein Tässchen Grog und ein Reise­gut­schein nach Ibiza nun wirklich nicht zuviel verlangt.

Letzt­end­lich sind wir dann aber doch reinge­kom­men. Teile der Besat­zung stürz­ten zum Kicker um sich die Zeit zwischen Einlaß und Haupt­band mit zwölf bis achtzehn Partien Tisch­fuß­ball zu vertrei­ben. Was kein Verbre­chen war – denn die Vorband namens Precious Few bot ebenso tadel­lo­sen wie langwei­li­gen Acoustic-Indie-Pop. Bei einer Hermann-Kola ((erdig! schwarz! gut! Diese Art von offen­sicht­li­chen Indie-Gesöffen kennt man als herkömm­li­cher Börde­bauer ja gar nicht. Hier gibt’s eben nur Koka oder Bebsi!)) inspi­zierte ich den Merchandise-Stand und traf dort sogar auf Herrn Gedge höchst­selbst! Ich kaufte mir die bisher letzte CD der Live-Series und ließ sie selbst­ver­ständ­lich auch gleich signie­ren. ((Ich bin mir des teenager­haf­ten Treiben meines Tuns durch­aus bewußt, stehe aber vollum­fäng­lich und mit ganzem Herzen zu meiner Tat. Ehret die Inter­pre­ten und ehret ihre Unter­schrif­ten!)) Ich begann auch noch, ihm meinen Namen zu buchsta­bie­ren, aber dieser krähsi Englän­der kannte den ganz offen­sicht­lich schon.

TextDer Herr Gedge scheint mir übrigens ein geschäfts­tüch­ter Zeitge­nosse zu sein. Neben inzwi­schen gefühl­ten dreihun­dert­acht­und­sieb­zig Wedding Present-Veröffentlichungen gab es eine Bieter­liste für eine von ihm signierte Bassbox (?), die der Höchst­bie­ter dann am Abend wohl mit nach Hause schlep­pen konnte. Außer­dem signierte Drumdin­gers für 15,- EUR. Naja, er hat ja keinen Haupt­job und macht seit gefühl­ten hundert Jahren tolle Musik – seien wir also nachsich­tig.
Nun aber ging es endlich los – Wedding Present betra­ten die Bühne ((vor ca. 200 bis 300 Leuten. Nicht leer, nicht zu voll. Prima)) um sofort eine Runde loszu­schram­meln. Kleiner Beset­zungs­wech­sel am Schlag­zeug (?) und am Bass – wovon beim besten Willen nix zu merken war. Die Band wirkte wie seit hundert Jahren einge­spielt. Dabei ist David Gedge das einzige Origi­nal­mit­glied. Was aber irgend­wie auch nichts macht, da er ja immer ebenso Kopf wie auch Marken­zei­chen war. Los ging es also mit 2,3, Go! und dem sehr selten live gegebe­nen Where every­body knows your name. Anschlie­ßend wurde das komplette Bizarro-Album aus dem Jahre 1989 durch­ge­spielt. Und wie! Ein großar­ti­ger Song reihte sich an den nächs­ten und Mr. Gedge machte nur kurze Pausen um nach jedem Song die Gitarre zu tauschen. Ich vermu­tete eigent­lich, die exzes­sive Schram­me­lei erfor­dert nach jedem Song ein neues Stimmen. Andere Quellen aber meinen, daß während jeden einzel­nen Songs Saiten reißen. Und die werden dann aufge­zo­gen. Ganz neue Saiten. Wenn er keine neuen Saiten aufzie­hen ließ, unter­hielt er das Publi­kum mit Ansagen in Deutsch. Selbige waren nahezu vollstän­dig fehler­frei, klangen aber trotz­dem wie aus einem Monty Python-Sketch.

Nach dem vorletz­ten Song Take Me! hätte für mich eigent­lich Schluß sein können, aber dem Album folgend gab’s noch Be Honest obendrauf. Eingangs erwähn­tes Take Me! jeden­falls ist ein unfaß­bar großar­ti­ges Monster von einem überir­disch guten Rambazamba-Song und sollte unten ((Hamburg, nicht Hanno­ver! Meine Video­ka­mera hatte Grippe.)) in voller Lautstärke und mit wildge­schweck­tem, bereits leicht schüt­te­rem Haupt­haar genos­sen werden. So benutzt man Gitar­ren, Herrgottsa­kra­ment!!!

Nach diesem tollen Abend ((wie immer ohne Zugaben. Wedding Present geben nie Zugaben.)) traten wir die Rückreise an. Der Hunger trieb uns dann noch zu einer impera­lis­ti­schen Schnellmahlzeiten-Kette aus Amerika, wo wir den einen oder anderen Burger verdrück­ten. Und auch auf Bürger trafen. So z. B. das hübsche Gesicht der gelun­ge­nen Integra­tion, den Monteur Michael, einen 360° Drehungen-übenden Fiesta-Fahrer aus der Nieder­pfalz und ein paar hungrige Gestal­ten aus der Low Society. Und die waren alle auf Drogen, denn anders läßt sich ihr Verhal­ten nicht erklä­ren… aber dazu niemals mehr.

Bis dahin und herzli­chen Dank an die Organi­sa­to­ren, Fahrer und Teilneh­mende unserer wunder­hüb­schen Klassen­fahrt! Bis zum nächs­ten Mal!



{ 9 comments… read them below or add one }

1 Alex Oktober 27, 2010 um 21:22 Uhr

Dein toller Bericht bestärkt mich weiter­hin in dem Streben mir mal endlich TWP anzuhö­ren und nun habe ich wohl auch das erste Album zur Auswahl. Toll. Aber, das nur am Rande, einer dem früher die Behörde gefiel, hat sie nun geunfol­lo­wed oder wie das heißt, zu sehen an der 24, an deren Stelle doch noch letztens eine 25 prangte.

Antworten

2 Daniel Oktober 27, 2010 um 22:28 Uhr

Dank an die Behörde für den unter­halt­sa­men Bericht. Nun weiss ich einiges über eine Band, von der ich noch nie etwas gehört habe. Nicht weniger inter­es­sant klingt die Herrman-Kola, die ich gern einmal zusam­men mit einem Sachbe­ar­bei­ter der Börde­be­hörde einem Geschmacks­test, sowie dem direk­ten Vergleich mit meinen Lieblings­co­la­ge­tränk aus dem Hause Loscher (www.clubmate.de) unter­zie­hen würde.

Antworten

3 Jens Oktober 28, 2010 um 10:50 Uhr

hey mal ehrlich, dieses drumdin­gens­fell hätte ich mir glatt gekauft – ich war zu spät – und das meine ich wirklich so. aber eine schöne „Klassen­fahrt“ war es – kommt viel zu selten vor.
Wenn ich richtig gezählt habe, sind ihm 5 Saiten geris­sen – und ich fragte mich am anfang schon, warum er diese Gitarre doppelt zu stehen hatte, der David. Nur, wozu waren die anderen 75 Gitar­ren auf der Bühne? Ich denke, er ist ein schwie­ri­ger Mensch. Man konnte beobach­ten, dass er seinen Job auf der Bühne sehr ernst nimmt und dass  ein überschwäng­li­ches Tanzen, was andere Menschen mitrei­ßen könnte, von ihm nicht so gern gesehen wird. Schade eigent­lich, aber ich mag ihn trotz­dem. Der kann machen was er will. Obwohl ich meine, dass ein stink norma­les Wedding Present Konzert ohne Album­hin­ter­grund besser ist, würde ich mich sehr auf die Seemons­ter­fort­set­zung freuen – natür­lich wieder wie in oben beschrie­be­ner Art und Weise.
 
Netter Bericht, Herr Vorste­her.

Antworten

4 Torsten Oktober 28, 2010 um 19:25 Uhr

@ Alex: Hör mal in ein TWP-Album rein, vielleicht Seamons­ters oder Bizarro zum Einstieg. Das klingt nicht nur toll, sondern lenkt auch von Neben­säch­lich­kei­ten ab. 😉

@ Daniel: Auch Du solltest dringend mal reinhö­ren. Der große Cola-Vergleich ist gebongt. Vielleicht finden wir ja mal die Gelegen­heit!

@ Jens: Warum die anderen 75 Gitar­ren auf der Bühne standen – das hab ich mich auch gefragt. Bis ich die Antwort fand: Eine Gitar­ren­band ohne mindes­tens 10 einsatz­be­reite Gitar­ren wäre einfach nur albern. Soviele Gitar­ren sehen toll aus und man kann auch ein bißchen angeben… und toll sah es ja nun wirklich aus. Ich bin auch der Meinung, diese Art von Klassen­fahr­ten sollten wir viel öfter durch­füh­ren – war ein echt toller Abend!

Antworten

5 hendrik Oktober 28, 2010 um 21:29 Uhr

danke für den detail­lier­ten bericht, wirklich sehr gut, dem ist nichts hinzu­zu­fü­gen.

leider klappt es viel zu selten, dass in dieser gruppen­stärke solche events besucht werden können, schade schade … daran sollten wir in zukunft arbei­ten.

viele grüße auch von mir

 hendrik

ps: torwart­tore beim kickern sind hinter­häl­tig und gehören auch verbo­ten … aber da werde ich wohl beim rest der spieler­frak­tion auf taube ohren treffen, typisch.

Antworten

6 jule wäscht sich nie Oktober 29, 2010 um 17:29 Uhr

http://www.kalte-muschi.de/
bitte dieses Getränk noch in die Testreihe mit aufneh­men…

Antworten

7 schatten Oktober 29, 2010 um 18:41 Uhr

hey das klingt nach einem entspann­ten und kurzwei­li­gen konzert­abend … twp kenne ich nur von der bizarro her … war nie so ganz mein fall, klingt trotz­dem hin und wieder nett 😉

Antworten

8 Jens Oktober 29, 2010 um 22:29 Uhr

@torsten – sicher zum angeben sind 75 Gitar­ren wirklich schön anzuse­hen. Man hat ja gesehen, dass der David die nicht schlep­pen, auspa­cken, aufstel­len, stimmen und wieder einpa­cken muss. Hätte ich unter solchen Umstän­den auch so gemacht  :mrgreen:
 
@ Hendrik – Torwart­tore zählen eigent­lich doppelt, wenn ich mit Malte spiele, also hör auf zu meckern. :mrgreen:

Antworten

9 Torsten November 6, 2010 um 12:10 Uhr

Jens, nochmal zum Thema David Gedge:

Our tour mileage will hit 3,000 today as we drive to München for our Atomic Cafe concert, which will be filmed, so no scruffy people please!

Mister Gedge auf Twitter zum München-Konzert. Er will also keine ungepfleg­ten Typen im Publi­kum… liest sich irgend­wie ernst­ge­meint.

Antworten

Kommentar verfassen

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: