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In meinem Geschirrspüler sitzt ein Forscher und droht mir mit erhobenem Zeigefinger. Ich mache mir nichts draus, denn ich bin ein Rebell.

by Gunnar Roß on 6. März 2011 · 3 comments

in Kraut und Rüben, Politik

Mein Name ist Gunnar Roß und ich bin ein europäi­scher Verbrau­cher. In meiner Eigen­schaft als solcher benutze ich Dinge und verbrau­che Energie. Als ich neulich beim Studium unserer Lokal­pos­tille über einen Artikel mit der Überschrift „Wissen­schaft­ler kriti­sie­ren Geschirrspül-Verhalten“ stolperte, ging mir die Hutschnur hoch. Dabei trage ich gar keine Hüte, höchs­tens mal am Sonntag, wenn ich pfauengleich durch meine weitläu­fi­gen Lände­reien stolziere. Doch zunächst zu gerade erwähn­tem Artikel. Lesen Sie mal rein:

Klicken Sie bitte hier um den ganzen Artikel lesen zu können.

Die älteren unter Ihnen, liebe Leserin­nen und Leser, werden sich vielleicht noch an eine Zeit erinnern, in der man als Verbrau­cher mündig war. Man hatte weitest­ge­hend die Freiheit, selbst zu entschei­den. Tagein, tagaus ratter­ten unsere abgrund­tief schlecht belade­nen Geschirr­spül­ap­pa­ra­tu­ren vor sich hin. Im ganzen Haus leuch­te­ten die guten alten Glühlam­pen stunden­lang und die Heizun­gen liefern immer mit den Thermo­sta­ten auf Anschlag gedreht. Auch im Sommer. Wir waren jung, dumm und unbeschwert und Energie war für uns etwas, das aus der Steck­dose kam. Keine Ressource, die es zu schonen galt, sondern ein jeder­zeit verfüg­ba­res Allge­mein­gut, das bezahlt werden mußte. Nun, die Zeiten ändern sich, und so ändern sich auch die Dinge. Da lassen sich also europäi­sche Verbrau­cher, wie auch ich einer bin, durch Webcams beobach­ten. Bezie­hungs­weise, sie senden freiwil­lig Fotos ihrer dille­t­an­tisch belade­nen Geschirr­spül­ap­pa­ra­tu­ren ein. Dann gibt es Wissen­schaft­ler, die sich diese Bilder ansehen und den bösen Verbrau­chern mal tüchtig die Leviten lesen. Du, du, du, du wider­li­ches Öko-Schwein!

In Zeiten wie diesen, ist Wider­stand nicht nur die erste Pflicht des Ignoran­ten, sondern auch unheim­lich einfach. Ich fordere sie alle auf, Ihre Geschirr­spül­au­to­ma­ten mit maximal einer, am besten nur leicht verschmut­zen Tasse zu beladen und die ganze Chose dann drei Stunden lang ordent­lich durch­zu­ko­chen. Das gleiche machen Sie dann bitte mit ihren Seiden­tü­chern in der Wasch­ma­schine – sagen wir 90 Minuten bei 90 Grad. Das sollte fürs Erste reichen. Jetzt werden Sie mich unver­nünf­tig und ignorant schimp­fen, aber ich sage Ihnen: Wenn das so weiter­geht mit der Bevor­mun­dung des ehemals mündi­gen Bürgers, dann gibt’s auch bald wieder Toilet­ten­pa­pier auf Zutei­lung. Wir müssen, ich betone – m ü s s e n – uns wehren. Wider­stand ist erste Bürger­pflicht. Kampf der völli­gen Rückver­dum­mung!

Wenn einer der Forscher bei Ihnen klingelt um sich zu beschwe­ren, ziehen Sie im eines von den ungespül­ten Frühstücks­brett­chen über den Hinter­kopf. Aber immer schön sachte, es soll niemand zu Schaden kommen.

Mit entset­zen Grüßen,
Ihr Gunnar Roß

{ 3 comments… read them below or add one }

1 Miss Raten März 7, 2011 um 10:33 Uhr

Ich bin überzeugt. Ab sofort werde ich bei der Mülltren­nung alle Zeitun­gen erst einmal bügeln, damit sie sich besser falten lassen, alle Verpa­ckun­gen in der halbbe­füll­ten Geschirr­spül­ma­schine reini­gen und dann den ganzen Krempel in die Tonne für den Restmüll stopfen. :mrgreen:

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2 Alex März 9, 2011 um 20:45 Uhr

Würde man ein Venn-Diagramm mit einem Kreis für die Elektro­boys und einem Kreis für Gunnar Roß zeich­nen, wäre zwangs­läu­fig der obige Titel die Schnitt­menge.

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3 Torsten März 12, 2011 um 14:42 Uhr

Miss Raten geht wie so oft mit gutem Beispiel voran. Ich begrüße das entschie­den. Alex, ich hab mit Gunnar sprechen können. Er sagt, das war „absolut seine Inten­tion“ und freut sich, daß Dir das aufge­fal­len ist.

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