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Frank Turner in Berlin

by Torsten on 6. Dezember 2011 · 9 comments

in Kraut und Rüben, Musik

Mit kleiner Verspä­tung der Reise- und Konzert­be­richt zu

Frank Turner & The Sleeping Souls
live im Postbahn­hof Berlin, 2. Dezem­ber 2011

Was für eine Woche. Der Saftla­den, der sich ganz harmlos Arbeit­ge­ber nennt, steckt im vorweih­nacht­li­chen Stress­chaos fest und fordert seinen Tribut in Form von Überstun­den ein. Also wieder kein Urlaub. Immer­hin war es mir möglich, meinen Arbeits­platz am Freitag pünkt­lich zu verlas­sen, denn die Fahrt nach Berlin stand an – Frank Haude­gen Turner und The Sleeping Souls baten zum kollek­ti­ven Fäuster­ecken.

Also mit Kolle­gin K ab nach Potsdam zu Kollege D, der sich freund­li­cher­weise bereit­er­klärt hat, bis nach Berlin weiter zu fahren. Es stößt noch Kollege S zum Trio und somit ist das Quartett komplett. Ich war über die abgege­bene Last des Fahres froh, da ich ungern in Berlin Auto fahre. Das hat ausschließ­lich mit dem komple­xen Verkehrs­ge­sche­hen in der Haupt­stadt zu tun, die rein fortbe­we­gungs­tech­nisch einfach nicht meine Haupt­stadt ist. Zuviele Autos, zuviele Menschen und keine Ahnung wo es langge­hen könnte. Einmal Bauern­tram­pel, immer Bauern­tram­pel. Die Feldwege meiner Region sind mir vertraut wie der Inhalt meiner Jacken­ta­schen; die Alleen und Haupt­stra­ßen Berlins hinge­gen, bleiben mir auf ewig ein Buch mit sieben Siegeln.

Auf der Fahrt nach Berlin fiel ich durch penetran­tes aus-dem-Fenster-glotzen auf, was Kolle­gen S zu folgen­dem denkwür­di­gen Satz veran­lasste: „Ich stand mal im Wedding im Stau und mir war überhaupt nicht langwei­lig.“ Ich schlug vor, diesen Satz als aller­ers­ten seiner noch zu schrei­ben­den Autobio­gra­phie zu verwen­den, da er mir ausge­spro­chen gut gefiel. Ich glotze also und mir war auch nicht langwei­lig, denn die Stadt der Städte ist an Attrak­tio­nen reich: Es gibt chine­si­sche Restau­rants mit Namen Ding Dong, es gibt viel bunte Leucht­re­klame und es gibt Menschen aus aller Herren Länder. Am Potsda­mer Platz angekom­men, leuch­tete die neue Heilig­keit Berlins direkt vor uns. Ich weiß nicht, was die Berli­ner bzw. ihre Gäste am Potsda­mer Platz so finden. Ich finde den nämlich ganz schön gruse­lig. Die auch nachts illumi­nier­ten gleich­för­mi­gen Büros wecken unwei­ger­lich Assozia­tio­nen an Huxleys Schöne neue Welt oder Orwells 1984. Wer etwas anderes empfin­det, ist entwe­der merkbe­freit oder unsen­si­bel.

Wir erreich­ten den Ostbahn­hof, den vom Postbahn­hof nur das P und 100 m Fußweg trennen. Kollege S bekam Hunger, verschwand für eine gefühlte Viertel­stunde im Bahnhof und kam mit einer Pizzaschach­tel voller in Quadrate geschnit­te­ner Pizza­stü­cken zurück. Dem Anschein nach vermu­tete ich lauthals, Kollege S hätte um die Reste aus dem Stein­ofen gebet­telt – er blieb jedoch felsen­fest bei seiner Verlaut­ba­rung, für die Pizza bezahlt zu haben. Sei’s drum.

Pizza mampfend schrit­ten wir hinüber zum Postbahn­hof und baten an der Lokali­tät um Einlaß. Selbi­ger wurde uns prompt gewährt, denn klug wie wir nunmal sind, hatten wir bereits Karten. Es war recht voll und nach der obliga­to­ri­schen Geträn­ke­ver­sor­gung und dem Merch­check sahen wir vom Neben­raum aus Frank Teufels­kerl Turner und seine Mannen die Wendel­treppe zur Bühne hinab­wan­deln. Also flugs den Raum gewech­selt, in der Gewiß­heit die Vorband The XCerts verpaßt zu haben. Was kein Drama war, denn ich fand die Band schon beim Hannover-Konzert – Inter­es­sierte finden hier den Reise­be­richt – verzicht­bar.

Zu den Klängen von Eulogy ging’s los und das gleiche wohlige Gefühl stellte sich auch prompt ein. Meine Mitstrei­ter blieben hinten, ich kämpfte mich tapfer bis ins erste Drittel der Halle vor und fand einen guten Platz. Die Setlist bestand im wesent­li­chen aus den gleichen Songs wie beim Hannover-Gig. Ausge­nom­men das neue Cowboy Chords, das für eine kurze Verschnauf­pause im ersten Teil des Konzer­tes sorgte. Nach anfäng­li­cher Verhal­ten­heit hatte Frank Braten­ben­gel Turner nach 15 Minuten das Publi­kum fest im Griff und komplett auf seiner Seite. Spätes­tens bei Love Ire & Song gab es kollek­tiv kein Halten mehr. Die Gags, (deutsch­spra­chi­gen) Ansagen und Überlei­tun­gen waren im Großen und Ganzen auch diesel­ben wie in Hanno­ver. Zunächst war ich ob der Synchro­ni­tät der beiden Shows etwas überrascht bis enttäuscht, im Gesamt­fa­zit geht das als eine Art von Rock’n’Roll-Show aber durch­aus in Ordnung. Wenn Frank Wahnwitz Turner mit ganzem Herzen bei der Sache ist und seine Shows vor Herzblut, Leiden­schaft und Idealis­mus nur so strot­zen … dann dürfen von mir aus auch die Gags aus dem Drehbuch kommen. Das viele Herzblut erklärt übrigens auch die recht „kurze“ Show von 90 Minuten inkl. Zugaben. Kollege D stellte ganz zu Recht fest, daß seine Stimme das ohnehin nicht länger mitma­chen würde … bei dieser Art von leiden­schaft­li­chem Einsatz.

Zum Abschluß gab’s erneut das großar­tige Somebody To Love und als Zugabe das selten gespielte Rock’n’Roll Romance und den ebenfalls schon aus Hanno­ver bekann­ten Block aus The Ballad of Me and My Friends und Photo­syn­the­sis. Auch bei den letzten beiden Songs war das Publi­kum in exzel­len­ter Mitsingstim­mung, die Fäuste reckten sich gen Hallen­de­cke und der Schweiß sammelte sich auf dem Hallen­bo­den. Großes Kino.

Die Rückfahrt verlief enorm entspannt. Genau genom­men so entspannt, daß ich hinter Potsdam den Tempo­mat auf 140 tackerte und bis zu meiner heimi­schen Abfahrt weder Gas- noch Brems­pe­dal benut­zen mußte. Colas­aufend fuhren wir durch die Nacht… und da ich mein rechtes Bein nicht benötigte, pfiff ich auf dessen Zehen das England Keep My Bones Album in ganzer Länge.

Setlist wird nachge­reicht!

Schor­leb­log zum Thema
Akkord­ar­beit zum Thema

{ 9 comments… read them below or add one }

1 Bruce Baxter Dezember 10, 2011 um 12:15 Uhr

(aka Kollege D)
und wieder eine spitzen­mä­ßige kurzfas­sung des abends, die anekdote mit dem weihnachts­markt­be­such fehlt aller­dings noch. sie würde den „bauern­tram­pel­ab­satz“ noch abrun­den 😎
beim kolle­gen akkord­ar­beit gibt es einen link eines konzert­mit­schnitts von frank turner aus der tour 2011, die quali­tät ist gut und die „faust-hoch-mitsingchöre“ deutlich zu hören
 
 

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2 Torsten Dezember 10, 2011 um 12:31 Uhr

… die Sache mit dem Weihnachts­markt lassen wir weg. 😉 Wo ist denn der Link beim Akkord­ar­bei­ter … ich find nix?!

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3 Bruce Baxter Dezember 10, 2011 um 14:34 Uhr

ohhh wie schade.….…hier der artikel beim akkord­ar­bei­ter, und hier das bootleg

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4 Bruce Baxter Dezember 10, 2011 um 14:38 Uhr

hier noch ein konzert aus wien

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5 Torsten Dezember 10, 2011 um 15:22 Uhr

Danke! 😛

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6 Bruce Baxter Februar 15, 2012 um 20:14 Uhr

die freude ist groß…der frank, der turner noch einmal live und auch noch open air, am 24. Juni in Scheeßel

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7 Torsten Februar 15, 2012 um 20:56 Uhr

Viel Spaß!

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8 Frau Mascha März 4, 2014 um 10:04 Uhr

Ich möchte mal danke sagen. Durch Deinen Blog habe ich vor gerau­mer Zeit Frank Turner für mich entdeckt und hatte seitdem nicht nur viele schöne Stunden am CD-Gerät, sondern auch gestern einen grandio­sen Konzert­abend. Danke dafür.
Beseelte und leicht heisere Grüße!

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9 Torsten März 4, 2014 um 10:48 Uhr

Das freut mich. Danke! 🙂

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