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Wo Barthel den Most holt.

by Torsten on 19. Oktober 2012 · 0 comments

in Kraut und Rüben

Gedicht von Rudolf Baumbach


Das war der Barthel, der fromme Mann,
Der hasste der Stadt Gebrause,
Er zog hinaus in den finstern Tann
Und baute sich eine Klause.

Dort stillt der Bergquell seinen Durst,
Den Hunger die wilden Beeren
Und neben­her auch Speck und Wurst,
So ihm die Bauern vereh­ren.

Am Tag verbringt er seine Zeit
Mit Essen, Gebet und Beschau­ung,
Die übrigen Stunden sind geweiht
Dem Schlum­mer und der Verdau­ung.

So führt er als ein guter Christ
Ein Leben recht gedeih­lich,
Und wenn er einmal gestor­ben ist,
So spricht der Papst ihn heilig.

Wenn voll des Mondes Scheibe lacht,
Lacht auch der Barthel listig:
Er hebt sich von dem Lager sacht,
Waldein­wärts schrei­tet er rüstig.

An seinem Arm hängt riesen­groß
Ein Krug mit bauchi­ger Ründung;
So kommt er an ein zerfal­le­nes Schloss
Und schlüpft in des Kellers Mündung.

Manch schwe­res Fass voll Rhein­wein ruht
Dort unten tief im Berge.
Es wachen über dem edlen Gut
Des Waldes kluge Zwerge.

Sie sammeln sich beim Vollmond­schein
Und feiern ihre Feste;
Die Nixen und die Waldfräu­lein
Sind gern gesehene Gäste.

Der Eremit tritt schüch­tern vor
Und scharrt mit seinem Fuße,
Da jubelt laut der Zwerge Chor
Und bietet das Glas zum Gruße.

Waldweib­lein, wenn sie ihn gewahrt,
Gar freund­lich lächeln und knixen,
Es zupfen ihn am langen Bart
Die übermü­ti­gen Nixen.

Und bei den Fässern hebet an
Ein Zechen ohne Gleichen.
Der Wasser­mann kommt auch heran,
Berich­tet von seinen Strei­chen.

Dann lachen leis die Waldfräu­lein,
Die Nixen kichern verstoh­len.
Der Eremit blickt lustig drein.
Die Zwerge schreien und johlen.

Wenn die Hähne krähen, wenn dämmern­der Tag
Zum Keller­loch mahnend herein­blinkt,
Der Klaus­ner müde vom Geister­ge­lag
Nach Haus mit dem Kruge voll Wein hinkt

Und sinkt auf seine Lager­statt
Und schlum­mert auf duften­dem Heue,
Und wenn er sich ausge­schla­fen hat,
Beginnt er zu trinken aufs neue.

Dem aber, dessen Lieder­mund
Dies schöne Lied gedich­tet.
Hat Barthel selbst in trauli­cher Stund‘
Die Wunder­märe berich­tet.

Und wenn er aus des Klaus­ners Krug
Zuwei­len sich einen Trost holt,
So spricht er rastend nach tiefem Zug:
„Ich weiß, wo Barthel den Most holt.“



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