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Er sieht sie an, während sie ihn ansieht, während er denkt: Dieser Trend zu Stehlampen aus gedrechseltem Messing mit gelben Stoffschirmen ist besorgniserregend.  So war das, neunzehnhundertzweiundfuffzich.

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Aus der Magdeburger Volksstimme von heute:

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Aschersleben – Es war ein Bild, das an längst vergangenes Schlangestehen zu DDR-Zeiten erinnerte. In Zweier- und Dreierreihen standen hunderte Menschen bis weit um die Hausecke in der Otto-Arndt-Straße in Aschersleben (Salzlandkreis). Ihr Ziel : ein Termin beim Arzt. Es war die erste Sprechstunde von Augenarzt Dr. Detlev Hoffmann – einem 64-jährigen gebürtigen Hallenser, der aus dem Ruhestand in Hessen zurück in den Osten gekommen war und sich gleich am ersten Arbeitstag nicht vor Patienten retten konnte. Ab 5 Uhr, drei Stunden vor Sprechstundenbeginn, standen die Ersten an, bis zum Montagabend blieb eine Schlange. “ Das habe ich mein ganzes Leben nicht erlebt „, sagte Hoffmann, der selbst die Pausen ausfallen ließ. Mehr als zwei Jahre musste Aschersleben ohne einen Augenarzt auskommen, der auch Kassenpatienten behandelt. Im Herbst 2007 verwies die Kassenärztliche Vereinigung ( KV ) die Patienten zur ambulanten Behandlung an die Universitätsklinik Halle. Auf Initiative des Landtagsabgeordneten Detlef Gürth ( CDU ) konnte Hoffmann von KV und Stadt gewonnen werden. In Sachsen-Anhalt war die Zahl der Augenärzte innerhalb von zehn Jahren von 174 auf 154 gesunken. “ 14 Prozent sind bereits älter als 60 Jahre, im Jahr 2011 werden es 32 Prozent sein „, so Dr. Michael Diestelhorst von der Kassenärztlichen Vereinigung. Zurzeit gibt es Gespräche, wie der Mangel in ebenfalls besonders betroffenen Regionen wie Magdeburg, Hettstedt und Zerbst entspannt werden kann.

So sieht also unsere Zukunft aus: Mit Minimalrente in der Tasche beim Arzt Schlange stehen und auf dem Rückweg im Penny die Paprika tauschen. Ist das Wegbrechen von elementaren Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum das erste Zeichen der Selbstauflösung? Werden wir im Alter nur noch zu Wunderheilern gehen? Sollte ich mich als Wunderheiler selbständig machen? Sehe ich apokalyptische Tendenzen, wo keine sind? Sollte ich den Grauen Panthern beitreten? Rein präventiv, was meint ihr?

Wir müssen Dryland finden.

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Ein Fanfarenzug marschiert durch mein Schlafzimmer. Der Elferrat ist am Kopfende meines Bettes versammelt, unter Vorsitz von Prinz Poldi dem Torfnäsigen und seinem Stellvertreter Harald III. Sie brüllen fortwährend „Woll’n mer se reinlasse?“ ich schreie „NEIN!!!“, aber niemand hört mich. Da kommen sie: Das Funkenmariechen tanzt mit den anderen Mädels vom Karnevalsclub „Die Degenerierten e.V.“ direkt vor dem Fernseher. Sie tröten, sie tuschen, sie lärmen. Ich bekomme Kopfschmerzen.

Sweetheart, sag mal den Nachbarn bescheid: Es könnte gleich etwas lauter werden. Und etwas blöder. Sogar ziemlich blöde. Gemeingefährlich blöde. Irgendwas zwischen unglaublich blöde und unerträglich doof. Die Karnevalisten sind die Pestkranken des 21. Jahrhunderts. Bombardiert Köln.

Ich wache schweißgebadet auf.

Endlich Aschermittwoch.

Alaaf und Helau!
Seid ihr bereit?
Willkommen zur Beklopptenzeit!
Mer kenne des aus Akte X,
doch Mulder rufe hilft da nix,
des kommt durch Strahle aus dem All,
und plötzlisch ist dann Karneval!

( Tusch )

Uff einen Schlach werd´n alle dämlisch,
denn das befiehlt das Datum nämlisch!
Es ist die Zeit der tollen Tage,
so eine Art Idiotenplage,
eine Verschwörung, blöd zu werden,
die jährlich um sich greift auf Erden.
Ei´ wahre Ausgeburt der Hölle,
und Ausgangspunkt davon ist Kölle!

( Tusch )

Denn dort gibt´s nisch nur RTL,
das Fernseh-Einheitsbrei-Kartell,
sondern aach jede Menge Jecken,
die sisch auf Nasen Pappe stecken,
in Teufelssekten sich gruppieren
danach zum Elferrat formieren
und dann muss selbst das döfste Schwein
dort auf Kommando fröhlisch sein.

( Tusch )

Auf einmal tun in allen Ländern
die Leude sisch ganz schlimm verändern
Sie geh´n sisch hemmungslos besaufe
und fremde Mensche Freibier kaufe
schmeiße sisch Bonbons an die Schädel,
betatsche Jungens und aach Mädel
und tun eim jede, den sie sehen,
ganz fuschtbar uff de Eier gehen!
Sie tun nur noch in Reime spreche
und sind so witzisch, man könnt´ breche,
bewege sisch in Polonäsen,
als trügen sie Gehirnprothesen,
man möschte ihnen – im Vertrauen
– am liebsten in die Fresse hauen!

( Tusch & Konfetti-Kanone )

Doch was soll man dagege mache?
Soll man vielleicht noch drüber lache?
Es hilft kein Schreie und kein Schimpfe,
man kann sisch nich mal gegen impfe,
die Macht der Doofen ist zu staak,
als dass man sisch zu wehr´n vermag!

( kein Tusch )

Am besten ist, man bleibt zu Haus
und sperrt den Wahnsinn aanfach aus.
Man schließt sich ein paar Tage ein
und lässt die Blöden blöde sein!
Der Trick ist, dass man sich verpisst
bis widder Aschermittwoch ist!

( evtl. Tusch )

Und steht ein Zombie vor der Tür,
mit so ´nem Pappnasengeschwür,
und sagt statt „Hallo“ nur „Helau“,
dann dreh sie um, die dumme Sau,
und tritt ihr kräftisch in den Arsch
und ruf dabei: Narrhalla-Marsch!“
„Vielen Dank …“

( Tusch, flüchtiger Narhalla-Marsch mit anschließenden Weglaufen )

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Herrjemine … das lustige Völkchen aus Übersee: Eine Jesus-Skulptur, wohl via Funk mit dem Terrorwarnsystem des Heimatschutzministeriums verbunden, zeigt den aktuellen Gefährdungsstand des Landes an. Wird also „Code Red“ ausgelöst, wird auch der Jesus ganz red und sein Besitzer kann sich umgehend in Sicherheit bringen, wo auch immer er die finden mag …

Für nur 19,95$, und wenn ihr umgehend bestellt, gibt’s eine Leselampe und die Bibel dazu.

Wenn das kein Schnäppchen ist!

*Wenn das ein Fake ist, ist es ein guter! 🙂

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Kaffee, Kaffee, Kaffee. Der Champagner des kleinen Mannes, das Lebenselixier der gemeinen Bördebauern, die einzige Existenzberechtigung der Bördebehörde! Spülen wir den Streß der Woche mit einer heißen Tasse goldigem Vergnügen die Kehle hinunter und läuten zwischen Speiseröhre und Mageneingang das Wochenende ein. Klimbim, Klimbim, viele Grüße aus Honduras!

Ich habe Rumpelstilzchen getroffen. Bei Penny am Gemüsestand. Ehrlich. Rumpelstilzchen, ein kleiner, geschätzt 70-Jähriger Kauz, wühlte mißmutig aber entschlossen im Paprikasortiment. Sein emsiges Treiben wurde von stetigem Kopfschütteln begleitet, offensichtlich galt das Schütteln seines Hauptes der Qualität der Paprika.

Rumpelstilzchen – in Unkenntnis seines echten Namens und in Anbetracht der Physiognomie des Mannes muß ich ihn weiterhin so nennen – begann, eine der wenig schönen aber praktischen 3er-Packungen ampelfarbener Paprika durch brachiales Aufreißen zu entweihen. Anschließend griff er behende ins Fach mit der losen roten Paprika, um qualitativ hochwertigeren Ersatz zum Austausch zu finden.  Quasi ein kostenloses Update auf Paprika 2.0: Fürs gleiche Geld die bessere Ware. Nachdem er ein ansprechendes Exemplar gefunden hatte, versuchte er unter großen Mühen selbige wieder in den Plastikschlauch zu stopfen. Soll ja echt aussehen an der Kasse, nicht das noch jemand denkt … von wegen Schummelei und so … ihr wißt schon. Rumpelstilzchen ließ sich auch von meinem höflich formulierten „Dürfte ich mal ganz kurz an die Paprika?“ nicht aus der Ruhe bringen, machte mir kurz Platz um sein Teufelswerk anschließend mit unvermindertem Starrsinn fortzusetzen.

Vermutlich reicht die karge Rente gerade so zum Überleben, meinen Segen hatte der gute Mann jedenfalls, auch und gerade weil er sich überhaupt nichts dabei dachte und einfach machte, machte, machte. Wenn ihr also das nächste Mal Paprika kaufen geht, denkt daran: Es könnte immer schlimmer kommen.

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Schlafforscher und andere aufgeklärte Geister behaupten, der gemeine Mitteleuropäer (sehr wahrscheinlich betrifft das auch Bewohner anderer Erdteile) käme nach etwas Training mit 3 Stunden Schlaf aus, vielleicht sogar mit noch weniger.
Ich hab den Kurzschlaf in der letzten Nacht mal unfreiwillig ausprobiert und kann hier mitteilen, was vermutlich ohnehin schon jeder weiß: Es funktioniert nicht, zumindest nicht untrainiert.

*gähn*

Strafen wir also die Schlafforscher mit unverhohlener Mißachtung (oder tiefen Träumen) und wenden uns stattdessen lieber den Sprachforschern zu, z. B. auf einer Zugreise nach Pusemuckel, Kleinkleckersdorf oder Buxtehude. Gute Nacht.

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