80er

Eine meiner Kindheits- bzw. Jugenderinnerungen geht wie folgt: Wir schreiben das Jahr 1984. Mein Bruder und ich sitzen auf der Ladefläche eines froschgrünen Multicar der LPG (T) Uthmöden. Mein Vater sitzt am Steuer, gemeinsam haben wir vermutlich irgendwas zur Müllkippe (Fuchsberg! Aschenkuhle! Insider!) gefahren. Wir sitzen also gutgelaunt auf der Pritsche des Mini-LKWs und singen lauthals „1, 2, 3 – alle fahr’n vorbei. Ich bleib hier, hier gefällt es mir!“ vor uns hin. Sonst ist nix weiter passiert, wir sangen nur und hatten gute Laune.

Vor Jahren fiel mir diese Episode wieder ein. Ab und an hab ich in den letzten Jahren Google angeworfen und mit dem Search-String „1, 2, 3, alle fahr(e)n vorbei“ erfolglos nach Song und Interpret gesucht. Irgendwann ließ ich in einem Moment der Erleuchtung die Zahlen weg und stieß so relativ schnell auf den Text zu Dialogs „963“. Und schlagartig fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Es hieß gar nicht „1, 2, 3, alle fahr’n vorbei…“ sondern „9, 6, 3, alle fahr’n vorbei…“. Mit diesem neuen Wissen ausgerüstet war es nun nur noch ein Katzensprung bis zu einer Aufnahme auf Youtube und weiter zum Erwerb des zugehörigen Albums 963.

Dialog stammten aus Crimmitschau. 963(0) war zu DDR-Zeiten die Postleitzahl von Crimmitschau und ist der Titel der ersten Dialog-Platte bei Amiga. Die Platte bietet den typischen DDR-Rock und ist nicht weiter auffällig; weder positiv noch negativ.  Der Text zu 963 stammt von Burkhard Lasch, einem der meistbeschäftigsten DDR-Rock-Texter und sinniert über die Liebe, die Liebe zur Kleinstadt und die Liebe zu Crimmitschau. Eine Hymne auf die Provinz, gewissermaßen. Was mich und meinen Bruder im Jahre 1984 allerdings nicht sonderlich interessiert hat; wir waren wohl mehr vom kindgerechten Refrain angetan… Hier gut zu hören:

Dialog fielen mir später nochmal mit Denke daran auf, einem friedensbewegten Anti-Atombomben-Song mit ebenso pathetischem wie einprägsamen „Das große Karthago führte drei Kriege…“-Intro.

{ 0 comments }

Depeche Mode waren meine erste große musikalische Liebe, deshalb unterstütze ich dieses Projekt mit ein wenig Zuarbeit und rufe hiermit auch andere Zeitzeugen und DeMo-Senioren auf, es mir gleichzutun: Die Autoren der Depeche Mode-Bibel MONUMENT, Sascha Lange und Dennis Burmeister suchen für ihr nächstes Buchprojekt zum Thema „Depeche Mode-Fankultur in der DDR“ Material und Zeitzeugen. Gesucht wird insbesondere nach Bildmaterial, Brieffreundschaften (auch und gerade zwischen DDR- und BRD-Fans), Anekdoten usw. usf. Die Herren sind über die Facebook-Seite oder per E-Mail (Sascha Lange, Dennis Burmeister) zu erreichen. Ich freue mich schon sehr auf das Buch, das im Frühjahr 2018 im Aufbau-Verlag erscheinen soll und mit Mitteln der Stifung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur co-finanziert wird.


{ 0 comments }

Leberwurst, Zungenwurst!

by Torsten on 30. Januar 2017 · 0 comments

in Musik

Letzte Woche hab ich meinen iPod neu bestückt. Der üblichen Verdächtigen überdrüssig, schmiß ich ziemlich wahllos einen bunten Reigen gesammelter mp3 in Richtung des Gerätes, worunter sich auch eine Compilation namens untergrundw befand. Am Wochenende lief dieser im Auto und bei X-Mal Deutschlands Incubus Succubus verstand ich tatsächlich Leberwurst, Zungenwurst! im Refrain. Von 0 auf Platz 1 in meiner Hitparade der falschverstandenen Songtexte! Im Video sehr gut zu hören ab 1:01 min.


{ 0 comments }

Man lernt bekanntlich nie aus, und so lernte ich erst am gestrigen Tage Die Caufner-Schwestern kennen und schätzen. Die Caufner-Schwestern waren ein Gesangstrio, das 1977 in der DDR gegründet wurde. Mitglieder der Gruppe waren die drei Schwestern Juliane, Isa und Irina Kaufner. Die Gruppe spielte vor allem Discomusik.

Weiterhin sagt Wikipedia: Schon als Kinder sangen die vier Schwestern Iris, Juliane, Isa und Irina Kaufner gemeinsam in Rostock mehrstimmige Sätze. Juliane und Isa erhielten von 1972 bis 1973 eine Gesangsausbildung und waren Mitglieder der „College Formation“. Die Stücke „Dein und mein“, „Als ich nachher von dir ging“ und „Vom Träumen“ mit Isa Caufner als Solosängerin wurde auf der Kompilations-LP „Examen in Musik“ 1973 veröffentlicht. 1976 gründeten die vier Schwestern das Vokalquartett „Caufner-Collection“. 1977 wurden sie in der Fernsehshow Familien-Disko vorgestellt. Iris Kaufner verließ die Gruppe. Die Band musste sich in Caufner-Schwestern umbenennen. 1978 erschien die erste Single „Komm doch“; die Nachfolge-Single „Laß dieses „he““ wurde im selben Jahr veröffentlicht. Für ihr Tourneeprogramm „Drei unterwegs“ wurden sie mit dem Förderpreis des Generaldirektors des Komitees für Unterhaltungskunst ausgezeichnet. Die Caufner-Schwestern traten in der Fernsehshow Ein Kessel Buntes auf und gaben auch im Ausland Konzerte. Juliane Albrecht und Irina Kaufner traten bis 1987 als Duo auf, Irina starb 2010 an Krebs.

Die Discografie der Damen ist überschaubar. Wir hören „Komm doch“ von ihrer ersten Single. Ein herrlich zweideutiges Stück, das mit sehr solidem Funk und allerschwerstem Disco-Einschlag zu überzeugen weiß. Mehr Internationalität war in der DDR nicht möglich und mehr D.I.S.C.O. schon gar nicht. Schönes Stück!


{ 1 comment }

© Nalinee Darmrong

Ich habe vollkommen vergessen, der toten Königin zum 30. zu gratulieren. Deshalb hiermit nachträglich und ganz offiziell nur die besten Wünsche zum Thronjubiläum: Am 16. Juni 1986 erschien „The Queen is dead“, das Überalbum der Smiths, da sind sich Kritiker und Fans einig. Nur ich tanze ein wenig aus der Reihe, denn mir persönlich ist das Album schon beinahe zu perfekt, genaugenommen unheimlich perfekt. Deshalb höre ich lieber „Strangeways, here we come“, möchte die tote Königin aber dennoch nicht schlechtreden: Ein großartiges Stück Musik(geschichte), das mich Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger unzählige Stunden auf dem Walkman begleitet hat.


{ 0 comments }

Sehr geehrter Herr Vorsitzender der Kreisleitung der SED,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Genossinnen und Genossen,
liebes Blasorchester des VEB Zementwerke Rüdersdorf!

Nachfolgend finden Sie das Programm zu den 21. Arbeiterfestspielen der DDR im Festspielkreis Haldensleben vom 20. bis 22. Juni 1986 zur Ladung auf Ihren mikroprozessorgesteuerten Personalcomputer.

Nachfolgend einige Höhepunkte aus dem geplanten Programm:
– Ausstellung Konsumgüter der Forstwirtschaft
– Singeklub der Bezirksnervenklinik Haldensleben
– Modenschau, gestaltet durch das Dienstleistungskombinat und die Konsumgenossenschaft
– Schiffsmodellsport- und Amateurfunkaktivitäten
– Jugendtanzabend mit „REPORT“ (Jugendtanzformation beim VEB Stärkefabrik Goißen)
– Auftritt Zentrales Blasorchester des Berliner Bauwesens
– Singeklub der Betriebsschule des VEB Möbelkombinat Zeulenroda
– u. v. m.

Mit sozialistischem Gruß
Ihr Genosse Amtsvorsteher

*Vielen Dank an die Jugendmühle Althaldensleben für die freundliche Leihgabe!

{ 0 comments }