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Frank Turner

Redemption

by Torsten on 18. Dezember 2014 · 0 comments

in Musik

Ich habe in den letzten Stunden zuviel Ronny Gander gehört. Jetzt bin ich gander­schön durch den Wind, mein lieber Ronny! Zum Ausgleich etwas Frank Turner. Tape Deck Heart war eine schwa­che Platte, muß man mal so sagen. Deshalb was älteres, aber nichts ganz altes. Da fällt mir ein: Ich weiß gar nicht, was Redemp­tion übersetzt heißt. Gleich mal nachschla­gen. I’m quite schlecht im Engli­schen but pretty firm in telling you Kauder­welsch. Bis neulich wußte ich nicht mal, was Surren­der heißt. Aber ich übe täglich, denn das hält mich jung, konsens­fä­hig und wertsta­bil. Erlösung.


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Lieblingsplatten 2011

by Torsten on 27. Januar 2012 · 0 comments

in Musik

Wie immer mit leich­ter Verspä­tung: Eine kleine Übersicht über meine persön­li­chen Lieblings­al­ben des Jahres 2011. Wie immer gilt auch in diesem Jahr: Das Album muß nicht zwangs­läu­fig im letzten Jahr veröf­fent­licht worden sein; als Krite­rium gilt ausschließ­lich die persön­li­che Entde­ckung der entspre­chen­den Platte in 2011. Es kann also durch­aus ein Album aus dem Jahre 1695 sein..

CoverEA80 – Defini­tiv: Nein! /// Plötz­lich ist alles wieder wie früher. Teenage Angst, Melan­cho­lie und diese unerklär­li­che Wut, die tief aus dem Bauch kommt. Ich fühle 1992 förmlich in den Knochen und EA80 sind immer noch dabei, wie ein guter Freund der mit Dir alt gewor­den ist und Dir den Kopf hält, wenn Du kotzen mußt. Bestes Kopfkino und demoti­vie­rends­tes Zumfrühdienstfahr-Album aller Zeiten. Beste Momente: Die „drei Songs in einem“ und das Hymnen­hafte in Bestand­teile und – natür­lich! – das epische Die Suche, der passendste aller Silves­ter­songs.
CoverEF – Mourning Golden Morning /// Von ihrer Reise ins schöne Schwe­den brachte uns die Chris­tel von der Post den gleich­na­mi­gen Rock mit. Schöner hat Chris­tels Postrock nie geklun­gen: Wunder­bar entspannt, schein­bar wie locker aus dem Ärmel geschüt­telt und dennoch struk­tu­riert und drama­tisch. Würde ich Drogen nehmen, würde ich sie zu dieser Musik nehmen. Beste Momente: Das Schlag­zeug am Beginn von K-141 KYPCK und das wunder­bare Longing For Colors mit seinem zweistim­mi­gem Gesang der mich schwer an Monochrome erinnert.
CoverFix-It – Kill Kill Kill /// Go Fuck Yours­elf! Gleich im ersten Song des Albums machen Fix-It alles klar. We are Fix-It we fight them all! So mag ich meinen Punkrock: Rotzig, mitten in die Kauleiste, ordent­lich garagig (aber nicht zu dreckig) und mit schwe­rem ’77-Einschlag. 100% DIY und nicht der übliche Industrie-Dreck, der den Kids von heute als Punk verkauft wird. No Passion, No Reaction! Das Bild links zeigt übrigens auch das zweite Album namens Who’s The Pig? welches ich ebenso unein­ge­schränkt empfeh­len kann. Beste Momente: Das ganze verdammte Album, Alter! We need to feel the fire inside!
CoverIvan Mládek Mit Seiner Hexenschuss-Band – Guten Tag! /// Mein persön­li­cher Running Gag des Jahres: Ursprüng­lich hatte ich mal das inzwi­schen wohl weithin bekannte Jožin Z Bažin von der Banjo Band Ivana Mládka entdeckt. Ivan Mládek ist in Tsche­chien und der Slowa­kei ein großer Star. 1982 veröf­fent­lichte seine Banjo-Band ein Album mit ihren größten Hits – gesun­gen auf Deutsch. Dazu wurden alle tsche­chi­schen Origi­nal­texte mehr oder minder sinnvoll einge­deutscht und heraus kam ein lusti­ges und stellen­weise absur­des Kleinod. Um diese Platte zu lieben braucht man wohl einen merkwür­di­gen Humor … ich jeden­falls liebe sie und habe sehr lange nach ihr gesucht. Schlu­ßend­lich fand ich sie für nur 5 EUR auf eBay… Beste Momente: So richtig eigent­lich keiner. Irgend­wie aber auch alle. 😀
CoverOut On A Limb – Drowned /// Den Postrock hatten wir weiter oben schon, hier kommt der Postpunk aus Karl-Marx-Stadt. Schön new wave-ig, dunkel, treibend und wie aus einer anderen Zeit. Das Beste vom Guten, irgendwo zwischen Serene Fall und den mittel­schnel­len Momen­ten von Die Art. Gute Musik, um nachts Auto zu fahren. Eingän­gig, aber nicht so eingän­gig, daß einem die Songs nach 10 Durch­läu­fen schon aus den Ohren hängen. Komplex, aber nicht so komplex, das es anstren­gend wird. Ein tolles Album, das im schlimms­ten Falle sträf­lich unter­be­wer­tet irgend­wann für einen Euro auf eBay landen wird. Nehmen die Dinge aber eine positive Entwick­lung, wird man irgend­wann auf das hervor­ra­gende Debüt einer großar­ti­gen Band zurück­bli­cken können. Noch ist nichts verlo­ren! Geheim­tipp! Beste Momente: Das Album wirkt wie aus einem Guß, aber Opener und Titel­track sind beson­ders großes Kino.
CoverDan Mangan – Nice, Nice, Very Nice /// Kein Album zum Neben­bei­hö­ren, ein Album zum Genie­ßen. Ein guter Song jagt den nächs­ten, und wenn die beiden damit fertig sind, fangen sie von vorne an. Meist sparsam instru­men­tier­ter Folkrock­pop, der in seinen besten Momen­ten wirklich große Kunst ist. Mangans Nachffol­ge­werk Oh Fortune soll noch deutlich ruhiger ausge­fal­len sein, was auch der Haupt­grund ist, warum ich mich bisher weigerte, in Oh Fortune reinzu­hö­ren. Es kann einfach nur schlech­ter sein, denn ein besse­res Album ist nur schwer vorstell­bar. Beste Momente: Robots need love too … they want to be loved by you!
CoverThe Monte­sas – Midni­ght Beat /// Dieses Album steht hier eigent­lich nur stell­ver­tre­tend für all die tollen Montesas-Alben, die ich im letzten Jahr hören durfte. Neben dem Soul – siehe den nächs­ten Eintrag – haben auch der Beat, der Twist, der Hully Gully und der Rock’n’Roll Einzug in meine musika­li­sche Welt gehal­ten. Und zwar fast ausnahms­los in Gestalt der Monte­sas! Auch hier jagt ein Hit den nächs­ten. Diese Platte macht einfach nur gute Laune und läßt das Tanzbein zucken. Wie schade, wenn man dann gar nicht tanzen kann. Das muß wohl die vielbe­schrie­bene Ironie des Schick­sals sein… trotz­dem freue ich mich schon auf The Monte­sas im Februar live und in Stereo in Leipzig. Beste Momente: Last Summer­days, Midni­ght Beat und Can’t be your lover
CoverSharon Jones & The Dap-Kings – Soul Time! /// 2011 wird als „das Jahr in dem auch der Soul Einzug hielt“ in meine private Musik­ge­schichte einge­hen. Eine Compi­la­tion der ungekrön­ten Königin des Soul – Sharon Jones. Eine Platte die klingt, als wäre sie 40 Jahre alt. Die Band arbei­tet ausschließ­lich mit Vintage-Instrumenten und lehnt jegli­chen neumo­di­schen Schnick­schnack ab. Heraus­ge­kom­men ist ein Album voller Herzblut und Energie. „You may feel this LP is a lesson in soulful and funky music. It’s the coolest school you’ll ever see, brought you by Sharon Jones.“ Beste Momente: Der B-B-Beat in New Shoes und das Kopfkino, das auf die Frage What if we all stop paying taxes? folgt.
CoverSniffing Glue – s/t /// Deutsch­lands beste Hardcore­band. Aggres­sive Musik mit wüten­den Texten. Punkt.










CoverSchon wenn die Ouver­türe in Form von Eulogy erklingt wird klar, daß etwas Großes beginnt. Turners Durch­que­rung seines Vater­lan­des in 15 Songs, die Bonus­tracks der Deluxe-Version einge­schlos­sen. Perfek­ter Rock’n’Roll-Zirkus mit großar­ti­gen Folkrock(was für ein wider­li­ches Wort!)-Songs und Texten und Worten und Zeilen, die oft ein Tattoo wert wären. Live eine Wucht. Beste Momente: Die positive Wut mit der Turner in One Foot Before The Other seine Asche in die Kanali­sa­tion spülen läßt und die Drama­tik­kurve in Redemp­tion.




Das soll’s auch schon gewesen sein. Für sachdien­li­che Hinweise sind wie immer Kommen­tare sehr gern gesehen!

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Dieser Eintrag versam­melt einige der ca. 300 von Frank Turner angeführ­ten Gründe, kein Idiot zu sein. Er dient ausschließ­lich zu Dokumentations- und Recher­che­zwe­cken sowie zu meinem Privat­ver­gnü­gen und wird bei entspre­chen­dem Infor­ma­ti­ons­fluß fortlau­fend erwei­tert. Danke dennoch für die Aufmerk­sam­keit! Wenn Dein Grund hier noch fehlt, freue ich mich auf Deinen Kommen­tar!

This entry is trying to gather some (maybe all?) of the 300 „Reasons Not To Be An Idiot“ of the corre­spon­dent vinyl record by Frank Turner.  If „your“ reason is missing please leave a comment here inclu­ding the number of the record! Thanks!

 

Reason #003: Because no one really cares…
Reason #009: Because you will miss your fucking bus!
Reason #010: Because the shops are closing in 10 minutes…
Reason #021: Because people are trying to sleep in here!
Reason #033: Because the wind might change and you’ll be stuck like that forever
Reason #042: Because you might end up with Russell Brand’s hair
Reason #063: Because my name ain’t really Frank…
Reason #069: Because Prison won’t make you a man.
Reason #070: Because New Labour is full.
Reason #090: Because you have to pay for your sins sometime…
Reason #114: Because i need you to keep buying my records
Reason #115: Because it butters no parsnips
Reason #131: Because you should leave point­less­ness to blunt pencils
Reason #148: Because Rick-Rolling isn’t funny anymore
Reason #160: Because the diffe­rence between Italian espresso and cocain is, frankly, acade­mic
Reason #176: Because Joe Strum­mer is never coming back.
Reason #195: Because if Crass called the Clash „The Cash“, they’d surely laugh if they saw my stash.
Reason #196: Because integrity don’t keep you warm and sane.
Reason #206: Because Holly­wood just wants to eat your soul
Reason #207: Because if ratio­na­lists take their eye off the ball, the god squad creep in through the back door again.
Reason #217: Because politi­cal correct­ness is just lingu­is­tic fascism.
Reason #219: Because I’m a Man, he’s a PC and you’re a Fascist (linux)
Reason #221: Because my battery’s running low
Reason #235: Because Art School is too cool.
Reason #259: Because level-crossing deaths slow down the traffic
Reason #265: Because Dumble­dore dies at the end.
Reason #293: Because I’m not the outdoor type…
Reason #299: Because the only thing that’s left to do is live.
Reason #305: Because the line between collec­tivism and tyranny is a thin one indeed
Reason #314: Because I look nothing like Brett of Flight of the Conch­ords.
Reason #318: Because the inter­net = Skynet.
Reason #321: Because i’d forgot­ten how dull writing these reasons out is…

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Mit kleiner Verspä­tung der Reise- und Konzert­be­richt zu

Frank Turner & The Sleeping Souls
live im Postbahn­hof Berlin, 2. Dezem­ber 2011

Was für eine Woche. Der Saftla­den, der sich ganz harmlos Arbeit­ge­ber nennt, steckt im vorweih­nacht­li­chen Stress­chaos fest und fordert seinen Tribut in Form von Überstun­den ein. Also wieder kein Urlaub. Immer­hin war es mir möglich, meinen Arbeits­platz am Freitag pünkt­lich zu verlas­sen, denn die Fahrt nach Berlin stand an – Frank Haude­gen Turner und The Sleeping Souls baten zum kollek­ti­ven Fäuster­ecken.

Also mit Kolle­gin K ab nach Potsdam zu Kollege D, der sich freund­li­cher­weise bereit­er­klärt hat, bis nach Berlin weiter zu fahren. Es stößt noch Kollege S zum Trio und somit ist das Quartett komplett. Ich war über die abgege­bene Last des Fahres froh, da ich ungern in Berlin Auto fahre. Das hat ausschließ­lich mit dem komple­xen Verkehrs­ge­sche­hen in der Haupt­stadt zu tun, die rein fortbe­we­gungs­tech­nisch einfach nicht meine Haupt­stadt ist. Zuviele Autos, zuviele Menschen und keine Ahnung wo es langge­hen könnte. Einmal Bauern­tram­pel, immer Bauern­tram­pel. Die Feldwege meiner Region sind mir vertraut wie der Inhalt meiner Jacken­ta­schen; die Alleen und Haupt­stra­ßen Berlins hinge­gen, bleiben mir auf ewig ein Buch mit sieben Siegeln.

Auf der Fahrt nach Berlin fiel ich durch penetran­tes aus-dem-Fenster-glotzen auf, was Kolle­gen S zu folgen­dem denkwür­di­gen Satz veran­lasste: „Ich stand mal im Wedding im Stau und mir war überhaupt nicht langwei­lig.“ Ich schlug vor, diesen Satz als aller­ers­ten seiner noch zu schrei­ben­den Autobio­gra­phie zu verwen­den, da er mir ausge­spro­chen gut gefiel. Ich glotze also und mir war auch nicht langwei­lig, denn die Stadt der Städte ist an Attrak­tio­nen reich: Es gibt chine­si­sche Restau­rants mit Namen Ding Dong, es gibt viel bunte Leucht­re­klame und es gibt Menschen aus aller Herren Länder. Am Potsda­mer Platz angekom­men, leuch­tete die neue Heilig­keit Berlins direkt vor uns. Ich weiß nicht, was die Berli­ner bzw. ihre Gäste am Potsda­mer Platz so finden. Ich finde den nämlich ganz schön gruse­lig. Die auch nachts illumi­nier­ten gleich­för­mi­gen Büros wecken unwei­ger­lich Assozia­tio­nen an Huxleys Schöne neue Welt oder Orwells 1984. Wer etwas anderes empfin­det, ist entwe­der merkbe­freit oder unsen­si­bel.

Wir erreich­ten den Ostbahn­hof, den vom Postbahn­hof nur das P und 100 m Fußweg trennen. Kollege S bekam Hunger, verschwand für eine gefühlte Viertel­stunde im Bahnhof und kam mit einer Pizzaschach­tel voller in Quadrate geschnit­te­ner Pizza­stü­cken zurück. Dem Anschein nach vermu­tete ich lauthals, Kollege S hätte um die Reste aus dem Stein­ofen gebet­telt – er blieb jedoch felsen­fest bei seiner Verlaut­ba­rung, für die Pizza bezahlt zu haben. Sei’s drum.

Pizza mampfend schrit­ten wir hinüber zum Postbahn­hof und baten an der Lokali­tät um Einlaß. Selbi­ger wurde uns prompt gewährt, denn klug wie wir nunmal sind, hatten wir bereits Karten. Es war recht voll und nach der obliga­to­ri­schen Geträn­ke­ver­sor­gung und dem Merch­check sahen wir vom Neben­raum aus Frank Teufels­kerl Turner und seine Mannen die Wendel­treppe zur Bühne hinab­wan­deln. Also flugs den Raum gewech­selt, in der Gewiß­heit die Vorband The XCerts verpaßt zu haben. Was kein Drama war, denn ich fand die Band schon beim Hannover-Konzert – Inter­es­sierte finden hier den Reise­be­richt – verzicht­bar.

Zu den Klängen von Eulogy ging’s los und das gleiche wohlige Gefühl stellte sich auch prompt ein. Meine Mitstrei­ter blieben hinten, ich kämpfte mich tapfer bis ins erste Drittel der Halle vor und fand einen guten Platz. Die Setlist bestand im wesent­li­chen aus den gleichen Songs wie beim Hannover-Gig. Ausge­nom­men das neue Cowboy Chords, das für eine kurze Verschnauf­pause im ersten Teil des Konzer­tes sorgte. Nach anfäng­li­cher Verhal­ten­heit hatte Frank Braten­ben­gel Turner nach 15 Minuten das Publi­kum fest im Griff und komplett auf seiner Seite. Spätes­tens bei Love Ire & Song gab es kollek­tiv kein Halten mehr. Die Gags, (deutsch­spra­chi­gen) Ansagen und Überlei­tun­gen waren im Großen und Ganzen auch diesel­ben wie in Hanno­ver. Zunächst war ich ob der Synchro­ni­tät der beiden Shows etwas überrascht bis enttäuscht, im Gesamt­fa­zit geht das als eine Art von Rock’n’Roll-Show aber durch­aus in Ordnung. Wenn Frank Wahnwitz Turner mit ganzem Herzen bei der Sache ist und seine Shows vor Herzblut, Leiden­schaft und Idealis­mus nur so strot­zen … dann dürfen von mir aus auch die Gags aus dem Drehbuch kommen. Das viele Herzblut erklärt übrigens auch die recht „kurze“ Show von 90 Minuten inkl. Zugaben. Kollege D stellte ganz zu Recht fest, daß seine Stimme das ohnehin nicht länger mitma­chen würde … bei dieser Art von leiden­schaft­li­chem Einsatz.

Zum Abschluß gab’s erneut das großar­tige Somebody To Love und als Zugabe das selten gespielte Rock’n’Roll Romance und den ebenfalls schon aus Hanno­ver bekann­ten Block aus The Ballad of Me and My Friends und Photo­syn­the­sis. Auch bei den letzten beiden Songs war das Publi­kum in exzel­len­ter Mitsingstim­mung, die Fäuste reckten sich gen Hallen­de­cke und der Schweiß sammelte sich auf dem Hallen­bo­den. Großes Kino.

Die Rückfahrt verlief enorm entspannt. Genau genom­men so entspannt, daß ich hinter Potsdam den Tempo­mat auf 140 tackerte und bis zu meiner heimi­schen Abfahrt weder Gas- noch Brems­pe­dal benut­zen mußte. Colas­aufend fuhren wir durch die Nacht… und da ich mein rechtes Bein nicht benötigte, pfiff ich auf dessen Zehen das England Keep My Bones Album in ganzer Länge.

Setlist wird nachge­reicht!

Schor­leb­log zum Thema
Akkord­ar­beit zum Thema

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Unser kleiner Ausflug:

Frank Turner & The Sleeping Souls
live im Kultur­zen­trum FAUST (60er Jahre Halle)

Am gestri­gen Abend hieß es mal wieder, den Volks­wa­gen zu satteln und ihm die Sporen zu geben. Dieses Mal wieder in Richtung Westen, über die Landes­grenze nach Hanno­ver. Im Kultur­zen­trum Faust spielte Frank Incredi­ble Turner, der Wirbel­wind von der Insel, zum Tanze auf. Die Tickets lagen in weiser Voraus­sicht bereits seit Monaten bereit, was ich gestern Abend als kluge Entschei­dung erwies. Das Konzert war ausver­kauft und die Schlange am Einlaß ebenso endlos wie kalt.

Die Anfahrt verlief problem­los. Aller­dings läßt der Straßen­zu­stand der Autobahn 2 zwischen Helmstedt-Ost und Peine doch sehr zu wünschen übrig. Die Autobahn ist dort eine Berg- und Tal-Schunkel-Bahn, was mich umgehend zu der Erkennt­nis brachte, daß der Abschwung West weiter in vollem Gange ist, während die in den letzten 20 Jahren auf den Boden gestampf­ten Schnell­fahr­bah­nen im Osten unseres Vater­lan­des durch eine ebenso glatte wie elegant bitumierte Oberflä­che zu überzeu­gen wissen. Wie auch immer – wir überwan­den die Paß- und Visakon­trolle in Marien­born ohne größere Probleme und kamen pünkt­lich in Hanno­ver an. Die Parkplatz­su­che gestal­tete sich äußerst schwie­rig und langwie­rig, da das Kultur­zen­trum Faust recht zentral in Hannover-Linden gelegen ist. Schlu­ßend­lich fanden wir dann aber doch noch einen Parkplatz, aller­dings einen, bei dem die hohe Kunst des zenti­me­ter­ge­nauen Einpar­kens gefragt war. Kraft unserer Wasser­suppe und Lenkbe­we­gun­gen meister­ten wir aber auch diese Hürde.

Am Faust angekom­men, fanden wir eingangs erwähnte Schlange vor. Nach gut 15 Minuten waren wir an der Pole Position angelangt und prompt wurde uns Einlaß gewährt. Das Faust gliedert sich in mehrere Objekte und Lohkäh­schens, wie z. b. die Waren­an­nahme, die Kunst­halle und eben die bereits genannte 60er Jahre Halle. Wir betra­ten also letztere, holten uns den obliga­to­ri­schen Stempel ab und wurden nur kurz per Sicht­check von der (sehr freund­li­chen!) Security überprüft. Die Halle entpuppte sich rein größen­tech­nisch eher als mittel­gro­ßer Schup­pen. Ein LKW wäre dort vielleicht abstell­bar, oder auch 150 Fahrrä­der. Aber nur, wenn man sie ordent­lich stellt. Immer hübsch seiten­ver­kehrt – Lenker an Hinter­rad und anders­herum. Konkre­ter werdend, würde ich sagen wollen, daß vielleicht 300 bis 400 Menschen in der Halle Platz fänden.

Kurz den Merch-Stand gecheckt (alles bereits vorhan­den!) und dann erstmal ein Bier getrun­ken. Zu den Bierprei­sen kann ich nichts sagen, da meine Beglei­tung so freund­lich war, mich ernährungs- und geträn­ke­tech­nisch über den Abend zu retten. Im Gegen­zug fuhr ich und spendierte die Tickets.

Nach länge­rer Warte­rei und dem obliga­to­ri­schen Publi­kum­s­check (Alles von 20 bis 40, hoher Frauen­an­teil), betra­ten dann auch schon die Herren der The Xcerts die Bühne. Geboten wurde wenig origi­nel­ler Noise­rock mit starken Emo-um-das-Jahr-1992-Einflüssen. Ganz nett, aber nicht nicht nett genug, als daß ich beispiels­weise einen Tonträ­ger der Forma­tion besit­zen wollte.

Nach kurzer Umbau­pause dann endlich unser angel­säch­si­scher Rächer aus Winches­ter Forest – Frank Amazing Turner! Los ging’s mit Eulogy vom letzten Album England Keep My Bones und von Sekunde 1 an ertönte der vielstim­mige Chor aus Publi­kum und Frank Unbeliev­a­ble Turner selbst. Was folgte war ein Hitfeu­er­werk aus zunächst fünf Songs (genaue Setlist wird nachge­reicht!) das kaum Zeit zum Luftho­len ließ. Vielfach reckten sich bereits während den ersten Songs die Fäuste in die Lüfte und stellen­weise sang das Publi­kum lauter als unser Haupt­ak­teur selbst.

Dann erst die Begrü­ßung des Publi­kums durch Mr. Turner. Er erwähnte, daß sein erster Solo-Headliner-Ging vor Jahren im Chez Heinz in Hanno­ver statt­fand, weshalb er mit der Stadt beson­ders verbun­den wäre. Alter Schlei­mer. Was folgte, waren insge­samt 90 Minuten Wahnsinn, Hits und gute Laune, nur unter­bro­chen durch die eloquen­ten Geschich­ten und Anekdo­ten, die Frank Turner zwischen­durch zum Besten gab. Immer einge­streut in seine Geschich­ten sind die Worte fucking, fuck, mother­fuck­ing, Mother­fu­ckers und shit. Das wirkt aber nie peinlich oder aufge­setzt, sondern einfach herzer­fri­schend und leiden­schaft­lich. Toller Mann, und das sage ich als Hetero­se­xu­el­ler.

Dazwi­schen immer wieder die Auffor­de­rung zum Mitsin­gen, der massen­haft nachge­kom­men wurde. Neben­bei gab es ein paar deutsche Sätze, beispiels­weise wenn Mr. Turner das Publi­kum zu noch mehr Einsatz auffor­dern wollte: „Bizt Du mude? Kannst Du noch? Bizt Du Oster­rei­cher?“. Was haben wir gelacht!

Vor Glory Halle­lu­jah („There never was no god“) entschul­digte er sich beim Publi­kum präven­tiv, falls er irgend­je­man­des religiöse Gefühle verletz­ten sollte. Man solle als Christ, Moslem, Whate­ver halt nicht hinhö­ren und könne ja später trotz­dem zusam­men ein Bier an der Bar trinken. Korrekte Einstel­lung, wie ich finde. Das gleiche auch in Anspie­lung auf den Album­ti­tel England Keep My Bones („Germany and England were in fuckin‘ war with each other. But now were friends, aren’t we?). Bei Dan’s Song dann der ultima­tive Höhepunkt der Publi­kums­be­tei­li­gung – die Air Harmo­nica! Da Mr. Turner seine Mundhar­mo­nika im Suff in Austra­lien verlo­ren hat, mußte das Publi­kum einsprin­gen. Nach kurzer Probe und Einwei­sung durch den Meister ging’s dann im entspre­chen­den Mundharmonika-Part von Dan’s Song auch richtig ab: Das gesamte Publi­kum nahm seine imagi­nä­ren Mundhar­mo­ni­kas vor den Mund und es erscholl ein hundert­fa­cher Jaul- und Jammer­chor, was für überbor­dende Heiter­keit sorgte.

Mitten­drin gab’s noch eine großar­tige Cover­ver­sion von Queens Somebody To Love, das exzel­lente Sons Of Liberty und „for all the old punks in die audience“ das epische Love Ire & Song. Dann auch noch das berüh­rende Long Live The Queen, da bleiben bei mir absolut keine Wünsche mehr offen.

90 Minuten waren viel zu schnell vorbei. Die Zugabe bestand aus Ballad Of Me And My Friends und Photo­syn­the­sis, welches zum aller­letz­ten Höhepunkt wurde. Erneut wurde massive Publi­kums­be­tei­li­gung einge­for­dert, und beim Gesang von „I won’t sit down and I won’t shut up and most of all I will not grow up“ fühlten wir uns wie eine Armee von berufs­ju­gend­li­chen Minder­jäh­ri­gen auf Glücks­hor­mo­nen. Fuckin‘ amazing!

Abschlie­ßend das Fazit: Ein famoser Abend mit einem famosen Frank Unfaß­bar Turner und einer großar­tig einge­spiel­ten Band. Eines der besten Konzerte, daß ich jemals besuchen durfte. Wenn Frank Turner in eurer Nähe spielt, geht hin. Der Mann ist jeden verdamm­ten Cent wert.

Wir sehen uns am 2. Dezem­ber in Berlin. 😀

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Frank Turner – Wessex Boy

by Torsten on 23. Oktober 2011 · 0 comments

in Musik

Frisch aus dem Schnitt­lauch: Frank Turners Wessey Boy. Wir sehen uns am 16. 11. in Hanno­ver und am 2. 12. in Berlin. Bis dahin! 🙂



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