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Jupiter Jones

Neulich hat sich ein Leser bei mir beschwert, in der Behörde würde zuviel lobge­prie­sen. Man solle doch bitte mal miese Platten bespre­chen, zumin­dest gelegent­lich. Kein Thema – bitte­schön, alles für die Zielgruppe!

Jupiter Jones – das sind fünf Hanswürschte aus irgend­ei­ner verges­se­nen Provinz (inter­es­siert mich gerade nicht, wo die Herren herkom­men). Die Band fiel bereits mit dem mehr als bemüh­ten und jedem Textflow ins Gesicht spucken­den Titel „Entwe­der geht diese scheuß­li­che Tapete – oder ich“ ihres vorletz­ten Albums negativ auf. Klarer Fall von Wir-suchen-einen-coolen-Albumtitel-uns-fehlt-aber-der-Geist-dazu. Das können andere besser.

Doch nun zum aktuel­len Werk - „Holiday in Catato­nia“: Da glaubt man, der Deutsch­rock von Western­ha­gen, Maffay & Co. hätte sich vollkom­men zu Recht in die ewigen Jagdgründe verab­schie­det. Puste­ku­chen! Jupiter Jones schaf­fen es tatsäch­lich, den alten Zombie mit ihrem neuen Album zu reakti­vie­ren. Da steht er nun, der alte Zombie, schlen­kert mit den Armen und hat es inzwi­schen schon vom Fried­hof aus bis in die Fußgän­ger­zone der Innen­stadt geschafft. Mit Glitzer­tuch um den Hals, zu engen Hosen und Chucks. Da steht er nun, im Kreise seiner Verwand­ten: Den künfti­gen Sozialamts-Sachbearbeiterinnen und Verwal­tungs­fach­an­ge­stell­ten. Alle anders, alle gleich. Er fiedelt und gniedelt ein paar Soli auf seiner Leadgi­tarre und knödelt dazu wie Wolf Maahn in seinen besten Zeiten: schön­klin­gende Texte, deren Inhalts­wert bei ziemlich genau NULL liegt. Ein Trauer­spiel sonder­glei­chen, das mich merkwür­di­ger­weise aggres­siv macht. Wir sehen uns in irgend­ei­ner Arena vor 50.000 Goldkehl­chen zum Hartmut Engler-Gedächtnisabend. Bis dahin!

Kleine Kostprobe nachfol­gend. Wem das noch nicht gruse­lig genug ist, der sollte sich das neue Unplugged-Album der Sport­freunde Stiller reinzie­hen. Das ist mindes­tens genauso übel.



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