Musik

Damenwahl

von Torsten am 14. Juli 2014 · 3 comments

in Kraut und Rüben, Musik

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Wenn ihr harten Punker wüßtet, was ich in Wahrheit so höre…

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Das neue Morrissey-Album World Peace Is None Of Your Business erscheint am 15. Juli (hier gibt's einen Album­stream). Nachfol­gende Zeilen vermit­teln einen ersten Eindruck…

Ich hab das Album in der Deluxe-Version (6 Bonus­songs) jetzt mehrfach angehört und werde einfach nicht warm damit. Was mich selbst überrascht, denn bislang konnte ich jedem Morrissey-Album wenigs­tens irgendwas abgewinnen.

Im Frühjahr 1990 hab ich mir Viva Hate auf Kassette gekauft. Eigent­lich sollte es einen LP werden, aber die war gerade nicht vorrätig. Ich hatte gerade erst über irgend­welche Kanäle erfahren, daß es überhaupt ein Soloalbum von Morrissey gibt. Durch den eisernen Vorhang sickerten Infor­ma­tionen dieser Art nur spärlich und von meinen geliebten The Smiths hatte ich derzeit nur die polni­sche Tonpress-Pressung des Debüt­al­bums als echten Tonträger sowie alle anderen Alben auf überspielten Kassetten von Freunden.

The Smiths hatten immer eine beson­dere Bedeu­tung für mich. Tolle Popsongs (damals nannten wir das Indepen­dent, hatten aber keine Ahnung, daß der Begriff genau­ge­nommen keine Musik­rich­tung, sondern eher eine Vertriebsart kennzeichnet) in Verbin­dung mit großar­tigen Texten (von denen ich damals wenig verstand, aber fühlte, das sie gut sein mussten!).

Womit wir beim ersten Kritik­punkt von World Peace… wären: Die Texte. Sie sind stellen­weise recht flach geraten, lassen Romance und Teenage Angst - zwei bestim­mende Themen der alten Tage - schmerz­lich vermissen, sind keine bissige Anklage gegen Gott und die Welt mehr. Statt­dessen scheint es, als habe Meister Morrissey sein Wörter­buch gezückt und dort ein paar billige Reime abgeschrieben: "Mad in Madrid, ill in Seville, lonely in Barce­lona. Then, someone tells you and you cheer… Hooray!, hooray!, The bullfighter dies! And nobody cries… Nobody cries, because we all want the bull to survive. Gaga in Málaga, no mercy in Murcia, mental in Valencia…" (aus The Bullfighter Dies). Wenn Morrissey Forgive Someone singt, ist das so, als würde Hannibal Lecter vegeta­ri­sche Lasagne zu seinem Lieblings­ge­richt erklären. Oder auch Kiss Me Alot, der Song, der eben diese drei Worte mantra­haft bis zum Erbre­chen wiederholt.

Zweiter Kritik­punkt sind die größten­teils völlig uninspi­rierten und uninspi­rie­renden Songs, die es in früheren, besseren Tagen nicht mal zur B-Seite geschafft hätten. Es gibt kaum etwas, das hängen­bleibt, nichts das sich einprägt. Die hohe Kunst des Schrei­bens eines guten Songs sucht man auf diesem Album leider weitest­ge­hend vergeb­lich. Wie sagte Rossini doch einst über Richard Wagner: "Wagner hat wunder­volle Momente, aber schlechte Viertel­stunden in seiner Musik.” Und genauso fühle ich über dieses Album.

Letzter Punkt: Die Produk­tion. Die ganze Platte klingt sehr flach und unpro­fes­sio­nell gemischt und gemas­tert. Die Instru­mente klingen durch­gängig so, als kämen sie komplett aus dem Computer. Vielleicht kommen sie sogar daher, wer weiß.

World Peace… ist alles andere als ein Glanz­punkt in Morris­seys Schaffen. Es liegt irgendwo im unteren Mittel­feld, ziemlich in der Nähe von Kill Uncle. Es ist schön, seine Stimme mal wieder zu hören, auch wenn er nichts neues zu sagen hat.

Ich jeden­falls bin enttäuscht, gebe die Hoffnung auf bessere Zeiten und substan­ti­el­lere Alben aber nicht auf.

P.S. Auf Facebook und in einschlä­gigen Foren bin ich für eine Zusam­men­fas­sung dieser Album­kritik übrigens schon ordent­lich beschimpft wurden. Hier mein Lieblings­kom­mentar, der kaum noch etwas mit der Musik zu tun hat und ganz gut zeigt, wie fatalis­tisch und verbohrt die Fans des Meisters (zu denen ich mich zähle (zählte?)) sein können:


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Glasbube

von Torsten am 2. Juli 2014 · 4 comments

in Kraut und Rüben, Musik

Schön­heit ist, wenn unter dem ganzen hardco­rigen Gegrunze, Gegreine, Gebolze, Geshoute und Geblöke der Pop liegt. So wie auf der neuen Fucked Up-Platte Glass Boys; die ich zwar wegen eingangs erwähntem Gegreine nicht länger als 25 Minuten am Stück aushalte, die jedoch, in Häppchen genossen, ein wunder­sames Wunder­werk wunder­li­cher Wandlung ist. Ach, herrlich, diese Schach­tel­sätze. Sind alle Kommata richtig gesetzt? Ich habe keine Ahnung und gehe besser Glass Boys hören.


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Die beste Nachricht seit Bekannt­gabe der Puhdys-Auflösung:

Preorder hier.

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Gegen mich!

von Torsten am 5. Mai 2014 · 1 Kommentar

in Musik

Hatte ich an dieser Stelle eigent­lich jemals erwähnt, wie gut das neue Against Me!-Album geraten ist? Ich glaube nicht, deshalb hiermit meine wärmste Empfeh­lung. Nach dem eher rockigen White Crosses wird auf Trans­gender Dysphoria Blues wieder ordent­lich geschep­pert, geplempt, gebull­honkt und gepunk­rockt, so daß einem mitunter die nicht vorhan­dene Mütze vom Schädel rutscht. Laura Jane Grace und ihre Mannen schüt­teln scheinbar mühelos ein paar sehr großar­tige Hymnen aus dem Ärmel. Meine Favoriten sind der True Trans Soul Rebel, die Paralytic States und das formi­dable Black Me Out. Textlich beschäf­tigt sich das Album zum größten Teil mit Tom Gabels Weg zu Laura Jane Grace. Aufmerk­same Leserinnen und Leser könnten die Frühzei­chen dieses Wegs übrigens schon im Februar 2008 bemerkt haben…

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Der Hesse reitet wieder

von Torsten am 23. April 2014 · 0 Kommentare

in Musik

Das neue Werk von Großmeister Marcel Bontempi. Wie alle Veröf­fent­li­chungen des fleißigen Hessen erneut ein stimmiges Gesamt­paket aus tollen Songs und fantas­ti­schem Artwork. Da hau ich doch gern mal einen Euro raus, wenn eine Platte mit soviel Leiden­schaft und Liebe zum Detail gemacht wurde. Die 7" gibt's seit heute bei Squoodge Records. Bontempi, umtriebig wie eh und je, veröf­fent­licht übrigens im Herbst eine LP mit seiner neuen Forma­tion namens Dr. Bontempi's Snake Oil Company.

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