Musik

Surrender

von Torsten am 22. Dezember 2014 · 0 Kommentare

in Kraut und Rüben, Musik

Die letzten Tage des Jahres mit einem der Hits des Jahres meines Album des Jahres: The Smith Street Band betreten unsere kleine Showbühne mit ihrer schmis­sigen Volks­weise namens Surrender. Was die letzten Tage und das abgelau­fene Jahr angeht: Mir reicht's. Ich bin alle. Ich gehe auf dem Zahnfleisch. Ich brauche eine Pause. Jeden Tag diese gottver­ma­le­deite Pendelei von 120 km zur Arbeit und zurück… für nix. Oder für nicht allzu viel. Irgendwie muß man den Tag ja rumbe­kommen. Dazu dieses blöde Wetter. Immer Wind. Kein Tages­licht. Das bricht mich maximal an. Immerhin konnte ich mich wieder aufraffen, mehr zu bloggen. Wobei bloggen angesichts der Dominanz von Facebook und Twitter ja praktisch schon anachro­nis­tisch ist. Gestern noch an der Speer­spitze der Postmo­derne; heute schon ein alter Zausel der die Werke und Wege der Jugend™ nicht mehr versteht. Oder verstehen will. Ich neige dazu, den Überblick zu verlieren. Überall PEGIDA. Auch so'n Scheiß den keiner braucht. Wobei man den Dödels da unten aus dem Tal der Ahnungs­losen trotzdem unrecht tut, wenn man sie verdammt und ignoriert. Das wurde viel zu lange gemacht und jetzt hammwa den Salat. Die herrschende Klasse hat sich vom Volk entfernt und umgekehrt. Die subjek­tive Wahrneh­mung der Verhält­nisse hat mit der objek­tiven nichts mehr zu tun. Erst die Aluhut-Spacken von den Montags­demos, jetzt die Klein­geister aus dem Südosten der Republik. Was kommt als nächstes, was bringt uns 2015? Wer weiß noch, wo der Stein der Weisen liegt? Und warum wird hier eigent­lich kein Gebäck gereicht?!


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Redemption

von Torsten am 18. Dezember 2014 · 0 Kommentare

in Musik

Ich habe in den letzten Stunden zuviel Ronny Gander gehört. Jetzt bin ich gander­schön durch den Wind, mein lieber Ronny! Zum Ausgleich etwas Frank Turner. Tape Deck Heart war eine schwache Platte, muß man mal so sagen. Deshalb was älteres, aber nichts ganz altes. Da fällt mir ein: Ich weiß gar nicht, was Redemp­tion übersetzt heißt. Gleich mal nachschlagen. I'm quite schlecht im Engli­schen but pretty firm in telling you Kauder­welsch. Bis neulich wußte ich nicht mal, was Surrender heißt. Aber ich übe täglich, denn das hält mich jung, konsens­fähig und wertstabil. Erlösung.


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In diesem Jahr sogar mal pünkt­lich: Eine kleine Übersicht über meine persön­li­chen Lieblings­alben des Jahres 2014. Wie immer gilt auch in diesem Jahr: Das Album muß nicht zwangs­läufig im letzten Jahr veröf­fent­licht worden sein; als Krite­rium gilt ausschließ­lich die persön­liche Entde­ckung der entspre­chenden Platte in 2014. Es kann also durchaus ein Live-Album von Walther von der Vogel­weide aus dem Jahre 1695 sein… Die Nennung der Album erfolgt ohne Rang, Album des Jahres ist trotzdem ganz klar das letzte in dieser Liste. Ein paar zu rügende Tonträger finden sich am Ende des Artikels.

CoverAgainst Me! - Trans­gender Dysphoria Blues /// Aus Tom Gabel ist Laura Jane Grace geworden und damit beschäf­tigt sich dieses Album haupt­säch­lich. Feine Platte, musika­lisch wie textlich. Nach den eher rockigen Tönen der Vorgän­geralben (alles was nach "New Wave" kam), gibt's hier wieder ordent­li­chen Punkrock mitten auf die Zwölf. Laura Jane Grace ist immer noch eine der besten Songschrei­be­rinnen im Punk, das beweist die große Hitdichte dieser Platte. Ich hatte ein bißchen Probleme, das Album als Album einzu­ordnen, es wirkt über weite Strecken eher wie eine Sammlung von Singles. Was die Songs aber nicht schlechter macht. Beste Momente: Wenn in Black Me Out gespuckt, gegei­fert und gewütet wird. So geht Weltschmerz in erwachsen.

CoverSchrapp­messer - Schlacht­rufe Stimmungs­hits /// Punkrock in Deutsch­land ist vieles geworden. Vor allem langweilig. Die ewigglei­chen Dackelblut- und Turbostaat-Klone schleu­dern ihre (post-)pubertären Weisheiten verklau­su­liert unters Volk. Es herrscht eine gewisse Art von konser­va­tivem Starr­sinn: Alle sind für die gleichen guten Sachen und gegen die gleichen schlechten Dinge. Provo­ka­tion findet kaum noch statt. Man ist sich einig, hat sich einge­richtet und beschäf­tigt sich ansonsten viel mit sich selbst und seinen Gedanken. Ich könnte jetzt x Bands nennen, aber ich will a) niemanden dissen, und weiß b) daß das hier eh kaum jemand lesen wird. Schrapp­messer jeden­falls - um zum Album zurück­zu­kommen - sind anders. Ganz anders. Schrapp­messer bringen dem Punkrock den Humor zurück. Und was für welchen! Punkrock mit platt­deut­schen Einspreng­seln, jeder Menge Genre-Zitate und Songti­teln für die Ewigkeit: "Half Besuopen Is Wechsch­mäten Geld", "Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Krümmer Absägen, Cuppi­ni­lenker, Refrain". Und die B-Seite erst: 20 Minuten lang Bauernhof-Geräusche. Da muß man erstmal drauf kommen. Ich hab mich lange nicht so sehr mit einer Platte vergnügt, wie mit diesem Album. Beste Momente: "Ich muß hier nur zwei Dinge halten: Ein Bier und Schnauze. Ich wachs mit meiner Aufgabe und meiner Plauze…"

CoverLeslie Clio - Gladys /// Ein zugege­be­ner­maßen weiter Sprung von Schrapp­messer zu Leslie Clio. Da liegen ganze Konti­nente dazwi­schen. Leslie Clio macht Pop. Souligen Pop. Von vielen wird sie als die deutsche Amy Winehouse bezeichnet. Dieser Vergleich hinkt aller­dings meiner beschei­denen Meinung nach; spielte doch uns Amy (Der Herr sei ihrer Seele gnädig…) in ihrer ganz eigenen Liga. Frau Clio jeden­falls hat ein paar richtig starke Songs am Start. Die sind zwar radio­kom­pa­tibel - Stich­wort: I Couldn't Care Less -, aber dennoch nicht aalglatt produ­ziert. Pop mit Anspruch gewis­ser­maßen. Oder einfach nur Pop. Ich muß mich ja nicht dafür recht­fer­tigen, daß ich ein Temporär-Popper bin, soweit kommt's noch! Beste Momente: Die Hits sind gut auf der Platte verteilt: Told You So (A1), Sister Sun Brother Moon (A5), God No More (B3)

CoverDie Fantas­ti­schen Vier - Rekord /// Wir bleiben beim Pop. Oder beim Hip Hop. Aber wohl doch eher beim Pop, denn bei echten Hip-Hop-Fans dürften die Fantas wohl lange unten durch bzw. zu sehr in Richtung Popmusik marschiert sein. Was mich an dieser Band immer wieder faszi­niert, sind die stellen­weise großar­tigen Texte. Auch Rekord hat in dieser Hinsicht wieder einiges zu bieten; kommt aller­dings nicht ganz an Alben wie Fornika heran. Insge­samt aller­dings "lebt" das Album auf einem sehr hohem Niveau - es gibt nur wenige Ausfälle (Disco ist einer). Egal also, ob man das Kind nun Hip Hop-Horst oder Pop-Peter nennt - was bleibt, ist fantas­tisch produ­zierte Musik mit teilweise wirklich starken Texten. Auch erwäh­nens­wert: Die Produk­tion und der Klang sind fantas­tisch, da waren Profis am Werk. Außerdem: Fanta 4-Platten gibt's immer zum fairen Kurs, in diesem Fall für 2LP + CD ganze 18,99 €. Das macht auch nicht jede Kapelle, die in der Pop-Bundesliga spielt… Beste Momente: Die gesamte A- und B-Seite bieten anspruchs­volle Unter­hal­tung auf hohem Niveau. Und ganz hinten wird's mit "Das Spiel ist aus, aus, aus!" heiter bis dramatisch.

CoverY'akoto - Moody Blues /// Eine wirklich große Platte. Ich hatte Y'akotos Vorgänger Babyblues hier auch schon gebüh­rend abgefeiert. Moody Blues steht dem Erstling in nichts nach. Die Platte wirkt ein bißchen runder und erwach­sener, was mich zuerst irritiert hat. Nach 8 bis 38 Durch­läufen aber, hab ich auch dieses zweite Album liebge­wonnen. (Retro-)Soul, Blues und Pop auf inter­na­tio­nalem Niveau von einer Frau mit einer unglaub­li­chen Stimme. Moody Blues deckt vieles ab: Es gibt beschwingte Tanzflä­chen­füller wie Save You oder Perfect Timing, tiefgrün­dige und berüh­rende Balladen wie Mother And Son oder den schum­me­rigen Blues Forget. Wenn die Frau auf diesem Niveau weiter­macht, liegt ein erfolg­rei­cher Weg vor ihr… Einziges Ärgernis: Es gibt keinen mp3-Code zum Album. Und die Deluxe-CD hat einige Songs und Mixes mehr. Ich war tatsäch­lich gezwungen, nochmal 10 € für die mp3-Version rauszu­werfen… was tut man nicht alles … Beste Momente: Der Bass in Save You. Alter, Du musst diesen Bass fühlen!!!!1ELF

CoverDie Art - Success /// Was ist schwarz und kommt aus Leipzig? Der alte Herr Makarios! Haha, was für ein dummer Witz zum Einstieg. So unwitzig wie die neue Scheibe der Die Art. Ich hätt's den alten Herren ja ehrlich gesagt gar nicht mehr zugetraut. Aber sie haben mich dann doch gekriegt. Ein überra­schend poppig-waviges Album mit wenigen Ausflügen in den Rock. Insge­samt sehr ausge­wogen, ausba­lan­ciert und mit einigen Hits am Start. Ich hätte wirklich nicht gedacht, das nach den eher durch­wach­senen Alben der letzten Jahre nochmal sowas inter­es­santes dabei rauskommt. Feine Sache! Beste Momente: Love Shiner ist ein Knaller.

CoverThe Smith Street Band - Throw Me In The River /// Alter, was für eine emotio­nale Achter­bahn­fahrt. The Smith Street Band schmeißen dich in ihren rostigen Van, dann liest dir Wil Wagner seine Geschichten vor und als Sound­track dazu bekommst du Punkrock auf die Ohren. Am Ende der Fahrt schmeißen sie dich unver­sehrt aus dem Auto und glaub mir, dann hast du einiges zu erzählen… Lange hat mich Musik nicht mehr so berührt, wie es dieses Album geschafft hat. Eigent­lich müßte ich längst aus dem Alter raus sein, aber die Texte haben mich wirklich gepackt. Und die Musik erst: Diese jungspun­digen Austra­lier zaubern mit einer unglaub­li­chen Lässig­keit Melodien aus dem Ärmel … da wird mir ganz warm ums Herz. Ich weiß nicht, ob es schwer war, dieses Album zu schreiben. Aber es klingt so, als wäre es ganz einfach gewesen. Und ist trotzdem so komplex. Ein Wunder­werk! Beste Momente: Der Opener, der Schluß­ak­kord und all die Momente dazwischen.

Zu rügende Tonträger 2014:
Element Of Crime - Lieblings­farben und Tiere (Das hatten wir alles schon mal in besser, Herr Regener!)
Hello Saferide - The Fox, The Hunter And Hello Saferide (Das hatten wir alles schon mal in beschwingter, Frau Norlin!)
Morrissey - World Peace Is None Of Your Business (Das kann unmög­lich Ihr Ernst sein, Herr Morrissey?!)


Das soll's auch schon gewesen sein. Für sachdien­liche Hinweise sind wie immer Kommen­tare sehr gern gesehen! Auf ein musika­lisch hochwer­tiges 2015!

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Die Art - Success

von Torsten am 16. Dezember 2014 · 0 Kommentare

in Musik

Die neue Scheibe der Die Art hab ich mir nur auf Verdacht und alter Verbun­den­heit* gekauft. Irgendwo war die Rede davon, die Band würde an Funeral Enter­tain­ment anknüpfen. Da es sich dabei um mein Lieblings­album der späten Die Art handelt, war ich neugierig geworden. Skeptisch blieb ich trotzdem, ging mir doch die Zweit- und Dritt­ver­wen­dung der eigenen Songs durch die Band schon länger auf die Ketten. Die x-te Veröf­fent­li­chung von alten Hits und das Neuein­spielen aka Selbst­co­vern fand ich auch sehr überflüssig. Success liegt nun auf dem Platten­teller und dreht sich seit Tagen eifrig. Die Platte hat mich sehr positiv überrascht. Es ist ein tolles Album geworden, sogar eines der wenigen, wo die B-Seite die A-Seite um Längen schlägt. Es sind einige kleine Perlen mit an Bord, so zum Beispiel der Love Shiner. Wer sich beeilt, bekommt beim Major Label noch eine der auf 99 Exemplare limitierten und handnum­me­rierten Platten ab…

*Kassette Dry am 9. Februar 1990 von der Band nach dem Konzert in der Magde­burger Hypar­schale gekauft. 35 Mark der DDR. ;-)



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Vor zwei Wochen bin ich gleich zweimal bemus­tert worden, wenn ich mich recht erinnere, kam das in den nunmehr 318 Jahren Börde­be­hörde überhaupt noch gar nicht vor. Fürs erste besten Dank an Flix Records, die mich mit einer Kopie von 6'10 Debut­album "The Humble Begin­nings Of A Rovin' Soul" ausstat­teten. Hier meine Kurzkritik:

6'10 ist die neue Bluegrass-/Folkband von Tobin Bawinkel, Frontman der Punkband Flatfood 56. Im Vergleich zu seiner punkigen Haupt­band sind die Songs von 6'10 eher melancholisch-melodische Ausflüge in Singer-Songwriter-Gefilde. Frank Turner fällt mir als erstes ein, aller­dings deutlich folkiger als selbiger. Eine beschwingte Mischung aus Folk, Rock und Country. Chuck Ragan könnte ich auch noch nennen, aller­dings geht es deutlich beschwingter zur Sache. Die Songs wurden in Bawin­kels Schlaf­zimmer aufge­nommen, was man dem Album aber gottsei­dank nicht anhört. Ganz im Gegen­teil: Die Produk­tion ist auf hohem Niveau und die Platte klingt wirklich frisch und gut. Erscheinen wird das Album am 9. Januar ganz in DIY-Manier.

Wertung: 7/10 Bördekartoffeln

6'10 auf Bandcamp, Facebook, Youtube.

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Fraktus kannte ich ja schon, da hießen Kraft­werk noch Schuko-Steckdose. Hab sie auch mehrmals live gesehen, zuletzt wohl 1979 im Luxor in Köln. Die Geschichte von ihrem plötz­li­chen Wieder­auf­tau­chen von vor zwei Jahren sollte hinrei­chend bekannt sein. Hier nun Fraktus' neue Single mit gewohnt poeti­schem Text, irgendwo zwischen Rilke, Hölderlin, Aram Chatscha­turjan und Björn Borg.

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