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Unterwegs

Gestern gab’s die große Bördes­ause mit 4 Bands. Dazu ein kurzer Erleb­nis­be­richt und ein paar Fotos. Die Sause fand auf dem Gelände des Ferien­camps zwischen Gutens­we­gen und Klein Ammens­le­ben statt, nur 10 km vom Headquar­ter der BB entfernt. Ich hätte also mit dem Fahrrad fahren können, bin ich aber nicht. Dekla­riert als große Party für Menschen und Kinder, ging das ganze schon um 16.00 Uhr mit Kinder­schmin­ken, Kinder­fuß­ball und Kinder­rum­tol­len los.

Gegen 18.30 Uhr dann die erste Band: Van Hölle. Beinharte Rockmu­sik, ein bißchen stonig, ein bißchen 90. Die schönste Zeile ist bei mir hängen­ge­blie­ben: Ich bin besof­fen ohne Bier, ich bin besof­fen nur von Dir. Das gibt Bonus­punkte.

Danach kurzes Inter­mezzo von Teilen von Van Hölle + Jenny + Robert, die in einem noch namen­lo­sen musika­li­schen Projekt sehr an die gute alte Die Firma (Berlin) und 90er Emo-Indie-Rock erinner­ten. Vielver­spre­chend, sollte seinen Weg mal auf einen Tonträ­ger finden. Hervor­ra­gen­der Keyboarder/Pianist, der gute Peter. Auch hier Bonus­punkte.

Anschlie­ßend die Lokal­ma­ta­dore von Dr. Dexter, die das Publi­kum gleich auf ihrer Seite wußten. Solider Punkrock mit energi­schen vorge­tra­ge­nen Texten. Der Gesang war mir ein bißchen zu laut, aber das galt für alle Künst­ler. Bonus­punkte.

Anschlie­ßend Peppone, erstma­lig das komplette Set mit Live-Schlagzeuger Tuba von Ben Racken. Die Songs kenne ich natür­lich alle auswen­dig, es war aller­dings sehr schön und sehr überra­schend, wie viel mehr Drive ein Live-Schlagzeug (statt einer Beatbox) in den Sound bringt. Bester Mann, der Kollege Tuba. Ein Derwisch an den Drums. Er sollte dauer­haft einstei­gen! Zusätz­lich noch ein kleines Famili­en­tref­fen im vielstim­mi­gen Damen­chor, dafür und für das Schlag­zeug schon mal satt Bonus­punkte ohne Ende. Außer­dem wurde Mexika­ner gereicht; ein Teufels­zeug, wie ich durch persön­li­che Verkos­tung erfah­ren durfte. Dann lieber Pfeffi, Jungs!

Ben Racken zum Abschluß. Die gewohnt sichere Bank, gut einge­spielt, mit viel Druck und allen Hits am Start. Das diese Band noch nicht größer im Sinne von bekann­ter ist, bleibt nach wie vor verwun­der­lich. Auch hier Bonus­punkte!

Außer­dem: Lecker Essen von den Vegani­acs, viele nette Leute, warmer Kakao auf Spenden­ba­sis, Lager- und Schwe­den­feuer und die charmante Modera­tion von Petra Kusch-Lück.

Fazit: Die Sause baldmög­lichst wieder­ho­len!!! Und vielen Dank für die Einla­dung!

Fotos:



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Am letzten Freitag spiel­ten Peppone auf der Khepera-Bühne beim Altstadt­fest in Haldens­le­ben. Da war ich aber leider (wieder mal!) nicht, sondern statt­des­sen auf dem Magde­bur­ger Domplatz, um mir Die Fantas­ti­schen Vier mal live anzuse­hen. Die Karte dafür hatten wir schon ewig; sie wurden von jeman­dem organi­siert, der an dieser Stelle ungenannt bleiben möchte.

Um 19.45 Uhr brach ich mit meinem Pferde­fuhr­werk in Richtung Magde­burg auf, um gleich anschlie­ßend feststel­len zu müssen, dass ich 1.) meinen iPod verges­sen und 2.) ein bißchen spät dran war. Außer­dem kündigt sich bei meinem Pferde­fuhr­werk ein Getriebe- und/oder Kupplungs­scha­den an; was die Fahrt zu einer Mischung aus menta­ler Zitter­par­tie und Ach,leckmichhalt machte. Dennoch oder trotz­dem kam ich relativ pünkt­lich beim ungenannt bleiben wollen­den Herrn an, um ihn vom „Tag der offenen Tür“ seines Arbeit­ge­bers abzuho­len.

Gemein­sam begaben wir uns auf den beschwer­li­chen Weg in Richtung Magde­bur­ger Innen­stadt. Kosten­pflich­ti­gen Parkplatz gefun­den und ab durch die Leiter­straße in Richtung Domplatz. Was mir wieder mal auffiel: Magde­burg hat sich verän­dert. Die Leiter­straße hatte ich noch als öffent­lich ödnis­be­wehr­tes Ödland in Erinne­rung, dieses Bild hat sich gewan­delt: Angefan­gen mit einer schicken Sushi-Bar („The best restau­rant in town.“), über diverse weitere vollbe­setzte Lokali­tä­ten bis durch zum Hundert­was­ser­haus – überall das gleiche Bild: Gesel­lige Magde­bur­ger Urein­woh­ner und ihre zugezo­ge­nen Freunde bevöl­kern Plätze, Stühle und gastro­no­mi­sche Inseln. Was einer­seits mein alters­schwa­ches Herz erfreute, ist Magde­burg in meiner Gedan­ken­welt doch noch immer der düstere und gewalt­tä­tige Moloch aus den 90er Jahren gewesen. Anderer­seits merkte ich mal wieder, wie sehr ich aus dieser vergnü­gungs­süch­ti­gen Happy-Happy-Welt der Selbst­op­ti­mie­rer raus bin. Egal, jedem Tierchen sein Plaisier­chen und jedem alters­star­ren Sack sein Klischee.

Einlaß bei den Fantas. Es gibt die Band in drei Geschmacks­rich­tun­gen: Fanta Mango, Fanta Orange und Fanta Manda­rine. Wir hatten uns für letztere entschie­den und am Mandarinen-Einlass war auch am wenigs­tens los. Zunächst eroti­sche Abtas­tung zwecks Bomben­kon­trolle. Keine Bombe dabei. Dann zum Merch, die Preise inspi­zie­ren. 50 € für einen Hoodie, 30 € für ein T-Shirt. Ich hätte eh keins gekauft, aber bei diesen Preisen hab ich dann extra kein kein keins gekauft.

Punkt 21.00 Uhr ging’s los. Bombige Licht­show, super hochauf­lö­sende Video­wände – es war fast ein wenig so, als würde man – auch aufgrund des großen Abstands zur Bühne – eine DVD schauen. Live-Schlagzeuger, DJ, Percus­sio­nist, Gitar­rist. Viele Hits, ein eher reser­vier­tes Publi­kum, guter Sound. Die Fantas haben einige großar­tige Texte am Start und es war eine Wonne, diese mal live zu hören. Auch, wenn mich die Darbie­tung emotio­nal eher kalt ließ, was wohl auch am großen Rahmen lag. Ich bin ja mehr für ranzige Keller­shows zu haben, bei denen sich Sänger Hans Wurst von der Kapelle XYZ für 7 € Eintritt bedingungs- und hemmungs­los veraus­gabt. Deshalb gehe ich beim nächs­ten Mal auch wieder zu meinen italie­ni­schen Freun­den von Peppone, um eingangs eröff­ne­ten Kreis zu schlie­ßen.

MfG
Ihr kniekran­ker MC Börde­bube

P.S. Der neue Song „Endzeit­stim­mung“ vom kommen­den Album war die einzige Überra­schung, klang aber vielver­spre­chend.

P.S.S. Das einzige, das mir an dem Abend total auf die Ketten ging, war die fortwäh­rende Erwäh­nung von Magde­burg … „Magde­burg, seid ihr gut drauf?“, „Magde­burg, ihr rockt!“, „Magde­burg … Rockde­burg!“, „Magde­burg, denkt dran, morgen Eier zu kaufen!“. Anstren­gend.

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Hier unser kleiner Erleb­nis­be­richt zur Boots­tour Die Strafe & Peppone am 22. Oktober in Machte­burch auf der schönen Elbe: Oktober, 10 Grad, Niesel­re­gen. Das kann doch einen Seemann nicht erschüt­tern. Am Freitag­abend schon durften wir die Herren der Die Strafe begrü­ßen, die sich trotz ihrer langen Anfahrt als gewohnt liebens­wür­dige und durch­weg nette Menschen präsen­tier­ten. Am Sonnabend­vor­mit­tag wurde dann das Boot beladen und an der Anlege­stelle Schöne­beck ging es gegen 13.00 Uhr elbab­wärts in Richtung Stadt­park Magde­burg. Dort kamen wir um 14.00 Uhr an und berei­te­ten alles für den Empfang unserer Gäste vor. Zur Begrü­ßung gab’s Pfeffi und Braunen und es wurde zünftig angesto­ßen. Der Kahn füllte sich schnel­ler als gedacht und Punkt 15.00 Uhr legten wir ab. Um 15.30 Uhr begann Peppone mit dem ersten Teil des Konzer­tes. Es wurden ein paar alte Hits zur Einstim­mung gespielt. Um Punkt 16.07 enter­ten Die Strafe in einer Nachmittag- und Nebel­ak­tion die Bühne und began­nen mit ihrem Programm. Vor der Bühne wurde es voll und voller und die Pogomeute begann mit ihrer Arbeit. Anschlie­ßend wieder Peppone, die das neue Album „Ohne Grund“ in origi­na­ler Reihen­folge darbo­ten. Unfaß­bar und gut zu beobach­ten: Viele Leute sind unserer Auffor­de­rung zum Download schein­bar gefolgt und konnten bereits die neuen Songs mitsin­gen. Highlights: „Das Urteil“ mit Gastge­sang von Budde Strafe, der natür­lich mit ran mußte, da er ja ohnehin auf dem Boot war. Weiter­hin „Ohne Grund“, der Titel­song und laut Jens jetzt die „offizi­elle Hymne der Börde­be­hörde“. Danke Jens, ich kann mir keine schönere vorstel­len… Dann gab’s noch „Schwei­gen“ und den „Herr Ober!“ mit Gastge­sang von Jenny und Laura und die Eupho­rie des Publi­kums sprang langsam auch auf die Band über.

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Anschlie­ßend wieder Die Strafe, die sich mit zuneh­men­der Dauer und Hitdichte ihres Sets förmlich in einen Rausch spiel­ten. Knaller folgte auf Knaller und als der vielstim­mige Publi­kum­s­chor „Himmel hilft nicht“ mitsang, hatte ich tatsäch­lich Gänse­haut am ganzen Körper. Die komplette Setlist findet sich in der Galerie. Der Boden klebte irgend­wann vom vielen Bier, die Schei­ben waren von der Hitze komplett beschla­gen und überall sah man nur noch glück­li­che Gesich­ter. Auf dem Oberdeck genos­sen viele die Aussicht auf das nächt­li­che Magde­burg und pafften, was das Zeug hielt… Die Fahrt bis zur Schleuse Niegripp verging wie im Fluge und um Punkt 21.00 Uhr kamen wir wieder an der Anlege­stelle im Stadt­park an. Die Gäste wurden gebüh­rend verab­schie­det, die Bands schip­per­ten zum Ausla­den noch weiter nach Schöne­beck und verlie­ßen die MS Marco Polo mit einem überglück­li­chen Gefühl…

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Schon merkwür­dig, wenn man plötz­lich mit einer Band unter­wegs ist, deren erste Platte man 1995 gekauft hat und der man über die Jahre als Hörer immer treu geblie­ben ist… Was bleibt zu sagen… DANKE für die vielen guten Gesprä­che mit ausnahms­los netten Leuten, die ich an diesem Abend geführt habe… DANKE an Kai, Budde und Torsten von Die Strafe, die diesen großen Spaß mitge­macht haben. DANKE für ein großar­ti­ges Konzert und DANKE für die geschenkte Krunk-LP. DANKE an alle, die uns bei der Vorbe­rei­tung unter­stützt haben. DANKE an das gesamte leidens­fä­hige Schiffs­team und ganz beson­ders den Kapitän. Und natür­lich ein HERZLICHES DANKESCHÖN an alle Ticket­käu­fer. Wir hoffen sehr, ihr behal­tet diesen Abend in ebenso grandio­ser Erinne­rung wie wir.

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Mit kleiner Verspä­tung der Reise- und Konzert­be­richt zu

Frank Turner & The Sleeping Souls
live im Postbahn­hof Berlin, 2. Dezem­ber 2011

Was für eine Woche. Der Saftla­den, der sich ganz harmlos Arbeit­ge­ber nennt, steckt im vorweih­nacht­li­chen Stress­chaos fest und fordert seinen Tribut in Form von Überstun­den ein. Also wieder kein Urlaub. Immer­hin war es mir möglich, meinen Arbeits­platz am Freitag pünkt­lich zu verlas­sen, denn die Fahrt nach Berlin stand an – Frank Haude­gen Turner und The Sleeping Souls baten zum kollek­ti­ven Fäuster­ecken.

Also mit Kolle­gin K ab nach Potsdam zu Kollege D, der sich freund­li­cher­weise bereit­er­klärt hat, bis nach Berlin weiter zu fahren. Es stößt noch Kollege S zum Trio und somit ist das Quartett komplett. Ich war über die abgege­bene Last des Fahres froh, da ich ungern in Berlin Auto fahre. Das hat ausschließ­lich mit dem komple­xen Verkehrs­ge­sche­hen in der Haupt­stadt zu tun, die rein fortbe­we­gungs­tech­nisch einfach nicht meine Haupt­stadt ist. Zuviele Autos, zuviele Menschen und keine Ahnung wo es langge­hen könnte. Einmal Bauern­tram­pel, immer Bauern­tram­pel. Die Feldwege meiner Region sind mir vertraut wie der Inhalt meiner Jacken­ta­schen; die Alleen und Haupt­stra­ßen Berlins hinge­gen, bleiben mir auf ewig ein Buch mit sieben Siegeln.

Auf der Fahrt nach Berlin fiel ich durch penetran­tes aus-dem-Fenster-glotzen auf, was Kolle­gen S zu folgen­dem denkwür­di­gen Satz veran­lasste: „Ich stand mal im Wedding im Stau und mir war überhaupt nicht langwei­lig.“ Ich schlug vor, diesen Satz als aller­ers­ten seiner noch zu schrei­ben­den Autobio­gra­phie zu verwen­den, da er mir ausge­spro­chen gut gefiel. Ich glotze also und mir war auch nicht langwei­lig, denn die Stadt der Städte ist an Attrak­tio­nen reich: Es gibt chine­si­sche Restau­rants mit Namen Ding Dong, es gibt viel bunte Leucht­re­klame und es gibt Menschen aus aller Herren Länder. Am Potsda­mer Platz angekom­men, leuch­tete die neue Heilig­keit Berlins direkt vor uns. Ich weiß nicht, was die Berli­ner bzw. ihre Gäste am Potsda­mer Platz so finden. Ich finde den nämlich ganz schön gruse­lig. Die auch nachts illumi­nier­ten gleich­för­mi­gen Büros wecken unwei­ger­lich Assozia­tio­nen an Huxleys Schöne neue Welt oder Orwells 1984. Wer etwas anderes empfin­det, ist entwe­der merkbe­freit oder unsen­si­bel.

Wir erreich­ten den Ostbahn­hof, den vom Postbahn­hof nur das P und 100 m Fußweg trennen. Kollege S bekam Hunger, verschwand für eine gefühlte Viertel­stunde im Bahnhof und kam mit einer Pizzaschach­tel voller in Quadrate geschnit­te­ner Pizza­stü­cken zurück. Dem Anschein nach vermu­tete ich lauthals, Kollege S hätte um die Reste aus dem Stein­ofen gebet­telt – er blieb jedoch felsen­fest bei seiner Verlaut­ba­rung, für die Pizza bezahlt zu haben. Sei’s drum.

Pizza mampfend schrit­ten wir hinüber zum Postbahn­hof und baten an der Lokali­tät um Einlaß. Selbi­ger wurde uns prompt gewährt, denn klug wie wir nunmal sind, hatten wir bereits Karten. Es war recht voll und nach der obliga­to­ri­schen Geträn­ke­ver­sor­gung und dem Merch­check sahen wir vom Neben­raum aus Frank Teufels­kerl Turner und seine Mannen die Wendel­treppe zur Bühne hinab­wan­deln. Also flugs den Raum gewech­selt, in der Gewiß­heit die Vorband The XCerts verpaßt zu haben. Was kein Drama war, denn ich fand die Band schon beim Hannover-Konzert – Inter­es­sierte finden hier den Reise­be­richt – verzicht­bar.

Zu den Klängen von Eulogy ging’s los und das gleiche wohlige Gefühl stellte sich auch prompt ein. Meine Mitstrei­ter blieben hinten, ich kämpfte mich tapfer bis ins erste Drittel der Halle vor und fand einen guten Platz. Die Setlist bestand im wesent­li­chen aus den gleichen Songs wie beim Hannover-Gig. Ausge­nom­men das neue Cowboy Chords, das für eine kurze Verschnauf­pause im ersten Teil des Konzer­tes sorgte. Nach anfäng­li­cher Verhal­ten­heit hatte Frank Braten­ben­gel Turner nach 15 Minuten das Publi­kum fest im Griff und komplett auf seiner Seite. Spätes­tens bei Love Ire & Song gab es kollek­tiv kein Halten mehr. Die Gags, (deutsch­spra­chi­gen) Ansagen und Überlei­tun­gen waren im Großen und Ganzen auch diesel­ben wie in Hanno­ver. Zunächst war ich ob der Synchro­ni­tät der beiden Shows etwas überrascht bis enttäuscht, im Gesamt­fa­zit geht das als eine Art von Rock’n’Roll-Show aber durch­aus in Ordnung. Wenn Frank Wahnwitz Turner mit ganzem Herzen bei der Sache ist und seine Shows vor Herzblut, Leiden­schaft und Idealis­mus nur so strot­zen … dann dürfen von mir aus auch die Gags aus dem Drehbuch kommen. Das viele Herzblut erklärt übrigens auch die recht „kurze“ Show von 90 Minuten inkl. Zugaben. Kollege D stellte ganz zu Recht fest, daß seine Stimme das ohnehin nicht länger mitma­chen würde … bei dieser Art von leiden­schaft­li­chem Einsatz.

Zum Abschluß gab’s erneut das großar­tige Somebody To Love und als Zugabe das selten gespielte Rock’n’Roll Romance und den ebenfalls schon aus Hanno­ver bekann­ten Block aus The Ballad of Me and My Friends und Photo­syn­the­sis. Auch bei den letzten beiden Songs war das Publi­kum in exzel­len­ter Mitsingstim­mung, die Fäuste reckten sich gen Hallen­de­cke und der Schweiß sammelte sich auf dem Hallen­bo­den. Großes Kino.

Die Rückfahrt verlief enorm entspannt. Genau genom­men so entspannt, daß ich hinter Potsdam den Tempo­mat auf 140 tackerte und bis zu meiner heimi­schen Abfahrt weder Gas- noch Brems­pe­dal benut­zen mußte. Colas­aufend fuhren wir durch die Nacht… und da ich mein rechtes Bein nicht benötigte, pfiff ich auf dessen Zehen das England Keep My Bones Album in ganzer Länge.

Setlist wird nachge­reicht!

Schor­leb­log zum Thema
Akkord­ar­beit zum Thema

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Katzenjammer live in Magdeburg

by Torsten on 19. November 2011 · 0 comments

in Musik

Nach Frank Turner am Mittwoch in Hanno­ver bereits das zweite Konzert in dieser Woche: Die furio­sen Fjordfu­rien von Katzen­jam­mer gaben sich im ausver­kauf­ten Alten Theater zu Magde­burg die Ehre. Die vier grandio­sen Grazien aus Norwe­gen sorgten mit ihrer mitrei­ßen­den Mischung aus Jazz, Rock, Gypsy-Punk, Soul und Chanson für eine fantas­ti­sche Stimmung und wurden vom Publi­kum frene­tisch gefei­ert.

Das Vorpro­gramm bestritt eine Frau mit dem schönen Namen Unni Wilhelm­sen. Geboten wurde recht belang­lo­ser Singer-/Songwriter-Pop mit minimals­ten Folkein­flüs­sen. Ganz nett, aber eben auch nicht mehr.

Die Jammer­kat­zen boten dann anschlie­ßend handwerk­lich erstklas­sige Kost, was sich unter anderem daran festma­chen läßt, daß jede der vier Norwe­ge­rin­nen fast jedes Instru­ment spielen kann. Und auch spielt, so gab es dann einen steti­gen Instru­men­ten­wech­sel. Selbige waren zahlreich vorhan­den, so gab es die bekannte Bass-Balalaika, das Akkor­deon, die Mando­line, das Elektro­kla­vier, das Schlag­zeug, die Mundhar­mo­nika, das Banjo, das Glocken­spiel und beim grandio­sen A Bar In Amster­dam natür­lich auch die Trompete zu sehen und zu hören.

Anschlie­ßend gab’s noch eine Autogramm­stunde am Merchandise-Stand, die wir aber nicht mehr wahrge­nom­men haben. Die Damen schei­nen sehr auf dem Boden geblie­ben zu sein, wenn sie sich trotz des mittler­weile inter­na­tio­na­len Erfol­ges nach dem Konzert sogar noch unter das Publi­kum mischen.

Ein feucht-fröhlicher, beschwing­ter und gutge­laun­ter Abend mit einer exzel­len­ten Liveband. Takk og beste ønsker, Katzen­jam­mer!

Stell­ver­tre­tend und für einen kleinen Eindruck hier ein Live-Mitschnitt vom exzel­len­ten To The Sea.



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Unser kleiner Ausflug:

Frank Turner & The Sleeping Souls
live im Kultur­zen­trum FAUST (60er Jahre Halle)

Am gestri­gen Abend hieß es mal wieder, den Volks­wa­gen zu satteln und ihm die Sporen zu geben. Dieses Mal wieder in Richtung Westen, über die Landes­grenze nach Hanno­ver. Im Kultur­zen­trum Faust spielte Frank Incredi­ble Turner, der Wirbel­wind von der Insel, zum Tanze auf. Die Tickets lagen in weiser Voraus­sicht bereits seit Monaten bereit, was ich gestern Abend als kluge Entschei­dung erwies. Das Konzert war ausver­kauft und die Schlange am Einlaß ebenso endlos wie kalt.

Die Anfahrt verlief problem­los. Aller­dings läßt der Straßen­zu­stand der Autobahn 2 zwischen Helmstedt-Ost und Peine doch sehr zu wünschen übrig. Die Autobahn ist dort eine Berg- und Tal-Schunkel-Bahn, was mich umgehend zu der Erkennt­nis brachte, daß der Abschwung West weiter in vollem Gange ist, während die in den letzten 20 Jahren auf den Boden gestampf­ten Schnell­fahr­bah­nen im Osten unseres Vater­lan­des durch eine ebenso glatte wie elegant bitumierte Oberflä­che zu überzeu­gen wissen. Wie auch immer – wir überwan­den die Paß- und Visakon­trolle in Marien­born ohne größere Probleme und kamen pünkt­lich in Hanno­ver an. Die Parkplatz­su­che gestal­tete sich äußerst schwie­rig und langwie­rig, da das Kultur­zen­trum Faust recht zentral in Hannover-Linden gelegen ist. Schlu­ßend­lich fanden wir dann aber doch noch einen Parkplatz, aller­dings einen, bei dem die hohe Kunst des zenti­me­ter­ge­nauen Einpar­kens gefragt war. Kraft unserer Wasser­suppe und Lenkbe­we­gun­gen meister­ten wir aber auch diese Hürde.

Am Faust angekom­men, fanden wir eingangs erwähnte Schlange vor. Nach gut 15 Minuten waren wir an der Pole Position angelangt und prompt wurde uns Einlaß gewährt. Das Faust gliedert sich in mehrere Objekte und Lohkäh­schens, wie z. b. die Waren­an­nahme, die Kunst­halle und eben die bereits genannte 60er Jahre Halle. Wir betra­ten also letztere, holten uns den obliga­to­ri­schen Stempel ab und wurden nur kurz per Sicht­check von der (sehr freund­li­chen!) Security überprüft. Die Halle entpuppte sich rein größen­tech­nisch eher als mittel­gro­ßer Schup­pen. Ein LKW wäre dort vielleicht abstell­bar, oder auch 150 Fahrrä­der. Aber nur, wenn man sie ordent­lich stellt. Immer hübsch seiten­ver­kehrt – Lenker an Hinter­rad und anders­herum. Konkre­ter werdend, würde ich sagen wollen, daß vielleicht 300 bis 400 Menschen in der Halle Platz fänden.

Kurz den Merch-Stand gecheckt (alles bereits vorhan­den!) und dann erstmal ein Bier getrun­ken. Zu den Bierprei­sen kann ich nichts sagen, da meine Beglei­tung so freund­lich war, mich ernährungs- und geträn­ke­tech­nisch über den Abend zu retten. Im Gegen­zug fuhr ich und spendierte die Tickets.

Nach länge­rer Warte­rei und dem obliga­to­ri­schen Publi­kum­s­check (Alles von 20 bis 40, hoher Frauen­an­teil), betra­ten dann auch schon die Herren der The Xcerts die Bühne. Geboten wurde wenig origi­nel­ler Noise­rock mit starken Emo-um-das-Jahr-1992-Einflüssen. Ganz nett, aber nicht nicht nett genug, als daß ich beispiels­weise einen Tonträ­ger der Forma­tion besit­zen wollte.

Nach kurzer Umbau­pause dann endlich unser angel­säch­si­scher Rächer aus Winches­ter Forest – Frank Amazing Turner! Los ging’s mit Eulogy vom letzten Album England Keep My Bones und von Sekunde 1 an ertönte der vielstim­mige Chor aus Publi­kum und Frank Unbeliev­a­ble Turner selbst. Was folgte war ein Hitfeu­er­werk aus zunächst fünf Songs (genaue Setlist wird nachge­reicht!) das kaum Zeit zum Luftho­len ließ. Vielfach reckten sich bereits während den ersten Songs die Fäuste in die Lüfte und stellen­weise sang das Publi­kum lauter als unser Haupt­ak­teur selbst.

Dann erst die Begrü­ßung des Publi­kums durch Mr. Turner. Er erwähnte, daß sein erster Solo-Headliner-Ging vor Jahren im Chez Heinz in Hanno­ver statt­fand, weshalb er mit der Stadt beson­ders verbun­den wäre. Alter Schlei­mer. Was folgte, waren insge­samt 90 Minuten Wahnsinn, Hits und gute Laune, nur unter­bro­chen durch die eloquen­ten Geschich­ten und Anekdo­ten, die Frank Turner zwischen­durch zum Besten gab. Immer einge­streut in seine Geschich­ten sind die Worte fucking, fuck, mother­fuck­ing, Mother­fu­ckers und shit. Das wirkt aber nie peinlich oder aufge­setzt, sondern einfach herzer­fri­schend und leiden­schaft­lich. Toller Mann, und das sage ich als Hetero­se­xu­el­ler.

Dazwi­schen immer wieder die Auffor­de­rung zum Mitsin­gen, der massen­haft nachge­kom­men wurde. Neben­bei gab es ein paar deutsche Sätze, beispiels­weise wenn Mr. Turner das Publi­kum zu noch mehr Einsatz auffor­dern wollte: „Bizt Du mude? Kannst Du noch? Bizt Du Oster­rei­cher?“. Was haben wir gelacht!

Vor Glory Halle­lu­jah („There never was no god“) entschul­digte er sich beim Publi­kum präven­tiv, falls er irgend­je­man­des religiöse Gefühle verletz­ten sollte. Man solle als Christ, Moslem, Whate­ver halt nicht hinhö­ren und könne ja später trotz­dem zusam­men ein Bier an der Bar trinken. Korrekte Einstel­lung, wie ich finde. Das gleiche auch in Anspie­lung auf den Album­ti­tel England Keep My Bones („Germany and England were in fuckin‘ war with each other. But now were friends, aren’t we?). Bei Dan’s Song dann der ultima­tive Höhepunkt der Publi­kums­be­tei­li­gung – die Air Harmo­nica! Da Mr. Turner seine Mundhar­mo­nika im Suff in Austra­lien verlo­ren hat, mußte das Publi­kum einsprin­gen. Nach kurzer Probe und Einwei­sung durch den Meister ging’s dann im entspre­chen­den Mundharmonika-Part von Dan’s Song auch richtig ab: Das gesamte Publi­kum nahm seine imagi­nä­ren Mundhar­mo­ni­kas vor den Mund und es erscholl ein hundert­fa­cher Jaul- und Jammer­chor, was für überbor­dende Heiter­keit sorgte.

Mitten­drin gab’s noch eine großar­tige Cover­ver­sion von Queens Somebody To Love, das exzel­lente Sons Of Liberty und „for all the old punks in die audience“ das epische Love Ire & Song. Dann auch noch das berüh­rende Long Live The Queen, da bleiben bei mir absolut keine Wünsche mehr offen.

90 Minuten waren viel zu schnell vorbei. Die Zugabe bestand aus Ballad Of Me And My Friends und Photo­syn­the­sis, welches zum aller­letz­ten Höhepunkt wurde. Erneut wurde massive Publi­kums­be­tei­li­gung einge­for­dert, und beim Gesang von „I won’t sit down and I won’t shut up and most of all I will not grow up“ fühlten wir uns wie eine Armee von berufs­ju­gend­li­chen Minder­jäh­ri­gen auf Glücks­hor­mo­nen. Fuckin‘ amazing!

Abschlie­ßend das Fazit: Ein famoser Abend mit einem famosen Frank Unfaß­bar Turner und einer großar­tig einge­spiel­ten Band. Eines der besten Konzerte, daß ich jemals besuchen durfte. Wenn Frank Turner in eurer Nähe spielt, geht hin. Der Mann ist jeden verdamm­ten Cent wert.

Wir sehen uns am 2. Dezem­ber in Berlin. 😀

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