Der Tag, an dem ich beim Isolieren des Behörden-Dachbodens auf meine Urahnen stieß

Heizkos­ten, Heizkos­ten. Überall Heizkos­ten. Heizkos­ten ohne Ende. Eine gigan­ti­sche Ansamm­lung von Heizkos­ten, die vor der Behör­den­tür stehen, unfreund­lich anklop­fen und im Chor rufen „Bezahl uns! Bezahl uns!! Bezahl uns!!!“ Diese verdamm­ten Heizkos­ten!

Mein Dachge­schoß war bisher im Hochsom­mer ein Sammel­be­cken für schwül­warme Luft, der Hitze­re­kord im Schlaf­zim­mer lag bei 32° Celsius. Im Winter hinge­gen eine Fröste­lei und klamme Kälte, die mich die letzten Jahre grund­sätz­lich nur noch im Lammfell­man­tel schla­fen ließ. Gut, ich übertreibe wieder mächtig gewal­tig ein wenig, aber eines stand jeden­falls zweifels­frei fest: Abhilfe mußte her. Eine gute Idee schien mir die Isolie­rung des Behörden-Dachbodens zu sein. Und das möglichst noch vor dem Winter. Nach langer Laberei, noch länge­rer Rechne­rei und Überwin­dung der eigenen Antriebs­lo­sig­keit ging’s dann auch tasäch­lich los:

Alle Bilder sind anklick­bar, so denn alles geklappt hat!

Ideal­vor­aus­set­zung Nr. 1 zum Isolie­ren eines Dachbo­dens ist ein vorhan­de­ner Dachbo­den, idealer­weise am oberen Ende des Hauses. Das Gegen­stück hieße dann Keller, soweit sind wir aber noch nicht. Also immer nach OBEN orien­tie­ren, ich sag’s nur nochmal ausdrück­lich, weil wir anfäng­lich ganz schön lange gesucht haben…

Der Dachbo­den sollte möglichst voll mit altem Plunder, Müll, Resten von Dachzie­geln und alten terres­tri­schen Anten­nen sein, damit man auch was zu räumen hat. Ist ja sonst nur der halbe Spaß.

Voraus­set­zung Nr. 2: Dämmma­te­rial. Mit drei „m“ , auch nach der neuen Recht­schrei­bung, oder?! Früher war’s doch so, wenn ein Vokal folgte, blieb es bei zwei Konso­nan­ten, richtig?! Also heißt es jetzt „Dämmma­te­rial“ oder „Dämma­te­rial“? Wer Auskunft geben kann, soll das bitte in den Kommen­ta­ren tun. Sowas ist wichtig, extrem wichtig! Aber manch­mal … egal, ich schweife ab … Dämm-Material! Teuer das Zeug, aber hoffent­lich die Inves­ti­tion wert. Bitte­schön, ich präsen­tiere:

Voraus­set­zung Nr. 3: Zwei hochmo­ti­vierte, unglaub­lich gut ausge­bil­dete Fachkräfte, die nach reich­lich Kaffee- und Nikotin­genuß dann tatsäch­lich auch irgend­wann mal anfan­gen. Zwar nicht mit beson­ders intel­li­gen­tem Gesichts­aus­druck, aber das spielt hier auch keine Rolle. Schließ­lich geht es nicht um gut ausse­hen, sondern um gut dämmen. Und gut gedämmt ist halb gewon­nen, bezie­hungs­weise „halb gespart“. Hoffent­lich!

Voraus­set­zung Nr. 4: Getränke, natür­lich relativ gesund und absolut alkohol­frei! Und Zigaret­ten, nicht ganz so gesund, aber immer­hin trinken wir keinen Alkohol.

Zack! Zeitsprung, der Koch in der Fernseh­show würde jetzt sagen: „Ich hab da mal was vorbe­rei­tet“. So sieht er aus, der gedämmte Dachbo­den nach 2 Stunden Kampf­ein­satz. Soweit ganz ordent­lich. Die Behörde hat auf die Zwischensparrung-Dämmung verzich­tet und nur den Fußbo­den gedämmt, da dieser Teil des Hauses ohnehin nicht genutzt wird. Man könnte besten­falls einen Zwerg dort einzie­hen lassen, aber die machen mir zuviel Lärm. Ich hatte überlegt, ein Wohnungs­an­ge­bot in der Lokal­zei­tung aufzu­ge­ben: „Biete Wohnraum für Rumpel­stilz­chen. Suche Stroh“, hab den Gedan­ken aber rasch wieder verwor­fen. Wegen der Königin Kind… und außer­dem will man sich ja keine Krimi­nel­len ins Haus holen.

Jetzt fragt sich der inter­es­sierte Leser vielleicht: Wo ist der ganze Kram hin? Richtig, der ist jetzt draußen! Wo es drinnen nun so schön, schick, ordent­lich und gar ein wenig streb­sam aussieht, sieht es draußen aus wie Kraut und Rüben, Sodom und Gomor­rha, Schutt und Asche! Ein Teufels­kreis!

Nach Sichtung und Sortie­rung des vorhan­de­nen Krempels tauch­ten dann doch noch ein paar Schön­hei­ten auf, die ich hiermit voller Stolz präsen­tiere. Ganz ernst­haft und ausnahms­weise mal ohne Scheiß, ich hab ein paar inter­es­sante Dinge und Fotos gefun­den, bitte­schön: Ein Glas Pflau­men aus dem Jahre 1963. Leider ohne Glas, aber der Karton ist erhal­ten, ein Lecker­bis­sen für alle Liebha­ber nostal­gi­scher Typogra­fie.

Unter tatkräf­ti­ger Mithilfe meiner Restfa­mi­lie gelang es außer­dem folgende Perso­nen auf den gefun­de­nen Fotos zu identi­fi­zie­ren: Als erstes mein Vater, Aufnah­me­ort ist tatsäch­lich der Garten der Börde­be­hörde, das Foto muß ca. 1948/1949 entstan­den sein.

Meine Urgroß­mutter, echt, ohne Scheiß und ganz tatsäch­lich. Hübsche Frau!

Es kommt noch besser! Ganz links meine Ur-Ur-Großmutter, in der Mitte mein Ur-Großvater und ganz rechts außen mein Ur-Ur-Großvater. Unglaub­lich, aber wahr. Ich bin angesichts der histo­ri­schen Fundstü­cke fast ein wenig ergrif­fen. Toll!

Zum Schluß das schönste Bild. Meine Großtante Agnes, die Schwes­ter meines Großva­ters. Ebenfalls aufge­nom­men im Garten der Behörde. Das Foto muß ca. von 1940 sein. Tolles Bild, tolle Frau.

Das war’s Herrschaf­ten, ich hoffe angenehm unter­hal­ten zu haben und versi­chere nochmals: Alles echt, alles gefun­den, alles wahr!

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7 Kommentare

  1. Also erstmal- 3 M. tatsäch­lich und nur weil die Leute heute keine Regeln mehr auswen­dig aufsa­gen wollen. Dabei war die deutsche Sprache mal voll von tollen Ausnah­me­re­geln die auch auf Papier wunder­schön aussa­hen.

    Die Relikte deiner Familie sind genauso wunderschön..Ich hoffe sie werden gerahmt und bekom­men einen liebe­voll ausge­such­ten Platz überm Kamin oder am Herzen..ist ja beides warm. Und dann wünschen wir uns heute auch wieder so toll auf Fotos ausse­hen zu können..
    Ich habe aus meiner Jugend unend­lich viele erschre­ckende Bilder in Farbe, schlecht frisiert und gut gemeint angezo­gen und bebrillt als sollte ich nie wieder Freunde finden.

    Und schau sie dir an- unsere lieben Verwand­ten sehen aus wie aus nem Film. Schön!

  2. Hallo Behörde! Zur Recht­schrei­bung würde ich Dämmwolle vorschlagen…ABER: Was habt Ihr denn genom­men, 120er oder 140er, wie es sich gehört? Oder ist das 120er mit höherem Dämmwert? 😎 Schöne Fotos, bei uns gab´s leider nur ne leere Pulle Diamand und ne Menge Dreck, den wir spontan oben ließen… 😳 beste Grüße!

  3. Bolli, natür­lich: gerei­nigt, gerahmt, andie­wand­ge­hängt! 🙂 Ich hoffe, ich sehe in 50 Jahren auch noch gut aus, befürchte aber das Gegen­teil.

    Jens, einhun­dert­sech­zi­ger!!! Dämmwert 40. Wenn, dann richtig. :mrgreen:

  4. … in 50 Jahren bin ich 86 Jahre alt, Kurt. Das heißt, ich bin dann älter als jetzt mit meinen gefühl­ten 65 Jahren. Sowas wolltest Du doch andeu­ten, oder?! :mrgreen: Na, komm Du mal wieder „hoch“ in meine Gegend, dann zeig ich Dir, wo der Bartel den Most holt. 😛

  5. Was für schöne Fotos und was für nette Kommen­tare.
    Ich frage mich nur, warum alte Fotos IMMER auf alten Dachbö­den auftauchen…Dieter hat sich übrigens überhaupt nicht verän­dert.

    Es ist schade, daß du keinen Zwerg beher­ber­gen willst, weißt schon, ich hätte da noch passende Löffel und so.
    Und auf diesem Wege mal kurz ein paar Grüße an Kurti und Jens!

    zora

  6. Liebe Zora, danke für das Angebot mit dem Löffel. Ich hab beim Aufräu­men der Küche einen Miniatur-Schneebesen gefun­den, vielleicht hast Du ja (bzw. der Zwerg) Inter­esse? Ich zeig ihn Dir beim nächs­ten Mal, ein dolles Ding! :mrgreen:

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