10 Platten für die Insel (Teil 4)

Teil 4 unser­er kleinen Rei­he “10 Alben für die Insel”!
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Boxhamsters — Prinz Albert

1993 — Bad Moon (Indi­go)

Win­nie / Hütchen­spiel­er / Krazy / Falsche Kreuze / Hotzenplotz
Schle­ich­fahrt / Kon­flikt / Eis / Süßwasser­ex­perte / ’76
Far­ben / Armensterben


Som­mer 1993. Die bleierne Schwere der aus­ge­hen­den 80iger Jahre liegt noch immer wie ein dun­kler Schat­ten auf den alten Teilen der ger­ade erst vere­inigten Repub­lik. Elf Jahre Kan­zler Kohl an der Spitze, das Volk vere­inigt in Trägheit, tief­schlafend im Kon­sensses­sel aus Gemütlichkeit, Langeweile und Zufrieden­heit. Nur ein kleines Volk leis­tet Wider­stand: Aus den flachen Ebe­nen östlich der Elbe brechen die Ure­in­wohn­er zu neuen Ufern auf. Hand­strichar­tig wer­den die Clubs im West­en genommen.

Lan­dauf, landab tönen die Klänge der Box­ham­sters durch die Jugendzen­tren der Repub­lik. Die Karawane der alten neuen Welt aus 80s Punk/HC, strik­tem linkem Selb­stver­ständ­nis, Solikonz­erten und veg­e­tarischem Cater­ing hat keine Zeit um Luft zu holen, sie muß weit­erziehen. Das neue Land ist jung, Wider­stand ist Pflicht, und wenn jemand weiß, wie sowas über­haupt geht, dann die sym­pa­this­chen kleinen alten Punks aus Gießen.

Man ist nicht zaghaft in der Wahl der Mit­tel und der Sound­track zum Jung­sein beste­ht zum Beispiel aus dem Hochgeschwindigkeits-Emo­core (ja, Kinder, das ist Emo­core!) der Ham­sters. Der Ein­tritt kostet 5 Mark, wie Du aussiehst spielt keine Rolle. Das Bier ist bil­lig. Es gibt keine Mod­epunks im Pub­likum, weil sich Mod­epunks nicht für unkom­merzielle Bands inter­essieren. Oder weil sie keinen Zugang zu den Kanälen haben, auf denen Unkom­merzial­ität stat­tfind­et. DIY ist wed­er Masche noch Koket­terie, son­dern ein Selb­stver­ständ­nis. Punk ist, was DU daraus machst. HipHop hat die Welt noch lange nicht ver­saut. Und mit­ten­drin in den ver­bit­terten, wüten­den Songs mit den typ­isch catchy-kinder­lied­haft-sen­ti­men­tal­en Refrains — ich, Du, wir, sie.


Box­ham­sters — “Krazy
[audio:http://www.boerdebehoerde.de/wp-content/uploads/audio/bb_krazy.mp3]


“Geschrei das nie­man­den groß berührt, hat mir die Kehle zugeschnürt.
Die Augen rot, die Worte heis­er, lach ich eben etwas leiser.
Den let­zten Witz hab ich gese­hen, all meine Eulen in Athen,
die flot­ten Sprüche aus­ge­bremst, dann ist der Narr halt eben ernst.
Die Birne weich, das Herz kaputt wie meine Hose,
will nach Coconi­no County,
blät­ter rum in meinem Hirn … es ist verrückt,
ich komm bes­timmt nicht mehr zurück.”


Auf Wieder­se­hen.


4 Kommentare zu „10 Platten für die Insel (Teil 4)“

  1. in diesem voll­ge­fresse­nen land,
    da wird die dummheit ewig siegen
    wo min­is­ter­präsi­den­ten gern in bade­wan­nen liegen
    da liegt sie nun die sau, der abge­sof­fene heiligenschein
    mit einem grin­sen im gesicht
    werd ich dein qui­etcheentchen sein
    😉

  2. Kam irgend­wie die Ankündi­gen für diesen Artikel deut­lich vor dem Artikel selb­st? Zumin­d­est hat ich bei diesem vierten Teil in den let­zten Tagen immer auf einen nicht funk­tion­ier­ren­den Link gek­lickt. Naja. Hat sich das Warten ja gelohnt.

    Alex- let­zter Blo­gein­trag … Auf zu neuen Horizonten

  3. aus inter­nen Quellen: die Box­ies sind ger­ade im Stu­dio, anfang näch­sten Jahres soll die neue Plat­te wohl erscheinen. Fragt sich dann nur wo, da Lado ja auch nicht mehr existiert.
    schöne Grüße in die Behörde!

  4. Alex, es gab ein paar tech­nis­che Prob­leme. Genaugenom­men war der Artikel ursprünglich viel länger, aber ich bin etwas vom The­ma abgewichen. 😉 Deshalb stand er zwar schon online, aber eigentlich doch nicht. Naja, jet­zt iss­er ja da. Danke fürs Kommentieren!
    Jens, auch Dir her­zlichen Dank, vor allem für die guten Infos. Wobei ich zugeben muß, daß mir die alten Box­ies bess­er gefall­en als die von “Demut & Elite”.

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