Oktobergruß

Herb­st

Rings ein Ver­s­tum­men, ein Entfärben:
Wie san­ft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hin­nen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blät­ter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Ver­fall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blät­ter fall­en stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör’ ich Kunde wehen,
daß alles Ster­ben und Vergehen
Nur heim­lich still vergnügtes Tauschen.

Nikolaus Lenau 


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