Monat: Januar 2009

Vorsicht an der Bahnsteigkante,

es fährt ein Zug nach Nirgendwo!

Darin sitzen 20 kleine Chi­ne­sen und ein Hund. Die wollen zur CeBit nach Han­nover und sind zu früh los­ge­fahren. Die CeBit ist näm­lich erst im März oder so. Auf jeden Fall im Früh­jahr. Jet­zt haben wir aber noch Win­ter, das wußten die Chi­ne­sen nicht. Von Chi­na aus betra­chtet, sieht die Welt ganz anders aus. Auch die Jahreszeit­en. Der chi­ne­sis­che Som­mer entspricht dem mit­teleu­ropäis­chen Win­ter und ander­srum. Wenn man dann noch zusät­zlich die Tem­per­a­turen und die Tageszeit­en tauscht und gut umrührt, ist die Ver­wirrung kom­plett und die Uhr kaputt! Sowas macht näm­lich nicht jede Uhr mit, nur die guten großen teuren aus der Schweiz, dem virtuellen Land!

Zurück zu den Chi­ne­sen. Sie haben Pfand­flaschen dabei. Pfand­flaschen aus Baum­wolle. Die sind zwar ökol­o­gisch wertvoll, aber geträn­ketech­nisch eine Her­aus­forderung. Kurz nach der Abfahrt in Peking war die ganze schöne Orangen­brause bere­its aus­ge­laufen. Da mußten unseren Her­ren Chi­ne­sen (keine einzige Dame dabei, CeBiT!) auf lauwar­men Roibusch-Tee aus dem Mitropa-Wagen umsteigen. So tranken sie den Tee und fuhren durch die Lande, sechs lange Wochen lang. Dabei kamen sie nicht nur zu unge­wohn­ten Ein­sicht­en son­dern auch zu ein­deuti­gen Erken­nt­nis­sen über Leben, Lust, Liebe und Com­put­er. Auf so ein­er lan­gen Reise hat man näm­lich unheim­lich viel Zeit und kann schön reflek­tieren, über das Leben, die Lust, die Liebe und schon wieder Computer.

Com­put­er sind über­all, mein Ich ist im Com­put­er und eure Ichs sind auch schon drin. Außer­dem das Ich von Dr. Hel­mut Kohl und das Ich des Mülleimers vor dem Mark­tkauf in Haldensleben. Beson­ders für das let­zte Ich möchte ich mich aus­drück­lich bedanken, es erhellte meinen Nach­mit­tag und zauberte einen mor­biden Hauch der Ver­wirrung auf mein gramge­beuteltes Antlitz.

Liebe Leser, vie­len Dank für eure Aufmerk­samkeit und für euer Umweltbewußtsein!


Saure Äpfel

Liebe Apple-Gemeinde,

ich bin seit Jahren ein Teil von euch. Mit MacOS 7 aufgewach­sen, mit Hyper­Card ver­traut, mit IIfx, IIci, LC und Per­for­ma erwach­sen gewor­den. Ich habe einen unter­di­men­sion­ierten und über­teuerten Per­for­ma 5200 gekauft, danach einen Pow­er­Mac 7500. Ich habe mein Geld in Nubus- und PCI-Karten investiert. Ob SCSI-Karte, USB-Karte, Grafikkarte, Modem; sog­ar den ISDN-Leonar­do-Wahn hab ich mit­gemacht und mit sagen­haften 128 kBit/s Dat­en in die Welt­geschichte exportiert. Ich hab meinen 601er mit ’ner 604er-PPC-Karte aufgerüstet. Ich hab das Inter­net-Con­nec­tion-Kit instal­liert, als es noch nicht so ein­fach war, ins Inter­net zu kom­men. Die Verbindung stand, mit 14.400 Bit/s! Ich habe Shuf­flepuck gespielt, Boom und sog­ar Myst. Ich kenne alle East­erEg­gs. Ich kenne iTunes seit Ver­sion 2.0.

Nur kurz Kippen holen

Ein Wun­der, ein Wun­der! Der Architekt Marc Aretz hat bei der Vor­bere­itung von Sanierungsar­beit­en im Leipziger Stadt­teil Reud­nitz eine vor 20 Jahren ver­lassene Woh­nung aus DDR-Zeit­en entdeckt.

Als er die Tür im drit­ten Stock auf­schloss, stand er mit­ten im All­t­ag der DDR: Alubesteck und Plas­tikgeschirr, „Vita“-Cola in der Orig­i­nalflasche, „Marel­la-Delikateß­mar­garine“, dazu halb zer­fressene Brötchen im Dederon-Netz. Der Wand­kalen­der zeigte den August 1988. Knapp 40 Quadrat­meter unberührte DDR, eine kleine Sen­sa­tion. Beim Betra­cht­en der Woh­nung fühlte sich Aretz ein wenig wie ein Archäologe, der die Ter­rakot­ta-Armee aus­gräbt: „Man sieht diese banalen All­t­ags­dinge heute ja schon wie einen archäol­o­gis­chen Fund, wie in ein­er his­torischen Schatzkam­mer“, sagt der 44-Jährige. (Quelle)

Die zwanzig Jahre alte Woh­nung erlaubt nun einen authen­tis­chen Blick in das Leben in der DDR, die Marken­pro­duk­te wür­den jedem Ostal­gieshop zur Ehre gere­ichen: „Karo“- und „Juwel“-Zigaretten, „Rügen­er fis­chhaltige Paste“, „Elkadent“-Zahncreme, „Strumpf­füßlinge“ von Esda. Auch eine leere Flasche „Kristall Wod­ka“, im Volksmund „Blauer Würg­er“ genan­nt, wurde gefun­den. Ein Bad gab es nicht, stattdessen ein Klo die halbe Treppe tiefer.

Der Bewohn­er brach offen­sichtlich über­stürzt auf oder wollte “nur kurz Kip­pen holen”. Diverse gefun­dene Briefe und die unaufgeräumte Bude sind Beleg dafür. Schuld kön­nte aber auch sein vielle­icht man­gel­nder Ord­nungssinn sein; an dieser Stelle müssen wir mutmaßen.

Man kön­nte geneigt sein, die ganze Sache für einen Schwindel zu hal­ten aber der Ent­deck­er beteuert hart­näck­ig die Authen­z­ität seines Fun­des. Vielle­icht ist die ganze Sache auch als PR-Gag vom MDR insze­niert, der just dieser Tage sein neues Zeit­geschichte-Por­tal “Damals im Osten” startet. Auf dem gibt’s zwar noch nicht allzu viel zu sehen, aber wir behal­ten euch im Auge, Genossen!

Schade, daß es nicht viele Fotos der Bruch­bude zu sehen gibt, ein paar sind in den Links versammelt.

welt.de — Ver­lassene DDR-Woh­nung in Leipzig entdeckt
t‑online.de — Architekt ent­deckt ver­lassene Wohnung
sueddeutsche.de — Architekt ent­deckt DDR-Wohnung