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Monat: März 2010

Der gute Landfilm: Shutter Island

Ausnahms­weise mal ’ne ausge­lie­hene Kritik zum Guten Landfilm. Hätte ich genauso geschrie­ben – hätte ich nur gekonnt. 😉

Martin Scorsese spielt in jener exqui­si­ten Oberklasse von Regis­seu­ren, die höchs­tens eine Handvoll Mitglie­der zählt. Wenn der New Yorker einen neuen Kinospiel­film an den Start bringt, ist das schon für sich genom­men ein Ereig­nis. Hatte der Italo-Amerikaner früher in Robert De Niro (Hexen­kes­sel, Taxi Driver, Wie ein wilder Stier, Kap der Angst, GoodFel­las, Casino) seine Muse, übernahm Leonardo DiCaprio 2002 bei Gangs Of New York den Staffel­stab und spielt nun nach Aviator und The Depar­ted schon seine vierte Haupt­rolle für den Großmeis­ter. Die Vorzüge liegen auf der Hand: DiCaprio ist nicht nur einer der besten Schau­spie­ler seiner Genera­tion, sondern auch ein echter Filmstar, der die Menschen alleine mit seinem Namen in die Kinos locken kann. Das mag auch mit „Shutter Island“ gelin­gen, immer­hin hat das Studio die mögli­che negative Publi­city bei einem Oscar-Reinfall vermieden.

Scorsese geht gleich zu Beginn in die Vollen. Der Score tost pompös-offensiv voran und schafft eine Atmosphäre wie in einem B‑Horror-Thriller, die von Robert Richard­sons (Inglou­rious Basterds, „Aviator“) überra­gen­der Kamera­ar­beit veredelt wird. Der cinephile Regis­seur vermischt die Genres und nimmt mit der visuel­len Gestal­tung sowie mit Hard-Boiled-Dialogen Anlei­hen beim Film Noir, während er immer tiefer in die Psyche seiner Haupt­fi­gur eintaucht, die versucht, das Rätsel von Shutter Island zu lösen.

Die Puzzle­stü­cke, die von Drehbuch­au­torin Laeta Kalogri­dis (Pathfin­der, Alexan­der) geschickt ausge­legt werden, beschäf­ti­gen das Publi­kum erst einmal eine Weile, jeder Zuschauer kann sich einen eigenen Reim darauf machen und wer sich dafür viel Zeit lässt, hat keine Nachteile, denn mit einem Wendungs-Coup werden die Karten neu gemischt. Unabhän­gig davon schlei­chen sich im Mittel­teil einige Längen ein, die Handlung kommt nicht voran und verliert ihren Fokus. Aber das ist die Ruhe vor dem Sturm: Im dritten Akt überschla­gen sich schließ­lich die Ereignisse.

DiCaprio (Blood Diamond, Zeiten des Aufruhrs), den gern unter­schätz­ten, aber oft ausge­zeich­ne­ten Mark Ruffalo (Zodiac, Colla­te­ral, Die Stadt der Blinden) und Ben Kings­ley (Gandhi, Schind­lers Liste) zur Verfü­gung zu haben, ist ein Segen, aus dem aber auch eine Verpflich­tung erwächst. DiCaprio ist der klare Domina­tor des Films. Alles ist auf den Kalifor­nier zugeschnit­ten, der mit purer Präsenz Akzente setzt. Sein Marshal Daniels wird von inneren Dämonen gejagt, die ihn aber nicht hemmen, sondern anspor­nen, weiter zu ermit­teln. Leider übertreibt es Scorsese mit geradezu epischen Rückblen­den, die Daniels‘ mentale Insta­bi­li­tät bebil­dern. Immer wieder geht es zurück in Daniels‘ Zeit im Zweiten Weltkrieg. Er hat als US-Soldat an der Befrei­ung des Konzen­tra­ti­ons­la­gers Dachau mitge­wirkt, sich aber auch selbst kaltblü­ti­ger Morde schul­dig gemacht. Damit nicht genug, in einer zweiten Flashback-Ebene plagt ihn der Tod seiner Frau Dolores, die in seinen Träumen zu ihm spricht und ihm Ratschläge gibt, was als nächs­tes zu tun sei. Diese Ausflüge in die Psyche sind für die Prosa eines Romans ein Geschenk, aber ihre filmi­sche Illus­tra­tion ist generell heikel. Während der Zuschauer gespannt die Thril­ler­hand­lung weiter verfol­gen will, hemmen die Rückblen­den immer wieder den Erzählfluss.

DiCaprios Co-Star Mark Ruffalo steht unüber­seh­bar im Schat­ten des großen Leo. Er erfüllt überwie­gend die Funktion eines Stich­wort­ge­bers für seinen Boss. Ruffalo erhält wenig Gelegen­hei­ten zu eigenen Akzen­ten, aber überzeugt bei diesen mit seiner ruhigen Art. Ben Kings­ley als Gegen­pol zu den beiden US-Marshals hat im Vergleich dazu die weitaus dankba­rere Rolle. Der Oscar­preis­trä­ger gefällt mit zurück­hal­ten­dem Spiel, was seine Figur des undurch­sich­ti­gen Dr. Cawley noch einmal geheim­nis­vol­ler erschei­nen lässt.

Mag es drama­tur­gisch auch einige Holprig­kei­ten geben, stilis­tisch ist „Shutter Island“ absolut über jeden Zweifel erhaben. Die abgele­gene Insel ist ein perfek­ter Drehort, die raue Landschaft und deren Insze­nie­rung gemahnt an Klassi­ker der Sechzi­ger­jahre und das Wetter nimmt teilweise gar die Funktion einer Neben­rolle ein, wenn ein kräfti­ger Sturm über das Eiland zieht und den Mikro­kos­mos Shutter Island ins Chaos stürzt.

Fazit: Martin Scorse­ses „Shutter Island“ ist kein Meister­werk. Oft sind die Einzel­teile des Thril­lers besser als das Ganze, daran ändert auch die heraus­ra­gende Kamera­ar­beit von Robert Richard­son und das engagierte Auftre­ten von Leonardo DiCaprio nichts. Ansons­ten gibt es von allem etwas zu viel: Die Cops sind ein bisschen zu abgebrüht, die Anstalts­alt­vor­de­ren ein wenig zu finster und die Schat­ten, die das Ungemach wirft, einen Tick zu lang. Doch die Brillanz, mit der Scorsese das alles insze­niert, ist trotz aller Einwände bewun­derns­wert und macht aus „Shutter Island“ einen absolut sehens­wer­ten Film. (Quelle)

Offizi­elle Website

Filmstarts.de
Kino.de


Ein Grund,

warum ich Tocotro­nic nicht mehr so sehr mag, ist das rührse­lige, wunder­li­che, altvä­ter­li­che und larmoy­ante Gedöns in ihren Newslettern:

Liebe Fanati­ke­rIn­nen,

Die erste Hälfte der „Schall und Wahn-Tour“ war spitzen­mäs­sig! Ihr wart ein ganz reizen­des und extrem lässi­ges Publi­kum, es hat uns riesi­gen Spass berei­tet vor euch zu perfor­men. Kommet alle und sehet unsere rumpelnde Rockshow im zweiten Tourteil! Mit dabei, wie zuvor, die aurati­sche Songwri­te­rin Dillon!

Das Video zu unserer zweiten Single „Im Zweifel für den Zweifel“ (VOE 23.4.) ist fertig gestellt. Die göttli­che Ingrid Caven hat unter der Leitung von Stepha­nie von Beauvais eine Glanz­leis­tung absol­viert, in traum­hafte Bilder gegos­sen von Kamera­frau Jutta Pohlmann.
Perver­ser als Fassbin­der, boule­var­des­ker als Billy Wilder, unheim­li­cher als Dario Argento: Der kleine Film hat Premiere auf unserer Homepage am 01.04.10, hier auch ein kleiner Trailer dazu: http://www.youtube.com/watch?v=wTUZhIqOptc

Unsere T‑Shirt Kollek­tion wurde zur Tournee um ein Motiv erwei­tert: Es handelt sich um ein Jack-Smith-Gedenkshirt. Vorne: Mario Montez in „Flaming Creatures“, hinten unser aller Motto: „Keine Meister­werke mehr“. Sieht herrlich aus. Weiter­hin verfüg­bar bleiben die Motive „Schalls­pi­rale“, „Folter“ und das knall­rote „Macht es nicht selbst“-Shirt (Farbe beken­nen in der Hegemann-Debatte!)
Umarmt den Konsum! Shop till you drop! Alles unter http://www.tocotronic.de/shop/

Wir sehen euch „on the road“, ihr Gammler

Herzlichst
Tocotronic

Bäh.

(De)motivierendes zum Wochenausklang

Mal ehrlich, das System der Lohn- und Fronar­beit ist doch längst überholt. Es ist doch ohnehin nicht genug Arbeit für alle da. Warum also bleiben wir nicht einfach zuhause und entspan­nen uns bei einem bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men statt uns täglich im Kompetenz- bzw. Inkom­pe­tenz­ge­ran­gel aufrei­ben zu lassen? Und warum wird unsere Arbeit so wenig geach­tet? Und warum werden die Reichen immer reicher und die Dummen immer dümmer? Und wozu braucht man Argumente, wenn man doch Fäuste hat?! Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich hab die Schnauze voll! Nieder mit der Lohn- und Fronar­beit – Müßig­gang jetzt!

[audio:http://www.boerdebehoerde.de/wp-content/uploads/audio/bb_bibi.mp3]

Partywissen (23)

Der Präsi­dent des Zentral­ver­ban­des des Deutschen Bäcker­hand­werks e.V. heißt Peter Becker.

Malibu

Klick!

Gestern abend fand ich beim Rumstö­bern in einem fremden Bücher­re­gal ein altes Buch von mir. Darin lag als Lesezei­chen eine Postkarte vom Malibu-Versand in Hamburg. Erinnert sich noch jemand an diesen legen­dä­ren Versand? Feinste, oft rare Indie-Perlen zum Fast-Geschenkt-Preis. Dazu gab es großar­tige, meist eupho­ri­sche Rezen­sio­nen von einem gewis­sen Günther. Oder hieß er Jürgen? Den kleinen, dicken Malibu-Katalog habe ich Mitte der 90iger meist in einem Rutsch in der Nacht­schicht gelesen und die zu bestel­len­den Platten mit einem Marker angestrichen…
Leider weiß niemand, was Günther heute macht. Ich hoffe, es geht ihm gut, denn er ist für einen entschei­den­den Teil meiner musika­li­schen Sozia­li­sa­tion verant­wort­lich. Danke, Günther, oder wie auch immer Dein Name lautet.

Malibu ging übrigens 1998 in Konkurs. Die Reste wurden vom Soundhouse-Mailorder verramscht.

Hier noch ein Scan von der Titel­seite eines Katalo­ges; vielen Dank an Ingo für die Mühe. Zur ganzen PDF geht es hier lang.



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