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Wenn ich einmal tot bin…

von Torsten am 17. Oktober 2012 · 6 Kommentare

in Kraut und Rüben, Träume in Technicolor

… möge man mich so ehren, wie es die Gemeinde Gabel­bach mit ihrem Heimat­poe­ten Rudolf Baumbach tat: Man trauer­pro­zes­sio­nierte eine geschla­gene Woche lang. Der Trauer­zug wurde von mehre­ren Blumen­wa­gen aus Messing angeführt, gezogen von geschmück­ten Ziegen­bö­cken. Es gab Frei-Cola für alle und man sang die lustigs­ten Lieder der Smiths. Am Ende der Trauer­fei­er­lich­kei­ten enthüllte man dem Gemein­de­poe­ten ein Denkmal.


Der Ritter und die Nixen
Rudolf Baumbach

Zwölf Ritter ritten durch am Wald
Mit Schwert und Schild und Sporen;
Sie scher­zen und lachen und haben bald
Den rechten Weg verlo­ren.

Und plötz­lich sehen sie durch den Tann
Ein stilles Wasser blinken;
Sie reiten hinzu, sie halten an
Und lassen die Rösslein trinken.

Da rauscht das Schilf und schwankt und nickt,
Die Wasser­li­lien sich neigen,
Und aus dem See koral­len­ge­schmückt
Zwölf schöne Nixen steigen.

Die Rosse zittern und schnau­ben bang,
Die Ritter starren und schauen,
Da tönt bestri­cken­der Gesang
Vom Mund der Wasser­frauen.

»O folget uns in unser Reich,
Rotwan­gige Erden­söhne;
Unsterb­lich­keit verlei­hen wir euch
Und ewige Jugend­schöne.

Es kann ja doch die höchste Lust
Auf Erden nicht gedei­hen;
Ihr findet sie an unsrer Brust,
Bei uns, den Wasser­feien.

Was euer Herz sich wünschen mag,
Ihr findet’s auf dem Grunde;
Zum Augen­blick wird euch ein Tag,
Das Jahr zu einer Stunde.

In unserm kühlen Aufent­halt
erwar­ten euch Freuden und Wonnen,
Soviel als Nadeln ein Tannen­wald
Und Tropfen zählt ein Bronnen.« –

Die Ritter hören’s, es wallt ihr Blut,
Sie sprin­gen behend vom Pferde.
»Wir folgen euch, Nixen, in die Flut;
Fahr wohl, du staubige Erde!«

Da raschelt das Laub, und die Ritter sehn
Auf einmal einen braunen,
Dickköp­fi­gen Waldzwerg vor sich stehn,
Darob sie aufs neue erstau­nen.

Das Zwerg­lein hebt die Hand und spricht:
»Lasst guten Rat euch sagen:
Gehorcht den Wasser­frauen nicht,
Ihr müsstet’s bald bekla­gen.

Wahr ist es, was man euch verhiess,
Man hat euch nicht belogen;
Es liegt ein blühend Paradies
Im Schoss der blauen Wogen.

Es warten euer auf dem Grund
Viel Wonne und Vergnü­gen
Doch etwas hat der Nixen Mund,
Gar weislich euch verschwie­gen.

Es harren eurer kampf­be­reit –
Erzit­tert, kühne Ritter,
behaf­tet mit Unsterb­lich­keit,
Zwölf Nixen­schwie­ger­müt­ter.«



{ 6 Kommentare… sie unten lesen oder einen hinzufügen }

1 jule wäscht sich nie Oktober 17, 2012 um 16:14 Uhr

wenn das tatsäc­j­lich vom Rudolf ist bin ich beein­druckt. Und wenn es dein Werk ist: „Bring bitte einen Gedicht­band raus!“ Danke.

Antworten

2 Torsten Oktober 19, 2012 um 10:57 Uhr

Das ist tatsäch­lich vom Rudolf, der übrigens auch für „Hoch auf dem gelben Wagen“ verant­wort­lich zeich­net. Guter Mann!

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3 Alex Oktober 17, 2012 um 18:51 Uhr

Egal wessen, “Bring bitte einen Gedicht­band raus!” [2]

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4 Marcus Oktober 17, 2012 um 19:23 Uhr

.…und bei dir steht dann „Ihrem Gemein­d­e­des­po­ten.….“?!?

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5 Torsten Oktober 19, 2012 um 10:56 Uhr

Der war gut, Marcus. Sogar sehr gut. 😀

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6 Marcus Oktober 19, 2012 um 20:55 Uhr

Immer zu Ihren Diens­ten.…… 😉

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