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World Peace Is None Of Your Business – Morrisseys neues Album

von Torsten am 10. Juli 2014 · 4 Kommentare

in Kraut und Rüben, Musik

Das neue Morris­sey-Album World Peace Is None Of Your Business erscheint am 15. Juli (hier gibt’s einen Album­stream). Nachfol­gende Zeilen vermit­teln einen ersten Eindruck…

Ich hab das Album in der Deluxe-Version (6 Bonus­songs) jetzt mehrfach angehört und werde einfach nicht warm damit. Was mich selbst überrascht, denn bislang konnte ich jedem Morrissey-Album wenigs­tens irgend­was abgewin­nen.

Im Frühjahr 1990 hab ich mir Viva Hate auf Kassette gekauft. Eigent­lich sollte es einen LP werden, aber die war gerade nicht vorrä­tig. Ich hatte gerade erst über irgend­wel­che Kanäle erfah­ren, daß es überhaupt ein Soloal­bum von Morris­sey gibt. Durch den eiser­nen Vorhang sicker­ten Infor­ma­tio­nen dieser Art nur spärlich und von meinen gelieb­ten The Smiths hatte ich derzeit nur die polni­sche Tonpress-Pressung des Debüt­al­bums als echten Tonträ­ger sowie alle anderen Alben auf überspiel­ten Kasset­ten von Freun­den.

The Smiths hatten immer eine beson­dere Bedeu­tung für mich. Tolle Popsongs (damals nannten wir das Indepen­dent, hatten aber keine Ahnung, daß der Begriff genau­ge­nom­men keine Musik­rich­tung, sondern eher eine Vertriebs­art kennzeich­net) in Verbin­dung mit großar­ti­gen Texten (von denen ich damals wenig verstand, aber fühlte, das sie gut sein mussten!).

Womit wir beim ersten Kritik­punkt von World Peace… wären: Die Texte. Sie sind stellen­weise recht flach geraten, lassen Romance und Teenage Angst – zwei bestim­mende Themen der alten Tage – schmerz­lich vermis­sen, sind keine bissige Anklage gegen Gott und die Welt mehr. Statt­des­sen scheint es, als habe Meister Morris­sey sein Wörter­buch gezückt und dort ein paar billige Reime abgeschrie­ben: „Mad in Madrid, ill in Seville, lonely in Barce­lona. Then, someone tells you and you cheer… Hooray!, hooray!, The bullfigh­ter dies! And nobody cries… Nobody cries, because we all want the bull to survive. Gaga in Málaga, no mercy in Murcia, mental in Valen­cia…“ (aus The Bullfigh­ter Dies). Wenn Morris­sey Forgive Someone singt, ist das so, als würde Hanni­bal Lecter vegeta­ri­sche Lasagne zu seinem Lieblings­ge­richt erklä­ren. Oder auch Kiss Me Alot, der Song, der eben diese drei Worte mantra­haft bis zum Erbre­chen wieder­holt.

Zweiter Kritik­punkt sind die größten­teils völlig uninspi­rier­ten und uninspi­rie­ren­den Songs, die es in frühe­ren, besse­ren Tagen nicht mal zur B-Seite geschafft hätten. Es gibt kaum etwas, das hängen­bleibt, nichts das sich einprägt. Die hohe Kunst des Schrei­bens eines guten Songs sucht man auf diesem Album leider weitest­ge­hend vergeb­lich. Wie sagte Rossini doch einst über Richard Wagner: „Wagner hat wunder­volle Momente, aber schlechte Viertel­stun­den in seiner Musik.” Und genauso fühle ich über dieses Album.

Letzter Punkt: Die Produk­tion. Die ganze Platte klingt sehr flach und unpro­fes­sio­nell gemischt und gemas­tert. Die Instru­mente klingen durch­gän­gig so, als kämen sie komplett aus dem Compu­ter. Vielleicht kommen sie sogar daher, wer weiß.

World Peace… ist alles andere als ein Glanz­punkt in Morris­seys Schaf­fen. Es liegt irgendwo im unteren Mittel­feld, ziemlich in der Nähe von Kill Uncle. Es ist schön, seine Stimme mal wieder zu hören, auch wenn er nichts neues zu sagen hat.

Ich jeden­falls bin enttäuscht, gebe die Hoffnung auf bessere Zeiten und substan­ti­el­lere Alben aber nicht auf.

P.S. Auf Facebook und in einschlä­gi­gen Foren bin ich für eine Zusam­men­fas­sung dieser Album­kri­tik übrigens schon ordent­lich beschimpft wurden. Hier mein Lieblings­kom­men­tar, der kaum noch etwas mit der Musik zu tun hat und ganz gut zeigt, wie fatalis­tisch und verbohrt die Fans des Meisters (zu denen ich mich zähle (zählte?)) sein können:


{ 3 Kommentare… sie unten lesen oder einen hinzufügen }

1 guntah Juli 11, 2014 um 10:11 Uhr

Schöne Rezi. Ich habe mir das Album jetzt noch nicht gekauft. Sonst hole ich mir immer alles. Einfach so und ungehört. Nun werde ich mal überle­gen. Vielleicht zollen das Alter und die andau­ern­den „Verlet­zun­gen“ von Moz ja dafür, dass die Scheibe nicht so rund gewor­den ist.

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2 m Juli 12, 2014 um 15:57 Uhr

die texte sind stellen­weise wirklich arg flach. bei „kiss me a lot“ bin ich vor scham rot gewor­den, als immer und immer wieder diese eine stumpfe zeile kam und zufäl­lig grad meine mitbe­woh­ne­rin im flur stand.
dass die produk­tion so schwach ist, ist schade, da ich es rein musika­lisch gut finde. endlich keine gitar­ren­wände mehr.
was nirgends erwähnt wird: das cover ist schön!

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3 Torsten Juli 22, 2014 um 07:39 Uhr

Das Cover finde ich so lala. Ich muß mich nochmal an eine Einzel­be­wer­tung der Tracks machen, sobald etwas mehr Zeit ist. Könnte sein, daß mein bishe­ri­ges Urteil vielleicht eine Spur zu harsch ausge­fal­len ist … man wird sehen.

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