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Monat: November 2020

Idioten & Freiheit

Media­les Dauer­feuer seit März, fast ein ganzes Jahr beherrscht Corona die Medien­land­schaft. Wo früher mal Diskurs und Dialog waren, ist heute ALLE GEGEN ALLE. Nieder­brül­len statt disku­tie­ren … in diesem vollge­fres­se­nen Land da wird die Dummheit ewig siegen. Ein Licht­blick: Solange junge Menschen wie Rezo gekonnt die „Querden­ker“ zerle­gen, solange ist mir um die Jugend und die Zukunft dann vielleicht doch nicht mehr ganz so bange. Sehenswert!

Veranstaltungshinweis

Da steppt der Bär, da tanzt die Gazelle, da lacht der Molch im Ketten­hemd: Winter-Klatsch mit Antje & Klaus und der Flöten­gruppe der Goethe-Grundschule Garde­le­gen. Jetzt Tickets sichern!

Als Mutti in den Westen ging

Es ist eines der dunkels­ten Kapitel der Zeit kurz nach dem Mauer­fall. Hunderte Kinder wurden im Osten zurück­ge­las­sen – ihre Eltern suchten ihr Glück im Westen. In einem cross­me­dia­len Doku-Projekt erzählt der MDR jetzt die Schick­sale dieser Kinder. In Berlin lässt eine allein­er­zie­hende Mutter ihre drei kleinen Söhne zurück, in dem Wissen, sie niemals wieder­zu­se­hen. Dem 8‑Jährigen schreibt sie noch einen Zettel, wie er die 4- und 3‑Jährigen versor­gen soll. Dann legt sie Frühstücks­brote für den nächs­ten Tag hin und kommt nie wieder. Nur durch Glück können die Kinder auf sich aufmerk­sam machen, kommen danach mit teils schwe­ren Befun­den ins Krankenhaus.

Thomas Metz wird 1989 als Fünfjäh­ri­ger im Kinder­heim abgege­ben. In Origi­nal­auf­nah­men von damals sagt er, seine Mutti sei im Urlaub. Heute, 31 Jahre später, weiß er: Seine Mutti war nicht im Urlaub, sondern hatte mit ihrem Freund im Westen ein neues Leben angefan­gen. Die Bilder von damals – sie erschüt­tern noch heute. Dabei hatte Thomas Metz noch Glück. Er kam zu liebe­vol­len Pflege­el­tern und hilft heute als Sucht­the­ra­peut anderen Menschen mit schwe­ren Schicksalen.

Filmau­tor Adrian-Basil Müller, der sich schon in frühe­ren Filmen mit ostdeut­schen Biogra­fien beschäf­tigt hat, spricht mit den Kindern von damals über das seeli­sche Leid, das sie erfah­ren mussten und wie sie damit zurecht­kom­men, von den eigenen Eltern verlas­sen worden zu sein. Die Filme­ma­cher stoßen über 30 Jahre später auf Wunden und Fragen, die nie geheilt und nie beant­wor­tet wurden. Die Doku erzählt berüh­rende Fälle über diese nie öffent­lich beleuch­tete Kehrseite der Mauerfall-Euphorie.

Bereits im August dieses Jahres hatte der MDR über das Schick­sal von Kindern berich­tet, die in den Tagen unmit­tel­bar nach dem 9. Novem­ber 1989 von ihren Eltern in der DDR alleine gelas­sen wurden. Die in der „MDR Zeitreise“ geschil­der­ten Fälle beweg­ten damals viele Zuschaue­rin­nen und Zuschauer und lösten Mitleid und Verzweif­lung aus. Aus diesem Grund hat sich der MDR entschlos­sen, weiter zu forschen und den zweiten Teil seiner Recher­chen jetzt im Rahmen eines großan­ge­leg­ten cross­me­dia­len Doku-Projektes zu präsentieren.

Die Doku läuft morgen abend ab 22.10 Uhr im mdr-Fernsehen.

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