Geschichte der Glücksspielbranche in Deutschland

Was denken Sie, wie viele hundert Jahre hat die Geschichte des Glücks­spiels gedau­ert? Ull, der Gott des Glücks und aller Glücks­spiele, kann nicht nur Hunderte, sondern auch Tausende von Jahren Entwick­lung vorwei­sen. Glücks­spiel ist nach unserem Verständ­nis Roulette, Karten oder ein Online Casino (heutzu­tage gibt es sogar Casinos, in denen Sie nicht nur mit echtem, sondern auch mit digita­lem Geld online spielen können), aber früher war es viel kompli­zier­ter.

Das Wort „Aufre­gung“ aus dem Arabi­schen bedeu­tet wörtlich „Würfel“. In der Antike bestan­den die Würfel selbst aus verschie­de­nen Materia­lien (Knochen eines Hundes oder Schafs, Holz, Elfen­bein) und wurden zum Werfen von Partien und zum Spielen verwen­det. Es gab unzäh­lige Arten von Glücks­spie­len. Alle von ihnen hingen nicht von den Fähig­kei­ten des Spielers ab, sondern von einfa­chem Glück.

Das erste Glücks­spiel, das im feuda­len Deutsch­land verbrei­tet wurde, war Würfel­spiel. Die Popula­ri­tät war so groß, dass in der Mitte des 14. Jahrhun­derts das erste Glücks­spiel­haus in Frank­furt eröff­net wurde und bereits im 16. Jahrhun­dert die ersten Lotte­rien auftauch­ten.

Seit dem 18. Jahrhun­dert ist es im Land populär gewor­den, während des Urlaubs an den Thermal­quel­len verschie­dene Glücks­spiele zu spielen. Und deshalb ist es logisch, dass 1763 das erste Casino in Baden-Baden auftaucht, in dem Tische mit Roulette instal­liert wurden, das angesag­teste Spiel der damali­gen Zeit. Allmäh­lich erschie­nen Casinos an den Thermal­quel­len in fast allen bekann­ten Ferien­or­ten. Zu Beginn des 19. Jahrhun­derts wurden alle Casinos in Frank­reich auf Anord­nung des Königs geschlos­sen, und Deutsch­land wurde zum Zentrum des Glücks­spiel­ge­schäfts.

Aber seit Mitte des 19. Jahrhun­derts schlos­sen sich in Deutsch­land allmäh­lich Glücks­spiel­häu­ser und Spiel­ca­si­nos. 1871 wurde das Deutsche Reich gegrün­det, und von diesem Moment an wurde jegli­ches Glücks­spiel als unange­mes­sen für den morali­schen Charak­ter eines wahren Deutschen verbo­ten.

Diese Situa­tion blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bestehen. Nach dem Krieg im Deutschen Reich began­nen Casinos und Glücks­spiel­häu­ser zu eröff­nen, aber bereits 1933, mit dem Aufkom­men der Nazis, änderte sich die Einstel­lung zum Glücks­spiel wieder. Nach der Ideolo­gie der Natio­nal­so­zia­lis­ten stehen für einen wahren Arier die Familie und der Dienst an der Gesell­schaft an erster Stelle, und das Glücks­spiel zerstörte diese Grund­la­gen. Diesmal war das Glücks­spiel zwar nicht vollstän­dig verbo­ten, jetzt konnte das Casino nur noch in der Stadt betrie­ben werden, die jährlich von mindes­tens siebzig­tau­send Touris­ten besucht wurde, von denen 15 Prozent auslän­di­sche Staats­bür­ger sein sollten. Infol­ge­des­sen blieb ein Casino in Deutsch­land in Baden-Baden, das später verstaat­licht wurde. Zwei weitere Casinos wurden in den besetz­ten Gebie­ten eröff­net. Im Jahr 1938 wurden für das Casino beson­dere Steuer­re­geln einge­führt, die bis Ende der siebzi­ger Jahre galten.

Nach der Kapitu­la­tion Deutsch­lands tauch­ten in den von den Alliier­ten kontrol­lier­ten Gebie­ten die ersten Casinos auf. Nach der Verab­schie­dung der deutschen Verfas­sung begann jedes Land für sich, das Glücks­spiel zu regulie­ren, und es wurde ihm gestat­tet, Casinos ausschließ­lich in Resorts zu organi­sie­ren.

Und erst 1973 wurde diese Einschrän­kung aufge­ho­ben: Derzeit ist Deutsch­land eines der wenigen Länder, in denen Casinos im ganzen Land erlaubt sind. Was hat es sowohl mit priva­ten Casinos als auch mit gemein­sa­men oder vollstän­dig staat­li­chen Casinos zu tun? Heutzu­tage werden Online Casinos immer belieb­ter.

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Kraut und Rüben

Sing dela Sing XII in Magdeburg

Die XII. Auflage von „Sing dela Sing“ in Magde­burg stand an, also die Zähne geputzt, die Stimme geölt, die Füße gewaschen und ab in den Kombi aus Wolfs­burg.

Schon reich­lich Publi­kum auf dem Hof des Moritz­hofs, man schwatzt, man trinkt, man befeuch­tet sich in freudi­ger Erwar­tung die Kehlen.

19.30 Uhr Einlass. Wir ganz oldschoo­lig mit ausge­druck­ten Eintritts­kar­ten, die meisten anderen hinge­gen ganz newschoo­lig mit leuch­ten­den Smart­pho­ne­dis­plays. Einen verwa­sche­nen Stempel­ab­druck „Sing dela Sing“ auf den Handrü­cken (könnte auch ein explo­dier­ter Frosch sein) und ab ins Getüm­mel.

R. hat sich gerade von V. getrennt und ich sehe eine Frau, die ihr sehr ähnlich sieht. Ich empfehle die unver­züg­li­che Kontakt­auf­nahme und wir finden sogar heraus, dass sie F. heißt. Weitere Anbah­nungs­ver­su­che müssen aller­dings unter­blei­ben, denn es geht los.

Wie schon bei der XI. Auflage geht es quasi ohne Vorwar­nung los und nach anfäng­li­cher Zurück­hal­tung trällert wirklich der ganze Saal was das Zeug hält.

Fakten: Hello von Adele ist tatsäch­lich ein schöner Song. Valerie von Amy Winehouse ist sackschwer zu singen. Alles von Andreas Bourani ist ein Haufen gequirl­ter Scheiße. ABBA hatten großar­tige Arran­ge­ments. Zu spät von Die Ärzte ist ein Riesen­hit, so auch Wonder­wall von Oasis. Und Eternal Flame von The Bangles erst!

Mehr Fakten: Man nimmt gar nicht wahr, wieviele Songs eindeu­tige sexuelle Botschaf­ten übermit­teln. Ich sage nur Sledge­ham­mer. Ich sage Night Fever. Ich sage Shape Of You.

Frene­tisch gefei­ert geht unser Auftritt dem Ende zu. Cem und Gunter verlas­sen die Bühne und lassen sich nur deshalb so lange um eine Zugabe bitte, weil sie sich verse­hent­lich aus dem Veran­stal­tungs­ort ausge­sperrt haben. Kannste Dir nicht ausden­ken!

Zur Zugabe dann Eternity von olle Robbie. Cem weint am Ende. Die Laber­gänse, die Cem schon bei Hello völlig zu Recht von der Bühne herun­ter zur Ordnung rufen musste, schaf­fen es fast, auch diesen schönen Song mit ihrem infan­ti­len Gequat­sche kaputt­zu­la­bern. Laßt eure breiten Ärsche doch einfach zuhause auf dem Sofa, wenn ihr keinen Bock auf Gesang habt und lieber quatschen wollt. Torfna­sen!

Resümee: Sing, singt, singt was das Zeug hält. Singen ist toll, befreit und macht Spaß. Deshalb: Episch. Gerne wieder, wenn auch vorerst – aus mir rätsel­haf­ten Gründen – nicht mehr in Magde­burg. Am Publi­kum soll es jeden­falls nicht liegen.

Die Rückfahrt reibungs­los. Tempo­li­mit, Wildwech­sel, nasse Straße – meine reizende Beglei­tung hat jeder­zeit alles fest im Blick. 😀

Die Setlist „unseres“ Auftrit­tes:
Sing It Back – Whoever /// Kung Fu Fight­ing – Carl Douglas /// Ain’t Nobody – Chaka Chan /// You Can’t Hurry Love – The Supre­mes /// Faith – Schorsch Meikel /// Manea­ter – Daryl Hall & John Oates /// Part-Time Lover – Stevie Wonder /// Valerie – Amy Winehouse /// Happy – Pharrell Williams /// What’s Love Got To Do With It – Tina Turner /// Hello – Adele /// MfG – Die Fantas­ti­schen Vier /// Take On Me – a‑ha /// Irgend­so­ein­müll – Andreas Bourani /// Night Fever – Bee Gees /// Shape Of You – Ed Sheeran /// Sledge­ham­mer – Peter Gabriel /// Eternal Flame – The Bangles /// Zu spät – Die Ärzte /// Irgend­was von – Justin Timber­lake /// Dancing Queen – ABBA /// Wonder­wall – Oasis /// Irgend­was von – Swedish House Mafia /// Eternity – Robbie Williams

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Kraut und Rüben Musik

Hört niemals auf zu träumen!

Wer mich kennt, weiß, wie er mich in völlige Panik und Fassungs­lo­sig­keit verset­zen kann: Es reicht aus, mich in eine Küche zu setzen, deren Wände über und über mit Tapeten beklebt sind, auf denen „Coffee“, „Café au lait“, „Espresso“ usw. usf. geschrie­ben steht. Unter­bro­chen nur durch abgebil­dete Kaffee­boh­nen und ‑tassen.

H O R R O R .

Außer­dem ganz oben auf meiner Panik­liste: Motto­schil­der mit Lebens­ein­stel­lun­gen, Durch­hal­te­sprü­chen und Küchen­psy­cho­lo­gie.

B R E C H R E I Z .

Und nun seid glück­lich, tanzt im Regen und folgt bitte immer eurem Herzen. Hört niemals auf zu träumen!

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Fundsachen Kraut und Rüben
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Christian Anders‘ schöne häßliche Frau

Huiiiiii, das ist heftig. Ich weiß gar nicht, wo ich anfan­gen soll. Kennt noch jemand Chris­tian Anders, das Schlager-Urgestein aus Öster­reich? Am bekann­tes­ten dürfte wohl sein Es fährt ein Zug nach Nirgendwo sein. Von seinen musika­li­schen Ergüs­sen abgese­hen, trat er in den letzten Jahren vor allem als Verschwö­rungs­heini, Impfgeg­ner und Esote­ri­ker in Erschei­nung.

Dieser Tage nun hat er einen Titel namens Schöne häßli­che Frau veröf­fent­licht. Neben dem stümper­haft zusam­men­ge­klöp­pel­ten Video überzeugt das Machwerk vor allem durch seinen Text. Eine Auffor­de­rung an alle Männer, möglichst häßli­che Frauen zu heira­ten. Denn die sorgen gut für euch, halten euch warm und waschen Wäsche. Ist das noch frauen­feind­lich oder schon menschen­ver­ach­tend? Was red‘ ich, hört doch einfach mal selbst rein…

Ich habe übrigens auch keine Ahnung, was das „50MBit“ im komplett inter­punk­ti­ons­lo­sen Titel des Videos zu suchen hat. Stümper!

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Fundsachen Kraut und Rüben Musik

Auf der Elbe mit Die Strafe & Peppone

 

Der 2. Novem­ber 2019, 14.00 Uhr. In der Börde regnet es. In Magde­burg hinge­gen Kaiser­wet­ter, also auf zur Elbtour mit Die Strafe und Peppone, der zweiten Ausgabe nach der Tour 2016. Am Parkplatz treffen meine Gattin und ich auf André von Grizou, den ich sofort erkenne und begrüße; selbi­ger hat aller­dings große Schwie­rig­kei­ten, mich irgendwo zuzuord­nen. Was kein Wunder ist, gelte ich doch seit Jahren als Phantom.

Am Schiff angekom­men, begrü­ßen uns und die anderen warten­den Gäste Die fabel­haf­ten Buckau Boys mit minimal-instrumentierten Gassen­hau­ern (hier im Video!) von Anfang des vorletz­ten Jahrhun­derts und Seemanns­lie­dern. Das verlei­tet sogar etliche Passan­ten zum Stehen­blei­ben und Zuhören. Punkt 15.00 Uhr öffnen Die Strafe und Peppone den Zugang zum Schiff und begrü­ßen jeden Gast mit Handschlag oder herzli­cher Umarmung. Das hat Stil, das hat Würde, da fühlt man sich doch gleich so richtig willkom­men.

Am Anfang wird Fußball geglotzt, weil der FCM zeitgleich mit der Boots­tour sein Lokal­derby gegen den HFC austrägt. Das inter­es­siert mich persön­lich seit jeher nur minimalst, dennoch sei erwähnt, dass der FCM mit 1:0 gewon­nen hat. Die Leinwand kann also einge­rollt werden und der gute Denis sorgt für Hinter­grund­mu­sik, während sich Bands und Publi­kum bei ein, zwei Gläsern warmen Wassers in Stimmung bringen.

Peppone begin­nen gegen 16.00 Uhr mit dem ersten Teil ihres Konzer­tes und nach anfäng­li­cher Verhal­ten­heit wird es vor der Bühne proppen­voll und der Stimmungs­pe­gel steigt auf ein Niveau, höher als das der Elbe selbst. Zugaben­wün­sche werden mit Verweis auf den zweiten Teil des Konzer­tes rigoros abgeschmet­tert. Überrascht hat mich, wie gut die neuen Songs bereits beim Publi­kum angekom­men. Da freue ich mich schon sehr auf LP3, welche, so alles gutgeht, im Frühjahr auf dem Major Label erschei­nen wird.

Anschlie­ßend Die Strafe. Die Band ist wie gewohnt ein Garant für mitrei­ßende Konzerte. Ich kenne keine weitere Band, bei der der Gegen­satz zwischen, ähm, kultur­pes­si­mis­ti­schen Texten und humor­vol­len Ansagen und Einwür­fen derma­ßen ausge­prägt ist. Das schönste, Musik gewor­dene Beispiel für Selbst­iro­nie. Wie immer gibt es zwischen Alexan­der und Kai den fliegen­den Drummer­wech­sel. Gerade beim Schrei­ben trudelt das Video zum Pessi­mis­ten­lied ein…

Dann wieder Peppone und nochmal die Strafe, wobei das oben geschrie­bene gilt, die Stimmung aller­dings noch mehr überkocht.

Zwischen­durch Gesprä­che mit vielen altbe­kann­ten Gesich­tern. Ich frage Roger von Hölle was er von Uthmö­den hält und schleime Tuba als „lebende Legende“ voll. Nehmt nicht alles wörtlich was ich sage, ich bin alt und verwirrt.

Eine exklu­sive Schall­platte gibt es auch. Natür­lich eine Split-Single mit Die Strafe und Peppone, unter dem eigens kreierten Label „Major Label Ship Series“. Der anwesende Rob vom Major Label amüsiert sich darüber, dass ich die Single schon bei Discogs gelis­tet habe, als sie noch nicht mal aus dem Press­werk war. Sorry Rob, aber jeder pflegt seine neuro­ti­sche Zwangs­stö­rung und meine besteht nun mal unter anderem aus Discogs-Einträgen. Die Platte ist auf 100 numme­rierte Exemplare limitiert und der Verkauf läuft wie geschnit­ten Brot. Peppone haben noch ein paar Restex­em­plare auf den kommen­den Konzer­ten dabei, ansons­ten hilft beim Erwerb ganz sicher bald ein Blick in den Major Label-Onlineshop.

Der Todes­krake der Elbe ist erlegt. Die fabel­haf­ten Buckau Boys versü­ßen uns den Abschied vom Boot mit ihrer schmis­si­gen Version von „Veronika, der Lenz ist da“. Ich fahre zügig über die Autobahn nach Hause, was meiner Gattin stellen­weise nicht übermä­ßig zusagt. Wir lassen die Nacht hinter uns und essen ein klassi­sches Abend­brot der einfa­chen Landbe­völ­ke­rung.

Und nach so vielen Worten noch ein paar Fotos.



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