Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte?

Ein schöner Artikel aus der BRAVO aus dem Jahre 1977. Schon damals jammer­ten die Platten­bosse über die bösen Raubko­pie­rer an den heimi­schen Kasset­ten­re­kor­dern und prophe­zei­ten, daß sie schon bald kein Geld mehr verdie­nen würden… Den komplet­ten Artikel gibt’s hier als Original-Scan zum nachle­sen oder komplett als Text beim DJ Assi.

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Fundsachen Kraut und Rüben Musik
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Wild in den Straßen

Das Leben in der bundes­re­pu­bli­ka­ni­schen Großstäd­ten in den 80ern war geprägt durch Jugend­kul­tu­ren und Banden­we­sen. Popkul­tu­rell bezogen sich Bomber, Skinheads, Mods oder Rocker auf Filme wie Quadro­phe­nia oder The Warri­ors, beide aus dem Jahr 1979, und huldig­ten dem stilvol­len Marodie­ren. Den meisten Geschmack bewie­sen zweifels­frei die Mods, die gute Musik hörten, dazu Amphet­amine konsu­mier­ten und sich gekonnt kleide­ten. Die Repor­tage Wild in den Straßen, aus dem Jahr 1984, gibt einen Einblick in die Hambur­ger Szene zu dieser Zeit:


(via)

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Fundsachen Musik
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Die Erde grüßt Dich, Kosmonaut!

„Die Stimme des Fluglei­ters im Kopfhö­rer klang fast feier­lich: ‚Podjom – Aufstieg!‘ Es war zuerst, als würde es in weiter Ferne donnern. Das dumpfe Grollen kam schnell näher und näher. Die Rakete begann zu vibrie­ren, als zitterte sie, so schnell wie möglich vom Krater des Vulkans wegzu­kom­men, auf dem sie saß. Ich sah es zwar nicht aus unserer Kapsel 50 Meter über der Erde, aber Augen­zeu­gen berich­te­ten mir später von diesem einma­li­gen Schau­spiel. Es sah aus wie ein feuer­spei­en­der Drachen, der ein Meer aus Flammen und Rauch ausstieß. Rot, gelb, blau und violett tobten die Strah­len aus den fünf Trieb­wer­ken. Ein faszi­nie­ren­der Anblick. Meine Pulswerte waren erhöht. Aber dieses Herzklop­fen war keine Angst, eher anregend. Und was ich dann sah, war totale Glück­se­lig­keit: Unsere Erde, in leuch­ten­des Blau gehüllt. Einfach traum­haft.“ (Sigmund Jähn in einem Inter­view mit der Zeitschrift Super­illu 1998)


Sigmund Werner Paul Jähn wird heute 75 Jahre alt. Geboren am 13. Februar 1937 in einem Ort mit dem maleri­schen Namen Morgenröthe-Rautenkranz, Vogtland, war Jähn der erste Deutsche im Weltraum.

Der Physi­ker und Diplom-Militärwissenschaftler flog am 26. August 1978 in der sowje­ti­schen Sojus 31 zusam­men mit Waleri Fjodo­ro­witsch Bykow­ski zur sowje­ti­schen Raumsta­tion Saljut 6. Der Flug dauerte sieben Tage, 20 Stunden, 49 Minuten und vier Sekun­den. Während der 125 Erdum­krei­sun­gen führte Jähn zahlrei­che Experi­mente durch.

Eine unerwar­tet harte Landung der Rückkehr­kap­sel Sojus 29 (Sojus 31 blieb als Rückkehr­kap­sel für die Stamm­be­sat­zung an Saljut 6 angedockt) führte bei Jähn zu bleiben­den Wirbel­säu­len­schä­den. Da der Fallschirm sich nicht von der Lande­kap­sel löste, wurde sie durch die Steppe geschleift.

Jähns Weltraum­flug wurde in den Medien der DDR ausgie­big behan­delt und gefei­ert, stellte doch der damals kleinere deutsche Staat den ersten Deutschen im All. Nach seiner Rückkehr erhielt Jähn die Auszeich­nun­gen Held der DDR und Held der Sowjet­union. Im Hain der Kosmo­nau­ten vor der Ost-Berliner Archenhold-Sternwarte wurde eine Büste mit seinem Abbild enthüllt. Auch Schulen, Freizeit­zen­tren sowie ein Schiff der DDR-Handelsflotte erhiel­ten schon zu Lebzei­ten seinen Namen. Ein Jahr nach seinem Flug wurde in seinem Geburts­ort Morgenröthe-Rautenkranz im vorma­li­gen Bahnhof eine Ausstel­lung über den Weltraum­flug einge­rich­tet. In den Jahren 199192 wurde diese Ausstel­lung stark erwei­tert und nennt sich seitdem „Deutsche Raumfahrt­aus­stel­lung“. (Unter teilwei­ser Verwen­dung des Wikipedia-Artikels.)

Herzlichen Glückwunsch, Kosmonaut!


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Kraut und Rüben
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Geheimsache Mauer

Im August jährt sich der Bau der Berli­ner Mauer zum 50. Mal. Mit dem monströ­sen Bauwerk verbin­den sich ungezählte mensch­li­che Dramen. An sie erinnert der MDR mit einer TV-Doku und dem Webpro­jekt „Geheim­sa­che Mauer“. Die gleich­na­mige Dokumen­ta­tion läuft am Diens­tag in der ARD, läßt sich jetzt aber bereits auf arte.tv ansehen. Weitere Infos gibt’s auf der inter­ak­ti­ven Website www.geheimsache-mauer.de.



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Kraut und Rüben Politik

Pumpen-Fredi und die Unabhängigkeit der Samen

Dear Ladies and Gentle­man, voller Stolz präsen­tiere ich ihnen meine Fundstü­cke der heuti­gen Internet-Räschärchsche zum Eurovi­sion Song Contest formerly known as Grand Prix Eurovi­sion de la Chanson. Lassen Sie uns im hohen Norden anfan­gen; begin­nen wir in Finnland. Der finni­sche Beitrag aus dem Jahre 1982 stammt von einem Sänger namens Kojo (te). Er heimste mit dem Stück namens Nuku pommiin („Ich nuckel an den Pommes“) 0 (in Worten: null) Punkte ein und belegte folge­rich­tig den letzten Platz.

Recht so, schwa­cher Song. Dafür entschä­digt die eksta­ti­sche Perfor­mance und das feste Schla­gen der eigenen Hand gegen den eigenen Kopf. Vom roten Ganzle­der­an­zug ganz zu schwei­gen. Wichtige Szenen: 0:45, das Schul­ter­strei­cheln bei 0:53 und die Vorstel­lung von Ossi. Ossi! Bitte weiter­hin die Schluß­geste zu beach­ten.

Wo wir schon im hohen Norden sind, bleiben wir auch gleich da. Norwe­gen. 1980. Es ist dunkel. Zwei Norwe­ger machen sich auf den langen und beschwer­li­chen Weg durch die finstren norwe­gi­schen Skog. Sverre Kjels­berg and Mattis Hætta sind ihre Namen. Ihr Song heißt Sámiid Ædnan und beschäf­tigt sich mit dem Ringen um Unabhän­gig­keit der Samen in Norwe­gen. Prinzi­pi­ell also eine gute Sache.

Auch musika­lisch gibt’s hier nichts zu meckern. Nach verhal­te­nem Beginn steigt ab 1:20 min die Mitsing-Party und will in ihrer troll­ol­l­oll­lo­lo­lo­lolll­lo­lo­haf­ten episch-absurden Art gar nicht wieder aufhö­ren. Wenn’s um die Rechte der Samen, der Flamen oder auch der Groppen­dor­fer geht – da sing ich gerne mit! Leider nur Platz 16 von 19. Bitte auch wieder die Schluß­szene beach­ten – der Bote der Samen erinnert mich fatal an Austin Powers!

Wir bleiben im Norden, weil es dort ohnehin am schöns­ten ist. Pump Pump-Fredi und seine Freunde (eigent­lich Fredi & Friends) sind eine Bande von freilau­fen­den Klemp­nern im an einge­fro­re­nen Wasser­lei­tun­gen wahrlich nicht armen Finnland. Fredi und seine Girls nahmen im schönen Jahre 1976 teil.

Der Song ist ein Hit, die Optik über jeden Zweifel erhaben und Fredi tanzt wie ein junger Derwisch. Leider hat es trotz­dem nur zu Platz 11 von 18 gereicht. Ich persön­lich find’s ja schade, daß recht dick geratene Menschen mit dicken Schnauz­bär­ten heute kaum noch im Fernse­hen zu sehen sind. Es sei denn, man schal­tet vormit­tags RTL2 ein. Da geht’s dann aber nicht um Musik, sondern um Elend. Wir wollen kein Elend, wir wollen lieber Musik. Womit der Kreis geschlos­sen wäre, resp. das Pferd gesat­telt, der Baum gefällt und der liebe Gott einen guten Mann geseint.

Das soll’s mit unserer kleinen Eurovisions-Rundschau für heute auch schon gewesen sein. Ich melde mich in den nächs­ten Tagen mit den Punkten aus Absur­di­stan. Bis dahin und schickt mir Schnaps!


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Kraut und Rüben Musik
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Leuchtreklame in der DDR

Mitte Septem­ber erscheint im Verlag Das Neue Berlin der Bildband Plaste und Elaste – Leucht­re­klame in der DDR. Das Buch gewährt einen großar­ti­gen Einblick in die beinahe ins Verges­sene geratene Kunst der Licht­wer­bung. Hier gibt’s ein paar Einbli­cke:

Wenn es Nacht wurde in der DDR, war es nicht nur dunkel – mancher­orts erstrahl­ten in bunten Neonlet­tern Werbe­bot­schaf­ten. Nicht nur das einzelne Produkt, sondern die volks­ei­gene Indus­trie als solche wurde geprie­sen oder Losun­gen in Bild und Buchsta­ben gebannt: Auf der Autobahn leuch­tete dem Autofah­rer »Plaste und Elaste aus Schko­pau« entge­gen, »Mehr lesen, wissen, können« stand am Gebäude des Kommissions- und Großbuch­han­dels, »Tradi­tion und Fortschritt für moder­nes Wohnen« am Möbel­kom­bi­nat. Goethes »Mein Leipzig lob ich mir« grüßte die Besucher der Messe­stadt, »Trink Margon­was­ser, prickelnd frisch« wurde den Dresd­nern empfoh­len, blubbernde Zierfi­sche lockten in die Zoohand­lung in der Frank­fur­ter Allee. Nach 1990 ging das Licht aus. Leucht­re­klame, notfalls in Einzel­buch­sta­ben, wurde zum begehr­ten Sammler­ob­jekt, manche fand sogar den Weg ins Museum. In diesem Bildband sind die schöns­ten und origi­nells­ten Leucht­re­kla­men von einst abgebil­det. Noch einmal erstrah­len sie in ihrem unver­kenn­ba­ren Design. (Aus dem Amazon-Promotext)

Der Bildband hat 128 Seiten und kostet 14,95 EUR. Hier der Link zum Buch bei Amazon.

Alle Fotos © Verlag Das Neue Berlin

Weiter­füh­rende Links:
Leucht­re­klame in Leipzig
Neonpracht auf grauen Mauern (Zeit Online, 1999)

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Kraut und Rüben Politik Träume in Technicolor
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