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Gladbeck: Das Geiseldrama

Ich habe gestern „Glad­beck: Das Geisel­dra­ma“ auf Net­flix geschaut. Meine aus­drück­liche Empfehlung für alle, die sich für bun­des­deutsche Geschichte und True Crime interessieren.

Der Jour­nal­ist Volk­er Heise stellt in der Net­flix-Doku­men­ta­tion „Glad­beck: Das Geisel­dra­ma“ die Ereignisse minu­tiös nach, ver­wen­det dabei auss­chließlich Orig­i­nalauf­nah­men. Die Geisel­nahme von Glad­beck im August 1988 ist eben­so Doku­ment mas­siv­en polizeilichen Ver­sagens wie jour­nal­is­tis­ches Schandmal.

Der Ablauf des Geisel­dra­mas sollte hin­länglich bekan­nt sein. Jegliche ethis­chen Maßstäbe wur­den über Bord gewor­fen. Sen­sa­tion­s­geile Jour­nal­is­ten drängten sich um die besten Plätze, ohne zu bedenken, dass Men­schen in höch­ster Gefahr waren. Am Ende star­ben drei Men­schen, die Bilder von der später ermorde­ten Silke Bischoff haben sich ins kollek­tive bun­des­deutsche Gedächt­nis gebran­nt. Eben­so der lock­er-läs­sige Ton, mit dem der RTL-Jour­nal­ist Hans Meis­er live mit einem der Ent­führer telefonierte.

Zum Vorschein kommt vor allem ein hem­mungs­los agieren­der Medi­en-Mob, der jede Dis­tanz ver­liert. Das sei in der Hitze der Geschehnisse passiert, hieß es später oft entschuldigend, reflek­tiert habe man erst später. Aber einige Beteiligte vor Ort zeigten schon damals ein Bewusst­sein dafür, dass etwas kom­plett aus dem Rud­er lief.

Ins­ge­samt ein emo­tion­al berühren­der und ver­stören­der Film.

Helmut Kohl brachte die Einheit, aber was brachte die Einheit Helmut Kohl?

Helmut Kohl, 86, ist seit 60 Jahren verheiratet und wohnt seit 1994 mit seiner Frau in Wolfen-Nord. © Foto Hanfgarn & Ufer Filmproduktion
Hel­mut Kohl, 86, ist seit 60 Jahren ver­heiratet und wohnt seit 1994 mit sein­er Frau in Wolfen-Nord. © Foto Han­f­garn & Ufer Filmproduktion

Hel­mut Kohl hat Deutsch­land die Ein­heit gebracht. Was aber hat die Ein­heit Hel­mut Kohl gebracht? In Deutsch­land gibt es eine Rei­he von Män­nern, die den Namen Hel­mut Kohl tra­gen. Zum Beispiel in Wolfen: Hel­mut Kohl hat alles von damals ver­loren, aber es hätte auch noch schlim­mer kom­men kön­nen. Der DDR-Rent­ner nimmt Abschied von sein­er alten Heimat. Oder in Crim­mitschau: Für Hel­mut Kohl ist es seit der Wende nicht schlecht, aber früher war alles bess­er. Der Gast­wirt hat zwar das Sys­tem gewech­selt, die Hal­tung aber nicht. Hel­mut Kohl in Lorscheid meint: Alles ist ok in Deutsch­land, aber eigentlich kön­nte alles bess­er sein. Der fleis­sige West­ler fühlt sich um die Früchte sein­er Arbeit bet­ro­gen. Anders der Duis­burg­er Hel­mut Kohl: Im Leben hat er alles gemeis­tert, nur im anderen Deutsch­land lief zulet­zt was schief. Der Architekt, rechtschaf­fen, edel und gut, ver­liert im Osten sein Gesicht. Und dann nach Hei­del­berg: Noch find­et Hel­mut Kohl alles gut, aber bald wird es schlimm enden mit Deutsch­land. Der deutsch­er Pole sieht Jugend und Aus­län­der sein geliebtes Vater­land ruinieren. (Quelle)

Von Hel­mut Kohl, Hel­mut Kohl, Hel­mut Kohl, Hel­mut Kohl und natür­lich Hel­mut Kohl erzählt der Doku­men­tarfilm Kennze­ichen Kohl. In Sach­sen-Anhalt find­et sich lei­der kein einziges Kino, das den Film zeigen kann oder will. Wie es in den anderen Bun­deslän­dern aussieht, erfährt man auf der Web­site zum Film.



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