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DDR

Eine Fotoaus­stel­lung von Harald Hauswald, dessen Fotos durch­weg großar­tig sind; mit Texten von Stefan Wolle, dessen Buch „Die heile Welt der Dikta­tur“ ich jedem/r in diesem Lande ans Herz lege. Heraus­ge­ge­ben von der Bundes­stif­tung zur Aufar­bei­tung der SED-Diktatur und OSTKREUZ Agentur der Fotogra­fen.

In den achtzi­ger Jahren zog Harald Hauswald durch Ost-Berlin und fotogra­fierte, was ihm vor die Linse kam. Er knipste, was andere Fotogra­fen übersa­hen oder für uninter­es­sant hielten: Kleine Szenen des Alltags, einsame und alte Menschen, verliebte junge Pärchen, Rocker, Hooli­gans und junge Leute, die sich in der Kirche für Frieden und Umwelt­schutz einsetz­ten.

OSTKREUZ Agentur der Fotogra­fen und die Bundes­stif­tung zur Aufar­bei­tung der SED-Diktatur laden mit der Ausstel­lung „Voll der Osten. Leben in der DDR“ zu einer Bilder­reise in die Zeit der Teilung ein. Gezeigt wird eine ungeschminkte DDR-Realität, an die sich heute selbst Zeitzeu­gen kaum mehr erinnern. Die Ausstel­lung präsen­tiert auf 20 Tafeln über 100 bekannte und unbekannte Fotos von Harald Hauswald. Die Texte der Ausstel­lung hat der Histo­ri­ker und Buchau­tor Stefan Wolle verfasst, der wie der Fotograf in der DDR aufge­wach­sen ist. Die Ausstel­lungs­ta­feln verlin­ken mit QR-Codes zu kurzen Video­in­ter­views im Inter­net, in denen der Fotograf darüber berich­tet, wie und in welchem Kontext das jeweils zentrale Foto der Tafel entstan­den ist.

Und – das ist das Beste an der ganzen Sachen – die Ausstel­lung ist auch außer­halb der üblichen Ballungs­zen­tren zu sehen, so beispiels­weise noch bis zum 23. Septem­ber im Salzland­mu­seum in Schöne­beck.

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Ernäh­rungs­feh­ler waren eine Punkband aus Haldens­le­ben und sowas wie die ständi­gen Beglei­ter meiner Dorfju­gend. Die Band existierte von erstmals von 1989/1990 bis 1991; im Jahr 2005 gab es eine 2 Jahre anhal­tende Re-Union.

Vorläu­fer war die bereits von 1984 bis 1987 existie­rende Punkband Sigmund Jähn und die Jungpio­niere, die auf „natür­li­chem“ Weg zerfiel (Lehre, Beruf). Der Probe­raum existierte jedoch noch eine Weile weiter, Lemmy und Peter gründe­ten später eine Punkband namens Schnee­blind, Wolfgang Miehe suchte und fand 1990 neue Mitstrei­ter in Nico Zeplin, Maik Niewerth und zu guter letzt Thomas Koch aus dem nahen Haken­stedt, seitdem hieß dieses Projekt Ernäh­rungs­feh­ler. Das erste Konzert fand beim legen­dä­ren „Rotten To The Core“-Festi­val im August 1990 am Haldens­le­ber „Bierkel­ler“ statt. Zusam­men mit den Weißen Westen, den Emils, Veits­tanz und Stellung 43. Sogar die Boskops waren angekün­digt, sind aber meiner Erinne­rung nach nicht erschie­nen oder aufge­tre­ten. (Mehr über das Festi­val gibt es in der Galerie zum Artikel „60 Jahre Rock in Haldens­le­ben“.)

Promofoto, vermutlich an der Ohre, ca. 1990

Die Bekannt­heit der Band stieg steil an, es folgten viele Auftritte in Ost- und Westdeutsch­land und ein legen­dä­res, in Magde­burg bei Peter Bauske (R&B Music Produc­tion) aufge­nom­me­nes Tape „Wirre Gedan­ken eines blinden Mannes“, das später sogar als LP veröf­fent­licht wurde. Die in dieser Zeit gleich­zei­tig zuneh­men­den und immer gewalt­tä­ti­ger werden­den Ausein­an­der­set­zun­gen zwischen linken Jugend­li­chen und Neona­zis, die inzwi­schen sogar zu Todes­fäl­len geführt hatten, hatten schon 1991 die Auflö­sung von Ernäh­rungs­feh­ler zur Folge.

Das erste Livekonzert beim "Rotten To The Core"-Festival
im August 1990 am Bierkeller in Haldensleben

Thomas Koch wechselte zu Invisi­ble Art und betrieb danach sein eigenes Bandpro­jekt Aktion Stein­reich. Nach dem tragi­schen Krebs­tod von Schlag­zeu­ger Maik Niewerth kam es durch ein Benefiz­kon­zert zuguns­ten eines würdi­gen Grabsteins am 23. April 2005 in der Sackfa­brik Magde­burg zu einer überra­schend gefei­er­ten und erfolg­rei­chen Re-Union von Ernäh­rungs­feh­ler. Das Konzert ist unter dem Titel „Blinder Mann – live“ auf CD und DVD veröf­fent­licht wurden. Später entstan­den zwei neue Alben, bevor sich die Band 2007 endgül­tig auflöste.

2008 gründe­ten René Freyhold, Daniel Szwil­lus und Nico Zeplin in Magde­burg Ben Racken. Thomas Koch arbei­tet als Holzbild­hauer ebenfalls in Magde­burg, sein aktuel­les Musik­pro­jekt heißt passen­der­weise Wood House Crew.

Die Testpressung zu "Sturmverse".

Dieser Tage wird das 2007er Album der Band „Sturm­verse“ auf Vinyl wieder­ver­öf­fent­licht. Für das Release zeich­net Sick Suck Records verant­wort­lich, dort ist das Album auch bestell­bar. Wie man hört, soll es mit weite­ren Relea­ses von Ernäh­rungs­feh­ler und Invisi­ble Art irgend­wann weiter­ge­hen. Sogar ein Release von Sigmund Jähn und den Jungpio­nie­ren ist geplant. Eine Ankün­di­gung, die ich auf das Aller­freu­digste begrüße, besitze ich von letzte­ren doch nur 2 Titel auf einem Tape-Sampler.


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Kaltfront ging aus den Punkbands Paranoia und Suizid hervor. Das erste Demo „Zieh dich warm an“ wurde im Januar 1987 bei Andeck Baumgär­tel unter „studi­o­ähn­li­chen Bedin­gun­gen“ aufge­nom­men und über den Tapetrading-Markt veröf­fent­licht. Gleich­zei­tig erhielt die Band ihre Spiel­erlaub­nis und durfte auch in FDJ-Klubs auftre­ten.

Vom 2. bis 6. Juni 1987 trat die Gruppe bei der „Werkstatt­wo­che der Amateur­tanz­for­ma­tio­nen des Bezir­kes Dresden“ in Görlitz auf und wurde dort als „beste teilneh­mende Band“ ausge­zeich­net. Sie erhiel­ten dafür 500 Mark.

Um diese Zeit lernten Kaltfront auch Lutz Schramm von der Radio­sen­dung „Parock­ti­kum“ kennen, der verschie­dene Aufnah­men der Gruppe in seiner Sendung auf DT 64 vorstellte. Im Februar 1988 erschien das „Holiday im Niemands­land“-Tape. Aufge­nom­men wurde es im Probe­raum der Metal-Band STM („St. Metal“). 1989 folgte das Tape „5 Männer in der Stadt“. Gegen Ende des Jahres gingen Drummer Tom Tall und Sänger Kanne in den Westen. Mit Gastmu­si­kern erschien Anfang 1990 das Kaltfront-„Mini-Tape“.

Das Rundling-Label hat sich in den letzten Jahren um diverse (Wieder-)Veröffentlichungen verdient gemacht.

Bereits im Jahr 2000 erschien das „Live ’88“-Album mit einem Mittschnitt aus der Cottbus­ser „Onkel Toms Hütte“ vom 9. Dezem­ber 1988.

Dieser Mitschnitt ist jetzt erwei­tert wieder­ver­öf­fent­licht wurden und zwar unter dem Titel „Live 1988“. Aller­dings in einer erwei­ter­ten Version. Zum ersten Mal gibt es das Konzert vollstän­dig (inkl. „Niemands­land“ in der komplet­ten Version) auf einer Doppel-LP. Songs wie „Mädchen“, „Ich will alles“, „Auf der Suche“, „Zu schnell“, „Enjoy Yours­elf“ oder die The Cure-Adaption „Schwar­zer Schat­ten“ sind nur auf dieser Platte zu finden.

Auf der letzten LP-Seite gibt es zusätz­lich vier Songs einer Liveauf­nahme aus dem Görlitz in ebenfalls sehr ordent­li­cher Quali­tät zu hören.

Die vollstän­dige Track­list:

A1 Intro
A2 White Mask
A3 Enter­tain­ment
A4 Mädchen
A5 Winter
A6 Sex & Violence

B1 Zu Schnell
B2 Auf Der Suche
B3 Toten­tanz
B4 Kriegs­lied
B5 Niemands­land

C1 Enjoy Yours­elf
C2 Schwar­zer Schat­ten
C3 Ich Will Alles
C4 Rudi
C5 Zugabe

D1 Nachts In Den Straßen
D2 Keine Tränen
D3 Karriere
D4 Kriegs­lied

Die Platte kann direkt bei Stephan vom Rundling-Label bestellt werden.


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In der frühe­ren DDR war es üblich, dass Kinder ihr Taschen­geld mit dem Sammeln von Altpa­pier, Gläsern und Lumpen aufbes­ser­ten. Altpa­pier­con­tai­ner gab es hier nicht. Altstoffe sammeln wurde damals sogar noch von der Schule initi­iert. Ich habe auf diesem Wege versucht, mir das Geld für einige Konsum­gü­ter zusam­men­zu­spa­ren, was leider nur einge­schränkt klappte, da ich die meiste Kohle wieder für Karena oder Cola-Hit rausschmiß… Hier ein schönes Fundstück aus einer Sekun­där­roh­stoff­an­nah­me­stelle (SERO) in Dresden.

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Der infor­mierte Tänzer von heute weiß: Das nennt man „Disko­tanz“. Und der Mann am Platten­spie­ler heißt „SPU“ – „Schall­plat­ten­un­ter­hal­ter“. 300 SPU haben sich in Neubran­den­burg getrof­fen – zum Gedanken- und Erfah­rungs­aus­tausch.

Ein herrli­ches Video mit DDR-typisch kryptisch-krudem Geschwa­fel über Theorie und Praxis. Mein Lieblings­zi­tat:

„Ich glaube bevor man also an die Gestal­tung, äh, an die Frage einer Gestal­tung eines Themas in der Disko­thek heran­geht, muß man erstmal anfan­gen, was will ich, im Sinne der Zielstel­lung auch die Möglich­kei­ten echt selbst­kri­tisch einschät­zen.“

In diesem Sinne: ein schönes Wochen­ende!

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Soljanka – der Kaviar des einfa­chen Mannes. Für eine zünftige Soljanka braucht man Wursten­den, Letscho, Gewürz­gur­ken, Tomaten­mark und eine Handvoll Geheim­zu­ta­ten. Ich hatte gestern das große Glück, bei der Herstel­lung einer Soljanka anwesend sein zu dürfen. Sie schmeckte famos, sah hervor­ra­gend aus und lag angenehm im Magen. Wer sich für die Geschichte der Soljanka inter­es­siert, dem sei dieses Video empfoh­len. Außer­dem bleibt für unsere westdeut­schen Freunde zu vermer­ken, dass es sich bei der Soljanka nicht um einen Volks­tanz handelt; sondern um die beste Suppe der Welt. Vielleicht abgese­hen von der Käsesuppe, die kann der Soljanka gerade so das Suppen­was­ser reichen. Eine funfac­tige Fakenews zum Ende: Die Soljanka wurde nach dem DDR-Dissidenten Walter Janka benannt, dessen Vater stets beim Anblick seines Sohnes, gebeugt über einen Teller voll Soljanka, rief: „SOLL JANKA WIRKLICH DIESE SUPPE ESSEN???“. Haha.

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