Dokumentation

Auswärtsspiel – Die Toten Hosen in Berlin (Hauptstadt der DDR)

Seit gestern läuft eine sehr inter­es­sante 3‑teilige Doku­men­ta­tion in der ARD-Mediathek. „Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ zeich­net den Weg der west­deutschen Band zu zwei „Geheimkonz­erten“ im Osten der Repub­lik nach: 

Kurz nach ihrer Grün­dung an Ostern 1982 führte die west­deutsche Punk-Band „Die Toten Hosen“ die Stasi an der Nase herum: Die Musik­er Campino, Andi, Bre­iti, Kud­del und Tri­ni geben ein Geheimkonz­ert in ein­er Kirche, mit­ten in der dama­li­gen DDR. In „Auswärtsspiel – Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ von Mar­tin Groß wird dieses einzi­gar­tige Ereig­nis nun zum ersten Mal umfassend erzählt. Mit ent­deck­en­dem doku­men­tarischem Blick fol­gt der Film bish­er vergesse­nen Hin­weisen, spürt unmit­tel­bar Beteiligte auf und fördert ungewöhn­liche Momente zu Tage.

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Ein Film, der aber mehr als ein Bericht über ein ille­gales Konz­ert im Osten ist. Es geht um Punk im Osten und die Angst, die die Stasi und die DDR-Oberen davor hat­ten. Im Mit­telpunkt der Doku ste­ht neben den Hosen auch eine DDR-Punkband: Plan­los.

Man muss noch nicht ein­mal Fan von Punk oder den Toten Hosen sein, um sich für diese 75-minütige Doku zu inter­essieren (am 13. April um 22.50 Uhr im Ersten; bere­its ab 10. April, dem Band-Geburt­stag, in der ARD-Mediathek als 90-Minüter in 3 Fol­gen). Denn „Auswärtsspiel“ ist auch eine Ver­beu­gung vor den aufmüp­fig-muti­gen Ost-Musik­erkol­le­gen der Hosen – und „ein Stück Zeit­geschichte, jet­zt ganz von Punkrock unab­hängig“, wie Gitar­rist Michael „Bre­iti“ Bre­itkopf feststellt.

Was ist also passiert, damals vor fast 40 Jahren, in der Haupt­stadt der dama­li­gen DDR? Eine Rück­blende. Knapp ein Jahr nach der hal­bof­fiziellen Band­grün­dung mit einem Bre­mer Debütkonz­ert im April 1982 gelingt den Toten Hosen ein frech­er Coup: Vor­bere­it­et durch den gewieften britis­chen, in Berlin leben­den Musik­man­ag­er Mark Reed­er (wurde später mit dem Tech­no-Plat­ten­la­bel MFS bekan­nt), führen Campino, Andi, Bre­iti, Kud­del und Tri­ni die DDR-Stasi an der Nase herum.

Das Ziel der Reise ist die Erlöserkirche in Ost-Berlin in Rum­mels­burg, die unter mis­strauis­chen Blick­en des real­sozial­is­tis­chen Staates Blues- und Rockmessen aus­richtet. Gemein­sam mit den von DDR-Punks bere­its bewun­derten Toten Hosen tritt die Ost-Band Plan­los um Sänger Michael „Pankow“ Boehlke und Schlagzeuger Bernd Michael Lade auf (der nach der Wiedervere­ini­gung als „Tatort“-Kommissar Erfolg haben wird). Die Instru­mente und die Anlage für das cir­ca halb­stündi­ge Konz­ert wur­den von Plan­los gestellt. Anzahl der Zuschauer: 25.

„Auswärtsspiel“ erzählt nun mit Sen­si­bil­ität und Witz die Geschichte dieser Begeg­nung zweier Wel­ten und des ille­galen Punk-Auftritts in sel­te­nen Archivauf­nah­men und aktuellen Inter­views. Wo Film­doku­mente fehlen, wird die Erin­nerung auch mal mit Car­toons nachge­bildet. „Ost-West durch die Brille des Punk“, so erk­lärt Regis­seur Mar­tin Groß den Anspruch seines Films.

Zu den emo­tionalen Höhep­unk­ten gehören die Wiederzusam­men­führung der Musik­er und ein Trib­ute-Konz­ert der Hosen in der Berlin­er Kirche, man sieht Trä­nen glitzern. Die Rolle des Buh­mannes übern­immt ein Ex-Stasi-Mitar­beit­er, der auch auf die Punkszene ange­set­zt war – man fühlt gle­ich­wohl Respekt dafür, dass er sich mit sein­er Sicht der Dinge, die sich bis heute nicht geän­dert hat, ein­er Kam­era gestellt hat, dem Gespräch mit Campino. „Ich bin beteiligt wie viele andere an einem Teil der Sys­temau­seinan­der­set­zung“, sagt der Stasi-Mann über seine Arbeit. „Ich sitze jet­zt auf der Ver­lier­er­seite dieser Sys­temau­seinan­der­set­zung.“ Allein das kurze Gespräch zwis­chen Stasi-Mann Briske und Campino ist das Anse­hen wert.

Heute ist klar, dass der Auftritt der Toten Hosen Anfang der 80er-Jahre zusam­men mit (den später von der Stasi per­fide kalt­gestell­ten) Plan­los für die Ost-Punkszene ein Sig­nal der Sol­i­dar­ität war. Im Film sagt Campino: „Das war so ’ne Art Unter­grundp­fadfind­er­tum, was ich mein Leben lang geil fand.“ Und Plan­los-Drum­mer Lade meint: „Das war alles schon Vor­musik auf den Unter­gang der DDR.“

Nicht nur in der TV-Doku­men­ta­tion fällt auf, wie tief sich die Toten Hosen vor ihren Ost-Kol­le­gen verneigen. „Durch dieses Film­pro­jekt ist zu sehen, was für geniale Typen diese Plan­los-Jungs waren“, bekräftigt Campino. Dass sich die jun­gen Musik­er in der DDR nie haben kor­rumpieren lassen – „das beein­druckt mich nach wie vor“, so der Hosen-Sänger. „Gegen euch sind wir wirk­lich nur ein Kindergeburtstag.“

Und Hosen-Gitar­rist Bre­iti ergänzt: „Dass sie sehr mutig waren und ein viel härteres Pro­gramm hat­ten als wir jemals auch nur annäh­ernd, das war uns immer bewusst. (…) Bei uns war klar: Wenn das Ganze auf­fliegt, dann lan­den wir für eine Nacht in ein­er Arrestzelle und dann wer­den wir wieder raus­geschmis­sen. Aber für alle Leute im Osten hätte das ganz andere Kon­se­quen­zen gehabt.“

Prädikat: Abso­lut sehenswert!

Maidar City

Durch eine Frage in Quiz­du­ell bin ich auf das höchst inter­es­sante Pro­jekt Maid­ar City gestoßen. Maid­ar City, auch Maid­ar Eco City genan­nt, ist ein städte­baulich­es Pro­jekt ca. 30 km Luftlin­ie südlich der mon­golis­chen Haupt­stadt Ulaan­baatar gele­gen. Der Entwurf von Maid­ar City stammt vom Köl­ner Architek­ten Ste­fan Schmitz. Die Stadt soll nach ihrer Fer­tig­stel­lung 280.000 Ein­wohn­er beherber­gen. Das Pro­jekt soll dazu dienen, Ulaan­baatar zu ent­las­ten, das den Zus­trom der Nomaden nicht mehr bewälti­gen kann.

Ein zurzeit im Bau befind­lich­er zen­traler Kom­plex mit Bud­dhas­tat­ue – welche mit 54 Metern Fig­urhöhe größer sein wird als die New York­er Frei­heitsstat­ue – bildet den Mit­telpunkt der neuen Stadt, die nach hohen ökol­o­gis­chen Stan­dards geplant und nach deutschen Stan­dards zer­ti­fiziert wer­den soll.

Wichtig­ster Entwurf­s­gedanke ist die „Stadt der kurzen Wege“. Die Stadt, deren geplante Fläche 114 km² beträgt, wird als Ganzes in ver­schiedene Stadt­teile aufgeteilt sein, die jed­er für sich autonom als Stadt in der Stadt funk­tion­ieren. Die Verteilung der Funk­tio­nen und das Verkehrssys­tem sind so angelegt, dass auf den Gebrauch des pri­vat­en PKWs weit­ge­hend verzichtet wer­den kann. Die Hauptwege der Stadt sind die soge­nan­nten „urban arter­ies“ – Straßen, die auss­chließlich für Fußgänger, Rad­fahrer und öffentliche elek­tro­getriebene Verkehrsmit­tel gedacht sind. Sie verbinden die Zen­tren der einzel­nen Stadt­teile miteinan­der und sind kreuzungs­frei zu den Straßen des motorisierten Verkehrs angelegt. An den „urban arter­ies“ befind­en sich die wichtig­sten Ver­sorgung­sein­rich­tun­gen der Stadt, die max­i­mal 600 m von den Wohnge­bäu­den erre­ich­bar sind. Die Stadt­teile sind durch land­schaftlich gestal­tete Grün­bere­iche getren­nt, die für Freizei­tange­bote, Sport und Erhol­ung genutzt wer­den und im Gegen­satz zu den in ihrem Naturzu­s­tand belasse­nen charak­ter­is­tis­chen Hügeln und Bergkup­pen stehen.
Die Flächen südlich der Stadt wer­den ein­er land­wirtschaftlichen Nutzung zuge­führt, die sich im Laufe der Jahre nach Süden aus­dehnen und dem Vor­drin­gen der Wüste Gobi Ein­halt gebi­eten sollen. Diese Flächen dienen in erster Lin­ie zur Selb­stver­sorgung der neuen Stadt.

Kurzum, ein höchst inter­es­santes Pro­jekt, zu dem es auch eine sehr inter­es­sante Doku aus dem Jahr 2015 zu sehen gibt. Gute Unterhaltung!


Die rechte Wende

© 3sat

Let­zte Woche, gut ver­steckt im Nacht­pro­gramm von 3sat: Die rechte Wende – “Beobach­tun­gen jen­seits der Mitte.: Sie sind Autoren, Ver­lags­be­sitzer, Philosophen, Kün­stler, Stu­den­ten, Kirchen­män­ner und Poli­tik­er. Gebildet, wort­ge­wandt, und gle­ichzeit­ig radikal — Knoten­punk­te im neurecht­en Net­zw­erk zwis­chen AfD und Iden­titär­er Bewe­gung.”. Eine her­vor­ra­gende Doku­men­ta­tion zum neuen recht­en Main­stream, den geisti­gen Vor­denkern, Brand­s­tiftern und Umdeutern. Hier in der Mediathek abrufbar.

Passend dazu ein sehr guter und infor­ma­tiv­er Artikel des Rolling Stone über die Neo­folk-Szene, der mir gestern pos­i­tiv aufge­fall­en ist. Hier in ganz­er Länge.

Unterwegs mit der Volkspolizei

Polizeimeis­ter Koschwitz und Polizeimeis­ter Dings­bums auf Streife in Berlin, Haupt­stadt der DDR. Es geht um Mope­d­fahrer ohne Helm, Trunk­en­heit, Ruh­estörung und Raub zum Nachteil der Groß­mut­ter. In sein­er bräsi­gen Belan­glosigkeit abso­lut sehenswert und Zeug­nis ein­er sicht­bar behäbigeren Zeit.

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