Frank Turner

Im Hexenkessel von Hannover

Unser klein­er Ausflug:

Frank Turn­er & The Sleep­ing Souls
live im Kul­turzen­trum FAUST (60er Jahre Halle)

Am gestri­gen Abend hieß es mal wieder, den Volk­swa­gen zu sat­teln und ihm die Sporen zu geben. Dieses Mal wieder in Rich­tung West­en, über die Lan­des­gren­ze nach Han­nover. Im Kul­turzen­trum Faust spielte Frank Incred­i­ble Turn­er, der Wirbel­wind von der Insel, zum Tanze auf. Die Tick­ets lagen in weis­er Voraus­sicht bere­its seit Monat­en bere­it, was ich gestern Abend als kluge Entschei­dung erwies. Das Konz­ert war ausverkauft und die Schlange am Ein­laß eben­so end­los wie kalt.

Die Anfahrt ver­lief prob­lem­los. Allerd­ings läßt der Straßen­zu­s­tand der Auto­bahn 2 zwis­chen Helm­st­edt-Ost und Peine doch sehr zu wün­schen übrig. Die Auto­bahn ist dort eine Berg- und Tal-Schun­kel-Bahn, was mich umge­hend zu der Erken­nt­nis brachte, daß der Abschwung West weit­er in vollem Gange ist, während die in den let­zten 20 Jahren auf den Boden gestampften Schnell­fahrbah­nen im Osten unseres Vater­lan­des durch eine eben­so glat­te wie ele­gant bitu­mierte Ober­fläche zu überzeu­gen wis­sen. Wie auch immer — wir über­wan­den die Paß- und Visakon­trolle in Marien­born ohne größere Prob­leme und kamen pünk­tlich in Han­nover an. Die Park­platz­suche gestal­tete sich äußerst schwierig und lang­wierig, da das Kul­turzen­trum Faust recht zen­tral in Han­nover-Lin­den gele­gen ist. Schlußendlich fan­den wir dann aber doch noch einen Park­platz, allerd­ings einen, bei dem die hohe Kun­st des zen­time­ter­ge­nauen Ein­parkens gefragt war. Kraft unser­er Wasser­suppe und Lenkbe­we­gun­gen meis­terten wir aber auch diese Hürde.

Am Faust angekom­men, fan­den wir ein­gangs erwäh­nte Schlange vor. Nach gut 15 Minuten waren wir an der Pole Posi­tion ange­langt und prompt wurde uns Ein­laß gewährt. Das Faust gliedert sich in mehrere Objek­te und Lohkäh­schens, wie z. b. die Ware­nan­nahme, die Kun­sthalle und eben die bere­its genan­nte 60er Jahre Halle. Wir betrat­en also let­ztere, holten uns den oblig­a­torischen Stem­pel ab und wur­den nur kurz per Sichtcheck von der (sehr fre­undlichen!) Secu­ri­ty über­prüft. Die Halle ent­pup­pte sich rein größen­tech­nisch eher als mit­tel­großer Schup­pen. Ein LKW wäre dort vielle­icht abstell­bar, oder auch 150 Fahrräder. Aber nur, wenn man sie ordentlich stellt. Immer hüb­sch seit­en­verkehrt — Lenker an Hin­ter­rad und ander­sherum. Konkreter wer­dend, würde ich sagen wollen, daß vielle­icht 300 bis 400 Men­schen in der Halle Platz fänden.

Kurz den Merch-Stand gecheckt (alles bere­its vorhan­den!) und dann erst­mal ein Bier getrunk­en. Zu den Bier­preisen kann ich nichts sagen, da meine Begleitung so fre­undlich war, mich ernährungs- und geträn­ketech­nisch über den Abend zu ret­ten. Im Gegen­zug fuhr ich und spendierte die Tickets.

Nach län­ger­er Warterei und dem oblig­a­torischen Pub­likum­scheck (Alles von 20 bis 40, hoher Frauenan­teil), betrat­en dann auch schon die Her­ren der The Xcerts die Bühne. Geboten wurde wenig orig­ineller Nois­e­rock mit starken Emo-um-das-Jahr-1992-Ein­flüssen. Ganz nett, aber nicht nicht nett genug, als daß ich beispiel­sweise einen Ton­träger der For­ma­tion besitzen wollte.

Nach kurz­er Umbau­pause dann endlich unser angel­säch­sis­ch­er Räch­er aus Win­ches­ter For­est — Frank Amaz­ing Turn­er! Los ging’s mit Eulo­gy vom let­zten Album Eng­land Keep My Bones und von Sekunde 1 an ertönte der viel­stim­mige Chor aus Pub­likum und Frank Unbe­liev­able Turn­er selb­st. Was fol­gte war ein Hit­feuer­w­erk aus zunächst fünf Songs (genaue Setlist wird nachgere­icht!) das kaum Zeit zum Luft­holen ließ. Vielfach reck­ten sich bere­its während den ersten Songs die Fäuste in die Lüfte und stel­len­weise sang das Pub­likum lauter als unser Haup­tak­teur selbst.

Dann erst die Begrüßung des Pub­likums durch Mr. Turn­er. Er erwäh­nte, daß sein erster Solo-Head­lin­er-Ging vor Jahren im Chez Heinz in Han­nover stat­tfand, weshalb er mit der Stadt beson­ders ver­bun­den wäre. Alter Schleimer. Was fol­gte, waren ins­ge­samt 90 Minuten Wahnsinn, Hits und gute Laune, nur unter­brochen durch die elo­quenten Geschicht­en und Anek­doten, die Frank Turn­er zwis­chen­durch zum Besten gab. Immer eingestreut in seine Geschicht­en sind die Worte fuck­ing, fuck, moth­er­fuck­ing, Moth­er­fuck­ers und shit. Das wirkt aber nie pein­lich oder aufge­set­zt, son­dern ein­fach herz­er­frischend und lei­den­schaftlich. Toller Mann, und das sage ich als Heterosexueller.

Dazwis­chen immer wieder die Auf­forderung zum Mitsin­gen, der massen­haft nachgekom­men wurde. Neben­bei gab es ein paar deutsche Sätze, beispiel­sweise wenn Mr. Turn­er das Pub­likum zu noch mehr Ein­satz auf­fordern wollte: “Bizt Du mude? Kannst Du noch? Bizt Du Oster­re­ich­er?”. Was haben wir gelacht!

Vor Glo­ry Hal­lelu­jah (“There nev­er was no god”) entschuldigte er sich beim Pub­likum präven­tiv, falls er irgend­je­man­des religiöse Gefüh­le ver­let­zten sollte. Man solle als Christ, Moslem, What­ev­er halt nicht hin­hören und könne ja später trotz­dem zusam­men ein Bier an der Bar trinken. Kor­rek­te Ein­stel­lung, wie ich finde. Das gle­iche auch in Anspielung auf den Albumti­tel Eng­land Keep My Bones (“Ger­many and Eng­land were in fuckin’ war with each oth­er. But now were friends, aren’t we?). Bei Dan’s Song dann der ulti­ma­tive Höhep­unkt der Pub­likums­beteili­gung — die Air Har­mon­i­ca! Da Mr. Turn­er seine Mund­har­moni­ka im Suff in Aus­tralien ver­loren hat, mußte das Pub­likum ein­sprin­gen. Nach kurz­er Probe und Ein­weisung durch den Meis­ter ging’s dann im entsprechen­den Mund­har­moni­ka-Part von Dan’s Song auch richtig ab: Das gesamte Pub­likum nahm seine imag­inären Mund­har­monikas vor den Mund und es erscholl ein hun­dert­fach­er Jaul- und Jam­mer­chor, was für über­bor­dende Heit­erkeit sorgte.

Mit­ten­drin gab’s noch eine großar­tige Cov­erver­sion von Queens Some­body To Love, das exzel­lente Sons Of Lib­er­ty und “for all the old punks in die audi­ence” das epis­che Love Ire & Song. Dann auch noch das berührende Long Live The Queen, da bleiben bei mir abso­lut keine Wün­sche mehr offen.

90 Minuten waren viel zu schnell vor­bei. Die Zugabe bestand aus Bal­lad Of Me And My Friends und Pho­to­syn­the­sis, welch­es zum aller­let­zten Höhep­unkt wurde. Erneut wurde mas­sive Pub­likums­beteili­gung einge­fordert, und beim Gesang von “I won’t sit down and I won’t shut up and most of all I will not grow up” fühlten wir uns wie eine Armee von beruf­sju­gendlichen Min­der­jähri­gen auf Glück­shormo­nen. Fuckin’ amazing!

Abschließend das Faz­it: Ein famoser Abend mit einem famosen Frank Unfaßbar Turn­er und ein­er großar­tig einge­spiel­ten Band. Eines der besten Konz­erte, daß ich jemals besuchen durfte. Wenn Frank Turn­er in eur­er Nähe spielt, geht hin. Der Mann ist jeden ver­dammten Cent wert.

Wir sehen uns am 2. Dezem­ber in Berlin. 😀

Schall & Wahn

Heute mal wieder ein paar Fotos mein­er Schallplat­ten-Neuer­wer­bun­gen der let­zten Monate. Nicht um anzugeben, wie ein boshafter Kom­men­ta­tor in der let­zten Folge von Schall & Wahn so hanebüchen behauptete, son­dern um euch die Möglichkeit zu geben, sich mit mir zu freuen. 😀 Die Galerie wird fort­laufend erweit­ert und ist immer auf der Foto-Seite der BB zu finden.

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Begin­nen wir mit Iron Chic. Die neue 7″ der amerikanis­chen Buben bewegt sich wie immer stil- und ziel­sich­er im Fahrwass­er des melodiösen Punkrocks auf eine Insel der Glück­seligkeit zu. Zwei Songs auf der B‑Seite die es nur auf dieser Sin­gle gibt. Für mich eine der besten Bands auf dem Gebi­et des emo­tionalen Vollrocks.

Mor­ris­sey hat sein Glam­ouros Glue (wieder)veröffentlicht. Die bei­den 7″, eine davon als Pic­ture-Disc, warten mit exk­lu­siv­en B‑Seiten auf. Eine Maxi-CD gehört auch noch zum Pack­age; find­et hier allerd­ings wegen der Beschränkung auf Vinyl keinen Ein­tritt zum Foto.

Die Sharks schwim­men in der Schnittmenge aus The Gaslight Anthem, The Clash und Fällt­mir­grad­nichtein. Und dort schwim­men sie sehr sehr gut. Sehr hüb­sche siebbedruck­te 7″ von den net­ten Jungs von Cof­fee­breath And Heartache aus Biele­feld. Die wahrschein­lich näch­ste Veröf­fentlichung der Her­ren CAH wird übri­gens der Long­play­er der Ban­quets sein, auf den ich mich schon wie blöde freue.

Die Box­ham­sters sind mit­tler­weile seit Jahrzehn­ten sowas wie meine Haus- und Hof­band. Ein guter Kumpel, auf den man sich immer ver­lassen kann. So auch auf der neuen 7″ Philipp goes to Kinder kriegen, die mit zwei exk­lu­siv­en Titeln aufwartet. Im übernäch­sten Bild fol­gt — unter­brochen durch den fan­tastis­chen Emo-Post-Noise-Rock von Radio Bur­roughs aus Dres­den — das hüb­sch grau mar­mori­erte The­saurus Rex der Ham­ster­buben neb­st Bonus‑7″. Must have!

Agnes Obel kommt aus Däne­mark und verza­ubert jeden Regen­tag mit ihrem melan­cholis­chen und sehr reduzierten Pop. Die Plat­te knis­tert vom ersten Tag an — was das Vergnü­gen ein wenig schmälert.

Zu Dean Dirg schreiben wäre wie zu Architek­tur tanzen. Halt die Schnauze.

Clara Luzia hat nun auch erst­mals (?) Vinyl veröf­fentlicht und dabei keine Kosten und Mühen gescheut. Wun­der­hüb­sches Gate­fold-Cov­er mit mp3-Down­load-Code. Tolles Album auch, weniger pop­pig als der Vorgänger, aber nicht min­der gut.

Zu Frank Turn­er hab ich schon eine Menge geschrieben. Hier kom­men noch ein paar Sätze: Während Rock & Roll als Zwis­chen­mel­dung und Fin­gerübung im schö­nen 10″-Format durchge­ht, fol­gt gle­ich daneben das neue Eng­land Keep My Bones im schnuck­e­li­gen grü­nen Vinyl (750 Exem­plare). Die CD ist zusät­zlich dabei. Außer­dem aus­nahm­sweise mit an Bord: Das Album als Deluxe-CD mit drei Bonus-Tracks. Yum­my, Yum­my, Yummy!

Zwei Tage : Ohne Schnupftabak — So sieht DIY in Vol­len­dung aus. LP, CD, DVD, Plakat, Schnupf­tuch, Feuerzeug, But­ton, Aufk­le­ber. Und dazu noch ein großar­tiges Punkalbum, das lange nach einem eben­bür­tigem Geg­n­er suchen muß. Großes Kino, welch­es von innen wie außen begeistert.

Lei­der war ich beim let­ztwöchi­gen Konz­ert der The Weak­erthans in Berlin ver­hin­dert. Ich hoffe, ihr hat­tet viel Spaß. Nett jeden­falls, daß ihr so fre­undlich wart, und mir die let­zte 7″ von Weak­erthans-Sänger John K. Sam­son mit­ge­bracht habt. 🙂 Übri­gens gab’s beim Ham­burg­er Konz­ert der Schwächer­alse Besuch auf der Bühne: Frank Turn­er sprang bei Pam­phle­teer mit ein. Ein Fest!

Epis­ch­er Postrock aus Schwe­den von Ef. Fan­tastis­ches Dop­pelal­bum mit großar­ti­gen, sphärischen Klän­gen in super­schick­er Auf­machung. In dieser Pre­order-Ver­sion gibt’s davon wohl ganze 100 Stück. Unbe­d­ingt das Album mal antesten, oder ein­fach den let­zten Son­ntag­mor­gen-Song hören. Grandiose Platte!

Social Dis­tor­tion haben das beste Album des ersten Hal­b­jahres abgeliefert. Lei­der hab ich mich an Hard Times And Nurs­ery Rhymes über­hört und laß es erst­mal ’ne Weile ruhen. 1000 gab’s in gelbem Vinyl (bis 100 Dol­lar bei eBay), 2500 in rotem und den Rest in Schwarz.

Ahoj!

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