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Musik

[Review] Iris Romen – Late Bloomer

Hin und wieder bekomme ich E‑Mails mit Review­an­fra­gen, denen ich aller­dings äußerst selten nachkomme. Oft kann ich mit der Musik nichts anfan­gen oder das Genre inter­es­siert mich schlicht­weg nicht.

Im jüngs­ten Fall ist Alex von Water­fall Records an mich heran­ge­tre­ten, und in diesem Falle verliere ich gerne ein paar Worte, hat der gute Alex doch nicht wie üblich digita­les Promo­ge­döns versen­det, sondern mir eine echte LP zukom­men lassen. Noch dazu eine, die mir sehr gut gefällt.

Die Nieder­län­de­rin Iris Romen tritt seit fast 10 Jahren regel­mä­ßig sowohl solo als auch mit Bands auf und spielt zu ihrem Leadge­sang noch Kontra­bass, Fender Rhodes und eine Framus-Gitarre aus den 50er Jahren. Sie war außer­dem 10 Jahre lang Kontra­bas­sis­tin der All-Girl-Country-Band The Runaway Brides, sang mit Ihrer „Ballhaus“-Band vielmals zum Schwoof in Lokalen wie Clärchens Ballhaus, ist Sänge­rin und Kontra­bas­sis­tin in ihrem eigenen Bertolt-Brecht-Projekt (Brecht Festi­val Augsburg, Kurt Weil Fest Dessau), war 13 Jahre lang Sänge­rin in vielen Konzert­häu­sern mit Andrej Hermlin’s Swing­D­ance Band, mehrmals Gastsän­ge­rin der Big Band der Deutschen Oper und spielte zahlrei­che Solo- und Bandauf­tritte im In- und Ausland.

Eine eindrucks­volle Vita also, die sie jetzt mit ihrem zweiten Album krönt.

Late Bloomer ist ein entspann­tes Stück Musik, das sehr gut als – das ist nicht abschät­zig gemeint – Neben­bei­be­rie­se­lung, als auch als hörens­wer­tes Stück Musik in Album­form funktio­niert.

Die Selbst-Klassifizierung in der Country-Sparte hat mich etwas irritiert, ich würde Iris Romen eher in die Ecke Singer/Songwriter-Vintage Pop schie­ben. Sparsam instru­men­tiert, weiter­füh­rend angesie­delt irgendwo zwischen Blues, Jazz und meinet­we­gen etwas Country, gelingt der Sänge­rin die hohe Kunst, bei sehr zurück­hal­ten­der Instru­men­tie­rung dennoch ein inter­es­san­tes Musik­erleb­nis zu schaf­fen.

Der einzige deutsch­spra­chige Titel Filmriss sticht aus dem Album heraus. Ich hätte nichts gegen weitere Titel auf Deutsch gehabt.

Mit Late Bloomer gelingt es der Künst­le­rin, einen perfek­ten Sound­track für einen Sonntag­mor­gen zu schaf­fen. Popmu­sik für Erwach­sene gewis­ser­ma­ßen; oder Popmu­sik für Menschen, die Popmu­sik nicht für ein Schimpf­wort halten.

Late Bloomer erscheint am 26. Juni 2020 auf Water­fall Records und wird von Broken Silence vertrie­ben.

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