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Magdeburg

Carlo Tamborini macht die Haare schön

Carlo Tambo­rini macht die Haare schön. Das tat er schon vor Hunder­ten von Jahren und tut es bis heute. Auf MDR.de berich­tet der Meister der flinken Schere vom letzten Haarschnitt für DDR-Mark:

Ungeach­tet seines klang­vol­len Namens ist Carlo Tambo­rini vor 20 Jahren kein Star-Coiffeur. Dennoch stehen die Menschen im Sommer 1990 Schlange vor dem Salon des Magde­bur­ger Herren­fri­seurs in der Lübecker Straße. Es ist der 30. Juni, der letzte Tag vor der Währungs­union. Die Menschen im Osten wissen: Am nächs­ten Tag werden sie nicht nur die harte D‑Mark, sondern auch härtere Preise haben. Mit einem Herren-Haarschnitt für 1,50 Ost-Mark ist es dann vorbei. Zahlrei­che Ostdeut­sche nutzen die letzte Gelegen­heit, ihren Kopf zum Schnäppchen-Preis in Fasson bringen zu lassen. Allein vor dem Salon Tambo­rini in der Magde­bur­ger Neustadt stehen an diesem Sonnabend Hunderte Männer gedul­dig an. Der Friseur­meis­ter erinnert sich: „Diese Leute wollten alle noch für DDR-Geld die Haare geschnit­ten haben, weil’s immer rumging: Wenn wir Westen werden, müssen wir mehr bezah­len. Deshalb sind sie alle vorher nochmal gekommen.“

Die ganze Geschichte gibt es hier.

© Foto: Carlo Tambo­rini himself/MDR

Martha Müllerchen aus Magdeburg, bitte melde Dich!

Blogger-Kollege Everton sucht nach Verwand­ten seiner Großmutter in Deutsch­land. Der Name der Großmutter lautete Martha Müller­chen (Mueller­chen), geboren wurde die gute Frau am 30. Dezem­ber 1899 in Magde­burg. Sie wanderte im zarten Alter von 14 Jahren nach Brasi­lien aus und kam dort am 1. August 1914 an. Wenn also jemand jeman­den kennt, der vielleicht jeman­den kennt, der jeman­den kennt, der Müller­chen, Mueller­chen, Muelher­chen oder so ähnlich heißt, möge er sich bitte unter everton.santos@uai.com.br bzw. http://mullerchen.blogspot.com/ melden.

Viel Glück und keine Ursache.

In bad english: Everton from Brazil is searching for relati­ves of his Grandma Martha Müller­chen (Mueller­chen). She was born in Magde­burg, Germany on the 30th of Decem­ber in 1899. She moved to Brazil at the age of 14. If there’s someone who knows any details of the Family Müller­chen from Magde­burg please feel free to contact Everton via everton.santos@uai.com.br or http://mullerchen.blogspot.com/. Any help would would be very much appreciated.

Ich war’s nicht!



Mit 17 keine Träume mehr

Aus dem Magde­bur­ger Stadt­ma­ga­zin „DATEs“: Die Kolumne des Monats Oktober. Soooo gut, daß ich mir die Mühe des Abtip­pens gemacht habe und außer­dem sehr neidisch bin, sowas Gutes nicht selbst geschrie­ben zu haben:

In München erschlägt sie auf S‑Bahnsteigen Menschen, in Ansbach läuft sie Amok, in Sachsen-Anahlt wählt sie zu 7% NPD – unsere Jugend ist einmal mehr ins Gerede gekom­men. Die Verant­wort­li­chen schwan­ken bei der Ursachen­be­kämp­fung erneut zwischen einer Verschär­fung des Jugend­straf­rechts und einer Erhöhung der Polizei­prä­senz – und bei der Ursachen­for­schung zwischen dem Konsum media­ler Gewalt­ex­zesse und der allge­mei­nen Perspek­tiv­lo­sig­keit. Gerade letztere freilich ist eine absolute Chimäre. Es möge doch bitte einer der Schwät­zer, die dieses Grati­s­ar­gu­ment perma­nent ins Feld führen, einmal eine deutsche Jugend benen­nen, die über eine bessere Perspek­tive verfügt hat! Es mag ja sein, daß die junge Genera­tion unmit­tel­bar nach der gewon­nen Schlacht im Teuto­bur­ger Wald, dem Einzug von Kaiser Wilhelm in Versailles oder dem Überfall auf Polen die Zukunft rosarot gesehen hat – aber dieser Perspek­tiv­rausch ist doch jeweils recht bald wieder verflogen.

Die heutige Jugend dagegen sieht sehr wohl eine Perspek­tive, auch wenn diese jeden Freigeist mit abgrund­tie­fem Grausen erfüllt: Bei der bundes­wei­ten „U‑18-Wahl“ ist in Sachsen-Anhalt die CDU zur stärks­ten Fraktion gewor­den. Die CDU! Das muß einen freilich nicht wundern, wenn man bedenkt, daß unsere Jugend reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­gen zufolge feste Bindun­gen, sexuelle Treue und Absiche­rung als „sehr wichtig“ empfin­det. Diese Genera­tion würde Abitur- und Hochzeits­feier am liebs­ten gleich zusam­men­le­gen und hat ihr Jugendweihe- oder Konfir­ma­ti­ons­geld wahrschein­lich längst in die Alters­vor­sorge inves­tiert. Diese Genera­tion protes­tiert nicht mehr, sondern unter­wirft sich willen­los dem Konsum­ter­ror. Diese Genera­tion findet Sicher­heit wesent­lich wichti­ger als Freiheit. Diese Genera­tion verschleu­dert ihr Taschen­geld nicht für käufli­che Liebe, Musik und Drogen, sondern für lächer­li­che Marken­kla­mot­ten und Klingel­töne. Sex, Drugs & Rock’n’Roll liefern großar­tige Räusche, aus denen man freilich immer wieder erwacht – aus einem klägli­chen Klingel­ton­rausch erwacht niemand mehr.

Ich habe Angst vor dieser Jugend. Sie steht nun einmal für die Perspek­tive unserer Gesell­schaft – und wenn ich mir vorstelle, daß in diesen sinnlos simsen­den Händen irgend­wann die Geschi­cke unseres Landes liegen werden, dann will ich, wenn es so weit ist, entwe­der im Grab oder in einer unter Palmen aufge­spann­ten Hänge­matte liegen. Und dann will ich mit einer üppigen Rente ausge­stat­tet sein und darum bin ich mit den Sonntags­re­den unserer Politi­ker absolut nicht einver­stan­den: ich bin nämlich sehr wohl dafür, auf dem Rücken dieser Genera­tion weitere Schul­den zu machen. Es können gar nicht genug sein. Bezah­len wir ihnen die Sicher­heit, nach der sie sich so sehr sehnen, und bringen uns vor allem selber in Sicher­heit. Sollen sie ächzen und stöhnen unter der Last dieses Schul­den­ber­ges – das ist eine gerechte Strafe dafür, schon mit 17 CDU gewählt zu haben.

Zwei Loblieder auf die deutsche Eiche

Auf der Homepage des Magde­bur­ger Boxstalls SES kann der inter­es­sierte Leser abstim­men, welcher Song unsere „Deutsche Eiche“ Timo Hoffmann beim Einmarsch in die Prügel­halle beglei­ten soll. Den Song gibt es in zwei Versio­nen, die Musik stammt von einer enorm erfolg­rei­chen, aber leider total unbekann­ten lokalen Rockgröße namens Cross­fire. Als Gast-Vokalisten hat man zum einen die weltbe­kannte Rockröhre Biggi Middel­koop engagiert, zum anderen steht mit Hannes Andratschke wohl einer der größten noch leben­den Speisekammer-Tenöre am Mikro­fon. Falls jemand Schwie­rig­kei­ten hat, die Namen der beiden zu lesen ohne sich die Zunge zu verkno­ten: Das ging mir ganz genauso. Sie sollten heira­ten und den Doppel­na­men Middelkoop-Andratschke tragen… das macht die Sache nochmals deutlich lusti­ger. Doch zurück zum Song:

Neben dem großar­ti­gen, lyrisch wertvol­len und mindes­tens Pulitzer-Preis verdäch­ti­gen Text

DEUTSCHE EICHE / DEUTSCHER BAUM /
SCHLAG AUF SCHLAG / EIN ECHTER TRAUM /
ES TAUMELT DER SCHWACHE / ES FÄLLT DER WEICHE /
NUR FEST IM RING STEHT / UNSERE EICHE /

überzeugt mich der Track auch musika­lisch auf ganzer Linie. Herrlich bratzige Bratgi­tar­ren, ordent­lich Pathos anbei, verbun­den mit der wunder­ba­ren Helft-mir!-ich-habe-künstliche-Hüftgelenke-Performance von Biggi Mittel­kopf und dem scham­lo­sen Rumge­pose von uns Klopper­jung Timo. Toll, toll, toll und wieder ein absolu­ter Synapsen-Burner (Hallo Jens H., leben Sie noch?), bei dem man vor Schreck gar nicht weiß, ob man lachen oder lieber doch wieder kotzen soll. Hier für die ganz Harten beide Videos im Director’s Cut und in voller Pracht, Länge und natür­lich Schönheit:

Biggi Middel­topf & Cross­fire – Deutsche Eiche

Hannes Dinge­rich & Cross­fire – Deutsche Eiche

Wer voten will, soll nun voten gehen. Ich für meinen Teil schäme mich eine Runde fremd.

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