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Nazis

Magdeburger Baseballschlägerjahre

Kurzes, aber sehens­wer­tes Video über die Zustände im Magde­burg der 90er Jahre. Aus der ebenso empfeh­lens­werte ZEIT-Reihe „Baseball­schlä­ger­jahre“.

Macht mich heute noch unglaub­lich wütend und HASSend.

Tag der Befreiung

Der 8. Mai 1945. Tag der Befrei­ung. Nicht „Tag der bedin­gungs­lo­sen Kapitu­la­tion“, nein, „Tag der Befrei­ung des deutschen Volkes vom Hitler­fa­schis­mus“. In der DDR war dieser Tag von 1950 bis 1967 und im Jahr 1985 (zum 40. Jahres­tag) gesetz­li­cher Feier­tag. Ich mußte das nachschla­gen, ich hätte mich wohl fehler­in­nert und diesen Tag grund­sätz­lich als Feier­tag im Gedächt­nis gehabt.

Man kann in Zeiten wie diesen nicht oft genug auf diesen Tag hinwei­sen und an das Ende des Hitler­fa­schis­mus erinnern. Mehr als 13 der Deutschen ist für einen Schluß­strich und damit für ein Ende der Anerken­nung der histo­ri­schen Schuld, bei den AfD-Anhängern sind es sogar sagen­hafte 72 Prozent. Das sind erschre­ckende Wert, die für die Zukunft nichts Gutes verhei­ßen. Aber das ist auch keine neue Erkennt­nis, man sieht ja on- wie offline ganz gut, was sich da überall zusam­men­braut. Eine Querfront-Mischpoke aus Impfgeg­nern, Corona-Leugnern, besorg­ten Bürgern, (Neo)nazis und Friedens­be­weg­ten im Kampf „gegen das System“. Die Grenzen sind fließend gewor­den, unüber­schau­bar und nichts ist mehr verläß­lich einzuordnen.

Anyway, bleibt in euren Köpfen ausge­wo­gen, bleibt kritisch, bleibt auf der Hut und bleibt vor allem überzeugte Antifa­schis­ten. Was ist dieses Land mehr als je zuvor braucht, ist ein breiter gesell­schaft­li­cher Konsens von konser­va­tiv bis links­au­ßen: Nie wieder Faschismus!


Total war is coming

Tag 7889 in der Corona-Isolation für einen Ausflug zum Magde­bur­ger REWE-Markt genutzt. Aus den Lautspre­chern der Markbe­schal­lung erklin­gen Durch­hal­te­pa­ro­len, die wie ein Mix aus Kindergarten-Pädagogik („Wir halten Abstand und schub­sen nicht!“) und Orwell­scher „1984“-Propaganda („Der REWE-Markt bedankt sich für Ihre Mitar­beit. Wir alle halten zusam­men in Zeiten wie diesen.“) besteht.

Drei Plätze vor mir an der Nachbar­kasse fällt mir ein Glatz­kopf mit übermä­ßig stark bedruck­ten Kackkla­mot­ten auf.

Auf der Rückseite seines T‑Shirts die Aufschrift „Fight Club D39“, wobei die „39“ wohl für die Postleit­zahl der Kampf­klub­ber stehen soll. Auf seinem Hinter­kopf „White (Thorsham­mer) Power“, misera­bel tätowiert und nur unter Anstren­gun­gen zu entzif­fern. Während ich darüber nachdenke, ob ich aus den direkt neben mir stehen­den Bierkäs­ten eine Flasche Bier nehmen, und sie gepflegt und mit Schwung über seinen Hinter­kopf ziehen sollte, fallen mir seine unteren Extre­mi­tä­ten auf.

Auf seiner Hose prangt im Halbkreis quer über den Arsch „Total war is coming“. Was mich spontan an ein vermut­lich vorhan­de­nes Diarrhoe-Problem seiner­seits; ihn aber vermut­lich eher an Goebbels’ „totalen Krieg“ erinnert. Für diesen aller­dings, schien er mir aufgrund der teigar­ti­gen Wurst­bro­tig­keit seines Körper­baus denkbar ungeeignet.

Während eine neue Kasse öffnet und die Kassie­re­rin mir ein freund­li­ches „Kommse doch mit rüber!“ entge­gen­wirft, stelle ich fest, was für unglaub­li­ches Geschmeiß doch in dieser unserer Landes­haupt­stadt rumläuft. Vielleicht trifft das Corona­vi­rus ja auch mal die richtigen.

Die gesetzlosen Nachwendejahre – Die Auseinandersetzungen in Behnsdorf im November 1991

1989. Ein Land bricht zusam­men und hinter­läßt nichts außer einem riesi­gen Vakuum. Jeder ist auf der Suche nach Orien­tie­rung, neuen Normen und Werten und mitten in dieser Leere herrschen Rat- und Planlo­sig­keit. Und es herrscht Gewalt. Ein Ereig­nis aus den frühen 90er Jahren ist mir neben dem Tod von Torsten Lamprecht und dem Tod von Frank Böttcher beson­ders in Erinne­rung geblie­ben: Die gewalt­tä­ti­gen Ausein­an­der­set­zun­gen zwischen Neona­zis und linken Jugend­li­chen Ende 1991 in Behns­dorf. Nichts darüber lässt sich im Inter­net finden, weshalb ich mich auf den Weg in Zeitungs­ar­chiv machte und mit diesem Artikel die Vorfälle samt Überfall auf die Music-Hall in Behns­dorf Ende 1991 dokumen­tie­ren möchte.

Nachdem ich im Volksstimme-Archiv die Jahrgänge 1992 und 1993 erfolg­los beackert habe, mußte ich von meiner trüge­ri­schen Erinne­rung Abstand nehmen – ich hatte die Ereig­nisse in Behns­dorf zeitlich in diesen beiden Jahren veror­tet – und mich dem Jahr 1991 widmen. Im Novem­ber wurde ich fündig.

Die Ausein­an­der­set­zun­gen in der und um die Music-Hall Behns­dorf fanden in der Nacht vom 2. auf den 3. Novem­ber 1991 statt. Dem voraus­ge­gan­gen war eine lange Kette von gewalt­tä­ti­gen Übergrif­fen durch Neona­zis im Großraum Haldensleben.

ZeitungDie Music-Hall war ein zur Disco­thek umfunk­tio­nier­tes altes LPG-Gebäude, das von einem gewis­sen Manfred Kurth ab dem August 1990 betrie­ben wurde. Es wurde recht schnell auch zum Sammel­be­cken für Neona­zis aus dem Raum Haldens­le­ben, Magde­burg und Wolfs­burg. Nazis im seiner­zeit typischen Outfit – Bomber­ja­cke, Sprin­ger­stie­fel, die obliga­to­ri­schen Aufnä­her – waren damals im Straßen­bild und eben auch in Disco­the­ken völlig normal. Aus dem Umfeld der Music-Hall gab es erste Übergriffe auf Menschen, deren Gesich­ter den Nazis nicht passten. Es reichte damals völlig aus, irgend­wie anders auszu­se­hen oder sich „anders“ zu verhal­ten. Man mußte kein Punk sein, um auf die Fresse zu bekom­men. Alles, was nicht ins klein­geis­tige Weltbild unserer ewiggest­ri­gen Freunde passte, wurde gnaden­los wegge­prü­gelt. Auch ich hatte bereits 1990 das Vergnü­gen, zusam­men mit einem Kumpel im Anschluß an das legen­däre Rotten To The Core-Festi­val von 5 Glatzen überfal­len worden zu sein… aber zurück zum Thema.

Nach einer Reihe von Überfäl­len und Körper­ver­let­zun­gen auf Punks und andere Jugend­li­che wurde zunächst zum Boykott der Music-Hall aufge­ru­fen. Ein paar Tage später sammel­ten sich an der Disco­thek „Pleite­geier“ im benach­bar­ten Flecht­in­gen mehrere Dutzend junge Menschen und beschlos­sen, die Music-Hall im benach­bar­ten Behns­dorf zu überfal­len und den Nazis eine ordent­li­che Abrei­bung zu verpassen.

Es kam zu massi­ven Körper­ver­let­zun­gen, Ausschrei­tun­gen und Zerstö­run­gen. Ich kann mich erinnern, gerüch­te­weise von Toten gehört zu haben; dazu ließ sich aller­dings nichts finden. Laut Augen- und Ohren­zeu­gen war es ein babari­sches Schau­spiel apoka­lyp­ti­scher Gewalt; und zwar auf beiden Seiten. Ich bin dazu mit 2 Menschen im Gespräch, die dabei waren. Vielleicht folgt ja später noch ein Inter­view oder ein Augenzeugenbericht.

Vorerst jedoch sind in nachfol­gen­der Galerie die Ereig­nisse – aus Sicht der Volksstimme-Redakteur*innen natür­lich – dokumen­tiert. Außer­dem geben die Artikel einen guten Eindruck davon, wie boule­var­desk und auf der Suche nach journa­lis­ti­schem Niveau die Lokal­presse damals war. Man hatte wohl große Angst, die Abo-Kunden laufen in Richtung BILD davon… Inter­es­sant auf jeden Fall, die völlig sinnfreien Antwor­ten der befrag­ten „rechten Jugend­li­chen“, die Flugblät­ter der „AFA-HDL“, oder die Bemühun­gen vom damali­gen Bürger­recht­ler Hans-Jochen Tschi­che – alles in der Galerie zu lesen.

Gute Unter­hal­tung, soweit man bei diesem Thema von Unter­hal­tung reden kann.



Die Gedenkstätte Buchenwald

Kurz vor dem Jahres­wech­sel hat es uns nach Thürin­gen verschla­gen. Erfurt ist wirklich eine schöne Stadt; bräuchte es ein Muster­bei­spiel für den „Aufbau Ost“, sollte man Erfurt zu Rate ziehen. Am letzten Tag unseres Kurzur­lau­bes waren wir die Gedenk­stätte Buchen­wald auf dem Gelände des ehema­li­gen Konzen­tra­ti­ons­la­gers besuchen. Ich war bereits 1986 dort, auf der obliga­to­ri­schen Klassen­fahrt der 8ten Klassen einer jeden DDR-Schule. Gänzlich unbekannt war mir der Fakt, das das Lager noch bis 1950 von der Sowjet­union als Gefan­ge­nen­la­ger genutzt wurde. Auch der beinahe vollstän­dige Abriß fast aller Gebäude wurde uns auf einer Führung damit erklärt. Die Sowjets wollten jedes Zeugnis ihres Lagers vernich­ten. Die Nutzung des Lagers bis 1950 wurde in der späte­ren DDR komplett totge­schwie­gen, ich hatte nie davon gehört.

Eindring­lich darge­stellt werden die Zeugnisse der Naziherr­schaft. Ob Krema­to­rium, Fleckfieber-Versuche an Häftlin­gen, eine getarnte Genick­schuß­an­lage oder der ans Lager grenzende Zoo für ein bißchen Enter­tain­ment neben der Folter­herr­schaft – der übrigens auch für die Weima­rer Bevöl­ke­rung geöff­net war – die Eindrü­cke dort sind bedrü­ckend. Im ehema­li­gen Gebäude der Effekten‑, Kleider- und Geräte­kam­mer gibt es eine mehr als sehens­werte Ausstel­lung zur Geschichte des Lagers von 1937 – 1950 zu sehen. Für den Besuch allein der Ausstel­lung sollte man als Interessierte/r mindes­tens 2 Stunden einpla­nen. Neben jeder Menge Anschau­ungs­ma­te­rial und Original-Dokumenten gibt es eine exzel­lent aufbe­rei­tete und chrono­lo­gisch angelegte Zeitachse „abzulau­fen“, auf deren Verlauf man die Lager­ge­schichte vom Bau bis zum Ende bis ins Detail verfol­gen und begrei­fen kann.

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Wieder zuhause, habe ich reich­lich Wikipedia-Artikel zum Thema verschlun­gen. Wer weiter­le­sen möchte, dem seien die Artikel über den 1. Lager­kom­man­dan­ten Karl Koch, seine Frau Ilse, die Stadt Weimar zur Nazizeit empfohlen.

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